Beutelsäuger

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Beutelsäuger
Koala (Phascolarctos cinereus)

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Unterreich: Bilateralsymmetrische Tiere (Bilateria)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger
Wissenschaftlicher Name
Marsupialia
Simpson, 1970

Beutelsäuger (Marsupialia) bilden neben den Höheren Säugetieren (Placentalia) die zweite Teilklasse innerhalb der Säugetiere (Mammalia). Beuteltiere stellen etwa 7 Prozent aller Säugetiere und sind vor allem in Australien auch heute noch vorherrschend.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Entwicklung

Beuteltiere sind eine sehr alte Tiergruppe. Die ältesten Fossilien stammen aus der Unterkreide, also einer Zeit von vor etwa 100 Millionen Jahren. Diese Fossilien, die der Art Kokopellia juddi (Cifelli, 1993) zugeordnet werden konnten, stammen aus Cedar Mountain Formation, Utah, USA. In der Wissenschaft wird jedoch diskutiert, ob es sich bei Kokopellia juddi um ein echtes Beuteltier handelt. Die frühesten eindeutigen Fossilien stammen ebenfalls aus Utah, USA, und weisen ein Alter von 80 Millionen Jahren auf. Im weiteren Verlauf wurden in Nordamerika etwa 20 weitere Beuteltiergattungen gefunden, die alle aus der Unterkreide stammen. Beuteltiere spielten aber nie eine große Rolle, da sie bereits früh von Plazentatieren (höhere Säugetiere) verdrängt wurden und nur noch in einigen Nischen überlebten. Im frühen Miozän, vor rund 20 bis 15 Millionen Jahren, starben die frühen Beuteltiere in Nordamerika jedoch vollständig aus. Heute kommt in Nordamerika nur noch das Virginia-Opossum (Didelphis virginiana) vor. Die Art wanderte wahrscheinlich im mittleren Pleistozän vor 1 Millionen Jahren aus Südamerika ein.

Der Ursprung der Beutetiere liegt zweifelsfrei in Nordamerika. Über die ersten Landbrücken gelangten Beuteltiere recht früh auch nach Südamerika und nach Europa. In Südamerika entwickelten sich vom frühen bis mittleren Paläozän, vor etwa 60 Millionen Jahren, bis ins frühe Pliozän vor 5 Millionen zahlreiche Arten. Die Diversität wurde durch eine erneute Landbrücke nach Nordamerika jäh unterbrochen, als große plazentale Säuger wie beispielsweise Katzen (Felidae) und Bären (Ursidae) aus dem Norden einwanderten und die Vorherrschaft übernahmen.
Die Vorfahren der Südopossums (Didelphis marsupialis)lebten auch in Europa
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Die Vorfahren der Südopossums (Didelphis marsupialis)lebten auch in Europa
Es verwundert nicht, dass die meisten Beuteltiere im Zuge dessen ausstarben. Heute ist die Beuteltierfauna in Südamerika durch kleine Fleisch- und Allesfresser geprägt. In Europa sind Beuteltiere im frühen Eozän, also vor 52 bis 50 Millionen Jahren, eingewandert. Nachgewiesen sind jedoch nur 6 fossile Gattungen, die sich über weite Teile Europas, dem nördlichen Afrika bis ins zentrale Asien ausbreiteten. Vor etwa 17 bis 15 Millionen Jahren. Alle in Europa nachgewiesenen fossile Arten konnten der Familie der Beutelratten (Didelphidae) zugeordnet werden.

