Blauaugenscharbe

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Blauaugenscharbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Kormorane (Phalacrocorax)
Art: Blauaugenscharbe
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax atriceps
King, 1828

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Blauaugenscharbe (Phalacrocorax atriceps), auch unter dem Synonym Leucocarbo atriceps bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) zur Gattung der Kormorane (Phalacrocorax). Im Englischen wird die Blauaugenscharbe imperial shag oder imperial cormorant genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Dieser Taxon wurde in mehrere Spezies gesplittet: Phalacrocorax atriceps, Phalacrocorax nivalis, Phalacrocorax melanogenis, Phalacrocorax purpurascens, Phalacrocorax bransfieldensis, Phalacrocorax albiventer, Phalacrocorax verrucosus und Phalacrocorax georgianus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Blauaugenscharbe ist ein ziemlich großer, kompakter Kormoran und erreicht eine Körperlänge von etwa 70,0 bis 78,0 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 1,8 bis 3,5 Kilogramm. Die Flügellänge des Männchens beträgt 28,2 bis 28,7 Zentimeter, die Schnabellänge 11,7 bis 13,1 Zentimeter, von der Schnabelspitze bis zum Federansatz (Culmen) 5,9 bis 6,4 Zentimeter lang, Tarsuslänge 6,4 bis 6,6 Zentimeter. Die Flügellänge des Weibchens beträgt 25,8 bis 28,2 Zentimeter, die Schnabellänge 11,2 bis 13,2 Zentimeter, von der Schnabelspitze bis zum Federansatz (Culmen) 5,5 bis 6,0 Zentimeter lang, die Tarsuslänge 5,7 bis 6,3 Zentimeter. Im Allgemeinen ist das Obergefieder schwarz glänzend und die Unterseite weiß. Die Ohrfedern weisen eine weiße Färbung auf. Ferner haben sie während der Brutsaison einen erektilen Kamm und weiße Flügel. Markantes Merkmal sind die gelben Fleischwarzen am Schnabelansatz. Die Geschlechter ähneln sich in der Gefiederfärbung. Die adulten Vögel weisen im Prachtkleid einen markanten Kamm und gelbe Fleischwarzen an der Schnabelbasis auf. Das Obergefieder, einschließlich der Seiten, vom Kamm bis in Höhe der Augen sind von einer blauschwarzen glänzenden Färbung. Die Schulterfedern und die Flügeldecken weisen eine grünlich-schwarze Tönung auf. Die Unterseite ist makellos weiß. Des Weiteren erkennt man eine weiße Flügelbinde und einen weißen Fleck in der Mitte des unteren Rückens. Die Überaugenstreif-Region ist mit weißen filamentösen Federchen besetzt. Die Iris der Augen weist eine braune Färbung auf und der Augenring selbst ist eine strahlend blaue Färbung. Der blau gefärbte Augenring und deutet auf die Verwandtschaft mit anderen Blauaugen-Kormoranen.

Blauaugenscharben
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Blauaugenscharben

Die Blauaugen-Kormorane sind eine Gruppe von eng verwandten Taxa Kormorane (Phalacrocoracidae). Alle haben einen blauen, violetten oder roten Ring um das Auge (nicht eine blaue Iris). Andere gemeinsame Merkmale sind die weiß gefärbte Brust und die Unterseite (zumindest bei einigen Individuen) sowie die rosafarbenen Beine und Füße. An der Schnabelbasis sind die markanten Fleischwarzen gelb bis orange getönt. Der Schnabel weist eine olivfarbene bis bräunliche Färbung auf. Der Kehlsack ist etwas rußig und erscheint auch manchmal grünlich. Die Beine und Füße sind rosafarben geschönt. Außerhalb der Brutzeit ist das Gefieder ähnlich wie das Prachtkleid während der Paarungs- und Brutzeit, jedoch fehlen den adulten Vögeln der erektile Kamm, die Flügelbinde, die filamentösen Federchen im Bereich des Überaugenstreifs sowie der weiße Fleck dorsal. Charakteristisch für die Art ist auch der bis zu fünf Zentimeter lange Schnabel, der über eine hakenförmige Spitze verfügt. Der Hals ist insgesamt lang und ausgesprochen dünn. Zwischen den Zehen hat die Blauaugenscharbe Schwimmhäute, die sie zu einer hervorragenden Taucherin machen. Schwimmt die Blauaugenscharbe an der Wasseroberfläche, so sind in der Regel nur ihr Hals und Kopf zu sehen. Der Körper befindet sich knapp unter der Wasseroberfläche. Das Gefieder saugt sich bei Kontakt mit Wasser voll und hält den Körper unter Wasser. Die Blauaugenscharbe verfügt über keine Bürzeldrüse, mit der andere Wasservögel ihr Gefieder einfetten und mehr oder weniger wasserdicht machen. Nach einem Tauchgang kann man die Blauaugenscharben an Land mit ausgebreiteten Flügeln beobachten. Meist wedeln sie dabei mit ihren Flügeln, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen.

