Berggorilla

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Berggorilla
Dominanter Silberrücken - Oberhaupt einer Familie

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mamalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Altweltaffen (Catarrhini)
Familie: Menschenaffen (Hominidae)
Gattung: Gorillas (Gorilla)
Art: Berggorilla
Wissenschaftlicher Name
Gorilla beringei
Matschie, 1914

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Berggorilla (Gorilla beringei) gehört innerhalb der Familie der Menschenaffen (Hominidae) zur Gattung der Gorillas (Gorilla). Der Berggorilla wird heute als eigene Art Gorilla beringei angesehen. Ursprünglich wurde er als Unterart des Gorilla (Gorilla gorilla) unter der Bezeichnung Gorilla gorilla beringei geführt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Ein Berggorilla erreicht eine Körperlänge von 150 bis 175 Zentimeter sowie ein Gewicht von 60 bis 270 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner als Männchen. Sie erreichen meist nur eine Körperlänge von 150 Zentimeter und ein Gewicht von 60 bis 130 Kilogramm. Das Fell ist im wesentlichen schwarz gefärbt. Die Behaarung ist deutlich länger als beim Gorilla (Gorilla gorilla). Die längsten Haare sind im Bereich der Arme zu verzeichnen. Der Körperbau ist ausgesprochen massig und kräftig ausgeprägt. Dies gilt vor allem für die Männchen, insbesondere für einen Silberrücken, dem Oberhaupt einer Familie. Bei ihm ist der Rücken leicht silbrig gefärbt. Auch Größe und Statur sind beim Silberrücken deutlich stärker ausgeprägt. Berggorilla bewegen sich im Knöchelgang fort. Sie gehen dabei auf den Beinen und stützen sich mit den Knöcheln der Arme auf dem Boden ab. Die Arme sind deutlich länger als die Beine. Das Gesicht ist im Bereich der Augen und der Nase unbehaart, die Haut ist tiefschwarz. Die Augen liegen tief in den Augenhöhlen, die Nase ist stark abgeflacht. Die Iris der Augen ist orangefarben.

Verhalten

Berggorillas leben in sozialen Haremsgruppen. Eine Gruppe besteht aus einem dominanten Silberrücken, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs. Gelegentlich besteht eine Gruppe auch aus mehreren Männchen, diese sind dann in der Regel nahe miteinander verwandt. Paarungsberechtigt ist allerdings auch in diesen Fällen nur der Silberrücken. Eine Gruppe besteht meist aus 10 bis 25 Individuen. Gruppenstärken von über 20 Tieren sind allerdings selten.

Weibchen
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Weibchen

Innerhalb einer Gruppe herrscht eine strikte Rangfolge, in der sich alle Mitglieder einem Silberrücken unterordnen. In der Rangfolge stehen Jungtiere ganz unten. Auch innerhalb der Weibchen gibt es eine Rangfolge. Die Rangfolge ergibt sich aus dem Alter eines Weibchens und wie lange es schon in er Gruppe verweilt. Innerhalb der Jungtiere dominieren die älteren über die jüngeren. Der Silberrücken führt die Gruppe zu Nahrungsplätzen und beschützt sie auch vor Bedrohungen. Bei Bedrohung richtet er sich auf und trommelt mit seinen Fäusten auf seiner Brust. Wird ein Silberrücken durch einen anderen abgelöst, so kommt es nicht selten zur Kindestötung. Dies ist beispielsweise auch in einem Löwenrudel der Fall. Ein neuer Anführer einer Gruppe duldet keinen Nachwuchs seines Vorgängers in seiner Gruppe. Erreichen Jungtiere die Geschlechtsreife, so schließen sie sich anderen Gruppen an. In der Geburtsgruppe verbleiben sie in der Regel nicht.

Berggorillas sind tagaktiv und verbringen die meiste Zeit vom Tag mit der Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme. Sie besetzen im Grunde kein festes Revier sondern beanspruchen lediglich ein Streifrevier, in dem sie umherwandern. Pro Tag legen Berggorillas zwischen 500 und 3.000 Metern an Wegstrecke zurück. Die Streifreviere können eine Größe von über 30 Quadratkilometer aufweisen.

Berggorillas sind ausgesprochen friedliche Primaten. Wahrscheinlich die friedlichsten aller Primaten. Es gibt nur selten Streit innerhalb einer Gruppe. Die sozialen Bande spielen eine große Rolle und werden durch gegenseitiges Interagieren gefestigt. So zählt beispielsweise auch die gegenseitige Fellpflege zum Sozialleben. Droht allerdings Gefahr von außen, so weiss ein Silberrücken sich und seine Gruppe zu verteidigen.

Verbreitung

Der Berggorilla lebt im Dreiländereck der Demokratischen Republik Kongo, Uganda und Ruanda. Er lebt ausschließlich in den Bergregenwäldern, die bis in Höhen von gut 4.000 Metern über NN. reichen. Berggorillas leben fast ausschließlich terrestrisch. Eher selten steigen sie in Bäume. Ausgewachsene Männchen können alleine wegen ihrem hohen Gewicht nicht mehr klettern. Demzufolge suchen sie ihre Nahrung ausschließlich am Boden.

