Bittersüßer Nachtschatten

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Bittersüßer Nachtschatten
Bittersüßer Nachtschatten

Systematik
Klasse: Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
Unterklasse: Asternähnliche (Asteridae)
Ordnung: Nachtschattenartige (Solanales)
Familie: Nachtschattengewächse (Solanaceae)
Gattung: Nachtschatten (Solanum)
Art: Bittersüßer Nachtschatten
Wissenschaftlicher Name
Solanum dulcamara
Linnaeus, 1753

Der Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) ist eine Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und zählt zur Gattung der Nachtschatten (Solanum). Erstmals beschrieben wurde sie im Jahre 1753 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné. Im Englischen wird die Art als Bittersweet nightshade oder Climbing nightshade bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Der Bittersüße Nachtschatten ist ein rankender Halbstrauch, welcher im unteren Teil verholzt und im oberen Teil krautig ist. Die mit Mark gefüllten Stengel verzweigen und sind mit Laubblättern besetzt, welche wechselständig angeordnet sind. Die Laubblätter besitzen auf dem Grund oft zwei Lappen, sie sind herz- bis eiförmig oder weisen eine speerspitzenartige Gestalt auf. Die Laubblätter sind nicht eingerissen oder gezackt. Bittersüßer Nachtschatten ist eine wunderschöne Pflanze, sie fällt durch die Blüten, genauer durch deren fünf zurückgebogenen, violette Kronblätter und den langen und zusammengelegten, gelben Staubblattkegeln in deren Mitte auf, welche hauptsächlich während der Blütezeit zwischen Juni und August, aber auch davor und danach, zum Vorschein kommen. Aus ihnen entwickeln sich nach der Befruchtung durch Haut- oder Zweiflügler, seltener durch Selbstbefruchtung, im Spätsommer bis Herbst eiförmige, anfangs grüne und mit Eintreten der Reife strahlend rote Beeren, die Beeren bleiben über den Winter an der Pflanze. Die Verbreitung der unverdaulichen Samen, von welcher je Frucht bis zu 30 Stück vorhanden sind, findet über Vögel (Aves) statt. Die Wuchshöhe der Pflanze beträgt in der Regel etwa 100 bis 150 Zentimeter, allgemein kann der Bittersüße Nachtschatten 30 bis 300 Zentimeter in der Höhe erreichen. Der untere und verholzte Teil der Pflanze kann mehr als Daumendicke erreichen.

Toxizität, Inhaltsstoffe und Vergiftung

Zwar ist der Bittersüße Nachtschatten nicht so gefährlich wie mehrere verwandte Arten ihrer Familie oder Gattung, so zum Beispiel die Schwarze Tollkirsche (Atropa bella-donna), aber dennoch ist auch der Bittersüße Nachtschatten in Sachen Giftigkeit kein zu unterschätzendes Kraut. Zu den hauptsächlichen und wirksamen Inhaltsstoffen der Pflanze zählen glykosidische Bitterstoffe, Saponine, Steroidalkaloide sowie Gerbstoffe. Der höchste Wert der Giftstoffe findet sich neben den grünen Teilen der Pflanze, dem Kraut (ca. 3%), besonders in der Wurzel (ca. 1,4%) und in unreifen Früchten (ca. 0,6%). In reifen Früchten ist der toxische Anteil schwindend gering. Dennoch sollten die Beeren keineswegs gegessen werden. Für Kinder gelten 20 bis 40 unreife Beeren als tödlich . Allgemein enthält die gesamte Pflanze Giftstoffe. Eine Vergiftung äußert sich durch Erregungserscheinungen, Sprachstörungen, Schluckbeschwerden, Erbrechen, Schwindel und Krämpfe.

