Brasilianischer Riesenläufer

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Brasilianischer Riesenläufer

Systematik
Klasse: Hundertfüßer (Chilopoda)
Ordnung: Riesenläufer (Scolopendromorpha)
Familie: Skolopender (Scolopendridae)
Unterfamilie: Scolopendrinae
Gattung: Scolopendra
Art: Brasilianischer Riesenläufer
Wissenschaftlicher Name
Scolopendra gigantea
Latreille, 1829

Der Brasilianische Riesenläufer (Scolopendra gigantea) zählt innerhalb der Familie der Skolopender (Scolopendridae) zur Gattung Scolopendra. Im Englischen wird der Brasilianische Riesenläufer peruvian giant yellowleg centipede, puerto rican giant centipede, south american giant centipede oder amazonian giant centipede genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Brasilianische Riesenläufer erreicht eine Körperlänge von etwa 21,0 bis 23,0 Zentimeter. Ledergelb oder gelbbraun, alle Rückenschilde mit Ausnahme der vier vorderen mit einer Furche am Seitenrand. An der Innenseite des ersten Gliedes der Endbeine zwei, an der Unterseite dieses Gliedes ebenfalls zwei Zähne. Der Kopf ist etwas kürzer als breit, flach gewölbt, gegen die Augen an den Seiten nicht so stark abschüssig, daher die Augen von oben deutlich sichtbar, die Fläche, wie die der Rückenschilde, glänzend und weitschichtig sehr seicht eingestochen punktiert. Die Augen zwar in gewöhnlicher Stellung, aber einander ziemlich stark genähert, alle groß, das untere am größten, das vordere etwas kleiner als das untere, das obere etwas kleiner als das mittlere, das hintere lang, schmal, gebogen, unten etwas sich ausspitzend. Die Kehle groß, etwas dreieckig, ziemlich gewölbt, glänzend, vor der Spitze ein seichter Quereindruck , die Fläche wie der Kopf fein punktiert. Die Freßzangen sehr stark, die vorderen Glieder sehr dick, das zweite aufgeblasen, dicker als lang, überall weitschichtig eingestochen punktiert. Die Fangkralle lang, mit offener, ziemlich grosser, ovaler Giftritze. Die Lefze geteilt, kurz, mit fünf bis sechs gedrängt stehenden Randzähnchen.
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Brasilianischer Riesenläufer
Die Kinnladen gewölbt, dicht fein runzelig, mit einer seichten Furche am Innenrand. Die Taster von ganz gewöhnlicher Bildung. Die Fühler ein einhalbmal so lang als der Kopf, die sechs oder sieben vorderen Glieder glatt und glänzend, die folgenden mit einem samtartigen Filz bedeckt, erstere ziemlich stark eingestochen punktiert. Die Rückenschilde dem Umriß nach von nicht ungewöhnlicher Gestalt, der quer nach flach gewölbt, mit einem flachen Druck an den Seiten des Vorder- und Hinterrandes, der Endschild hinten beiderseits stark ausgeschweift, in der Mitte des rundlich vorstehenden Hinterrandes ein deutlischer Eindruck. <1>


An der Stelle der gewöhnlichen zwei gebogenen feinen Rückenfurchen ist eine feine erhöhte Linie erkennbar und an den Seiten mit den Kanten gleichlaufend ist eine Furche vorhanden, an dieser befindet sich eine merkliche schmale Randerhöhung, die vier vorderen Schilde sind aber ohne Furche, die des fünften schwach und wenig bemerkbar. Die Bauchschilde sehr flach, stark glänzend, die zwei gewöhnlichen Längsfurchen zwar deutlich, aber etwas fein. Die Seiten sehr faltig, mit stark vorstehenden Luftlöchern. Die Beine von ganz gewöhnlicher Gestalt; die Glieder der zwei Endbeine lang, etwas dünn, die zwei vorderen oben nicht merklich flach, eher gerundet, an der Spitze des ersten Gliedes oben eine tiefe Grube, an der des zweiten ein schwacher Eindruck, an der Innenseite des ersten Gliedes zwei Zähnchen, eins oben, das andere hinter diesem weiter unten, an der Unterseite zwei solche Zähnchen, der Innenwinkel des Hinterrandes in ein langes kegelförmiges Eck verlängert, mit zwei Zähnchen an der Spitze. Die Farbe des Kopfes und aller Rückenschilde samt den Hinterbeinen ist ein etwas dunkles Semmel- oder Ledergelb, bis ins Gelbbraune übergehend. Die Bauchschilde haben ziemlich die Farbe der Rückenschilde. Die Kinn- und Freßzangen gehen in eine etwas rostgelbe oder eine rostrote Färbung über. Die Taster und Fühler sind ockergelb, die Beine von derselben Farbe, nur etwas dunkler, oft sind auch die Beine und Fühler samt den Rücken- und Bauchschilden olivenfarben, doch immer etwas ins Gelbliche übergehend. <2>