Gefährdung und Schutz

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Seit Jahrzehnten steht der Berggorilla auf der Liste der kritisch bedrohten Arten. Heute droht die Ausrottung stärker denn je. In der Roten Liste der IUCN wird der Berggorilla seit Jahren als kritisch gefährdet geführt. Die Gefährdungsfaktoren sind vielfältig. Die tropischen Bergregenwälder werden seit Jahrzehnten abgeholzt. Internationale Holzkonzerne stehen hier in erster Reihe. Dadurch schrumpft der natürliche Lebensraum der Primaten zusehens. Berggorillas werden von der einheimischen Bevölkerung massiv bejagt. Teile der Tiere wie die Hände landen zu horrenden Preisen auf den chinesischen Fleischmarkt. Das Fleisch landet als sogenanntes Bushmeat auf den Tellern der Bevölkerung. Das sich die Bevölkerung dabei zu Kannibalen macht, scheint keinem klar zu sein oder wird verdrängt. Mangelnde Bildung und die fehlende Demut gegenüber der Natur scheinen die Hauptgründe zu sein. Das Bushmeat gelangt durch die Lastwagen der Holzfäller in die Dörfer und Städte. Aber auch die andauernden Auseinandersetzungen und Kriege in der Region, insbesondere in Ruanda und dem Kongo bedrohen den Berggorilla zusätzlich. Der nötige Schutz der Art kann während Kriegszeiten kaum sichergestellt werden.

Eine weitere Bedrohung ist der unkontrollierte Abbau von Coltan. Coltan (auch Koltan) ist ein Erz, dessen Hauptlagerstätte in Zentralafrika liegt und aus dem vorrangig das Metall Tantal (Ta) gewonnen wird. Das Metall Tantal wird wegen seiner hohen Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit in der Industrie vielfältig eingesetzt, unter anderem zur Herstellung von chirurgischen Instrumenten und in der Hochvakuumtechnik. Es wird auch in der Mikroelektronik für die Produktion von kleinsten Kondensatoren mit hoher elektrischer Kapazität verwendet, die zum Beispiel in Mobiltelefonen und Laptops eingesetzt werden. Gravierende Umweltschäden sind die Folge. Unter anderem werden größere Flächen des schon stark reduzierten Lebensraumes der Berggorillas weiterhin zerstört. <1>

Ein weiterer Gefährdungsfaktor, der nicht unterschätzt werden darf, ist die Tatsache, dass durch den Kontakt zum Menschen, insbesondere durch Touristen, die Berggorillas an Krankheiten erkranken. Da der Berggorilla nahe mit dem Menschen verwandt ist, erkrankt er auch an die gleichen Krankheiten wie der Mensch. Im Jahre 2003/2004 starb ein Großteil der Population an Ebola (Infektionskrankheit), die vom Menschen auf die Gorillas übertragen wurde. Man schätzt die Bestände der Berggorillas heute auf lediglich 600 bis 700 Tiere. Die Tendenz ist dabei weiter sinkend.

Jungtier
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Jungtier

Ernährung

Der Berggorilla ist ein reiner Vegetarier. Blätter, junge Triebe und Knospen, Blüten, Rinde, Pflanzenstängel und deren Mark, Früchte sowie Wurzeln und Knollen zählen zur Hauptnahrung. Ihre Nahrung suchen Berggorillas fast ausschließlich am Boden. Weibchen und Jungtiere begeben sich gelegentlich zur Nahrungssuche in die Bäume, erwachsene Männchen suchen ihre Nahrung ausschließlich am Boden. Berggorillas fressen auch ihren eigenen Kot oder würgen schon verdaute Nahrung hoch und fressen sie erneut. So ziehen sie auch die letzten Nährstoffe aus der Nahrung. Die Nahrungssuche und -aufnahme nimmt in etwa die Hälfte des Tages ein.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Berggorillas erreichen die Geschlechtsreife mit rund acht bis neun Jahren. Die Männchen sind erst mit zwölf bis fünfzehn Jahren geschlechtsreif. Berggorillas leben in Haremsgruppen, in der nur der dominante Silberrücken ein Recht auf Paarung mit den Weibchen inne hat. Die Paarungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden. Ein Weibchen bringt im Schnitt nur alle vier Jahre ein Jungtier zur Welt.
Weibchen mit Jungtier
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Weibchen mit Jungtier

Zwillingsgeburten sind zwar dokumentiert, sind aber sehr selten. Zwillinge hätten in Freiheit auch kaum eine Überlebenschance. Die Tragezeit erstreckt sich über einen Zeitraum von 240 bis 280 Tagen. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 1.800 und 2.200 Gramm. Die Sterblichkeit der Jungtiere liegt im ersten Lebensjahr bei rund einem Viertel. Die Grunde sind vielfältig. Zum einen raffen Krankheiten viele Jungtiere dahin und zum anderen ist auch die Kindstötung durch Silberücken nicht zu vernachlässigen. Dies tritt auf, wenn ein Silberrücken durch einen anderen abgelöst wird oder ein Weibchen mit ihrem Nachwuchs die Gruppe wechselt. Auch durch ausgelegte Fangschlingen sterben viele Jungtiere, die sich aus solchen Fallen kaum befreien können. Diese Fallen werden von Wilderen ausgelegt um Gorillas zu fangen. Der Tod in diesen Fall ist qualvoll.

Die Kindheit eines Jungtieres ist, wenn es denn überlebt, nicht wirklich rosig. Die Mütter säugen ihren Nachwuchs zwar und tragen ihn auch. Aber so richtig innige Liebe zum Nachwuchs will nicht aufkommen. Gespielt wird mit den kleinen überhaupt nicht. Auch ältere Kinder drangsalieren die Kleinen nicht selten. Die Säugezeit erstreckt sich über zwei bis drei Jahre. Jedoch nehmen sie schon recht früh, meist einjährig auch pflanzliche Nahrung zu sich. Ein Weibchen kann bis ins hohe Alter Nachwuchs zur Welt bringen. So kann es sein, dass sie in ihrem Leben sechs bis acht Jungtiere auf die Welt bringt. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei 25 bis 35 Jahren. In Gefangenschaft ist ein Alter von bis zu 50 Jahren möglich.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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