Brasil-Sperlingskauz

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Brasil-Sperlingskauz

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Sperlingskäuze (Glaucidium)
Art: Brasil-Sperlingskauz
Wissenschaftlicher Name
Glaucidium brasilianum
Gmelin, 1788

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Brasil-Sperlingskauz (Glaucidium brasilianum) zählt innerhalb der Familie der Eigentlichen Eulen (Strigidae) zur Gattung der Sperlingskäuze (Glaucidium).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Brasil-Sperlingskauz gehört innerhalb der Sperlingskäuze zu den kleineren Vertretern und erreicht eine Körperlänge von 17 bis 18 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 37 bis 41 Zentimeter sowie ein Gewicht von 65 bis 75 Gramm. Die Geschlechter weisen in der Gefiederfärbung einen kaum wahrnehmbaren Dimorphismus auf. Das Weibchen ist ein wenig größer als das Männchen. Weibchen können zudem einen höheren rotbraunen Farbanteil im Gefieder aufweisen. Je nach Unterart und Vorkommen ist das Gefieder bräunlich, graubraun oder rotbraun gefärbt. Die Bauchseite ist deutlich heller, fast cremeweiß und weist dunkle Längslinien auf. Das Obergefieder und der Kopf zeigen zahlreiche kleine weiße Punkte und Flecken. Der lange Schwanz weist in der Regel eine rotbraune Färbung auf. Oberhalb der Augen weist das Gefieder bei erwachsenen Vögeln eine weißliche Streifung auf. Die weißliche Färbung beginnt dabei am Schnabelansatz und reicht bis über die Augen. Die Unterseite des Schwanzes ist ebenfalls cremeweiß und gräulich gebändert, die Schwanzspitze ist dunkelbraun gefärbt. Der Kopf ist wie bei allen Eulen massig und von rundlicher Form. Der kräftige Schnabel und die Extremitäten weisen eine gelbliche Färbung auf. Die Iris der Augen ist gelblich gefärbt, die runde Pupille ist dunkelbraun. Juvenile Vögel ähneln im wesentlichen den erwachsenen Vögeln, ihnen fehlt jedoch der weiße Überaugenstreif.

Lebensweise

Der Brasil-Sperlingskauz lebt einzelgängerisch oder paarweise und führt ein ausgesprochen territoriales Leben. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Die Reviermarkierung erfolgt durch die charakteristischen Lautäußerungen. Männchen und Weibchen reagieren auf Eindringlinge äußerst aggressiv. Angriffe mit den Klauen und den Flügeln sind dabei die Regel. Der Brasil-Sperlingskauz ist eine überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Eule, am Tage ruhen oder schlafen die Tiere. Sie sind durchaus gute Flieger, bewegen sich in den Bäumen leicht hüpfend von Ast zu Ast.

Unterart

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Glaucidium brasilianum brasilianum Gmelin, 1788 LC Kolumbien, Venezuela, Guyana, Suriname,
Französisch-Guayana, Ecuador, Peru, Bolivien, Brasilien
Uruguay und Argentinien
Glaucidium brasilianum medianum Todd, 1916 LC Kolumbien
Glaucidium brasilianum margaritae Phelps & Phelps, 1951 LC Venezuela
Glaucidium brasilianum phaloenoides Daudin, 1800 LC Trinidad und Tobago, Venezuela
Glaucidium brasilianum duidae Chapman, 1929 LC Venezuela
Glaucidium brasilianum olivaceum Chapman, 1939 LC Venezuela
Glaucidium brasilianum pallens Brodkorb, 1938 LC Bolivien, Paraguay, Argentinien
Glaucidium brasilianum phaloenoides Daudin, 1800 LC Venezuela
Glaucidium brasilianum stranecki Koenig & Wink, 1995 LC Uruguay, Argentinien
Glaucidium brasilianum ucayalae Chapman, 1929 LC Kolumbien, Peru

Ursprünglich zählte man auch den Tucumanzwergkauz (Glaucidium tucumanum), Ridgway-Sperlingskauz (Glaucidium ridgwayi), Glaucidium ridgwayi intermedium und den Araukanerkauz (Glaucidium nana) zu den Unterarten. Im Rahmen einer Revision bekamen diese Unterarten den Artstatus zugesprochen. Die aufgeführten Vögel leben überwiegend in Mittelamerika und den südwestlichen USA.

