Boninsturmvogel

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Boninsturmvogel

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Sturmvögel (Procellariidae)
Gattung: Hakensturmtaucher (Pterodroma)
Art: Boninsturmvogel
Wissenschaftlicher Name
Pterodroma hypoleuca
Salvin, 1888

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Boninsturmvogel (Pterodroma hypoleuca) zählt innerhalb der Familie der Sturmvögel (Procellariidae) zur Gattung der Hakensturmtaucher (Pterodroma). Im englischen wird der Boninsturmvogel Bonin Petrel, Salvin's Petrel oder Stout-billed Petrel genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Boninsturmvogel erreicht eine Länge von 30 Zentimeter und eine Flügelspannweite von 65 bis 70 Zentimeter. Der Oberkopf und das Obergefieder sind gräulich bis schwarzgrau gefärbt. Der Stirnbereich, die Bauchseite, das Kinn sowie der Kehlbereich weisen eine weiße Färbung auf. Die Bauchseite kann dunkle Markierungen aufweisen. Im Brustbereich zeigt sich ein dunkles Band. Dieses Band reicht bis in den Nacken. Die Unterseite der Flügel ist weiß, die Flügelränder sind dunkel gefärbt. In dem weißen Feld zeigt sich eine Markierung in Form von einem "M". Die Extremitäten weisen eine gräuliche bis leicht fleischfarbene, die Füße eine schwarze Färbung auf. Der recht lange Schwanz ist keilförmig und dunkelgrau gefärbt. Der Schnabel, der an der Spitze eine deutliche Krümmung im Bereich des Oberschnabels aufweist, ist schwarz gefärbt. Der Boninsturmvogel ist mit dem Regensturmvogel (Pterodroma inexpectata) und dem Weißnacken-Sturmvogel (Pterodroma cervicalis) verwandt. Die drei Arten bilden die Untergattung Proaestrelata.

Verbreitung

Boninsturmvögel sind im weiten Teilen des westlichen Pazifiks verbreitet. Im Norden erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Russland, China und Japan östlich bis nach Hawaii. Im Süden sind Boninsturmvögel bis nach Ozeanien, Polynesien, Mikronesien und Neukaledonien anzutreffen. Die Brutgebiete liegen auf Hawaii, auf einigen japanischen Inseln und den südwestlichen Regionen des Pazifiks. Nach der Brutzeit zieht es die Boninsturmvögel zurück auf die hohe See in Richtung Norden. Im September erfolgt der Rückflug in die Brutgebiete.

Prädatoren, Parasiten

Prädator: Hauskatze (Felis catus)
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Prädator: Hauskatze (Felis catus)

Boninsturmvögel haben im Grunde keine natürlichen Feinde. In den Brutgebieten stellen jedoch Ratten (Rattus) und verwilderte Hauskatzen (Felis catus) ein großes Problem dar. Diesen Prädatoren fallen vor allem die Eier, die Küken und die flugunfähigen Jungvögel zum Opfer.

Ernährung

Boninsturmvögel ernähren sich vorzugsweise von Fischen (Osteichthyes) in passender Größe. Es werden insbesondere Tiefsee-Beilfische (Sternoptychidae) und Laternenfische (Myctophidae) bevorzugt gefressen. Zu einem kleinen Teil stehen aber auch Weichtiere (Mollusca) wie Kalmare (Teuthida) auf der Speisekarte. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt vorzugsweise in der Nacht, entweder einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen. Nicht selten schließen sich Boninsturmvögel auf der Nahrungssuche anderen Seevögeln an. Ist ein Beutetier gesichtet, so stürzt sich der Boninsturmvogel ins Wasser und taucht im Folgenden nach der Beute. Das Tauchen erstreckt sich jedoch nur über die Oberflächenwasser. Nicht selten werden Beutetiere unmittelbar an der Wasseroberfläche gejagt.

Fortpflanzung

Boninsturmvögel leben in einer monogamen Einehe, die nicht selten über mehrere Jahre hält. Außerhalb der Paarungszeit gehen die Geschlechter jedoch getrennte Wege. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Brutgebieten im August. Als Brutareal dienen sandigen Küsten, wo sie meist an Steilhängen Röhren in den weichen Sand graben. Die Hauptbrutgebiete liegen insbesondere auf Hawaii. Die größten Kolonien sind dabei auf Laysan und Lisianski, den Midwayinseln, auf dem Kure-Atoll, French Frigate Shoals anzutreffen. Außerhalb von Hawaii brüten Boninsturmvögel auf den Ogasawara-Inseln (Boinin). Die Röhren können eine Länge von zwei bis drei Metern aufweisen. Eine Röhre endet in einer geräumigen Brutkammer. Am Nestbau sind beide Geschlechter beteiligt. Boninsturmvögel sind Kolonienbrüter. Die Nester befinden sich dicht an dicht in den Kolonien. Geht ein Gelege verloren, so kommt es zu keinem Nachgelege. Das Weibchen legt ein einziges Ei, das über einen Zeitraum von gut 50 Tagen von beiden Elternteilen bebrütet wird. Auch um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile. Verfüttert wird hochgewürgte und vorverdaute Nahrung. Beim Schlupf weisen die Küken nur eine spärliche Befiederung auf. Im Alter von 80 bis 85 Tagen erlangen die Jungvögel die Flugfähigkeit. Die Lebenserwartung der Boninsturmvögel liegt bei etwa 15 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Ursprünglich brüteten Boninsturmvögel auf allen Inseln von Hawaii. Dies belegen fossile Funde. Mit der Ankunft der ersten Menschen wurden die Vögel immer weiter zurückgedrängt. Man glaubt, dass den ersten polynesischen Siedlern auf Haiwaii die Vögel und die Eier zur Ernährung dienten. Kurz vor dem Eintreffen der ersten Europäer stand der Boninsturmvogel auf den meisten Inseln aufgrund der starken Bejagung kurz vor der Ausrottung. Aber auch die Europäer brachten nichts gutes. Ratten und Katzen kamen auf die Insel und dezimierten die Bestände zusätzlich. Heute bildet neben den bereits erwähnten Gefährdungsfaktoren vor allem die weitreichende Zerstörung der natürlichen Lebensräume die größte Gefahr. Weitreichende Schutzmaßnahmen der letzten Jahre konnten die Bestände jedoch weitestgehend stabilisieren.

Das Verbreitungsgebiet der Boninsturmvögel erstreckt sich über rund 100.000 Quadratkilometer. In diesem relativ kleinen Verbreitungsgebiet leben laut IUCN schätzungsweise zwischen 400.000 und 700.000 Individuen. Die genaue Populationsstärke wurde jedoch bislang nicht quantifiziert. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least concern) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Links

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