Heilpflanze

Geschichtliches und Namensherkunft

Der Bittersüße Nachtschatten wird bereits seit dem Mittelalter in der Volksmedizin verwendet. Er wurde in früheren Zeiten vor allem gegen Gicht, Flechten und Furunkeln eingesetzt. Und wie so viele giftige Kräuter wurde der Bittersüße Nachtschatten oftmals Hexensalben beigemischt, auch wenn die Wirkung bei weitem nicht so extrem war, wie bei der Schwarzen Tollkirsche (Atropa bella-donna), sie viel hier nur sehr gering aus, wobei es auch immer auf die Zusammenstellung ankam. So erzielte man bei Bittersüßem Nachtschatten eine höhere
Bittersüßer Nachtschatten -Laubblätter, Blüten sowie reife und unreife Früchte.
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Bittersüßer Nachtschatten -Laubblätter, Blüten sowie reife und unreife Früchte.
Wirkung, wenn er in Verbindung mit Opiaten auftrat - dann konnte auch eine hallozinogene Wirkung stattfinden. Der Name "Bittersüßer Nachtschatten", manchmal wird die Pflanze auch schlicht als Bittersüß angegeben, rührt von dem Geschmack der Pflanze. Beim Genuss der reifen Früchte macht sich zuerst ein bitterer und anschließend ein süßer Geschmack bemerkbar. Der Genuss der reifen Früchte ist jedoch trotz der sehr geringen Giftwirkung nicht anzuraten, denn der menschliche Körper reagiert von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich auf toxische Einflüsse, das heißt, dem Einen machen 30 reife Beeren nichts aus und der Andere übergibt sich vielleicht schon nach 15 Beeren.

Ver- und Anwendung

Wie die meisten pflanzlichen Arzneidrogen, welche als giftig zu bezeichnen sind aber keine größere arzneiliche Wirkung aufzuweisen haben, wird auch der Bittersüße Nachtschatten nur wenig verwendet. Die Anwendung von Salben mit Bittersüßem Nachtschatten kann dennoch bei Krankheiten wie Schuppenflechte, Neurodermitis und chronischen Ekzemen empfohlen werden. Durch die Tatsache, dass der Bittersüße Nachschatten durch seine Stoffwechsel anregende Wirkung auch viele Leiden beseitigt oder deren Heilung unterstützt, hat er jedoch in der Volksmedizin viele Freunde gefunden. Man kann ihn als Tee bei Katarrhen der Atemwege, Keuchhusten, Asthma, Gicht, Rheumatismus, Wassersucht Ekzemen und anderen Hauterkrankungen anwenden. Allerdings ist von einer Selbstanwendung abzuraten, man sollte sich den Tee zumindest von einem Apotheker zusammenstellen lassen und sich beraten lassen, um Vergiftungen zu vermeiden, auch bei anderen Arten der Anwendung ist zumindest die Beratung eines Fachmannes notwendig! Anwendung findet der Bittersüße Nachtschatten in der Homöopathie auch bei Blasenkrämpfen, ständigem Harndrang, trüben Urin, Durchfällen begleitet von kolikartigen Schmerzen und bei durch Wettersturz hervorgerufene Symptome. Auch bei Herbstdurchfällen, welche durch den Genuss frischen Obstes hervorgerufen wurden, bei Erkältungen, Schnupfen, Mittelohrentzündung, Bläschenbildung mit Hitzegefühl auf der Haut und Hauterkrankungen, welche mit Juckreiz einher gehen, ist eine Behandlung mit Bittersüßem Nachschatten möglich, wird aber selten durchgeführt. Allerdings muss man dazu sagen, dass für eine Wirkung nie garantiert werden kann, aber es wurden bereits viele gute Erfahrungen mit dem Bittersüßen Nachtschatten gemacht.

Vorkommen

Der Bittersüße Nachtschatten ist in weiten Teilen von Europa und Asien und sogar in Teilen Nordafrikas verbreitet. Er tritt relativ häufig auf und ist bis in 1.360 Metern über dem Meeresspiegel aufzufinden. Seine bevorzugten Lebensräume werden von feuchten Waldrändern, Gebüschen von Fluss-, Bach- und Seeufern, Auwäldern, Waldschlägen und seltener auch von feuchten Dünen sowie Geröllhalden dargestellt. Voraussetzung für sein Vorkommen ist regelmäßig feuchter und genügend stickstoffhaltiger Boden, direkte Sonneneinstrahlung verträgt der Bittersüße Nachtschatten nicht, dem entsprechend kommt er auch in Dünen und auf Halden in direkter Nähe anderer, schattengebender Pflanzen oder Gegenstände vor. In Pflanzengesellschaften ist der Bittersüße Nachtschatten häufig zusammen mit Windengewächsen (Convolvulaceae) zu sehen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tiere und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • Richard Willfort: Gesund durch Heilkräuter, 9. Auflage 1967, Rudolf Taruner Verlag Linz, (ohne ISBN-Nummer)
  • Giftpflanzen.com
  • Wikipedia.de
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