Berg-Anoa

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Berg-Anoa

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
Gattung: Asiatische Büffel (Bubalus)
Art: Berg-Anoa
Wissenschaftlicher Name
Bubalus quarlesi
Ouwens, 1910

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Berg-Anoa (Bubalus quarlesi) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Asiatischen Büffel (Bubalus). Im Englischen wird der Berg-Anoa Mountain Anoa genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Berg-Anoa erreicht eine Körperlänge von rund 150 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 24 Zentimeter, Schulterhöhe von 70 Zentimeter, eine Hornlänge von 15 bis 20 Zentimeter sowie ein Gewicht von durchschnittlich 150 Kilogramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. In der Körperform ähnelt der Berg-Anoa sehr stark dem Flachland-Anoa (Bubalus depressicornis), der jedoch größer und schwerer wird. Das wollige Fell weist eine schwarzbraune Färbung auf und verfügt über eine dichte Unterwolle. Ventral ist das Fell nur unwesentlich heller gefärbt. Helle Punkte oder Flecken können sich an den Kopfseiten und oberhalb der Hufe zeigen. Die Hörner sind ausgesprochen glatt und weisen einen kreisrunden Querschnitt auf. Beide Geschlechter verfügen über ähnlich lange Hörner.

Lebensweise

Die tagaktiven Berg-Anoas leben einzelgängerisch oder paarweise und sind gelegentlich auch in kleinen Herden anzutreffen. Die Hauptaktivität entfalten die Tiere am Vormittag, insbesondere in den frühen Morgenstunden. Während dieser Zeit gehen sie auch auf Nahrungssuche. Während der Ruhephasen halten sich Berg-Anoas im Schutze von Bäumen oder dichter Vegetation auf. In den meisten Regionen auf Sulawesi halten sich Berg-Anoas in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer auf. Dichte Ufervegetation bietet meist ausreichend Schutz. An den Ufern von Flüssen oder Seen nehmen die Tiere täglich Bäder oder Schlammbäder. Auch kleinere Lachen können hier dienlich sein. Treten Berg-Anoas in Herden auf, so herrscht eine strikte Hierarchie, die vom stärksten Bullen dominiert wird. Unter gleichstarken Bullen kommt es dabei unter Umständen zu heftigen Gefechten, die mit den Hörner, Kopfstößen oder Stößen in die Flanken ausgefochten werden. Unterlegene Bullen ordnen sich unter oder verlassen die Gruppe.

Verbreitung

Berg-Anoas sind auf Sulawesi endemisch. Hier leben sie zurückgezogen in bewaldeten Bergregionen in Höhenlagen zwischen 500 und 1.000, lokal auch bis 2.000 Metern. Sulawesi gehört zu Indonesien und liegt zwischen Borneo und Neuguinea. Bei den Wäldern handelt es sich meist um montane Regenwälder, die sich entlang von Gewässern erstrecken. Lichtungen und Bergwiesen werden zur Nahrungsaufnahme aufgesucht.

Lebensraum der Berganoas auf Sulawesi
vergrößern
Lebensraum der Berganoas auf Sulawesi

Ernährung

Als reine Pflanzenfresser ernähren sich Berg-Anoas von Blättern, Farnen, Gräsern und gelegentlich Früchten. Eine Studie in einem Nationalpark auf Sulawesi hat ergeben, dass sich Berg-Anoas von rund 25 verschiedene Pflanzen ernähren. Dazu gehören beispielsweise verschiedenste Süßgräser (Poaceae) wie Panicum trichoides und Paspalum conjugatum, aber auch Sauergrasgewächse (Cyperaceae) wie Seggen (Carex). Aber auch verschiedene Farne der Familie der Wimperfarngewächse (Woodsiaceae) werden gerne gefressen. Des weiteren stehen auch die Früchte und Sämerein oder Blätter von Scheinkastanien (Castanopsis), Aronstabgewächsen (Araceae), Leberbalsam (Ageratum), Salbei (Salvia), Schraubenbäume (Pandanus), Brom- und Himbeeren (Rubus), Weinrebengewächse (Vitaceae) und ähnlichen Gewächsen stehen weit oben auf der Speisekarte. Die Hauptnahrung setzt sich aus Blättern und Gräsern zusammen. Auf Nahrungssuche gehen Berg-Anoas vorzugsweise in den frühen Morgenstunden und am Vormittag.

Fortpflanzung

Der Berg-Anoa erreicht die Geschlechtsreife gegen Ende des zweiten Lebensjahres. Männchen brauchen für das Erreichen der Geschlechtsreife deutlich länger, vor allem weil sie in jungen Jahren in den Rivalenkämpfen nicht bestehen können. Aufgrund des tropischen Verbreitungsgebietes erstreckt sich die Fortpflanzungsperiode über das ganze Jahr. In einer Saison kommt es nur zu einem Wurf. Die Tiere leben wahrscheinlich monogam, Männchen begatten eher selten mehrere Weibchen einer Herde. Nach einer Tragezeit von 275 bis 315 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein Jungtier zur Welt. Das Ablegen der Jungtiere erfolgt dabei an einer geschützten Stelle. Ein Jungtier kann unmittelbar nach der Geburt stehen und der Mutter folgen. Während der nächsten sechs bis neun Monate werden Jungtiere von den Müttern gesäugt. Mit Erreichen der Selbständigkeit nehmen sie bereits ab ein bis zwei Monaten die erste feste Nahrung zu sich. In Freiheit können Berg-Anoas ein Alter von bis zu 20 Jahren erreichen. In Gefangenschaft ist eine Lebenserwartung von bis zu 30 Jahren möglich.

Gefährdung und Schutz

Wie viele endemische Tierarten auf Sulawesi zählt auch der Berg-Anoa mittlerweile zu den stark gefährdeten Tierarten. Die Hauptgründe liegen auf der Hand: die massiv steigende Bevölkerung auf Sulawesi benötigt nicht nur neuen Siedlungsraum sondern auch Fleisch. Die tropischen Regenwälder werden seit Jahrzehnten weitflächig gerodet und die Berg-Anoas wegen ihres Fleisches gejagt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art mittlerweile als stark gefährdet (EN, Endangered) geführt. das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet den Berg-Anoas in Anhang I des Abkommens.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

'Persönliche Werkzeuge