Der Ursprung der Beuteltiere in Australien ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Wahrscheinlich kamen die ersten Vertreter gegen Ende der Kreide oder zu Beginn des Eozän vor 65 bis 60 Millionen aus Südamerika einwanderten. Es bestand zu dieser Zeit eine Landbrücke zur Antarktis und von dort aus auch nach Australien. Eine direkte Verbindung zwischen Südamerika und Australien bestand nicht. Australien löste sich vor etwa 46 bis 35 Millionen Jahren von der Antarktis. In der Antarktis sind zwei Beuteltiergattungen nachgewiesen, die der Familie Polydolopidae zugeordnet werden konnten. Zu dieser Zeit herrschte in Australien und in der Antarktis ein feuchtwarmes Klima: ideale Bedingungen für die ersten Beuteltiere. Die ältesten fossilen Funde in Australien stammen aus dem frühen Eozän und weisen somit ein Alter von rund 55 Millionen Jahren auf. Nach der Trennung von der Antarktis driftete Australien in die nördliche Richtung in die Nähe des Äquators. Bis zum Miozän konnten keine weiteren Gattungen nachgewiesen werden. Es ist also ein Loch von etwa 30 Millionen Jahren vorhanden. Im Miozän begünstigte eine reiche Waldflora die Entwicklung von zahlreichen Arten, die entweder am Boden oder in Bäumen lebten. Vor etwa 15 Millionen Jahren, im mittleren Miozän, kam es aufgrund von klimatischen Schwankungen zum Aussterben zahlreicher Arten. Einige Familien wie Miralinidae oder Wynyardiidae starben komplett aus. Mit der Zeit verschwanden die weitflächigen Wälder vor allem an der Küste und wurden durch Savannen und Grasland ersetzt. Diese neue Struktur begünstigte die Entwicklung neuer Arten, die auch heute noch Australien besiedeln, den Kängurus (Macropodidae). Zu dieser Zeit kollidierte die australische Platte mit der südostasiatischen Platte und es entstand eine Landbrücke und das Gebirge in Neu-Guinea. Hier war das Klima noch lange Zeit ideal für zahlreiche Beutetierarten. In diesem Gebirge und im Norden Australiens breitete sich im mittleren bis späten Miozän ein breites Spektrum an waldlebenden Arten aus. Die heute noch existierenden Arten in den Regenwäldern Neu-Guineas ähneln stark den ausgestorbenen Taxa aus dem frühen Miozän, die im zentralen Australien vorkamen.

Aussehen und Anatomie

Das größte rezente Beuteltier: das Rote Riesenkänguru (Macropus rufus)
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Das größte rezente Beuteltier: das Rote Riesenkänguru (Macropus rufus)

Beuteltiere treten in allen Größenordnungen auf. Die kleinste Art ist mit einem Gewicht von lediglich 4,5 Gramm die Nördliche Flachkopfbeutelmaus (Planigale ingrami). Das Rote Riesenkänguru (Macropus rufus) ist leicht 20.000 mal größer und erreicht eine Körperlänge von 85 bis 160 Zentimeter und ein Gewicht von 30 bis 90 Kilogramm.

Alle Beuteltiere verfügen über ein mehr oder weniger dichtes Fell, dass im Wesentlichen der Thermoregulation, bei einigen Arten auch der Tarnung dient. Die Färbung reicht von Brauntönen in allen Schattierungen bis hin zu Schwarz wie beim Beutelteufel. Im Schnauzenbereich zeigen sich in der Regel lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung (Tastsinn) dienen. In der Entwicklungsgeschichte der Beuteltiere haben sich zahlreiche Formen herausgebildet. Es reicht von kleinen mäuseartigen Vertretern, über marderartige und hörnchenartige bis hin zu den großen Kängurus. Das zum Teil ähnliche Aussehen mit Taxa der Höheren Säugetiere lässt sich mit der konvergenten Evolution erklären. Ein weiteres Merkmal aller Beutetiere ist der Beutelknochen (Os epipubis, Plural Ossa epubica). Der paarige Beutelknochen sitzt am Schambein an und ragt nach vorne. Er dient als Stütze für den Beutel. Beutelknochen sind auch bei den Männchen und den beutellosen Arten vorhanden.

