Blutgesichtsspecht
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| Blutgesichtsspecht | |
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| Systematik | |
| Klasse: | Vögel (Aves) |
| Unterklasse: | Neukiefervögel (Neognathae) |
| Ordnung: | Spechtvögel (Piciformes) |
| Familie: | Spechte (Picidae) |
| Unterfamilie: | Echte Spechte (Picinae |
| Gattung: | Melanerpes |
| Art: | Blutgesichtsspecht |
| Wissenschaftlicher Name | |
| Melanerpes lewis | |
| Gray, 1849 | |
| IUCN-Status | |
| Near Threatened (NT) - IUCN
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Der Blutgesichtsspecht (Melanerpes lewis) zählt innerhalb der Familie der Spechte (Picidae) zur Gattung Melanerpes.
Inhaltsverzeichnis |
Beschreibung
Aussehen und Maße
Der Blutgesichtsspecht erreicht eine Körperlänge von 27 bis 28 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 49 bis 53 Zentimeter sowie ein Gewicht von 90 bis 140 Gramm. Die Geschlechter weisen keinen Dimorphismus auf. Das Gefieder der Weibchen ist lediglich etwas stumpfer gefärbt und die rötliche Tönung des ventralen Gefieders fällt etwas schwächer aus. Der Körperbau der Blutgesichtsspechte kann durchaus als kräftig bezeichnet werden. Der leicht oval geformte Kopf ist im Verhältnis zum Körper relativ groß. Dieser Eindruck wird durch den kurzen Hals verstärkt. Auch der Schwanz ist recht lang, er weist eine Länge von 10 bis 11 Zentimeter auf. Der ausgesprochen kräftige Schnabel ist dunkelgrau bis blaugrau gefärbt. Er ist gerade geformt und läuft zur Spitze hin spitz zu. Die Nasenlöcher liegen auf der Oberseite des Schnabel nahe des Ansatzes und sind länglich geformt. Das Rückengefieder und der Oberkopf sind überwiegend schwarz bis blauschwarz gefärbt und schimmert je nach Lichteinfall leicht grünlich. Der Nacken und der obere Teil der Brust weisen eine gräulich bis weißlich durchsetzte Färbung auf. Die Bauchseite ist rötlich bis rosarot gefärbt. Namensgebend ist die auffällige Färbung des Gesichtsbereiches. Hier zeigt sich eine rote bis kaminrote Färbung. Zwischen der roten Gesichtsfärbung und der eher gräulichen Brust zeigt sich ein schwarzblaues Band. Die Extremitäten weisen eine gräuliche Färbung auf.
Lebensweise
Blutgesichtsspechte sind tagaktive Vögel und gehören zu den Teilziehern. Im Winter wandern sie vor allem aus den nördlichen Verbreitungsgebieten ab und verbringen die kalte Jahreszeit in den südwestlichen US-Bundesstaaten oder im nördlichen Mexiko. Nur in südlichen Verbreitungsgebieten gelten sie als Standvögel. Außerhalb der Paarungszeit sind Blutgesichtsspechte durchaus gesellig, sie sind meist in größeren Gruppen anzutreffen. Während der Paarungszeit ändert sich dieses Verhalten, sie leben in einer monogamen Saisonehe und beanspruchen ein Brutrevier, in dem keine Artgenossen geduldet werden. Nicht selten kommt es dabei zu heftigen Luftkämpfen mit Artgenossen. Auch wenn man Blutgesichtsspechte durchaus auch auf dem Boden beobachten kann, leben sie jedoch hauptsächlich in den Bäumen. Hier zeichnen sie sich als gewandte Kletterer aus. Ein Hauptmittel der Kommunikation untereinander ist das Trommeln mit dem Schnabel auf Holz. Dies dient zum einen der Revierabgrenzung und zum anderen ist das Trommeln ein Teil des Balzrituals während der Paarungszeit. Wenn Blutgesichtsspechte nicht gerade aktiv sind, sieht man sie oft an exponierter Lage beim Sonnenbaden. Dabei sitzen sie meist hoch oben in den Bäumen.Verbreitung
Blutgesichtsspechte sind im Nordwesten und Westen Nordamerikas verbreitet. In den USA werden vor allem die nordwestlichen Bundesstaaten besiedelt. Die Hauptpopulationen erstrecken sich dabei über Oregon, dem südlichen Washington und dem westlichen Montana. In südlicher Richtung nehmen die Bestände immer weiter ab und gehen in Richtung südliches Kalifornien gegen null. Kleinere Population treten im südwestlichen Kanada, insbesondere in British-Columbia auf. Blutgesichtsspechte besiedeln Waldflächen mit altem Baumbestand, in denen sie ihre Nisthöhlen errichten können. Sie sind dabei sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen in Höhen von bis zu 1.000 Metern über NN.
Prädatoren
Zu den natürlichen Fressfeinden des Blutgesichtsspechtes, dessen Eier und Brut gehören insbesondere der Star (Sturnus vulgaris), Habichte und Sperber wie der
Eckschwanzsperber (Accipiter striatus) und der Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii) sowie verwilderte
Hauskatzen (Felis silvestris forma catus). Bei Gefahr versuchen Blutgesichtsspechte einen Angreifer mit lautem Geschrei zu vertreiben, wobei das Gelege und die Nestlinge vehement verteidigt werden. Ansonsten sucht der Blutgesichtsspecht sein Heil eher in der Flucht oder versteckt sich vor Fressfeinden.
