Bergbilchbeutler

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Bergbilchbeutler

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Überordnung Australidelphia
Ordnung: Diprotodontia
Familie: Bilchbeutler (Burramyidae)
Gattung: Bergbilchbeutler (Burramys)
Art: Bergbilchbeutler
Wissenschaftlicher Name
Burramys parvus
Broom, 1896

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Bergbilchbeutler (Burramys parvus) zählt innerhalb der Familie der Bilchbeutler (Burramyidae) zur Gattung der Bergbilchbeutler (Burramys). Im Englischen wird die Art Mountain Pygmy Possum, Broom's Pygmy-possum oder Burramys genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Ihren Ursprung hat die Familie der Bilchbeutler im späten Miozän. Die ältesten Funde weisen ein Alter von gut 16 Millionen Jahren auf und wurden in Australien gefunden. Die Familie der Bilchbeutler besteht aus 2 Gattungen mit insgesamt 5 rezenten Arten (Nowak, 1999).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Bergbilchbeutler erreichen eine Körperlänge von 101 bis 130 mm, eine Schwanzlänge von 131 bis 160 mm sowie ein Gewicht von 30 bis 60 g. Mit diesen Maßen ist der Bergbilchbeutler die größte Art innerhalb der Familie der Bilchbeutler (Burramyidae). Das dichte und feine Fell weist eine graubraune Färbung auf, ventral zeigt sich eine cremefarbene Färbung. Die Augen sind groß und nach vorne gerichtet. Die Ohren sind leicht behaart, groß und stehend. Die Hinterfüße sind syndaktyl (Fehlbildung der Körperglieder durch Verwachsung) und mit Klauen versehen. Das Gebiss ist diprotodont, die Größe der Zähne ist deutlich reduziert. Der fast nackte Schwanz dient den Tieren als Greiforgan. Weibchen verfügen über einen gut definierten Beutel (Nowak, 1999).

Lebensweise

Bergbilchbeutler sind nachtaktiv und leben auf dem Boden. Dennoch gelten die Tiere als gute Kletterer. Sie klettern meist nur in niedrigen Sträuchern, nicht jedoch in größeren Bäumen. Die Art ist sozial, die Tiere leben in kleinen Gruppen mit mehreren Individuen. Während der Ruhephasen liegen die Tiere dicht zusammen und rollen sich kugelartig ein. Im Winter ist die Art mehr oder weniger inaktiv. Die Tiere können in einen bis zu 3 Wochen andauernden Torpor fallen. Ein Torpor ist ein physiologischer Schlafzustand, bei dem der Stoffwechselprozess auf ein Minimun heruntergefahren wird (Nowak, 1999).

Verbreitung und Lebensraum

Bergbilchbeutler sind im Gebirgszug des südöstlichen Australiens endemisch. Die Art tritt dabei in 3 kleinen Populationen auf, die mangels Kontakt untereinander eine unterschiedliche genetische Struktur aufweisen. Eine Population lebt zwischen den Bergen Mt. Bogong und Mt. Higginbotham (Victoria), eine weitere am Mt. Buller (Victoria) und die dritte Population lebt in der Region von Kosciuszko in New South Wales. Das gesamte Verbreitungsgebiet erstreckt sich über kaum 7 km². Bergbilchbeutler leben in Höhen von 1.300 bis 2.228 m über NN. Man schätzt den aktuellen Gesamtbestand der 3 Populationen auf 2.250 Individuen. Davon sind 550 Männchen und 1.700 Weibchen. Die Bestände sind stetig rückläufig. Die Tiere leben in alpinen Regionen auf Geröllfeldern und an den Rändern von Wäldern mit meist Steineiben (Podocarpus lawrenceii) sowie in alpinen Heidelandschaften (vergl. Osborne et al., 2000; Broome, 2008; IUCN, 2011).

Ernährung

Bergbilchbeutler ernähren sich sowohl von tierischer als auch von pflanzlicher Kost. Die Nahrung variiert dabei saisonal sehr stark. Im Spätsommer und Herbst fressen die Tiere überwiegend Früchte. Im Frühjahr und Sommer stehen Insekten (Insecta) wie Käfer (Coleoptera) sowie andere Gliederfüßer (Arthropoda) wie Tausendfüßer (Myriapoda) und Spinnentiere (Arachnida) weit oben auf der Speisekarte. Besonders häufig werden die Motten der Bogong-Falter (Agrotis infusa) gefressen. Im Winter zehren die Tiere unter der Schneedecke im Torpor von ihren Fettreserven und von eigelagerten Sämereien (Mansergh & Broome, 1994; Nowak, 1999).

Fortpflanzung

Zu den Geburten kommt es im Frühjahr mit eintretender Schneeschmelze. Ein Wurf besteht für gewöhnlich aus 4 Jungen. Kommen mehr Junge zur Welt, so sind diese aufgrund der Anzahl an Zitzen zum Sterben verurteilt. Die reine Tragezeit beträgt 16 Tage. Ein Weibchen verfügt über 4 Zitzen. Männchen leben einzelgängerisch und treffen nur zur Paarung auf die Weibchen. Die Verweildauer im Beutel liegt bei etwa 4 Wochen. Die Jungen bleiben nach Verlassen des Beutels noch mindestens einen Monat im Nest der Mutter. Die Selbständigkeit wird im Alter von 2 bis 2,5 Monaten erreicht. Die Lebenserwartung liegt unter güstigen Umständen bei bis zu 12 Jahren (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Bilchbeutler ist heute vom Aussterben bedroht. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie CR, Critically Endangered geführt. Der Lebensraum ist äußerst klein und zudem durch Straßen und Skipisten stark fragmentiert. Buschfeuer im Sommer sowie verwilderte Hauskatzen (Felis catus) und Rotfüchse (Vulpes vulpes) stellen eine zusätzliche Gefahr dar (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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