Beutel und Fortpflanzungsorgane

Die Fortpflanzungsorgane der Beuteltiere kann man durchaus als einzigartig bezeichnen. Beim Weibchen gelangen die Eizellen zur Befruchtung in den paarigen, lateral gelegenen Uterus (Gebärmutter), wobei eine echte Plazenta fehlt und die Einpflanzung der Eizellen sehr spät erfolgt. Als Gegenstück zu den beiden Vaginae ist der männliche Penis bei vielen Arten zweilappig. Der Nachwuchs wird in der Regel durch einen dritten, meist zentral gelegenen Geburtskanal geboren. Bei vielen Arten wird dieser Geburtskanal vor jeder Geburt neu gebildet. Bei Kängurus (Macropodidae) und Honigbeutler (Tarsipes) bleibt der Geburtskanal jedoch nach der ersten Geburt bestehen. Die Weibchen fast aller Beuteltierarten verfügen über einen voll entwickelten Beutel, der auch als Marsupium (lat.) bezeichnet wird. Bei einigen Arten fehlt ein Beutel völlig, bei anderen Arten findet sich nur ein rudimentärer Beutel in Form einer Bauchfalte, der neben dem Gesäuge platziert ist. Der Beutel dient in erster Linie zum Schutz der nur wenig entwickelten Embryos. Nachdem die Embryos den Geburtskanal verlassen haben, kriechen sie selbständig in den Beutel und saugen sich hier an einer der vorhandenen Zitzen fest. Dir Öffnung der Beutel weist bei Baumbewohnern nach vorne, bei Bodenbewohnern nach hinten. Bei den Bodenbewohnern oder grabenden Arten können sich so in der Öffnung keine Äste, Erde oder ähnliches verfangen.

Füße und Zehen

Die Füße der Beuteltiere unterscheiden sich je nach Art deutlich. Bei baumbewohnenden Arten wie beispielsweise das Virginia-Opossum (Didelphis virginiana) verfügen über eine opponierbare erste Zehe. Diese Zehe gibt den Tieren im Geäst einen kräftigen Halt. Bei der Springbeutelmaus (Antechinomys laniger) ist der Fuß extrem lang gestreckt und ausgesprochen schmal. Zudem fehlt die erste Zehe und die zweite und dritte Zehe sind getrennt. Diese Trennung ist bei vielen Arten der Beuteltiere nicht gegeben. Bei Kängurus und einigen anderen Vertretern sind die zweite und dritte Zehe zu einem Kamm verschmolzen.
Großer Kaninchennasenbeutler (Macrotis lagotis)
Die Trennung der Zehen wird auch als didactyl bezeichnet, die Verschmelzung läuft unter dem Begriff syndactyl. Bei Arten wie den Nasenbeutlern (Peramelemorphia) ist der Fuß lang und schmal, die erste Zehe hat nur einen rudimentären Charakter und die vierte Zehe bildet die Fußachse. Auch die Füße der Kängurus sind lang und schmal, es fehlt die erste Zehe jedoch völlig.

