Brasilianischer Kampfuchs

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Brasilianischer Kampfuchs
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Hunde (Canini)
Gattung: Lycalopex
Art: Brasilianischer Kampfuchs
Wissenschaftlicher Name
Lycalopex vetulus
(Lund, 1842)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Brasilianische Kampfuchs (Lycalopex vetulus; Syn. Pseudalopex vetulus) zählt innerhalb der Familie der Hunde (Canidae) zur Gattung Lycalopex. Im Englischen wird die Art Hoary Fox, Hoary Zorro oder Small-toothed Dog genannt. Das deutsche Synonym beruht auf den portugiesischen Namen raposa-do-campo.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten Fossile eines Brasilianischen Kampfuchses stammen aus dem späten Pleistozän. Die Funde stammen aus Argentinien, genauer aus Vila de Lujan in Provinz Buenos Aires. Die ältesten Funde in Brasilien wurden in Minas Gerais, einem Bundesstaat im Südosten des Landes gefunden (Dalponte & Courtenay, 2004).

Ähnliche Arten

Der Brasilianische Kampfuchs ähnelt dem Maikong (Cerdocyon thous). Beide Arten leben zudem sympatrisch. Der Maikong wird etwas größer und das Fell wirkt borstiger. Da die Farbvariationen bei beiden Arten lokal durchaus variieren können, ist eine Unterscheidung nicht immer leicht möglich. Eine weitere Art, der Pampasfuchs (Lycalopex gymnocercus), lebt in Teilen seines Verbreitungsgebietes ebenfalls sympatrisch mit dem Brasilianischen Kampfuchs. Der Pampasfuchs ist etwas größer, jedoch ähneln sich beide Arten stark in der Fellfärbung.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Brasilianische Kampfuchs erreicht je nach Geschlecht divergierende Maße. Männchen erreichen eine Körperlänge von 490 bis 715 (587) mm, eine Schwanzlänge von 270 bis 380 (338) mm, eine Hinterfußlänge von 120 bis 135 (129) mm, eine Ohrlänge von 60 bis 76 (69) mm sowie ein Gewicht von 2.500 bis 4.000 (3.300) g. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen und erreichen eine Körperlänge von 510 bis 660 (575) mm, eine Schwanzlänge von 250 bis 310 (282) mm, eine Hinterfußlänge von 127 bis 130 (129) mm, eine Ohrlänge von 60 bis 75 (67) mm sowie ein Gewicht von 3.000 bis 3.600 (3.400) g. Der Brasilianische Kampfuchs ist insgesamt ausgesprochen schlank und weist eine relativ kurze, spitze Schnauze auf. Die Ohren sind recht groß. Das Fell ist dorsal und lateral hellgrau gefärbt, ventral und im Bereich der Brust zeigt sich eine gelbliche bis hellbraune Färbung (Dalponte & Courtenay, 2004). Der vorderen Teil des Halses ist hellbraun bis weißlich gefärbt. Das Gebiss besteht aus 4 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m 2/3. In Laufe der Evolution stellten sich aufgrund der geänderten Ernährungsweise große Veränderungen in der Gebissstruktur ein. Als vorwiegender Insektenfresser sind die Molaren eher klein. Die craniodental Morphologie der Brasilianischen Kampfüchse ähnelt stark denen der Falklandfüchse (Dusicyon). Auch die Körpergröße und der schlanke Körperbau stellen nach einhelliger Meinung eine Anpassung an geänderte Ernährungsweise dar (Dalponte & Courtenay, 2004).

Lebensweise

Brasilianische Kampfüchse leben in monogamen Familiengruppen. Eine Familiengruppe besteht aus einem Pärchen und deren Nachwuchs. Eine Familiengruppe beansprucht ein Revier in einer Größe von rund 3 bis 5 km². Die Reviere einzelner Gruppen oder Individuen können sich dabei durchaus überlappen.

Verbreitung

Brasilianische Kampfüchse sind im zentralen bis südlichen Brasilien endemisch. Es werden die Bundesstaaten Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Tocantins, Bahia, Piauí, Minas Gerais und São Paulo von ihm bewohnt. Die Art besiedelt offene und trockene Lebensräume, sowohl in der Ebene als auch in der brasilianischen Hochebene. Beliebte Lebensräume sind die Cerrados, die Savannen Zentral-Brasiliens. Aber auch in der Nähe des Menschen sind die Tiere häufig zu beobachten. Hier werden landwirtschaftliche Flächen wie Viehweiden, Plantagen und Felder besiedelt. Nicht bewohnt werden Auwälder, dichte Wälder und dicht bewachsene Cerrados.