Verbreitung

Die Brasil-Sperlingskäuze kommen ausschließlich in Südamerika vor, sie fehlen lediglich in Chile, westlich der Anden. Die ursprünglichen Unterarten aus Nord- und Mittelamerika wurden in eigene Arten ausgelagert. Brasil-Sperlingskäuze gelten in allen Verbreitungsgebieten als Standvögel. Im Winter kann es vor allem im Süden Südamerikas zu nahrungsbedingten Teilwanderungen kommen. Die Vögel bewohnen sowohl gemäßigte als auch subtropische und tropische Regionen. Beliebte Lebensräume sind je nach Unterart Baum- und Strauchsteppen, Savannengebiete und auch tropischer Regenwald. Sie bewohnen die Ebene und sind in Höhenlagen bis in Höhen von über 1.500 Metern über NN. anzutreffen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern des Brasil-Sperlingskauzes gehören unter anderem Waschbären (Procyon) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Auf der Speisekarte dieser Räuber stehen entweder die Eier, die Küken oder auch die Altvögel. Der Brasil-Sperlingskauz gilt jedoch als wehrhafter Verteidiger und nimmt es auch mit deutlich größeren Räubern auf, wenn es um sein Gelege geht. Ansonsten ergreift er eher die Flucht.

Ernährung

Der Brasil-Sperlingskauz ist ein überwiegend nachtaktiver Jäger, er jagt gelegentlich jedoch auch in der Dämmerung. Auf der Speisekarte steht eine Vielzahl an Beutetieren, das Fressverhalten kann durchaus als opportunistisch bezeichnet werden. Beutetiere werden mit Hilfe des hoch entwickelten Sehsinns erspäht. Die Jagd erfolgt von einer Ansitzwarte aus. Hat der Brasil-Sperlingskauz ein Beutetier entdeckt, fliegt er los und schlägt mit seinen Fängen zu. Gejagt werden hauptsächlich kleinere Singvögel (Passeri), Insekten (Insecta), Skorpione (Scorpiones), Amphibien (Amphibia), Reptilien (Reptilia) und kleinere Säugetiere (Mammalia) wie Spitzmäuse (Soricidae) und Säuger ähnlicher Größe. Getötet wird ein Beutetier mit den kräftigen Fängen oder einem Genickbiss. Kleinere Beutetiere werden im Ganzen verschlungen, größere Tiere werden in mundgerechte Happen zerteilt.

Fortpflanzung

Der Brasil-Sperlingskauz erreicht die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten im zeitigen April und kann sich bis in den Sommer erstrecken. Während dieser Zeit kommt es lediglich zu einem Gelege. Brasil-Sperlingskäuze führen eine monogame Einehe. Gebrütet wird in Baumhöhlen, die von anderen Vögeln wie Spechten (Picidae) übernommen wurden. Vorzugsweise entstehen die Nester in größeren Bäumen, in Kakteen oder gelegentlich auch in Baumstümpfen. Während der Paarungs- und Brutzeit sind Brasil-Sperlingskäuze ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier und ihr Gelege vehement gegenüber Artgenossen und auch Fleischfressern. Das Weibchen legt in die bezugsfertige Baumhöhle drei bis fünf Eier. Sie werden vom Weibchen alleine über einen Zeitraum von 26 bis 28 Tagen gewärmt. Das Weibchen wird während dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. Auch die Verteidigung des Nestes obliegt während dieser Zeit dem Männchen. Die Jungvögel wachsen schnell heran. Sie werden von beiden Elternteilen mit Nahrung versorgt und sind bereits in der fünften Woche flügge. Die Selbständigkeit erreichen die Jungeulen im Alter von zwei Monaten. Die Lebenserwartung in Freiheit ist nicht bekannt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

Links

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