Schädel und Gebiss

Der Gesichtsschädel ist bei allen Beuteltieren meist relativ groß, der Hirnschädel hingehen relativ klein. Bei einigen Arten zeigt sich ein Scheitelkamm, der im Bereich der Schläfenmuskulatur ansetzt. Die Augenhöhlen und die Öffnungen für die Schläfenmuskulatur, die im übrigen für das Schließen der Kiefer verantwortlich sind, gehen wie bei allen primitiven Säugetieren ineinander über. Im Bereich des Gaumens sind auf den Molaren meist Öffnungen vorhanden. Der Winkelfortsatz am Unterkiefer ist meist eingebogen. Dies ist bei plazentalen Säugetieren nicht der Fall. Das Gebiss der meisten Säugetiere verfügt über deutlich mehr Zähne als höhere Säugetiere. Je nach Art verfügen Beuteltiere über bis zu 50 Zähnen, wobei zwischen polyprotodonte und diprotodonte Arten zu unterscheiden ist. Zu den polyprotodonten Arten gehören alle Spezies mit 4 oder mehr unteren Schneidezähnen. So besitzt der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus) beispielsweise 6 untere Schneidezähne. Dies ist eine Anpassung an die Ernährungsgewohnheiten. Seine medizinische Zahnformel lautet i4/3, c1/1, p2/2, m4/4. Da der Tüpfelbeutelmarder zu den Insektenfressern gehört, sind die Molaren relativ klein und verfügen jeweils über zwei oder mehr scharfen Höckern. Die Eckzähne sind wie bei allen Insektenfressern unter den Beuteltieren lang und verfügen ebenfalls über scharfe Kanten. Alle Arten der Beutelratten (Didelphidae) verfügen über 50 Zähne (i5/4, c1/1, p3/3, m4/4). Australische Nasenbeutler (Peramelidae) verfügen je nach Art über 46 bis 48 Zähne. Bei ihnen lautet die Zahnformel i4-5/3, c1/1, p3/3, m4/4. Die Molaren der Australischen Nasenbeutler weisen ebenfalls scharfe Höcker auf. Diprotodonte Beutetiere verfügen lediglich über untere Schneidezähne in jeder unteren Kieferhälfte auf. Sie sind meist sehr groß und leicht nach vorne gerichtet. Die Zahnformel der meisten diprotodonten Arten lautet i3/2, c1/0, p2/1, m4/4. Andere Arten verfügen über ein Gebiss, das den Nagetieren (Rodentia) ähnelt. Hier sind beispielsweise Wombats (Vombatidae) zu nennen. Sie verfügen über lediglich 24 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m4/4. Die Zähne der Wombats sind wurzellos und wachsen ein Leben lang nach.

Lebensweise

Die Kommunikation untereinander erfolgt über Lautäußerungen und Gerüche. Demzufolge ist der olfaktorische Sinn bei fast allen Arten hoch entwickelt. Das Repertoire an Lauten reicht von lautem Brüllen bis hin zu einem leisen Zirpen oder Quieken. Die Duftkommunikation erfolgt über abgesetzten Urin oder Kot. Zahlreiche Arten markieren ihr Revier auch mit Hautdrüsensekreten. Die Sekrete aus den Drüsen dienen aber nicht nur der Reviermarkierung, sondern auch der Fellpflege. Ein Großteil der Beuteltiere ist ausschließlich oder größtenteils in der Nacht oder in der Dämmerung aktiv. Daher spielt der Sehsinn eine eher untergeordnete Rolle. Nur wenige Arten sind ausschließlich tagaktiv. Das Sozialverhalten ist meist nur wenig entwickelt. Viele Arten leben daher einzelgängerisch und sind ausgesprochen territorial. Gruppen mit einer festen Sozialstruktur sind selten. Die größeren Reviere der Männchen überschneidet sich mit denen mehrerer Weibchen. Dieses Sozialsystem findet man vor allem bei Beuteltieren, die eine weit verstreute Nahrungsressource aufweisen. Bei anderen Arten überschneidet sich das Revier eines Männchen mit nur einem oder wenigen Weibchen. Dies ist beispielsweise beim Koala (Phascolarctos cinereus) und Kusus (Trichosurus) der Fall. Einige Arten leben aber auch in sozialen Familengruppen, die aus einem monogam lebenden Paar und deren Nachwuchs bestehen. Es sind aber auch polygame Familiengruppen bekannt mit einem dominanten Männchen und mehreren Weibchen. Dieses Sozialsystem ist vor allem bei den Gleitbeutler (Petauridae) nachgewiesen. Ein vierter Typ einer Sozialstruktur weisen die großen Känguruarten auf. Sie leben in größeren Rudeln, wobei es keine Hierarchie oder feste Partnerschaften gibt. Man geht davon aus, dass Größe und Dominanz bei dieser Sozialstruktur eine Rolle spielen.

