Brasilien-Waldkaninchen

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Brasilien-Waldkaninchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus)
Art: Brasilien-Waldkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Sylvilagus brasiliensis
(Linnaeus, 1758)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Brasilien-Waldkaninchen (Sylvilagus brasiliensis) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) und hier zum Subgenus Tapeti. Im Englischen wird die Art Tapeti oder Forest Rabbit genannt. Es sind nach Wilson & Reeder (2005) insgesamt 21 Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das mittelgroße Brasilien-Waldkaninchen erreicht je nach Geschlecht und Unterart eine Körperlänge von 285 bis 42 cm und ein Gewicht von 700 bis 1.000 g. Das Fell ist dorsal gelblichbraun bis dunkelbraun, je nach Unterart auch leicht rötlich gefärbt. Ventral zeigt sich bei allen Unterarten eine leicht weißliche Färbung. Über den Augen und rund um das Maul sind deutlich sichtbar helle Stellen zu erkennen. Am Hals zeigen sich charakteristische gelbliche bis rötliche Flecken. Das Gebiss verfügt über 28 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3. Die Ohren sind relativ klein und innen nur spärlich behaart (Nowak, 1999).

Lebensweise

Brasilien-Waldkaninchen sind dämmerungs- und nachtaktiv. Die Tiere leben für gewöhnlich einzelgängerisch oder paarweise. Brasilien-Waldkaninchen bewegen sich am Waldboden quadrupedal (von Quadrupedie, lat. quadrus = vier und pes = Fuß) auf allen vier Extremitäten durch leichtes Hüpfen fort. Bei Gefahr verharren die Tiere regungslos und flüchten erst im letzten Moment. Die Nester entstehen wie bei allen Baumwollschwanzkaninchen nicht in Erdbauten sondern in tiefen Erdmulden. Die Nester werden mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert (Nowak, 1999).

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005:

Verbreitung und Lebensraum

Das Brasilien-Waldkaninchen kommt im zentralen und nördlichen Südamerika und in Mittelamerika vor. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Argentinien, Brasilien, Belize, Bolivien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Französich Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Suriname und Venezuela vor. In Argentinien ist die Art in den Provinzen Catamarca, Chaco, Corrientes, Formosa, Jujuy, Misiones, Salta, Santa Fé, Santiago-Entf Estero und Tucumán nachgewiesen. In Brasilien kommt das Brasilien-Waldkaninchen in den Bundesstaaten Acre, Alagoas, Amapá, Amazonas, Bahia, Brasília Distrito Federal, Ceará, Espírito Santo, Goiás, Maranhão, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Minas Gerais, Pará, Paraíba, Paraná, Pernambuco, Piauí, Rio de Janeiro, Rio Grande do Norte, Rio Grande do Sul, Rondônia, Santa Catarina, São Paulo, Sergipe und Tocantins vor. In Mexiko erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über die Bundesstaaten Chiapas, Hidalgo, Oaxaca, Puebla, San Luis Potosí, Tabasco, Tamaulipas und Veracruz.

Brasilien-Waldkaninchen besiedeln hauptsächlich tropische Regenwälder. Lokal, insbesondere in Mittelamerika, sind die Tiere auch in Laubwäldern anzutreffen. Offene Lebensräume werden strikt gemieden (IUCN, 2011).

Biozönose

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Brasilien-Waldkaninchen zählen insbesondere die Tayra (Eira barbara), Hundeartigen (Canidae) wie der Waldhund (Speothos venaticus) und verschiedene Katzen (Felidae). Brasilien-Waldkaninchen führen eine versteckte Lebensweise. Erst im letzten Augenblick ergreifen die Tiere die Flucht (Nowak, 1999).

Ernährung

Brasilien-Waldkaninchen ernähren sich als reine Pflanzenfresser von Gräsern und grüner Vegetation wie beispielsweise Blätter. Über die genaue Zusammensetzung der Nahrung ist nur wenig bekannt.

Fortpflanzung

Brasilien-Waldkaninchen bringen einmal im Jahr Nachwuchs zur Welt. Das Paarungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden, da keine feste Partnerbindung festgestellt werden kann. Die Paarungszeit erstreckt sich meist über August bis September. Ein Weibchen bringt nach einer Tragezeit von 26 bis 30 Tagen 1 bis 3 (2) Jungtiere zur Welt. Die Säugezeit erstreckt sich über rund 14 bis 18 Tage. Der Nachwuchs kommt mit offenen Augen und Ohren zur Welt. Bereits im Alter von 18 tagen können die Jungtiere das Nest verlassen. Im Alter von gut 3 Monaten erreichen Brasilien-Waldkaninchen die Geschlechtsreife. Zur ersten Paarung kommt es jedoch erst im Jahr nach der Geburt. Die Lebenserwartung liegt im Durchschnitt bei 5 Jahren (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Brasilien-Waldkaninchen zählen heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die größten Gefahren gehen von der Bejagung durch den Menschen sowie von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume aus (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist das Brasilien-Waldkaninchen unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind S. braziliensis (Waterhouse, 1848), S. nigricaudatus (Lesson, 1842), S. tapeti (Pallas, 1778), S. canarius Thomas, 1913, S. carchensis Hershkovitz, 1938, S. chimbanus Thomas, 1913, S. ecaudatus Trouessart, 1910, S. nivicola Cabrera, 1912, S. defilippii (Thomas, 1897), S. dephilippii Cabrera, 1912, S. fuscescens J. Allen, 1916, S. nicefori Thomas, 1921, S. salentus J. Allen, 1913, S. chapadae Thomas, 1904, S. chapadensis Thomas, 1913, S. paraguensis Yepes, 1938, S. daulensis J. Allen, 1914, S. messorius Goldman, 1912, S. consobrinus Anthony, 1917, S. incitatus (Bangs, 1901) und S. tumacus (J. Allen, 1908). Die genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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