Blauelster

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Blauelster
Portugal

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Parvordnung: Corvida
Überfamilie: Corvoidea
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Tribus: Corvini
Gattung: Blauelstern (Cyanopica)
Art: Blauelster
Wissenschaftlicher Name
Cyanopica cyana
Pallas, 1776

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Blauelster (Cyanopica cyana) zählt innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung der Blauelstern (Cyanopica). Im Englischen lautet die Bezeichnung der Blauelster Azure-winged Magpie.

Cyanopica cyana (Sibley & Monroe, 1990, 1993) wurde in Cyanopica cyana und in Cyanopica cooki von Fok et al. im Jahre 2002 auf der Grundlage der Unterart Cyanopica cyana cooki bezüglich der morphologischen Unterschiede und der unterschiedlichen DNA von 6.06 Prozent aufgesplittet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Blauelster ist aufgrund ihrer schwarzen Kappe, dem blauen Schwanz und den blauen Flügeln kaum mit anderen Vögeln zu verwechseln und ist in ihrer Gestalt einer Elster (Pica pica) mit einem aufrechten kurzen Körper, kurzen Flügeln, langem Schwanz und kräftigem Schnabel sowie starken Extremitäten, aber im Gefieder mit der vertrauten Elster (Pica pica) nicht zu vergleichen. Die Blauelster erreicht eine Körperlänge von etwa 31 bis 35 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 38 bis 40 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 65 bis 76 Gramm. Der Oberkopf, der Nacken und zum Teil auch das Gesicht sind bei der Blauelster tief schwarz gezeichnet. Die schwarze Färbung reicht bis zu den Augen, während die Kehle und der obere Teil der Brust weiß getönt sind. Der Rücken ist hell beige bis braun geschönt und mit einer leichten grauen Spiegelung versehen. Die Unterseite ist ebenfalls braun geschönt. Die Flügel und der Schwanz zeigen die typische blaue Tönung, die für den Vogel namensgebend war. Der Schwanz kann eine Länge von etwa 190 bis 197 Millimeter erreichen. Der Schnabel ist kräftig geformt und weist ebenfalls eine schwärzliche Färbung auf. Die Jungvögel sind insgesamt dunkler und bräunlicher gefärbt, ausgenommen die vereinzelten beigefarbenen Federspitzen auf dem Kopf, der ansonsten schwärzlich geschönt ist. Der Rücken ist ebenfalls bräunlicher gefärbt und weist eine grau-blaue Spiegelung auf. Die Blauelster hat einen schnellen Flug mit einem kurzen Flügelschlag, wenn sie auf der Flucht ist. Andernfalls fliegt die Blauelster von Baum zu Baum und richtet sich schnell in Richtung des Baumgipfels nach einem niedrigen Flug auf.

Die Blauelster besitzt ein breites Spektrum an Schwatz- und Plauderlauten. Bei Gefahr oder Bedrohung fliegt die Blauelster mit einem lauten Ruf etwa wie "rii-rii" auf. Der nasale Gesang variiert mit einem "krarraaj" gefolgt von "kuink-kuink-kuin", diese Folgen werden mehrmals wiederholt. Der erste Ton klingt hoch und rauh, die nachfolgenden Töne sind schneller und metallischer und klingen wie Alarmrufe. Zwischendurch hört man dann wiederum zartere Töne etwa wie "uii-ui-uii-iu", die in pfeifende Töne übergehen. Während des Nestbaus kommunizieren beide Partner untereinander mit einem rauhen Ruf etwa wie "shriii".

