Blauer Eisenhut

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Bild:Giftig.png Blauer Eisenhut

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Delphinieae
Gattung: Eisenhut (Aconitum)
Art: Blauer Eisenhut
Wissenschaftlicher Name
Aconitum napellus
Linnaeus, 1753

Der Blaue Eisenhut (Aconitum napellus), im Englischen als Common monkshood bezeichnet, ist eine Pflanze aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae) und zählt im Tribus der Delphinieae zur Gattung der Eisenhüte (Aconitum). Erstmals beschrieben wurde der Blaue Eisenhut im Jahre 1753 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Der Blaue Eisenhut ist eine ausdauernde Staude mit einer Höhe von 50 bis 150 Zentimetern. Er besitzt eine rübenartige Wurzel, welche jedes Jahr eine neu Knolle entwickelt, während die alte Knolle abstirbt. Aus dieser Wurzel steigt der oft leicht behaarte Stengel auf, er trägt tiefgeschlitzte, fünf- bis siebenlappige und gestielte Blätter. Sie sind oberseitig dunkelgrün, von unten etwas heller. Die tiefblauen, metallisch glänzenden und helmartig geformten Blüten, welche in der Blütezeit zwischen Juni und September zum Vorschein kommen, sitzen gestielt in einem ährenartigen Blütenstand im oberen Teil der Pflanze. Sie können, vor allem bei Zuchtrassen für Ziergärten etwas weißlich, aber auch mehr violett oder rötlich sein. Die Blüte des Blauen Eisenhutes besteht neben den unter der Blüte liegenden Kelchblättern und den zu Fortpflanzungsorganen ausgebildeten Blättern (Staub- und Fruchtblätter) aus fünf Kronblättern, welche der Blüte die charakteristische Form verleihen. Die beiden unteren Kronblätter sind oval und nach außen zugespitzt, die beiden seitlichen Kronblätter sind fächerförmig und das fünfte Kronblatt ist helmförmig ausgebildet und umschließt unter sich zwei lang gestielte Honigblätter mit mit süßem Nektar.

Die Form der Blüten macht den Eisenhut sehr wertvoll für Hummeln (Bombus).

Toxizität, Inhaltsstoffe

Der Blaue Eisenhut ist eine der giftigsten einheimischen Pflanzen Europas, wenn nicht sogar die giftigste europäische Pflanze überhaupt. Mit feuchten Händen droht bereits eine Vergiftung beim bloßen, längerfristigen Hautkontakt, denn einige der beinhaltenden Giftstoffe können mit etwas Feuchtigkeit durch die gesunde und geschlossene Haut dringen, lediglich die dicke Hornhaut an den Hand- und Fußunterseiten ist bei erwachsenen Menschen kaum durchdringbar für die Giftstoffe. Zu den giftigen Inhaltsstoffen, welche vermutlich auch alle zur homöopathischen Wirkung beitragen, zählen die Alkaloide Picroaconitin, Mesaconitin und Hypaconitin sowie die Alkamine Aconin, Napellin, Neopellin und Neolin. Der wirksamste und giftigste Inhaltsstoff der Pflanze ist jedoch das Alkaloid Aconitin, es kann für einen 70 Kilogramm schweren und gesunden Menschen bereits ab einer Dosis von
Blauer Eisenhut: Ansicht der Blüten
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Blauer Eisenhut: Ansicht der Blüten
etwa 5 Milligramm tödlich wirken, was es um ein vielfaches wirksamer als alte Rattengifte mit dem Wirkstoff Strychnin macht. In 2 Gramm der Wurzel ist bereits eine tödliche Menge des Aconitins enthalten, ab 0,2 Gramm frischer Wurzelsubstanz sind Vergiftungserscheinungen zu erwarten.

Vergiftung

In erster Linie gilt es, eine Vergiftung zu vermeiden. Im Gegensatz zu anderen hochgiftigen Pflanzen, wie zum Beispiel der Schwarze Tollkirsche (Atropa belladonna), sieht weder die Pflanze Blauer Eisenhut, noch irgend welche Pflanzenteile von ihr aus, als würden sie zum Verzehr laden oder verführen. Dies macht sie für Kleinkinder schon ein ganzes Stück ungefährlicher. Jedoch kann bereits Hautkontakt zu Vergiftungen führen, was bedeutet, dass Kleinkinder mit ihrer zarten Haut beim Zusammenstellen von Blumensträußen besonders gefährdet sind, eine Kontaktvergiftung zu erleiden. Also sollte die Pflanze den Kindern so früh wie möglich als "Giftkraut" bekannt gemacht werden, denn bei allergischen Reaktionen kann selbst eine Kontaktvergiftung unangenehme Folgen haben. Außerdem ist dringend von einer Selbstmedikation abzuraten, vor allem, wenn man sich selbst einen Tee oder ähnliches aus der Pflanze braut bzw. zusammenstellt. Bei sachgemäßer Handhabung mit der Pflanze (Schutzhandschuhe bei der Gartenarbeit tragen) und mit pharmazeutischen und homöopathischen Mitteln sind Vergiftungen glücklicherweise selten.