Lebensweise

Brasilianischer Riesenläufer
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Brasilianischer Riesenläufer

Der Brasilianische Riesenläufer ist eine nachtaktive Art. Er jagt nicht nur Insekten, sondern gelegentlich auch kleine Wirbeltiere wie junge Eidechsen. Tagsüber hält sich der Brasilianische Riesenläufer unter Steinen und in Bodenspalten auf, wo er vor Hitze und Austrocknung geschützt ist. Der Brasilianische Riesenläufer ist giftig und enthält hochtoxische Gifte wie Acetylcholin, Histamin und Serotonin. Beim Biss eines Menschen können die Giftklauen die Haut ggf. durchschlagen und mehr oder weniger schmerzhaft zubeißen, aber es besteht keine große Lebensgefahr.

Verbreitung

Der Brasilianische Riesenläufer hält sich in den Regenwäldern auf. Charakteristische Länder für den Brasilianischen Riesenläufer sind unter anderem Venezuela, Carabobo, Valencia, Mittel-und Südamerika, Virgin Islands, Haiti, Mexiko und Honduras. Ferner entdeckte man einzelne Individuen auch in Indien und dies wurde auch von Vinod Khanna und B.E. Yadav (1988) bestätigt.

Ernährung

Der Brasilianische Riesenläufer erbeutet nicht nur Insekten (Insecta), sondern gelegentlich auch kleine Wirbeltiere wie junge Eidechsen (Lacertidae). Mit einem Biss gibt er ein Gift in die Wunde ab, das die Opfer lähmt. Mit den kräftigen Kieferklauen wird das Beutetier dann zerteilt und aufgefressen. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere nur in der Nacht. Beim ersten Kontakt mit der Beute geben sie ein für die Beute hochwirksames, lähmendes Gift über ihre Giftdrüsen ab.

Fortpflanzung

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Beim Brasilianischen Riesenläufer erfolgt die Fortpflanzung meist im Frühjahr oder im Frühsommer. Wie bei den Spinnentieren (Arachnida) erfolgt auch bei den Hundertfüßern (Chilopoda) eine indirekte Befruchtung. Das Männchen formt dabei aus seinem Sperma kleine Spermapakete, die sogenannten Spermatophoren. Diese legt er an einer geeigneten Stelle ab. Die Befruchtung erfolgt, indem sich ein Weibchen über eines der Spermatophoren bewegt und die Spermien aufnimmt. Das Weibchen legt ihre Eier einzeln in kleine Löcher. Dies geschieht meist in feuchter Erde, moderndes Holz oder in Komposthaufen. Die geschlüpften Jungtiere weisen sieben Beinpaare auf, von denen das hinterste stark verlängert ist und zum Ergreifen von Beute verwendet wird. Mit jeder Häutung verlängert sich der Körper um ein Sepment und somit auch um ein Beinpaar. Mit 15 Beinpaaren sind sie dann ausgewachsen.

Weitere Synonyme

  • Scolopendra annulipes - (Lucas, 1884)
  • Scolopendra epileptica - (Wood, 1861)
  • Scolopendra gigas - (Leach, 1815)
  • Scolopendra insignis - (Gervais, 1844)
  • Scolopendra prasinipes - (Wood, 1861)

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] [2] Die Myriapoden von Carl Ludwig C. Koch. Halle, Druck und Verlag von H. W. Schmidt. 1863
  • Heiko Bellmann: Der große Kosmos Tierführer - 1.000 Arten Mitteleuropas, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10093-6
  • Eisenreich, Handel und Zimmer: Tiere und Pflanzen; BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
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