Brauner Kapuziner

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Brauner Kapuziner

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Infraordnung: Neuweltaffen (Platyrrhini)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Gattung: Kapuzineraffen (Cebus)
Art: Brauner Kapuziner
Wissenschaftlicher Name
Cebus olivaceus
Schomburgk, 1848

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Braune Kapuziner (Cebus olivaceus) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae) zur Gattung der Kapuzineraffen (Cebus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Braune Kapuziner erreicht eine Körperlänge von 36 bis 46 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 38 bis 49 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2.100 bis 2.900 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter, ansonsten weisen die Geschlechter keinen nennenswerten Dimorphismus auf. Der Großteil des Körpers, insbesondere der Rumpf, weite Teile der Extremitäten, der Oberkopf und der Schwanz weisen eine braune bis hellbraune oder goldbraune Färbung auf. Die Unterarme können eine schwarzbraune Färbung aufweisen. Der Gesichtskranz, der Hals, der Schulterbereich sowie die Oberarme sind weißlich gefärbt. Das nackte Gesicht weist eine fleischfarbene Färbung auf. Der lange Schwanz dient dem Braunen Kapuziner als Greiforgan und ist an der Spitze schwarz gefärbt. Die Hände und Füße sind schwarzbraun gefärbt und enden in jeweils fünf Zehen, respektive Fingern. Die kleinen, gerundeten Ohren sitzen seitlich am Kopf und sind zumeist im Fell verborgen. Die Augen sind nach vorne gerichtet und ermöglichen ein räumliches Sehen.

Lebensweise

Braune Kapuziner sind tagaktive Regenwaldaffen, die die Nacht in den Bäumen verbringen. Sie leben gesellig in Gruppen von 10 bis 30 Tieren. Eine Gruppe besteht aus einem dominanten Männchen, mehreren Weibchen und dem Nachwuchs. Gegenseitige Fellpflege dient der sozialen Interaktion und stärkt den Zusammenhalt der Gruppe. Um die Versorgung und Betreuung des Nachwuchses kümmern sich alle Mitglieder einer Gruppe, auch das dominante Männchen. Braune Kapuziner beanspruchen ein Revier von 30 bis 100 Hektar Größe und verteidigen dies auch gegenüber Artgenossen, zeigen jedoch kein territoriales Verhalten. Die Reviere einzelner Gruppen können sich aber überlappen und werden mit Urin markiert. Zu den natürlichen Feinden gehören größere Greifvögel, Raubkatzen und größere Schlangen.

Sozialverhalten

Braune Kapuziner leben in polygamen Gruppen, in denen eine strickte matriachalische Hierarchie herrscht. Angeführt wird eine Gruppe von einem dominanten Männchen. Selten ist ein weiteres Männchen dem dominanten Männchen unterstellt. Dies ist allenfalls in größeren Gruppen der Fall. Geschlechtsreife Weibchen verbleiben in ihrer Geburtsgruppe, Männchen verlassen die Gruppe mit Erreichen der Geschlechtsreife. In einer Gruppe kommt es nicht selten zur Kindstötung (Infantizid). Die Gründe für die Kindstötung sind abschließend noch nicht erforscht. Kernpunkt der sozialen Interaktion ist die gegenseitige Fellpflege, die die soziale Bindung untereinander stärkt.

Kommunikation

Die Kommunikation untereinander ist vielschichtig. Zentraler Bestandteil ist neben der Tastkommunikation die Sichtkommunikation. Die Sichtkommunikation geht mit Augenkontakt, Anheben der Augenbrauen, Bewegung mit den Lippen und Zeigen der Zähne einher. Diese Interaktion dient der Kommunikation untereinander und gegenüber Fressfeinden und Eindringlingen. Ein weiterer Bestandteil der Kommunikation sind lautstarke Ausrufe, die sich durch Schreien, leises Murmeln und Grunzen manifestiert.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Cebus olivaceus brunneus Allen, 1914 LC Venezuela
Cebus olivaceus apiculatus Elliot, 1907 LC Venezuela
Cebus olivaceus castaneus Geoffroy, 1851 LC Französich Guiana
Cebus olivaceus olivaceus Schomburgk, 1848 LC Brasilien, Französich Guiana, Guyana, Surinam, Venezuela
Cebus olivaceus nigrivittatus Wagner, 1848 LC Venezuela

