Bermuda-Sturmvogel

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Bermuda-Sturmvogel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Sturmvögel (Procellariidae)
Gattung: Hakensturmtaucher (Pterodroma)
Art: Bermuda-Sturmvogel
Wissenschaftlicher Name
Pterodroma cahow
(Nichols & Mowbray, 1916)

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Bermuda-Sturmvogel (Pterodroma cahow) zählt innerhalb der Familie der Sturmvögel (Procellariidae) zur Gattung der Hakensturmtaucher (Pterodroma). Im Englischen wird der Bermuda-Sturmvogel bermuda petrel oder cahow genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Bermuda-Sturmvogel ist ein mittelgroßer, lang-geflügelter, bräunlich-grauer und weißer Sturmvogel. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 38,0 Zentimeter und eine Spannweiste von etwa 89,0 Zentimeter. Bis hin zu den Augen zeigt sich eine bräunlich-schwarze Kappe, die von hellen Augenbrauen unterbrochen wird. Ferner ist der Nacken von einer bräunlichen Färbung, die bis in Richtung des oberen Brustbereiches verläuft und teilweise einen Kragen bildet. Der Mantel, die oberen Flügeldecken und der Schwanz weisen eine bräunlich-graue Tönung auf. Die Schwanzunterdecken bilden ein schmales weißes Band. Die Unterseite ist völlig weiß gefärbt. Die Flügelunterseiten sind von einer weißen Tönung und sind mit schmalen schwarzen Hinterkanten und schwarzen Spitzen besetzt. Der Schnabel weist eine schwarze Färbung auf. Die Beine sind pinfarben geschönt und die Füße sind proximal rosafarben und distal schwarz getönt. Der Bermuda-Sturmvogel weist große Ähnlichkeit mit dem Teufelssturmvogel (Pterodroma hasitata) auf, jedoch ist die letztgenannte Art größer und ist mit einem weißen Hinterkopf und einem umfangreicheren weißen Steiß gezeichnet, jedoch kann man beide Arten auf See unmöglich voneinander trennen. Der Große Sturmtaucher (Puffinus gravis) weist ebenfalls eine große Ähnlichkeit mit dem Bermuda-Stuirmvogel auf, jedoch ist der Große Sturmtaucher (Puffinus gravis) größer, dunkler und weniger kontrastreich in der Färbung und oben fehlt der schwarze Rand an den Flügelunterseiten. Ferner sind die Flügelschläge langsamer und berechenbarer im Flug.

Lebensweise

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Laut der Roten Liste der IUCN konnte der Bermuda-Sturmvogel seine Erdhöhlen früher selbst graben, aber solch einen Lebensraum ist auf den aktuellen Brutinseln nicht mehr vorhanden. Die Höhlen werden jetzt in suboptimalen, natürlichen erodierten Kalkstein-Felsspalten künstlich angelegt. Die Brutzeit erfolgt von Januar bis Juni und der Bruterfolg lag in den 1950er Jahren bei weniger als 5% pro Jahr und in den 1990er Jahren bei mehr als 25% pro Jahr. Beringte Individuen haben gezeigt, dass sie erst nach vier Jahren wieder zur Brutkolonie zurückkehren. Die Brutplätze werden von den Vögeln zwischen Mitte Juni und Mitte Oktober aufgesucht. Aufzeichnungen haben gezeigt, dass die Vögel bei der Nahrungssuche eine Strecke von über 5.000 Kilometer zurücklegen und von der Inselgruppe Bermuda aus verschiedene Routen wählen, aber in der Regel überqueren sie bei der Nahrungssuche den Golfstrom.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN brütete diese Art häufig und erfolgreich auf der ganzen Inselgruppe Bermuda. Man nahm fast drei Jahrhunderte lang an, dass die Art ausgestorben sei, bis ein Exemplar in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gesichtet wurde. Im Jahr 1951 wurden 18 Brutpaare auf den suboptimalen Felseninseln (Gesamtfläche 1 Hektar) in Castle Harbour wieder entdeckt. Intensive Bewirtschaftung führt zu einem langsamen, aber stetigen Anstieg und im Jahr 2005 zählte man 250 Vögel, im Jahr 2003 zählte man 70 Paare mit 40 flüggegewordenen Jungvögeln und im Jahr 2005 71 Paare mit 35 flüggegewordenen Jungvögeln. Im Jahr 2008 zählte man 40 flüggegewordene Jungvögelund im Jahr 2009 schlüpften mindestens 35 Küken. Nach einer Translokation in den Jahren 2005 und 2006 kehrten 14 Individuen im Jahr 2009 wieder zur Insel Nonsuch zurück und nahmen gleich die künstlich angelegten Höhlen an. Ein Küken wurde im Jahr 2009 auf dieser Insel geboren. Außerhalb der Brutzeit migrieren die Vögel nach Norden in den Atlantik und zu den wärmeren Gewässern auf der westlichen Seite des Golfstroms. Es gibt Aufzeichnungen von Vögeln, die sich vor der Küste von North Carolina, USA, aufhielten und ein Vogel wurde im November 2002 auf den Azoren gefangen genommen.