An das Leben unter der Erde angepasst: der Große Beutelmull (Notoryctes typhlops)
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An das Leben unter der Erde angepasst: der Große Beutelmull (Notoryctes typhlops)

Beuteltiere leben an der Erdoberfläche, im Geäst von Bäumen und in Sträuchern oder auch zeitweise grabend unter der Erde. Die Beutelmulle (Notoryctidae), zu denen 2 Arten gehören, sind in Australien die einzigen Beuteltierarten, die ausschließlich unter der Erde leben und sich auch anatomisch dem Leben unter der Erde angepasst haben. Aufgrund dieser Anpassungen werden Beutelmulle in einer eigenen Ordnung mit der Bezeichnung Notoryctemorphia geführt. Die Beine der Beutelmulle sind stark verkürzt, die Hände mit den rudimentär vorhandenen Fingern und den großen Grabklauen am dritten und vierten Finger dienen der Grabaktivität. An den hinteren Füßen sind keine Grabkrallen vorhanden. Sie schieben sich demnach nur mit den vorderen Extremitäten vor. Die nackte Hautstelle im Stirn- und Schnauzenbereich ist mit einer großflächigen Hirnschicht überzogen. Aufgrund ihrer unterirdischen Lebensweise sind die Augen zu kleinen Punkten verkümmert und die Nasenlöcher sind zu schmalen Schlitzen reduziert. Die Kopf-Hals-Region ist wegen der verschmolzenen Wirbel in diesem Bereich mehr oder weniger starr.

Verbreitung

Das heutige Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Australien, Neuguinea sowie Nord-, Mittel- und Nordamerika. In Neuseeland kamen Beuteltiere ursprünglich nicht vor. Im Jahre 1858 wurde jedoch der Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) auf Neuseeland als Neozoa zur Pelzgewinnung eingeführt. Einige Arten leben darüber hinaus auch auf den Solomonen und einigen anderen kleinen Inseln wie Timor, Banda und Arafura. Im südlichen Asien liegt die Verbreitungsgrenze im Wesentlichen bei der Wallace-Linie. Hierbei handelt es sich um Kletterbeutler (Phalangeridae). Vor allem die australischen Arten besetzen zahlreiche Nischen. Es treten sowohl Insektenfresser, Fleisch- und Allesfresser sowie reine Pflanzenfresser auf. Einige Arten wie die Honigbeutler (Tarsipes) haben sich auf den Verzehr von Nektar und Pollen spezialisiert. Artabhängig werden zahlreiche Lebensräume besiedelt. Das Spektrum reicht von tropischen Regenwälder über offene Savannen bis hin zu reinen Wüsten.

Prädatoren

Den Beuteltieren in der Neuen Welt, also in Nord- und Südamerika, stellen deutlich mehr Fleischfresser nach als in Australien. Dies liegt daran, das in Australien ursprünglich keine räuberisch lebenden höheren Säugetiere, insbesondere Raubtiere (Carnivora) zu Hause waren. Heute sieht das jedoch anders aus, denn der Mensch hat in den letzten 3 Jahrhunderten einige Fleischfresser eingeführt, die nunmehr den Beuteltieren nachstellen. Zu den eingeführten Raubtieren gehören insbesondere Rotfüchse (Vulpes vulpes) und Dingos (Canis lupus dingo) sowie Haushunde (Canis lupus familiaris) und Hauskatzen (Felis catus). Unter den einheimischen Raubtierarten stellen kleineren Beuteltieren nur einige Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia) wie der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus) oder andere räuberisch lebenden Beutelsäuger wie Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) und der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) nach.

In Nordamerika zählen unter anderem Hunde (Canidae) wie Kojoten (Canis latrans) und Rotfüchse sowie Greifvögel (Falconiformes) und Eulen (Strigiformes) zu den natürlichen Fleischfresser. Kleinere Arten oder Jungtiere können auch Schlangen (Serpentes) gefährlich werden. Von den Ureinwohnern wird die Art auch heute noch wegen des Fleisches gejagt. In Südamerika kommen auch zahlreiche Katzen (Felidae) hinzu, die es auf Beuteltiere abgesehen haben.