Ernährung
Blutgesichtsspechte gehören zu den Allesfressern, die sich zu etwa zwei Dritteln von tierischer Nahrung ernähren, das restliche Drittel entfällt auf pflanzliche Nahrung in Form von Waldfrüchten wie Eicheln und ähnliches sowie Beeren und gelegentlich auch Früchte. An tierischer Kost bevorzugen sie Geradflügler (Orthoptera), Käfer (Coleoptera), Ameisen (Formicoidea) sowie andere Insekten (Insecta) und kleine wirbellose Tieren. Besonders schmackhaft sind dabei Insektenlarven. Saisonal schwankt die Zusammensetzung der Nahrung stark, so wird im Frühjahr und Sommer überwiegend auf tierische Nahrung zurückgegriffen, im Herbst und Winter eher auf Beeren und Waldfrüchte. Auf Nahrungssuche ist der Blutgesichtsspecht sowohl auf dem Erdboden als auch im Geäst der Bäume unterwegs. Die meiste Zeit verbringt er bei der Nahrungssuche allerdings in den Bäumen, sowohl im Geäst als auch an den Stämmen, wo er eifrig nach potentieller Beute stochert. Hartschalige Nüsse werden zwischen Astgabeln, den sogenannten Spechtschmieden, geklemmt und mit dem kräftigen Schnabel aufgehackt.
Fortpflanzung
Die Geschlechtsreife wird mit gut einem Jahr erreicht. Die Paarungszeit der Blutgesichtsspechte beginnt meist im April oder im Juni. Während dieser Zeit kommt es zu einem Jahresgelege. Ihre Lebensweise kann dabei durchaus als monogam bezeichnet werden. Während der Balz kommt es zu dem charakteristischen Spechtklopfen und Darreichen von Nahrung. Wie alle Spechte, so ist auch der Blutgesichtsspecht ein Höhlenbrüter. Die Bruthöhle wird in der Regel im Totholz oder in morschen Bäumen gezimmert. Meist wird eine große Hohe von bis zu 20 Metern als Standort gewählt. Diese Höhlen werden dann für gewöhnlich über mehrere Jahre genutzt. An dem Nestbau sind beide Geschlechter gleichermaßen beteiligt. Mit dem kräftigen, meißelartigen Schnabel kann der Blutgesichtsspecht problemlos auch Höhlen bis in Tiefen von 40 Zentimeter meißeln. Gelegentlich übernimmt er aber auch bestehende Höhlen und baut sie nur aus. Die Höhlen werden meist in mittleren Höhen angelegt. Das Zimmern der Höhle dauert rund drei bis vier Wochen. Der Eingang zur Baumhöhle weist einen Durchmesser von gut 60 Millimeter auf.
Das Weibchen legt zwischen fünf und acht (durchschnittlich sechs) weißliche und oval geformte Eier, die über einen Zeitraum von etwa 14 bis 16 Tagen gewärmt werden. Männchen wärmen die Eier in der Regel während der Nacht. Die Eier wurden im Abstand von einem Tag gelegt. Bei Gelegeverlust kann es durchaus zu Nachgelegen kommen. Die geschlüpften Küken sind beim Schlupf noch nackt und blind. Aus dem Ei hat sich ein Küken mit Hilfe des Eizahns befreit, der kurz nach dem Schlupf abfällt. Ab dem fünften Lebenstag öffnen die Küken erstmals ihre Augen, zwischen dem 10. und 20. Lebenstag bildet sich das Gefieder aus. Die Nestlingszeit beträgt zwischen 28 und 35 Tagen. Während dieser Zeit werden die Jungvögel von beiden Elternteilen mit Insekten und deren Larven gefüttert. Nachdem die Jungvögel ihre Flugfähigkeit erlangt haben, fliegen sie aus, bleiben jedoch noch eine Zeit in der Nähe der Altvögel. Auch während dieser Phase erhalten sie noch Nahrung von den Eltern. Im Laufe des dritten Lebensmonates verlassen die Jungvögel den Familienverband endgültig, bleiben aber noch einige Tage im Revier der Eltern. Die Lebenserwartung liegt bei acht bis zehn Jahren.
Ökologie
In der Nähe des Menschen sind Blutgesichtsspechte keine gern gesehenen Gäste, da sie mit Vorliebe Früchte und Beeren in Obstgärten fressen. Dabei sind Blutgesichtsspechte ausgesprochen nützlich, da sie die Populationen insbesondere von Schadinsekten regulieren. Die Bruthöhlen werden ausschließlich in Totholz angelegt, Blutgesichtsspechte schädigen somit keinen gesunden Baumbestand. Daher ist es unerlässlich Wälder nicht von Totholz zu reinigen.
Gefährdung und Schutz
Blutgesichtsspechte gehören trotz des relativ kleinen Verbreitungsgebietes noch nicht zu den gefährdeten Arten. Dennoch stehen die Tiere in den USA unter Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird der Blutgesichtsspecht als nicht gefährdet geführt (LC, Least Concern). In die Nähe des Menschen dringt der Blutgesichtsspecht nur selten vor, da er montane Wälder bevorzugt. Dennoch haben Langzeitstudien ergeben, dass in den letzten zehn Jahren der Bestand um rund die Hälfte abgenommen hat. Der Hauptgrund dürfte in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume zu suchen sein. Laut der BirdLife International, einer Specialgroup der IUCN, soll sich der Gesamtbestand auf etwa 130.000 Individuen belaufen. Das Verbreitungsgebiet umfasst eine Fläche von etwa 2,1 Millionen Quadratkilometer. <1>
Anhang
Literatur und Quellen
- Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
- Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
- Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
- Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