Blauelster
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Blauelster

Lebensweise

Die Blauelster ist ein sehr lauter und geselliger Vogel, der das ganze Jahr in kleinen Trupps lebt. Sie ist sehr standorttreu und besitzt ein ausgedehntes Territorium, das sie nur verläßt, wenn die Wetterbedingungen schlecht sind und bewegt sich gewohnheitsmäßig innerhalb dieser Zone. Die Blauelster ist ein immer besorgter, kreischender Vogel und es scheint, daß die kontinuierlichen Rufe den Zusammenhalt innerhalb der Gruppe aufrechterhalten. Am Abend versammeln sich die Blauelstern an ihren Schlafstellen, wo sich Hunderte von Individuen und noch mehr sich einfinden. Während der Brutsaison ist die Blauelster außergewöhnlich aggressiv und greift jeden Eindringling einschließlich den Menschen an, wenn er sich dem Nest nähert. Rufe alarmieren die Paare und die kleinen Trupps, die den Eindringling dann angreifen. Die Blauelster nistet in losen Kolonien, die ungefähr 14 Paare auf einem Hektar bilden können. Auch die Nahrungssuche erfolgt in kleinen Trupps. Dabei hält die Blauelster Früchte oder auch Aas mit ihren Krallen fest und verzehrt so die Nahrung mit ihrem kräftigen Schnabel. Sie jagt und erbeutet Insekten (Insecta) im Flug. Im Winter nähert sie sich den Wohnsiedlungen und ernährt sich von den Nahrungsresten, die sich in den Mülleimern befinden. Sie kann aber auch Larven von Insekten (Insecta) aus den Rinden der Bäume extrahieren. Die Paarungszeit der Blauelster beginnt im auslaufenden Winter. Das Männchen nähert sich mit halboffenen vibrierenden Flügeln, mit gesträubten Nackenfedern und mit leicht gefächertem Schwanz dem Weibchen. Dabei neigt das Männchen den Kopf und stolziert um das Weibchen herum. Das Balzverhalten kann sehr laut sein und findet in dichten Gruppen statt, das dann am Boden, unter den Bäumen und auf den Zweigen fortgesetzt wird. Die Art erbringt den Beweis der Geselligkeit in allen Situationen, das kann das Beschützen der Küken eines anderen Paares sein, indem sie Eindringlinge von dem Nest fernhält und es verteidigt oder aufpasst, dass die Küken nicht aus dem Nest fallen. Die Blauelster kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa zehn bis zwölf Jahren erreichen.

Blauelster
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Unterarten

Verbreitung

Die Blauelstern, die in Spanien und in Portugal vorkommen, könnten von Vögeln stammen, die im 15. Jahrhundert von ehemaligen Seefahrern aus Ostasien eingeführt wurden. Jedoch hat die Entdeckung von Fossilien dieser Art, die aus dem Oberen Pleistozän, vor etwa 40.000 Jahren stammen, in Gibraltar im Jahre 2000 schließlich bewiesen, daß die Blauelstern in diesen Regionen schon sehr lange existieren. Neue genetische Studien bezeichnen zwei getrennte Populationen dieser Art, und zwar die eine Population, die in Europa lebt und die andere Population, die in Südostasien vorkommt. Die Unterschiedlichkeit in der Geschwindigkeit der Artbildung kann man ausgezeichnet an den Eiszeitfolgen beobachten.
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Blauelster
Diese Klimaveränderung ließ sehr viele Arten der Nordhalbkugel ihre Verbreitung nach Süden verlagern, wodurch aufgrund der geographischen Gegebenheiten mindestens zwei Populationen entstanden. In diesem Falle auch bei der Blauelster. Mit dem Rückgang der Gletscher wanderten diese zuvor getrennten Populationen oft wieder nordwärts, wodurch Paarungen zwischen ihren verschiedenen Mitgliedern wieder möglich wurden. Sie können aber auch schneller Eigenschaften erwerben, die ihre Überlebenswahrscheinlichkeit in dem sich erwärmenden südlichen Gebiet erhöhen, das sie inzwischen bewohnen, als die Gletscher zurückgingen und daher in ihrem neuen, zerrissenen Verbreitungsgebiet bleiben und dieses nicht nach Norden zurückverlegen. Bekanntestes Beispiel hierfür ist auch wieder die Blauelster.

Die Blauelster lebt in Dickichten von Hochwäldern, die sich in einer Höhe unterhalb von 1.600 Metern befinden. Sie zieht Eichenwälder, Kiefernwälder und Pinienwälder vor, aber sie akzeptiert auch Obstgärten, die nahe bei den Flüssen liegen. Die Blauelster besucht auch gerne Gärten und Parkanlagen sowie Strassenränder und hält sich ebenfalls im Wüstengelände auf. Allerdings müssen dort Bäume vorhanden sein, damit die Blauelster bei Gefahr auf diese Bäume flüchten kann. Das Verbreitungsgebiet ist in zwei weit auseinanderliegenden Populationen zergliedert. Die eine Population kommt in Spanien vor, dort besiedelt sie Katalonien und Valencia und in Portugal den südlichen Teil. Die andere Population befindet sich im Südosten Asiens und besiedelt dort Tibet, Japan, Korea, China, das südöstliche Russland und die südliche Mongolei.