Ernährung

Beuteltiere ernähren sich je nach Art rein pflanzlich oder aber als Allesfresser oder Fleischfresser. Der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) gilt als der größte rezente Fleischfresser unter den Beuteltiere. Beutelteufel reissen jedoch eher selten aktiv Beute, sondern haben sich auf Aas größerer Tiere spezialisiert. Das Gebiss der Tiere ist äußerst kräftig und kann selbst dicke Knochen brechen. Die meisten Fleischfresser unter den Beuteltieren werden in den Familien Raubbeutler (Dasyuridae) und Beutelratten (Didelphidae) zusammengefasst. Beutelmulle (Notoryctes) ernähren sich meist von Insektenlarven und kleinen Insekten, die in der Regel unter der Erde gefunden werden. Gleitbeutler (Petauridae) nehmen sowohl tierische Kost in Form von Spinnentiere (Arachnida) und Insekten (Insecta) als auch pflanzliche Nahrung wie Pollen, Nektar und andere Baumsäfte. Ameisenbeutler (Myrmecobiidae) ernähren sich, wies es der Name schon vermuten lässt, hauptsächlich von Ameisen (Formicoidea). Andere Vertreter der Beuteltiere ernähren sich rein pflanzlich. Wombats (Vombatidae) ernähren sich neben Gräsern und Kräutern auchWurzelwerk, Seggen und Pilze. Auch Kängurus (Macropodidae) gehören zu den reinen Pflanzenfressern. Sie fressen Gräsern, Blättern, jungen Trieben und gelegentlich Rinde. Die schwer verdauliche Nahrung der Kängurus wird mit Hilfe von Mikroorganismen in ihrem Magen und im Verdauungstrakt in Energie umgesetzt.

Fortpflanzung

Nacktnasenwombat (Vombatus ursinus)
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Nacktnasenwombat (Vombatus ursinus)

Die Art der Fortpflanzung ähnelt sich bei allen Beuteltieren und unterscheidet sich deutlich von den plazentalen Säugetieren. Die Eizelle der Beuteltiere ähnelt sich in ihrer Form und der frühen Entwicklung im Uterus mehr den Eiern von Vögeln (Aves) und Reptilien (Reptilia) als der Eizelle plazentaler Säugetiere, den Eutheria. Der Nachwuchs der Eutheria vollzieht einen Großteil der Entwicklung im Mutterleib. Die Jungtiere der Beuteltiere, in Abgrenzung zu den Eutheria werden sie als Metatheria bezeichnet, kommen in einem sehr frühen Entwicklungsstadium zur Welt. Demzufolge ist auch die Trächtigkeit sehr kurz. Sie liegt bei den großen Beuteltieren beispielsweise bei etwa 36 Tagen und der Nachwuchs weist bei einem Adultgewicht von 30 Kilogramm lediglich ein Gewicht von kaum einem Gramm auf. Bei kleinen Beuteltierarten liegt das Geburtsgewicht bei etwa 0,01 Gramm und die Trächtigkeit reicht von 12 bis 14 Tagen. Große Beuteltiere wie Wombats (Vombatidae) oder Kängurus (Macropodidae) bringen in der Regel nur 1 Jungtier zur Welt, Zwilligsgeburten sind sehr selten. Bei kleinere Beuteltieren kann ein Wurf durchaus bis zu 3 oder 4 Jungtiere betragen. Rekordhalten unter den Säugetieren sind Breitfuß-Beutelmäuse (Antechinus), die durchschnittlich 8 bis 12 Jungen zu Welt bringen. Die Weibchen der Breitfuß-Beutelmäuse verfügen über bis zu 25 Zitzen. In der kurzen Zeit, in der ein Embryo sich im Uterus befindet, wird er über die Wand vom Dottersack, der nur in loser Verbindung mit der Uteruswand steht, mit Nährstoffen aus dem Uterus versorgt. Der Dottersack erfüllt eine ähnliche Funktion wie die Plazenta bei den Eutheria.