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Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Bermuda-Sturmvogel auf der Inselgruppe Bermuda und in den USA vor. Als Durchzügler ist der Bermuda-Sturmvogel auf den Bahamas und in Portugal anzutreffen und präsent ist er in Kanada, jedoch ist die Herkunft ungewiss.

Ernährung

Laut der Roten Liste der IUCN haben Aufzeichnungen gezeigt, dass die Vögel bei der Nahrungssuche eine Strecke von über 5.000 Kilometer zurücklegen und von der Inselgruppe Bermuda aus verschiedene Routen wählen, aber in der Regel überqueren sie bei der Nahrungssuche den Golfstrom. Der Bermuda-Sturmvogel ernährt sich hauptsächlich von Tintenfischen, Krebstieren und von kleinen Fischen. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgen vorzugsweise in der Nacht, entweder einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Nicht selten schließen sich Bermuda-Sturmvögel auf der Nahrungssuche anderen Seevögeln an. Ist ein Beutetier gesichtet, so stürzt sich der Bermuda-Sturmvogel ins Wasser und taucht im Folgenden nach der Beute. Nicht selten werden Beutetiere unmittelbar an der Wasseroberfläche gejagt.

Fortpflanzung

Laut der Roten Liste der IUCN konnte der Bermuda-Sturmvogel seine Erdhöhlen früher selbst graben, aber solch einen Lebensraum ist auf den aktuellen Brutinseln nicht mehr vorhanden. Die Höhlen werden jetzt in suboptimalen, natürlichen erodierten Kalkstein-Felsspalten künstlich angelegt. Die Brutzeit erfolgt von Januar bis Juni. Die Brutplätze werden von den Vögeln zwischen Mitte Juni und Mitte Oktober aufgesucht. Der Bermuda-Sturmvogel ist ein Kolonienbrüter. Das Weibchen legt ein einziges Ei, das über einen Zeitraum von gut 50 Tagen von beiden Elternteilen bebrütet wird. Auch um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile. Verfüttert wird hochgewürgte und vorverdaute Nahrung. Nach dem Schlupf weist das Küken nur eine spärliche Befiederung auf. Im Alter von 80 bis 85 Tagen erlangt der Jungvogel die Flugfähigkeit. Der Jungvogel kehrt erst nach vier Jahren wieder zur Brutkolonie zurück.

Gefährdung und Schutz

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Laut der Roten Liste der IUCN hat sich die Population dieser Art durch erfolgreichen Schutz erholt, aber die Population bleibt extrem klein und die Art wird deshalb in der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet geführt. Wenn die Population weiter wachsen sollte, die jüngsten Zahlen deuten darauf hin, wird die Art zu gegebener Zeit als gefährdet gelistet. (J. Madeiros in litt. 2005) schätzt 250 Individuen, davon 71 Brutpaare und mindestens 142 Erwachsene. Die Art wird auch im CMS Anhang I geführt. Seit 1961 können aufgrund der Schaffung von künstlichen Höhlen und der regelmäßigen Beseitigung von Ratten Bruterfolge verzeichnet werden. Ferner wurden Schikanen über die Höhleneingange angebracht, da auch der Weißschwanz-Tropikvogel (Phaethon lepturus) während der Brutzeit die künstlich angelegten Höhlen, die für den Bermuda-Sturmvogel bestimmt sind, gerne bezieht. Ferner wurde auf der Insel Nonsuch einheimische Pflanzen aufgeforstet. Die atlantische Inselgruppe Bermuda in der Bucht Castle Harbour ist ein Nationalpark und Naturpark. In den Jahren 2004 und 2005 wurden Anstrengungen unternommen, künstliche Höhlen auf dem höher gelegenen Teil der Insel anzulegen. Drei Paare bezogen im März 2005 dann die neuen Höhlen. Ein Projekt ist derzeit im Gange, um eine neue Brutkolonie auf der Insel Nonsuch zu errichten. Die Insel ist viel größer und enthält mehrere geeignete Brutplätze als die jetzige Brutkolonie. Im Jahr 2004 wurden 14 Küken auf der Insel Nonsuch aufgezogen, wo sie jeden zweiten Tag bis zum Flüggewerden gefüttert und überwacht wurden. Im Jahr 2005 wurden 21 Küken transloziert, wobei alle bis Mitte Juni erfolgreich flügge wurden. Dieses Projekt soll für weitere drei Jahre fortgesetzt werden, mit dem Ziel 90 bis 100 Küken über einen Zeitraum von fünf Jahren umzusiedeln. Im Jahr 2009 ist nach 400 Jahren auf Nonsuch Island das erste Küken wieder geschlüpft.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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