Giftwirkung

Bereits wenige Minuten nach einer akuten Vergiftung (peroraler Intoxikationsweg, also durch den Mund) tritt ein Brennen und Kribbeln im Mund auf Das Kribbeln verteilt sich über den ganzen Körper. Gleichzeitig beginnen heftige Schweißausbrüche aufzukommen, welche von einem Frösteln und Kältegefühl abgelöst werden. Weitere Vergiftungssymptome sind Übelkeit, starker Speichelfluss, Durchfall und Erbrechen. Danach werden die Gliedmaßen gelähmt und können beginnen abzusterben. Des Weiteren kann Bewusstlosigkeit auftreten und die Atmung wird sehr flach, da auch die Atemmuskulatur über das Nervensystem angegriffen wird. Der Tod tritt für gewöhnlich durch akutes Kreislaufversagen ein, oftmals bereits 20 Minuten nach der Vergiftung. Erste-Hilfe-Leistung muss sehr schnell erfolgen. Es ist sofort ein Notarzt zu verständigen. In der Zeit zwischen Benachrichtigen und Eintreffen des Notarztes ist der Magen zu entleeren, in dem eine Salzwasserlösung (1-2 Esslöffel Salz je Glas) getrunken wird und anschließend ein Finger auf den Zungengrund gedrückt wird. Danach sollte, wenn der Arzt immer noch nicht eingetroffen ist, 20 bis 30 Gramm medizinische Kohle oder Tierkohle aufgeschwemmt in Wasser zu sich genommen werden. Alle weiteren Maßnahmen übernimmt der Arzt.

Anwendung

Allgemeines und Historisches

Blauer Eisenhut: Ansicht des Inneren der Blüte nach dem Auseinanderklappen der rechten Kronblätter und Entfernen des oberen Kronblattes
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Blauer Eisenhut: Ansicht des Inneren der Blüte nach dem Auseinanderklappen der rechten Kronblätter und Entfernen des oberen Kronblattes

Im Altertum waren Eisenhutmittel als Mordgift bekannt. Schwerter und andere Kampfwaffen wurden damit eingerieben, um größeres Verletzungs- bzw. in diesem Fall Vergiftungspotential erreichen zu können. Für die Jagd wurden Pfeil- und Speerspitzen mit Einhut eingerieben. Weil solche auch gegen Wölfe (Canis lupus) eingesetzt wurden, wird der Blaue Eisenhut, so wie auch die anderen Aconitum-Arten, im Volksmund Wolskraut genannt. Plinius zu Folge wurden Eisenhüte lediglich bei Augenleiden angewendet, auch die mittelalterliche Medizin hielt sich bei Eisenhut zurück. In der Volksmedizin fanden Eisenhüte erst Anwendung, als die Homöopathie sich ihrer annahm.

Heilwirkung, eigentliche Anwendung

Zu den arzneilich wirksamen Pflanzenteilen des Blauen Eisenhutes zählt vor allem die diesjährige Wurzelknolle, aber auch das gesamte oberirdische Kraut findet während der Blütezeit Verwendung. Die medizinische Drogenbezeichnung lautet Aconiti Tuber für die Knolle sowie Aconiti Herba für das Kraut. In pharmazeutischen Dosierungen wirkt der Blaue Eisenhut über das Nervensystem fast auf den gesamten Organismus. Vorwiegend angewendet wird der Eisenhut besonders als schmerzlinderndes Mittel bei Neuralgien, Ischias, Gicht und anderen. Auch gegen Fieber, Migräne, Erkältungskrankheiten wie Schnupfen und Bronchialkatarrh und bestimmten Herzleiden verwendet man häufig Eisenhutpräberate. Gelegntlich werden noch Präparate als Tinktur für innerlichen und als Salbe für äußerlichen Gebrauch vom Arzt verordnet. Das Homöopathikum Aconitum wird ab der vierten Potenz (D4) verwendet, in Kombinationspräparaten auch mit niedrigeren Potenzen. Der Bestandteil Aconitin wird unter anderem gegen Rheuma eingesetzt und untersteht der Verschreibungspflicht.

Verbreitung

Der Blaue Eisenhut ist in weiten Teilen Europas verbreitet. In den Alpen ist er auf Almen sehr weit verbreitet und sorgt dort immer wieder für den Tod von Weidevieh, weshalb er auch den Volksnamen Ziegentod trägt. Er lebt bevorzugt auf humosen oder gedüngten und feuchten Weiden und Feldern. Im Alpenraum gilt er als Unkraut, wenn auch als ein wunderschönes, denn hier tritt
Blauer Eisenhut -Ansicht der Laubblätter. Links Unter- und rechts Oberseite.
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Blauer Eisenhut -Ansicht der Laubblätter. Links Unter- und rechts Oberseite.
er häufig massenhaft auf. Im Hochgebirge ist der Blaue Eisenhut bis in 3.000 Meter anzutreffen, sofern es sich um gut besonnte Bergabschnitte handelt. Auch in vielen Mittelgebirgen Europas war der Blaue Eisenhut einst heimisch, mittlerweile jedoch ist es vielerorts selten geworden oder gar ausgerottet.

In Deutschland ist der Bestand des Blauen Eisenhutes in der Natur bedroht. Dem entsprechend steht er, genauso, wie alle anderen Arten seiner Gattung auch, unter Schutz. Er darf nicht von seinem Standort entfernt werden. Seine größte Bedrohung ist der Rückgang seiner Lebensräume sowie die ständigen Eingriffe in entsprechende Lebensräume, beispielsweise durch die extreme Bewirtschaftung von Weiden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tier und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • Richard Willfort: Gesund durch Heilkräuter, 9. Auflage 1967, Rudolf Taruner Verlag Linz, (ohne ISBN-Nummer)
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