Boas

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Boas
Kaiserboa (Boa constrictor imperator)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Riesenschlangen (Boidae)
Unterfamilie: Boas
Wissenschaftlicher Name
Boinae
Linnaeus, 1758

Boas (Boinae) sind eine Unterfamilie aus der Familie der Riesenschlangen (Boidae). Die Unterfamilie besteht aus 7 Gattungen und bewohnt vor allem die neue Welt. Alle Boas sind lebendgebärende, ungiftige Würgeschlangen. Erstmals beschrieben wurden die Boas im Jahre 1758 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Aus den Überresten von Becken und Beinknochen schließen Wissenschaftler, dass die Boas, wie die Pythons von den Waranen (Varanus) abstammen. Sie hätten sich dann etwa zur Zeit von Tyrannosaurus rex entwickelt, also in der Kreidezeit, welche vor 65 Millionen Jahre endete. Die äußerlich zu sehenden Überreste werden Aftersporne genannt, sie liegen links und rechts neben der Kloake. Die Aftersporne werden heutzutage nur noch bei der Paarung eingesetzt.
Große Anakonda (Eunectes murinus)
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Große Anakonda (Eunectes murinus)

Siehe auch: Hauptartikel Schlangen

Beschreibung

Aussehen und Maße

Boas sind kräftig gebaute Schlangen (Serpentes). Sie erreichen je nach Art Längen von knapp 90 cm (Neuguinea-Boa (Candoia carinata)) bis auf über 800 cm (Große Anakonda (Eunectes murinus)). Die meisten Boas messen jedoch um 150 bis 200, selten über 300 cm Länge. Der Kopf ist zumeist deutlich vom Körper abgesetzt. Die Grundfarbe ist in der Regel dunkel und reicht von fast schwarz, über braun, graubraun, grau, dunkelrot bis hin zu orange und dunkelgelb. Der Grüne Hundskopfschlinger (Corallus caninus) hat als einzigste Boa immer eine dunkel- bis hellgrüne Grundfärbung. Die Muster sind kreis- oder rautenförmig und oft durch Punkte oder Flecken unterbrochen. Die Hundskopfschlinger sind weiß bis weiß-gelb gefleckt und liniert. Die Zeichnung kann sich auch linienartig über den Rücken ziehen. Die Färbung der Musterung variiert zwischen schwarz, braun, grau, gelb, grün und weiß und sind oft dunkel umrandet. Das Gewicht schwankt gewaltig: Die kleineren Boas wie die Pazifik-Boas (Candoia) bringen meist um 1000 bis 4000 Gramm auf die Waage, größere wie die Abgottschlangen (Boa) bringen es auf 10 bis 30 kg. Die Große Anakonda kann bis 220 kg wiegen und ist damit die schwerste Schlange der Welt.

Gelbe Anakonda (Eunectes notaeus)
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Gelbe Anakonda (Eunectes notaeus)

Anatomie und Sinne

Boas haben eine lange, biegsame Wirbelsäule. Sie besteht aus 300 bis 450 Wirbeln. Die Wirbelanzahl ist, bis auf wenige Individuen, arttypisch. An jedem Wirbel zwischen der Schwanzwirbelsäule und dem Hals liegt ein Paar Rippen. Die Rippen können auf Grund des Fehlens eines Brustbeins weit gespreizt werden. Wie bereits erwähnt, besitzen Boas noch Reste von Becken und Hinterbeinen. Diese liegen links und rechts neben der Kloake. Die Kloake ist die gemeinsame Öffnung von Geschlechts- und Ausscheidungsorganen und wird mit einem Schuppenschild bedeckt.

Boas können, wie alle anderen Schlangen, aufgrund eines nicht vorhandenen Außenohrs und verkümmerten Innenohrs kaum bis gar nicht hören. Schallwellen nehmen sie über den Boden und durch das Wasser über den Körper wahr. Sehen können sie sicher sehr gut, womöglich nehmen sie sogar Farben wahr. Gerüche nehmen Boas über die gegabelte Zunge auf. Geruchspartikel bleiben an der Zunge hängen und werden beim Einziehen, dem am Gaumen liegenden, sogenannten Jakobsonschen Organ zugeführt. Dieses nimmt die Gerüche auf und gibt die gewonnenen Informationen an das Gehirn weiter. Eine Besonderheit einiger Boas ist der Wärmesinn, mit welchem sie infrarot sehen, sie können also auch in der Dunkelheit Beute machen. Drei Boa-Gattungen haben diesen Wärmesinn; die Gattung Corallus, Sanzinia und zum Teil auch Epicartes.

Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis)
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Madagaskar-Hundskopfboa (Sanzinia madagascariensis)

Allgemeine Lebensweise

Boas sind gut an ein Leben auf Bäumen angepasst, aber sie halten sich bevorzugt am Boden auf. Der einzige reine Baumbewohner ist der Grüne Hundskopfschlinger. Sie sind alle überwiegend Einzelgänger und suchen Artgenossen nur zur Paarungszeit gezielt auf. Fast alle Boas sind dämmerungs- und nachtaktiv, kommen aber gelegentlich auch tagsüber aus ihren Verstecken. Männchen bilden relativ kleine Reviere, welche aber nicht immer gegen Artgenossen verteidigt werden. In tropischen und subtropischen Klimazonen halten sie keine Winterruhe.

Fortpflanzung

Paarfindung und Paarung

Die Geschlechter sind nicht immer leicht zu unterscheiden. Meistens sind die Aftersporne der männlichen Tiere größer, die der Weibchen entweder kaum oder nicht zu sehen. Bei den Boas, insbesondere bei den großen Anakondas, gibt es zwischen den Geschlechtern gewaltige Größenunterschiede. Weibchen der Großen Anakonda werden im Durchschnitt 500 bis 700 cm lang, maximal 800 bis 900 cm. Männchen erreichen in der Regel 200 bis 350 cm, maximal ungefähr 400 cm. Zur Paarungszeit bilden Weibchen Pheromone, also Sexuallockstoffe. Die Männchen folgen diesen Gerüchen und finden so die Weibchen. Vor der Paarung findet ein "Vorspiel" statt. Dazu umwirbt das Männchen das Weibchen, indem er sie zart umschlingt und abzüngelt. Zusätzlich werden die Weibchen durch ein leichtes Kratzen mit den Afterspornen des Männchens stimuliert. Bei einigen Arten, zum Beispiel Anakondas, finden sich um ein Weibchen mehrere Männchen ein und versuchen sie alle gleichzeitig zu befruchten, zusammen bilden sie dann ein Geflecht aus Schlangen, das sogenannte Paarungsknäuel. Dabei gibt es bemerkenswerter Weise kaum oder keine Streitigkeiten unter den Männchen und viele schaffen es auch das Weibchen zu befruchten. Zur Befruchtung selbst stülpen Boamännchen einen der zwei Hemipenisse aus und führen diesen in die Kloake des Weibchens ein, wo dann ein Samenpaket abgesetzt wird und die Eizellen befruchtet werden.

Grüner Hundskopfschlinger (Corallus caninus)
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Grüner Hundskopfschlinger (Corallus caninus)

Geburt und Wachstum

Boas sind eilebendgebährend, das heißt sie bilden Eier, welche aber noch während der Geburt aufreißt und die juvenilen Schlangen herausschlüpfen lassen. Zur Geburt kommt es je nach Art nach vier bis zehn Monaten. Es können über 30 Jungtiere geboren werden.

In den ersten Tagen zehren die Jungschlangen von dem Dottersack und nehmen in der Regel nach der ersten Häutung erstmals Nahrung zu sich. Die Beutegröße wächst mit der Schlange, genauso wie die Abstände zwischen den Häutungen. Jungschlangen häuten sich wesentlich öfter als adulte Boas. Sie wachsen ihr gesamtes Leben lang, im fortgeschrittenen Alter allerdings sehr viel langsamer. In den ersten drei Jahren kann eine Abgottschlange zwei Meter lang werden (so schnell wachsen sie nur in Gefangenschaft!), bis sie dann noch einen Meter gewachsen ist, können über sieben Jahre vergehen. Die Geschlechtsreife wird in der Natur je nach Art mit drei bis sechs Jahren erreicht, ihre Lebenserwartung beträgt in freier Wildbahn bis zu 25 Jahre, in Terrarien bis über 35 Jahre. Die Häutung ist ein hormonell gesteuerter Vorgang, bei dem sich eine Schlange ihre Haut abstreifen muss, weil diese nicht mit dem Tier wächst. Unter der alten Haut liegt dann bereits eine neue Haut.

Verbreitung

Vorkommen

Boas sind überwiegend in Nord-, Süd- und Mittelamerika verbreitet. Es gibt aber auch natürliche Bestände in Asien, Madagaskar, Galapagos und auf einigen anderen pazifischen Inseln.

Der Brillenkaiman (Caiman crocodilus yacara) ist sowohl Prädator als auch potentielle Beute einiger Boas
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Der Brillenkaiman (Caiman crocodilus yacara) ist sowohl Prädator als auch potentielle Beute einiger Boas

Lebensraum

Boas bewohnen vor allem tropische und subtropische Klimazonen. Dort können sie in Wüsten, Halbwüsten, Steppen, Savannen, Trockenwäldern, im tropischen Regenwald, an Fließgewässern und Seen und in Sümpfen vorkommen. Sie leben auch als Kulturfolger an und in Feldern, Dörfern, Plantagen, Scheunen und Hütten. Sie verbergen sich tagsüber in Verstecken wie hohle Baumstämme, Baumhöhlen, Nagetierbauten, unter Felsen und Stubben und zwischen Felsspalten.

