Blutschnabelmöwe

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Blutschnabelmöwe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Unterordnung: Lari
Familie: Möwen (Laridae)
Gattung: Leucophaeus
Art: Blutschnabelmöwe
Wissenschaftlicher Name
Leucophaeus scoresbii
(Traill, 1823)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Blutschnabelmöwe (Leucophaeus scoresbii), auch unter den Synonymen Larus scoresbii und Gabianus scoresbii bekannt, zählt innerhalb der Familie der Möwen (Laridae) zur Gattung Leucophaeus. Im Englischen wird die Blutschnabelmöwe dolphin gull genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Blutschnabelmöwe ist eine ziemlich große Möwe und erreicht eine Körperlänge von etwa 38,0 bis 46,0 Zentimeter. Das Obergefieder weist eine hellgraue Färbung auf, während die Flügel von einer schwarzen Tönung sind. Der sehr große und kräftige Schnabel weist eine knallrote Färbung auf. Im Gesicht zeigt sich ein feiner dünner rot gefärbter Augenring. Die Beine und die Füße sind lebhaft orange-rot geschönt. Die Iris der Augen weist eine leuchtend gelbe Tönung auf. Im Flug ist die schwarze Färbung der dorsalen Flügel gut sichtbar, zusätzlich erkennt man auch deutlich die weiß gefärbten Kanten an den Flügeln. Das Gefieder der Jugendlichen weist insgesamt eine hellgraue bis dunkelgraue Färbung auf.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN lebt die Art in Kolonien an den Küsten im Süden von Chile und Argentinien, Feuerland und an den Küsten der Falkland-Inseln. Die Kolonien sind entlang der südamerikanische Küste zahlreich, aber in der Regel sehr klein, selten mehr als 200 Paare (del Hoyo et al. 1996). In Argentinien wird die Gesamtpopulation auf etwa 700 Paare geschätzt. Auf den Falkland-Inseln gibt es etwa 3.000 bis 6.000 Paare, die häufig weit in kleinen Kolonien (Woods und Woods 1997) verteilt sind. Häufig sieht man die Blutschnabelmöwe einzeln, in Paaren oder in kleinen Gruppen verteilt in den Kolonien von Kormoranen, Pinguinen, Seelöwen oder See-Elefanten auf der Suche nach Abfällen, von denen sich die Blutschnabelmöwe gelegentlich ernährt. Manchmal werden auch unbeaufsichtigte Eier von Kormoranen und Pinguinen erbeutet.

Verbreitung

Blutschnabelmöwe
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Blutschnabelmöwe

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Blutschnabelmöwe in Argentinien, Chile und auf den Falklandinseln (Malvinas) vor. Als Durchzügler trifft man die Blutschnabelmöwe auf Südgeorgien und auf den Südlichen Sandwichinseln an. Die Blutschnabelmöwe hält sich in folgenden Lebensräumen auf: Neritische pelagische Zonen, intertidale Felsenküsten, Sandbänke, Strände, Kiesstrände, Küsten- und Uferstreifen, Gezeiten-Pools, supratidale Klippen und Felsen der Offshore-Inseln und supratidale Süßwasserseen.

Ernährung

Die Blutschnabelmöwe ernährt sich vorwiegend von Fisch sowie von wirbellosen Tieren wie zum Beispiel Insekten, Weichtiere und Termiten. Ferner erbeutet die Art auch die Eier der Reiher, der Pinguine und der Kormorane. Gelegentlich werden auch tote Fische verzehrt.

Fortpflanzung

Die Blutschnabelmöwe brütet in Kolonien und die Nester liegen oft weniger als 1 Meter auseinander. In der Regel werden die Nester auf blankem Boden oder in Klumpen von Schilf und Papyrus auf Inseln oder auf schwimmender Vegetation platziert. Oft werden die Nester auch in hoher, dichter Vegetation, gut getarnt angelegt. Das Nest selbst ist eine gut ausgebaute tassenförmige Konstruktion und wird mit je nach Standort mit Binen und Gräsern ausgekleidet. Das Weibchen legt in der Regel zwei oder drei Eier. Es kommt nur einmal zu einer Jahresbrut. Am Brutgeschäft und der Aufzucht der Jungen beteiligen sich beide Elternteile. Nach einer Brutdauer von 28 bis 30 Tage schlüpfen die Jungmöwen, die nur wenige Tage von den Eltern gehudert werden. Sie werden mit vorverdauter Nahrung gefüttert.
Blutschnabelmöwe - immature
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Blutschnabelmöwe - immature
Nach rund 45 Tagen sind sie flügge und verfügen uber ein bräunlich graues Gefieder. Jungmöwen bleiben noch einige Wochen bei den Eltern und werden noch gefüttert. Ihr adultes Gefieder bekommen sie erst mit Beginn der Geschlechtsreife mit vier Jahren.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Blutschnabelmöwe heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Die Blutschnabelmöwe ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Blutschnabelmöwe selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Blutschnabelmöwe als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Verwilderte Katzen, Ratten, Amerikanische Nerze (Neovison vison) und Andenschakale (Pseudalopex culpaeus) wurden früher auf den Falkland-Inseln eingeführt. Die Auswirkungen auf die Art sind bisher noch nicht bekannt (Croxall et al. 1984). Die Zerstörung von Lebensräumen und die Modifikation aufgrund eingeführter Kaninchen können eine gewisse Auswirkung auf die Verteilung der Art gehabt haben. Die Insel Chiloé, ein wichtiger Brutplatz für die Art in Chile, ist dicht besiedelt und viele Aquakulturfarmen wurden entlang der Küstenlinien etabliert (Duffy et al. 1984).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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