Ernährung

Die Blauelster ist in ihrer Nahrung nicht wählerisch. Sie ernährt sich von Früchten, Beeren, Samen, Gräsern und Halmen und von Insekten (Insecta) sowie von kleinen Reptilien (Reptilia). Im Sommer nimmt die Blauelster hauptsächlich große Insekten (Insecta) und deren Larven zu sich, während sie im Herbst Samen und Früchte pickt. Im Winter macht sie auch vor Aas nicht halt. Nebenbei verspeist die Blauelster auch gerne Tauwürmer (Lumbricus terrestris) und Raupen des Eichen-Prozessionsspinner (Thaumtopoea processionea). Hinzu kommen die Geflügelten Insekten (Pterygota) wie zum Beispiel geflügelte Ameisen (Formicoidea) sowie Geradflügler (Orthoptera) in allen Größen. Je nach Region ernährt sich die Blauelster von Eicheln und von Oliven. Des weiteren hält sich die Blauelster in Wohnsiedlungen auf, vor allem im Winter, um dort nach Fressbarem in den Mülleimern zu suchen.

Fortpflanzung

Blauelster-Gelege
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Blauelster-Gelege

Das Nest der Blauelster besteht überwiegend aus Zweigen, die fast 50 Prozent des Nestes ausmachen. Zwischen den Zweigen befinden sich Flechten, Lappen und Papier, die eine feine Schicht bilden, auf der eine gehäufte Erdschicht von 5 Millimetern Dicke beruht. Das Nestinnere wird mit 60 Prozent Moos ausgestattet und der Rest durch kleine Stücke von Papier, Stoff, Wollenden und Haustierhaaren ausgepolstert. Das Nest wird von den zwei Partnern in einem Baum, etwa in einer Höhe von 3 bis 15 Metern gebaut. Die Mehrheit der Nester befindet sich entweder auf dem ersten Zweig eines Baumes oder in der Abschlußgabel einer Pinie in einer Höhe von acht Metern. Die Konstruktion des Nestes dauert zwischen 10 und 15 Tagen. Ein altes Nest wird nie wieder verwendet.

Das Weibchen legt Anfang Juni fünf bis sechs beigefarbene, gräuliche bis weißliche Eier, die dunkelgrüne, violette oder gräuliche Flecken aufweisen. Die Größe der Eier liegt bei 27 mal 19,5 Millimeter. Das Weibchen wärmt die Eier etwa 17 Tage lang. Das Männchen versorgt das Weibchen während dieser Zeit mit Nahrung und entfernt alle halbe Stunde auch die Fäkalien des Weibchens. Nach etwa 17 Tagen schlüpfen die Küken und sie sind schon mit einem Dunenkleid bedeckt.
Blauelstern
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Blauelstern
Das Schnabelinnere der Küken ist karmesinrot und der Schnabelrand ist glänzend und weist eine blass rosafarbene Tönung auf. Gleich nach dem Schlupf der Küken pickt das Weibchen die Eierschalen im Nest auf. Die Altvögel ernähren die Küken durch Regurgitation (Wiederhochkommen von Nahrung in den Schnabel), im Durchschnitt fünf- bis sechsmal pro Stunde. Die Ankunft eines Partners wird durch starkes Kreischen begrüßt, aber wenn eine Gefahr droht, dann alarmieren die Altvögel die Küken durch einen speziellen Ruf und die Küken ducken sich im Nest und verhalten sich ganz ruhig.

Wenn die Jungvögel das Nest verlassen, ist ihr Schwanz noch sehr kurz und die Flügel sind wenig entwickelt. Es vergehen noch etwa 17 Tage bis sie sich auf den Zweigen, die sich unmittelbar neben dem Nest befinden, halten können und dort ihre Nahrung weiterhin von den Altvögeln fordern. Nach vier bis fünf Monaten erkennt man bei den Jungvögeln den Ansatz einer grauen Kappe, die dann nach und nach die tief schwarze Färbung wie bei den Altvögeln annimmt. Die Jungvögel sind insgesamt dunkler und bräunlicher gefärbt, ausgenommen die vereinzelten beigefarbenen Federspitzen auf dem Kopf, der ansonsten schwärzlich geschönt ist. Der Rücken ist ebenfalls bräunlicher gefärbt und weist eine grau-blaue Spiegelung auf. Die Lebenserwartung der Blauelster kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa zehn bis zwölf Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Die Blauelster gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten und der Bestand ist somit gesichert. Das globale Verbreitungsgebiet der Blauelster erstreckt sich annähernd von 1.000.000 bis 10.000.000 Quadratkilometer. Die Blauelster ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen, einschließlich geschätzte 520.000 bis 920.000 Blauelstern in Europa (BirdLife International in prep). Die globale Population wurde jedoch bisher noch nicht ermittelt. In der Roten Liste der IUCN wird die Blauelster als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

Links

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