Braunborsten-Gürteltier

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Braunborsten-Gürteltier

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Gürteltiere (Cingulata)
Familie: Gürteltiere (Dasypodidae)
Gattung: Borstengürteltiere (Chaetophractus)
Art: Braunborsten-Gürteltier
Wissenschaftlicher Name
Chaetophractus villosus
(Desmarest, 1804)

Verbreitungsgebiet

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Braunborsten-Gürteltier (Chaetophractus villosus) gehört innerhalb der Familie der Gürteltiere (Cingulata) zur Gattung der Borstengürteltiere (Chaetophractus). Der Gattung der Borstengürteltiere gehören auch das Kleine Borstengürteltier (Chaetophractus vellerosus) sowie das Andenborstengürteltier (Chaetophractus nationi) an. Im Englischen wird die Art Large Hairy Armadillo genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde dieser Art stammen aus dem späten Pliozän und frühen Pleistozän und weisen ein Alter von 3,2 bis 4,0 Millionen Jahren auf. Die Funde stammen aus Chapadamalal, Provinz Buenos Aires, Argentinien und sind gleichzeitig auch die ältesten Fossilien von Vertretern der Gattung (Smith, 2008).

Erkennung und Unterschiede

Die Art kann mit dem Sechsbinden-Gürteltier (Euphractus sexcinctus) verwechselt werden. Das Sechsbinden-Gürteltier ist jedoch deutlich gelblicher gefärbt und weist auf dem Panzer helle Deckhaare auf. Das Braunborsten-Gürteltier ist rötlichbraun gefärbt und hat dunkelbraune Deckhaare. Zudem weist das Braunborsten-Gürteltier eine deutlich stärkere Behaarung auf. Unterschiede zeigen sich auch bei der Beschuppung des Kopfes. Beim Braunborsten-Gürteltier sind die Schuppen deutlich kleiner. Vom Kleinen Borstengürteltier (Chaetophractus vellerosus) unterscheidet sich das Braunborsten-Gürteltier aufgrund der Ohrlänge und der Färbung. Das Kleine Borstengürteltier hat kleinere Ohren und eine gräuliche Färbung des Panzers (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Braunborsten-Gürteltier ist eine mittelgroße Art der Gürteltiere. Die Art erreicht je nach Geschlecht eine Gesamtlänge von 38,6 bis 55,0 (43,67) cm, eine Körperlänge von 26,1 bis 34,4 (29,11) cm, eine Schwanzlänge von 11,2 bis 15,6 cm, einen basalen Schwanzdurchmesser von 0,8 cm, eine Hinterfußlänge von 5,0 bus 7,0 (6,17) cm, eine Klauenlänge (Vorderfüße) von 1,5 bis 2,5 cm, eine Ohrlänge von 2,2 bis 3,1 (2,4) cm sowie ein Gewicht von 1.000 bis 3.890 (2.370) g. In der Schädel- und Kiefermorphologie zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Die Schädel der Weibchen sind größer und die Kiefer sind länger als die der Männchen. Die Rückenpanzerung ist deutlich abgeflacht, der Kopfschild ist groß. Der Kopf-und Rückenpanzer ist dunkel rötlichbraun gefärbt und hellt lateral etwas auf. Die Ohren sind mittelgroß und dunkel gefärbt. Im Bereich der Wangen, am Hals und an den Beinen zeigen sich lange Haarbüschel (Novak, 1999; Smith, 2008).

Lebensweise

Braunborsten-Gürteltiere sind sowohl tag- als auch nachtaktiv. Unterschiede in der Aktivität zeigen sich vor allem zwischen den Jahreszeiten. Im Sommer sind die Tiere meist in der Nacht aktiv, im Winter eher am Tage. Die Erdbauten werden von der Art selbst angelegt. Die kräftigen Grabkrallen dienen hierbei den Grabaktivitäten. Ein Bau weist für gewöhnlich nur einen Eingang auf, der eine Größe von 20 mal 20 cm aufweist. Die Erdhöhlen liegen in einer Tiefe von 50 bis 100 cm. Die Nistkammer erreicht eine durchschnittliche Länge von 50 cm und, Breite von 20 cm und eine Höhe von 30 cm. Verlassene Höhlen werden nicht selten von der Kaninchen-Eule (Athene cunicularia) oder von Viscachas (Lagostomus maximus) übernommen. Braunborsten-Gürteltiere leben einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen (Novak, 1999; Smith, 2008).