Biozönose

Sympatrie und Konkurrenz

Der Brasilianische Kampfuchs lebt sympatrisch mit dem Maikong (Cerdocyon thous) und dem deutlich größeren Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus). Zu einer echten Konkurrenz kommt es zwischen den 3 Arten hingegen nicht, da eine Divergenz in der Ernährung vorliegt. Aufgrund der Ernährungsweise stehen Brasilianische Kampfüchse in den Cerrados in Nahrungskonkurrenz zu den Ameisenbären (Myrmecophagidae). Zu einer direkten Konkurrenz kommt es jedoch nur selten, da Ameisenbären sich auf bestimmte Termitenarten spezialisiert haben.

Prädatoren und Mortalität

Zu den natürlichen Feinden der Brasilianischen Kampfüchse zählt der Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus). Belegt ist dies durch Sichtungen und der Tatsache, dass es sich bei dem Mähnenwolf um einen opportunistischen Fleischfresser handelt. Es ist jedoch fraglich, ob Mähnenwölfe aktiv Jagd auf lebende, erwachsene Füchse machen. Im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso wurde ein Fuchs von einem Puma (Puma concolor) gerissen.

Krankheiten und Parasiten

Ob bestimmte Krankheitserreger und Parasiten einen gravierenden Einfluss auf die Populationsstärke haben, ist unbekannt. Nachgewiesen ist beim Brasilianischen Kampfuchs die Sarcoptes-Räude, eine hochansteckende parasitäre Hauterkrankung. Nachgewiesen sind auch Protozoen wie Leishmanien (Leishmania), insbesondere Leishmania infantum und Trypanosomen (Trypanosoma) wie Trypanosoma cruzi . Zu den nachgewiesenen Krankheiten gehören unter anderem die Parvovirose und die Staupe. Dokumentiert ist auch eine Fadenwurminfektion durch Fadenwürmer (Nematoda) wie Angiostrongylus vasorum.

Ernährung

Brasilianische Kampfüchse gelten als Allesfresser. Sie ernähren sich jedoch hauptsächlich von Insekten (Insecta), wobei der Großteil der Nahrung auf Termiten (Isoptera) der Gattungen Synthermes und Cornitermes entfällt. Saisonal stehen auch größere Mengen an Käfer (Coleoptera) auf der Speisekarte. Als Allesfresser werden in kleineren Mengen auch kleine Säugetiere (Mammalia), Langfühlerschrecken (Ensifera) und andere Geradflügler (Orthoptera), Vögel (Aves) und Kriechtiere (Reptilia) verzehrt. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert saisonal. Brasilianische Kampfüchse gehen für gewöhnlich in der Dunkelheit auf Jagd. Die Jagd erfolgt einzelgängerisch, seltener Paarweise oder in Kleingruppen.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Brasilianischen Kampfüchse bringen einmal im Jahr, meist zwischen Juli und August, nach einer Tragezeit von 53 bis 60 Tagen 4 bis 5 Jungtiere zur Welt. Die genaue Tragezeit ist nicht bekannt. Zur Geburt zieht sich das Weibchen in eine Höhle zurück. Meist werden verlassene Bauten von Gürteltieren (Dasypodidae) wie dem Sechsbinden-Gürteltier (Euphractus sexcinctus) als Unterschlupf genutzt. Betreut wird der Nachwuchs von beiden Elternteilen. Während der Nahrungssuche der Mutter bleibt der Nachwuchs alleine in der Wohnhöhle zurück, steht jedoch unter Bewachung des Vaters. Die Jungen werden im Alter von gut 3 Monaten entwöhnt. Im Alter von 9 bis 10 Monaten ist der Nachwuchs selbständig und sucht sich ein eigenes Revier.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Brasilianische Kampfuchs gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Die größte Bedrohung geht von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume aus. Hier ist vor allem die Ausbreitung der Land- und Viehwirtschaft in den Cerrados zu nennen. Vom Menschen wird der Brasilianische Kampfuchs verfolgt, da er als Hühnerdieb verschrieen ist. In der Nähe des Menschen, insbesondere im Bundesstaat São Paulo, kommen hin und wieder Tiere im Straßenverkehr ums Leben.

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hunde (Canidae)
  • Die Ordnung der Raubtiere (Carnivora)

Literatur und Quellen

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