Verbreitung

Braune Kapuziner kommen im nordwestlichen Südamerika vor. Die Tiere sind vor allem in Brasilien, Französich Guiana, Guyana, Surinam, Venezuela anzutreffen. Hauptverbreitungsgebiet ist der Tieflandregenwald im Amazonasbecken. Feuchter Tieflandregenwald sowie Trockenwälder und Hochlandregenwald bis in Höhen von gut 1.500 Meter über NN. gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Den Waldboden betreten Braune Kapuziner nur zur Nahrungssuche. Hier suchen sie nach kleinen Wirbeltieren und Wirbellosen. Ansonsten halten sie sich nur in den Bäumen, meist in mittlerer Höhe auf.

Ernährung

Der Braune Kapuziner ernährt sich als Allesfresser sowohl von Blättern, reifen Früchten und Beeren, Nüssen als auch von Eiern, Jungvögeln (insbesondere Nestlinge), Insekten und deren Larven, Spinnentiere, kleinen Reptilien und kleineren Wirbeltieren. In Zeiten knapper Nahrung beansprucht das Männchen Nahrungsreserven für sich alleine. Nicht selten sterben dann auch Mitglieder der Gruppe den Hungertod. Mit ihren kräftigen Kiefern können sie auch großvolumige Früchte knacken. Zudem können sie mit ihren Zähnen selbst hartschalige Nüsse öffnen. Auf Nahrungssuche gehen Braune Kapuziner am Tage meist in größeren Gruppen. Bei der Nahrungsaufnahme herrscht eine strenge Hierarchie, bei der zuerst das dominierende Männchen zum Zuge kommt.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Braunen Kapuziner erreichen die Geschlechtsreife mit rund vier Jahren, Männchen erst sehr viel später mit etwa sieben bis acht Jahren. Braune Kapuziner leben polygam, das heißt, ein Männchen paart sich mit mehreren oder allen geschlechtsreifen Weibchen seiner Gruppe. Die Paarungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, jedoch fallen die meisten Geburten in die Regenzeit, in einer Zeit, in der reichlich Nahrung vorhanden ist. Nach einer Tragezeit von 155 bis 160 Tagen bringt das Weibchen ein, ganz selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Das Geburtsgewicht liegt zwischen 300 und 500 Gramm.

Das Jungtier klammert sich instinktiv am Bauch der Mutter im Fell fest und wird von ihr die erste Zeit herumgetragen. Nach spätestens zwölf Monaten wird der Nachwuchs entwöhnt. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen junge Männchen die Gruppe, während Weibchen in ihrer Geburtsgruppe verbleiben. Die Pflege des Nachwuchses obliegt in der ersten Zeit rein der Mutter. Später helfen auch andere Weibchen und gelegentlich auch Männchen innerhalb der Gruppe bei der Aufzucht und Pflege des Nachwuchses. In Gefangenschaft können Braune Kapuziner ein Alter von über 40 Jahren erreichen. In Freiheit liegt die Lebenserwartung mit gut 30 Jahren deutlich darunter.

Ökologie

Braune Kapuziner bilden einen herausragenden Teil ihres Ökosystems. Zum einen sind sie Samenverbreiter und steuern in geringem die Population von Schadinsekten, zum anderen sind sie die Nahrungsgrundlage für räuberisch lebende Tiere. In der Nähe des Menschen gelten sie zudem als Überträger von Krankheiten, die vor allem auf Haustiere und Vieh übertragen werden können. In weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete werden Braune Kapuziner von der einheimischen Bevölkerung wegen ihres Fleisches gejagt. Aufgrund ihrer Intelligenz werden sie gefangen und enden als Haustier. Auch in Zoos werden sie durchaus häufig gehalten.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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