Verbreitung und Lebensraum

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Das Braunborsten-Gürteltier ist im südlichen Südamerika verbreitet. Die Vorkommen erstrecken sich über den Gran Chaco von Bolivien, Paraguay, Argentinien und Chile. Die Tiere leben bis in einer Höhe von gut 1.500 m über NN. Während des Pleistozän war die Art auch in Uruguay und dem südlichen Brasilien verbreitet. Dieses belegen fossile Funde. Die Art besiedelt insbesondere Trockenwälder und Dornbuschsavannen, extrem feuchte Gebiete werden hingegen gemieden. In der Nähe des Menschen sind Braunborsten-Gürteltiere auch auf Agrarland anzutreffen. Eingeführt wurde die Art auf Isla Grande de Tierra del Fuego, der Hauptinsel des Feuerland-Archipels (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Biozönose

Mortalität und Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden zählen der Puma (Puma concolor), der Jaguar (Panthera onca) und bei Jungtieren auch Füchse (Vulpes) und andere Hundeartige (Canidae) Räuber. In der Nähe von menschlichen Strukturen kommen zahlreiche Braunborsten-Gürteltiere im Straßenverkehr ums Lebens (Smith, 2008).

Parasiten

Zu den nachgewiesenen Parasiten zählen nachstehend aufgeführte Ekto- und Endoparasiten (Smith, 2008):

Ernährung

Braunborsten-Gürteltiere sind Allesfresser. Den Wasserbedarf stillen die Tiere hauptsächlich über die Nahrung. Dies ist eine Anpassung an den ariden und semiariden Lebensräumen. Gefressen werden vor allem Früchte, Aas, Eier und Insekten (Insecta) wie Käfer (Coleoptera), Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera). Dies haben Magenanalysen ergeben. In der Nähe des Menschen suchen die Tiere auch im Anfall nach Nahrung. Braunborsten-Gürteltiere plündern nicht selten die Gelege von Nandus (Rhea americana) oder von Hausgeflügel. Zu den typischen Futterpflanzen gehören Caesalpinien (Caesalpinia) wie Caesalpinia paraguariensis, verschiedene Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) wie Ziziphus, Sapotengewächse (Sapotaceae) wie Sideroxylon obtusifolium und Kakteengewächse (Cactaceae) wie Quiabentia. In Gefangenschaft nehmen die Tiere auch Gemüse sowie Hunde- und Katzenfutter an (Smith, 2008).

Fortpflanzung

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Die Geschlechtsreife wird im Alter von etwa 9 Monaten erreicht. Die Paarungszeit erstreckt sich im natürlichen Lebensraum von September bis in den April hinein. Dem Paarungsakt geht dem Beschnüffeln des Genitalbereiches einher. Trächrige Weibchen sind leicht an dem stark abgeflachten Panzer zu erkennen. Nach einer Tragezeit von 60 bis 75 Tagen bringt ein Weibchen meist 2 bis 3 (2) Jungtiere in ihrem Erdbau zur Welt. In Gefangenschaft konnte beobachtet werden, dass sich ein Geburtsvorgang über etwa 10 Minuten erstreckt. Der Nachwuchs hat eine ledrige Haut, die sich mit zunehmendem Alter verhärtet und in die typische Panzerung wandelt. Die Nägel sind bei der Geburt noch weich. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt nach 50 bis 60 Tagen. Im Alter von rund 30 Tagen setzt die erste Mobilität der Jungen ein und nehmen erste feste Nahrung zu sich. Die Tiere erreichen in Gefangenschaft ein Alter von 20 bis 25 Jahren. Die Lebenserwartung in Freiheit ist unbekannt (Novak, 1999; Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Das Braunborsten-Gürteltier zählt heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. In landwirtschaftlichen Regionen wird die Art als Ernteschädling angesehen und vom Menschen verfolgt. Zudem kommen im Straßenverkehr zahlreiche Tiere ums Leben. Jäger und Sportschützen sehen in Das Braunborsten-Gürteltier ein beliebtes Zielobjekt (IUCN, 2014).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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