Prädatoren und Parasiten

Zu den natürlichen Prädatoren von Boas zählen je nach Verbreitung Greifvögel (Falconiformes), Groß- und Raubkatzen (Felidae) und auch andere Reptilien (Reptilia). Am Wasser können Krokodile (Crocodilia) wie Brillenkaimane Boas auch gefährlich werden. Zu den Ektoparasiten von Boas zählen Zecken (Ixodida) und andere Milben (Acari). Im inneren der Schlangen finden sich unter anderem Rundwürmer, Bandwürmer, Spulwürmer und Lungenwürmer.

Ernährung

Beute

Zum Beutespektrum der Boas zählen vor allem Säugetiere (Mammalia), Vögel (Aves), Reptilien (Reptilia) und seltener auch Fische (Actinopterygii). Die Größe der Beute variiert je nach Größe der Schlange. Anakondas erbeuten sogar Tapire (Tapiridae) und legen sich mit Kaimanen (Caimaninae) an, wobei dann jeder das Opfer werden kann. Kleinere Boas fressen in der Regel Kleinsäuger und Vögel, aber auch Echsen (Lacertilia) und Fledermäuse (Microchiroptera).

Beuteerwerb

Boas legen sich in einem Busch oder Gewässer auf die Lauer und können dort einige Tage oder sogar Wochen ausharren. Ist ein günstiger Zeitpunkt gekommen und ein Beutetier ist in erreichbarer Nähe, so schlägt die Schlange blitzschnell nach vorne und beißt das Beutetier in die Kopfregion. Anschließend schlingt sie ihren massigen Körper um die Brust und den Hals der Beute und drückt fest zu. Mit jedem Ausatmen der Beute drückt die Boa fester zu, bis das Tier an Kreislaufversagen und Sauerstoffmangel gestorben ist. Dann verschlingt sie die Beute im Ganzen. Ermöglicht wird dies durch das Ausrenken des Unterkiefers und das Spreizen der Rippen, wodurch der Bauch sehr dehnbar ist. Zusätzlich sind die linke und rechte Seite des Unterkiefers nur durch dehnbare Bänder miteinander verbunden.

Der Halsbandpekari (Pecari tajacu), ein großer Happen für große Boas
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Der Halsbandpekari (Pecari tajacu), ein großer Happen für große Boas

Gefährdung und Schutz

Gefährdung

Gefährdet sind Boas besonders durch die Zerstörung und Bebauung der Lebensräume. Immer wieder werden Straßen durch ihre Habitate gezogen, diese nutzen die Schlangen als Sonnenbank und wärmen sich dort auf. Oft werden sie auch überfahren. Die Straßen trennen auch paarungsbereite Artgenossen voneinander und zerschneiden die Reviere und Jagdgebiete. Auch Wilderer fangen heutzutage noch Tiere, um Souvenirs herzustellen. Auch für die Terraristik werden noch einzelne Tiere gefangen.

Schutz

Alle Arten der Unterfamilie der Boas sind zumindest in der Europäischen Artenschutzverordnung (Anhang B) gelistet und dürfen ohne Genehmigung gehalten werden, sofern sie bei einer Landschaftsbehörde gemeldet sind. Es gibt jedoch Ausnahmen strenger geschützter Boas, welche eine zusätzliche Genehmigung benötigen. Zu diesen zählen alle Acrantophis- und Sanzinia-Arten, die Arten Epicrates inornatus, Epicrates monensis, Epicrates subflavus und Boa constrictor occidentalis. Diese werden in Anhang A der Europäischen Artenschutzverordnung gehalten.

Systematik der Boas

Habitat einiger Boas, der tropische Regenwald in Südbrasilien
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Habitat einiger Boas, der tropische Regenwald in Südbrasilien

Unterfamilie: Boas (Boinae)

Gattung: Madagaskar-Boas (Acrantophis)
Gattung: Boas (Boa)
Gattung: Pazifik-Boas (Candoia)
Gattung: Hundskopfboas (Corallus)
Gattung: Schlankboas (Epicrates)
Gattung: Anakondas (Eunectes)

Anhang

Literatur und Quellen

  • Uwe Dost: Das KosmosBuch der Terraristik, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH, Stuttgard 2005, ISBN 3-440-10129-0
  • Dr. Dieter Schmidt: GU Tierratgeber Riesenschlangen, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, ISBN 3-7742-7367-7
  • H. und E. Stöckl: Handbuch Riesenschlangen, bede-Verlags GmbH, ISBN 3-89860-057-2
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