Unmittelbar nach dem Verlassen des Geburtskanals legen Jungtiere eine erstaunliche Reise vom Geburtskanal bis in den Beutel zu den Zitzen zurück. Durch schwimmartige Bewegungen der Vorderbeine kriecht ein Jungtier vorwärts. Der Nachwuchs kann aufgrund geschlossener Augen zwar nicht sehen, er orientiert sich anhand der Schwerkraft, indem er sich entgegen der Schwerkraft bewegt. Wie die Funktionsweise genau ist, war bislang noch kein Forschungsgegenstand. Im Beutel angekommen, saugt sich ein Jungtier, das eine Größe von wenigen Millimitern aufweist, an einer Zitze fest. Die Zitze schwillt im Maul des Jungtieres an und füllt die Mundhöhle vollständig aus. In den ersten 1 bis 2 Monaten bleibt das Jungtier unentwegt an der Zitze. Erst danach kann es sein Maul öffnen und zeitweise die Zitze freigeben. Je nach Art bleiben die Jungtiere bis zu 300 Tage im Beutel der Mutter und legen in dieser Zeit mehr an das 5.000-fache an Gewicht zu. Während der Säugezeit (Laktationsphase) können Beuteltiere die Zusammensetzung der Milch den Bedürfnissen des Nachwuchses anpassen. In der ersten Säugephase überwiegen in der Muttermilch Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Gegen Ende der Säugezeit fehlen Kohlenhydrate fast vollständig und annähernd zwei Drittel der Trockenmasse besteht aus Fetten.

"Tod beim Sex": die Braune Breitfußbeutelmaus (Antechinus stuartii)
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"Tod beim Sex": die Braune Breitfußbeutelmaus (Antechinus stuartii)
Die Gesamtsäugezeit kann bei großen Arten wie den Kängurus bei bis zu 1,5 Jahren liegen. Bei kleineren Arten wie beispielsweise dem Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) erstreckt sich die Säugezeit über lediglich 6 Monate. Kurze Zeit nach dem Absetzen von der Muttermilch sind weibliche Beuteltiere bereits geschlechtsreif. Männchen benötigen deutlich länger. Dies kann je nach Art nach bis zu 2 Jahren der Fall sein. Nur wenige Tage nach der Geburt, wenn sich der Nachwuchs im Beutel befindet, sind Weibchen wieder empfängnisbereit und paaren sich erneut. In diesen Fällen kommt es jedoch zu einer verzögerten Einnistung und es kommt zu einer Überschneidung von Östrus und Trächtigkeit. Der Zyklus wird bei dieser Überschneidung nicht beeinträchtigt. Ist ein Weibchen also trächtig, säugt es den Nachwuchs im Beutel und paart sich wieder. So entwickeln sich die Embryonen im Uterus nur bis zu einem bestimmten Mehrzellenstadium, auch bekannt als Blastozyste, und verharrt dann in einem Ruhestadium, bis der Nachwuchs im Beutel entwöhnt ist. Die Weiterentwicklung der Blastozyste wird erst wieder in Gang gesetzt, wenn ein bestimmtes Hormon, das Prolaktin, nicht mehr ausgeschüttet wird. Prolaktin wird durch das Saugen an den Zitzen produziert und ausgeschüttet.