Lebensweise

Blauaugenscharben
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Die Blauaugenscharbe ist auf vielen subantarktischen Inseln, auf antarktischen Halbinseln und im südlichen Südamerika zu finden. Sie bewohnt die felsigen Küstenregionen und lokal die großen Binnenseen. Die Blauaugenscharbe ist unter vielen anderen Namen bekannt und ist ein Teil einer größeren Gruppe von Kormoranen, die als Blauaugen-Kormorane bezeichnet werden. Die Taxonomie ist sehr komplex und mehrere Unterarten werden als eigenständige Arten geführt.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Blauaugenscharbe in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Antarktis, Argentinien, Australien, Chile, Falkland Inseln (Malvinas), Französische Süd- und Antarktisgebiete, Heard und McDonald Inseln, Südafrika, Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln. Als Durchzügler ist die Blauaugenscharbe in Uruguay zu finden. Die Blauaugenscharbe bevorzugt in der Regel pelagische Flachseezonen, intertidale felsige Küsten, Gezeitenzonen, supratidale Klippen und felsige Inseln sowie supratidale an Küsten vorgelagerte Süßwasserseen.

Ernährung

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Blauaugenscharben ernähren sich von kleinen benthischen Fischen, Krebstieren (Crustacea), Vielborstern (Polychaeta), Schnecken (Gastropoda) und Kraken (Octopoda). Überwiegend erfolgt die Nahrungssuche in küstennahen Regionen, aber zumindest einige Populationen, zum Beispiel die südamerikanische Population, entfernen sich etwas weiter weg von der Küste, um Fische zu fangen. Pro Tag brauchen diese großen Vögel etwa 250 bis 300 Gramm an Nahrung. Auf Beutezug gehen sie unter Wasser. Sie sind ausgezeichnete Taucher, die durchschnittlich in Tiefen von zehn Metern jagen. Es wurden aber auch schon Tauchtiefen von deutlich unter 20 Metern registriert. Dabei können sie über eine Minute unter Wasser verbleiben. Die durchschnittliche Tauchzeit liegt bei rund 30 bis 45 Sekunden. Bei ihren Tauchgängen setzen sie ihre kräftigen Füße als Antrieb ein und nutzen ihren Schwanz zum Steuern.

Fortpflanzung

Blauaugenscharben erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei bis drei Jahren. Sie brüten in Kolonien, jedoch leben sie monogram. Die Kolonien sind in der Regel relativ klein, aber manche bestehen aus Hunderten von Paaren und oft teilt sich die Blauaugenscharbe mit anderen Seevögeln wie die Felsenscharbe (Phalacrocorax magellanicus), der Felsenpinguin (Eudyptes chrysocome) und der Schwarzbrauenalbatros (Thalassarche melanophris) die Nistplätze. Das Nest besteht aus Seetang und Gras und wird mit Schlamm und Kot verklebt. Das Weibchen legt bis zu fünf (in der Regel zwei bis drei) Eier in das Nest. Bei Gelegeverlust sind Nachgelege durchaus die Regel.
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Beide Geschlechter beteiligen sich an das Brutgeschäft. Als Nesthocker verbleiben die Küken für 47 bis 50 Tage im Nest und werden von den Eltern gefüttert. Die Flugfähigkeit wird zwar mit 60 Tagen erreicht, die Jungvögel verbleiben aber noch einige Wochen bei den Eltern. Ihr Gefieder ist überwiegend bräunlich, an der Unterseite hellbraun. Nach der ersten Mauser weisen die Jungvögel das gleiche Gefieder wie adulte Vögel auf. Viele Eier und Küken fallen den Raubmöwen (Stercorariidae) und den Scheidenschnäbel (Chionis) zum Opfer.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Blauaugenscharbe heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 20.000 Quadratkilometer. Die Blauaugenscharbe ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Blauaugenscharbe selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Blauaugenscharbe als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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