Eine Besonderheit ist beim Paarungsverhalten der Braunen Breitfußbeutelmaus (Antechinus stuartii) zu beobachten. Bei den Männchen der Braunen Breitfußbeutelmäuse steigen aufgrund gestiegener Stresswerte während der Paarungszeit die Spiegel verschiedener Steroidhormone wie Corticosteroide und Sexualhormone wie Androgene dramatisch an. Stress wird insbesondere durch die Konkurrenz unter den Männchen und die eigentlichen Paarungsaktivitäten ausgelöst. Corticosteroide sind ein Produkt der Nebennierenrinde. Durch die Überproduktion dieses Steroidhormons sind globuläre Proteine nicht mehr in der Lage den Spiegel zu regulieren. Der starke Anstieg des Androgenspiegels hat eine immunosuppressive Wirkung zur Folge, an deren Ende ein Zusammenbruch des Immunsystems steht. Gegen Ende der Paarungszeit sterben die Männchen an den Auswirkungen. Dies bedeutet, dass die Gesamtpopulation nach der Paarungszeit ausschließlich aus Weibchen besteht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Beuteltiere werden in allen Verbreitungsgebieten von der indigenen Bevölkerung wegen des Fleisches gejagt. Dies ist beispielsweise in Neu-Guinea Gang und Gäbe. Aber vor allem die Besiedlung Australiens durch europäische Siedler hatte auf viele Arten einen negativen Einfluss, da vor allem die Lebensräume der Beuteltiere nachhaltig verändert wurden.
Präparat eines Beutelwolfes (Thylacinus cynocephalus)
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Präparat eines Beutelwolfes (Thylacinus cynocephalus)
In Australien wurden in den Küstenregionen weitflächig die Wälder zugunsten von Agrarflächen und Siedlungsraum abgeholzt. Als weiteres Problem stellte sich sehr schnell die Einfuhr von nicht heimischen Raubtieren ein, die den Beuteltieren zum Teil bis zu Ausrottung nachstellen. Bei einigen Arten hat der Menschen die Ausrottung gleich selbst übernommen. Dies ist beispielsweise beim Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) der Fall. Hin und wieder riss der Beutelwolf das Vieh der Farmer. Das war letztlich sein Todesurteil. Selbst die Tasmanische Regierung setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im beginnenden 20. Jahrhundet eine Abschußprämie (25 Cent) an. In weniger als 50 Jahren wurde der gesamte Bestand auf Tasmanien erbarmungslos ausgerottet. Es überlebten nur wenige Tiere in einigen zoologischen Gärten. Den Zoos gelang jedoch keine einzige Nachzucht. Nachdem er in Freiheit längst ausgerottet war, starb am 7. September 1936 der letzte in Gefangenschaft lebende Beutelwolf im Beaumaris Zoo von Hobart auf Tasmanien. Im Jahre 1936, dem Jahr des Todes des letzten Beutelwolfes, wurde die Art unter Schutz gestellt. Dies kam leider zu spät.

Neben dem Beutelwolf sind in den letzten 100 bis 200 Jahren etwa 10 Arten in Australien absichtlich oder unabsichtlich ausgerottet worden. Weitere 50 bis 60 Arten gelten als gefährdet, stark gefährdet oder stehen auf der Vorwarnliste. Ähnlich dramatisch sieht es auch in Südamerika aus. Hier gelten mehr als 20 Arten als bedroht. Mittlerweile hat vor allem in Australien ein Umdenken eingesetzt. Lebensräume werden mittlerweile geschützt und nicht endemische Raubtiere wie dem Rotfuchs (Vulpes vulpes) werden gezielt durch Giftköder ausgeschaltet. Daraufhin haben sich einige Arten wieder ein wenig erholen können.

Systematik der Beutelsäuger

Beutelteufel (Sarcophilus harrisii)
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Beutelteufel (Sarcophilus harrisii)
Gewöhnlicher Ringbeutler (Pseudocheirus peregrinus)
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Gewöhnlicher Ringbeutler (Pseudocheirus peregrinus)
Dickschwanz-Schlafbeutler (Cercartetus nanus)
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Dickschwanz-Schlafbeutler (Cercartetus nanus)

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • William K. Purves, David Sadava, Gordon H. Orians: Biologie. "Lexikon der Biologie". Spektrum Akademischer Verlag, 2007 ISBN 3827420075
  • Volker Storch, Ulrich Welsch & Adolf Remane: Kurzes Lehrbuch der Zoologie. Spektrum Akademischer Verlag, Auflage: 7, 2005 ISBN 3827407400
  • Alfred S. Romer, Thomas S. Parsons: Vergleichende Anatomie der Wirbeltiere. Verlag Paul Paray, Auflage: 5, 1991 ISBN 3490112180
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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