Buchdrucker

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Buchdrucker

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Familie: Rüsselkäfer (Curculionidae)
Unterfamilie: Borkenkäfer (Scolytinae)
Gattung: Ips
Art: Buchdrucker
Wissenschaftlicher Name
Ips typographus
Linnaeus, 1758

Der Buchdrucker (Ips typographus), auch als Fichtenborkenkäfer bekannt, zählt innerhalb der Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae) und der Unterfamilie der Borkenkäfer (Scolytinae) zur Gattung Ips. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde die Art im Jahre 1758 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.
Im Englischen wird der Buchdrucker European spruce bark beetle genannt, was übersetzt soviel wie Europäischer Fichtenborkenkäfer heißt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Buchdrucker ist ein etwa 4,2 bis 5,5 Millimeter großer Käfer (Coleoptera). Sein Körper weist allgemein eine kurze und zylindrische Form auf. Die Deckflügel oder Elytren, welche an dem Thorax anliegen und den Hinterleib (Abdomen) bedecken sind rotbraun, das Halsschild des Bruststücks, dem Thorax, ist schwarzbraun gefärbt. Die drei Paar Beine sind, wie für Käfer typisch, jeweils in Hüfte (Coxa), Schenkelring (Trochanter), Schenkel (Femur), Schiene (Tibia) und Fuß (Tarsus) unterteilt, die Füße sind mit Krallen bestückt. Die Beine sind braun und die Füße gelblich gefärbt. Die Fühler oder Antennen sind ebenfalls gelblich gefärbt, sie sind kurz, pinselförmig und liegen an dem relativ kurzen und breitem Kopf (Caput). Die Körperfärbung ist bei jungen imaginen, also ausgewachsenen, Käfern hell und deutet auf die noch nicht abgeschlossene Entwicklung hin,
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die Käfer sind noch nicht in der Lage sich fortzupflanzen. Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife färben sich die Buchdrucker dunkler. Die Gliederung der drei Körperabschnitte Caput, Thorax und Abdomen ist deutlich zu erkennen. Der gesamte Körper ist stark behaart. Die Flügeldecken weisen im hinteren Teil eine von Zähnchen begrenzte Fläche auf, die sich farblich hervorhebt.

Fortpflanzung

Nach dem Erreichen der Geschlechtsreife schwärmen die Buchdrucker ab Mitte bis Ende April und bei Temperaturen von mindestens etwa 15 bis 17 Grad Celsius aus, um Partner für die Fortpflanzung zu finden. Buchdrucker sind polygam (Vermehrung eines Männchens mit mehreren Weibchen) und pflanzen sich nahezu immer in Fichten (Picea) fort. Die Männchen bohren sich im Frühjahr in die Rinde dieser Bäume, sie dringen durch die äußere Borke in den tiefer gelegenen Bast vor und begatten dort die Weibchen. Diese bohren sich dann einen senkrechten Gang in den Bast, den Muttergang, und legen in seitliche Nischen zehn bis dreißig Eier ab, insgesamt können sie in einer Vegetationsperiode bis zu 150 Eier legen. Aus den Eiern schlüpfen dann die milchig weiß gefärbten und beinlosen Larven der Buchdrucker, welche sich dann durch den saftführenden Bast seitliche Larvengänge fressen, die nach außen zu immer breiter werden, was mit dem Wachstum der Larven zusammen hängt. Am Ende eines jeden Larvengangs befindet sich die sogenannte Puppenwiege, wo sich die Larven verpuppen. In der Puppenhülle findet dann die vollständige Metamorphose statt, wobei sich der Körper, der als Larve an Masse für die Metamorphose zugenommen hat, zunächst zu einem Brei aus Zellen zersetzt. Dein Großteil der Zellen stirbt ab, viele andere Zellen ordnen sich sozusagen wieder neu und beginnen mit der Zell- und Zellkernteilung, der Mitose, was zum erneuten Wachstum führt. Die benötigte Energie wird aus den abgestorbenen Zellen gewonnen. Am Ende der Entwicklung in der Puppe hat sich aus der Larve der ausgewachsene Käfer, der Imago, gebildet, der nun noch hell gefärbt ist und nicht mehr weiter wächst, sich aber noch etwas weiter entwickelt. Ist er dunkel gefärbt, hat er die Geschlechtsreife erreicht. Die ausgewachsenen Käfer fressen sich dann aus der Puppenwiege heraus und können dann den nächsten Baum anfliegen. Imagines sind inetwa von Mai bis Juli anzutreffen.

Fraßbild, Gänge
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Fraßbild, Gänge

Die Dauer der gesamten Entwicklung vom Ei über die Larve und Puppe bis zum Käfer ist abhängig von den Klimabedingungen. Bei 25 Grad Celsius und relativ trockenem Wetter können die Käfer bereits nach insgesamt einem Monat aus der Puppenhülle schlüpfen, bei feuchtem Klima und circa 15 Grad Celsius kann die Entwicklung bis über drei Monate dauern. Unter günstigen Bedingungen kann es daher zu massenhaftem Auftreten des Buchdruckers kommen.

Der Buchdrucker kann in allen Entwicklungsstadien überwintern, das heißt, als Larve, Puppe und Käfer. Da die Eier meistens bereits geschlüpft sind, überwintert der Buchdrucker jedoch kaum im Stadium des Eies. Gelegentlich ziehen sich die Käfer über den Winter auch in den Boden zurück. Eier und junge Larven reagieren empfindlich auf länger anhaltende Temperaturen von unter -10 Grad Celsius, wohingegen größere Larven, Puppen und Käfer sehr beständig gegenüber längere Frostperioden sind.

Ernährung

Der Buchdrucker ernährt sich von seinem Substrat, also dem ihn umgebenden Material. In diesem Falle bezieht sich dies auf das Holz, in dem er lebt, genauer gesagt frisst er die saftführenden Schichten der Rinde, den unterhalb der Borke liegenden Bast. Sowohl die ausgewachsenen, imaginen Käfer, als auch deren Larven ernähren sich von dem Bast.

Verbreitung

Der Buchdrucker weist ein weit reichendes Verbreitungsgebiet auf. Er kommt im gesamten zentralen Europa vor und ist über die skandinavischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland sowie in weiten Teilen Asiens, dort insbesondere in Russland, verbreitet.
Der Buchdrucker lebt in Wäldern. Man trifft ihn in erster Linie in Baumbeständen der Gemeinen Fichte (Picea abies) an. Er kommt jedoch durchaus auch bei Lärchen (Larix), Kiefern (Pinus), Weißtannen (Abies alba) und bei den aus Nordamerika eingeführten Douglasien (Pseudotsuga) vor und befällt diese.

Buntspecht (Dendrocopos major)
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Buntspecht (Dendrocopos major)

Ökologie

Biozönose

Die Biozönose umschreibt das Zusammenleben verschiedener Tierarten und ihre Verhältnisse zueinander innerhalb eines Biotops. Sie bildet zusammen mit dem Biotop das entsprechende Ökosystem. Natürliche Biozönosen sind fast immer sehr komplex und kaum komplett überschaubar. So sieht es auch bei der Biozönose des Buchdruckers aus. Häufig wird dieser Käfer und seine Beziehungen zu den anderen Tieren des Waldes als Beispiel für das biologische Gleichgewicht hergenommen. Besonders in Monokulturen mit Fichtenbestand, wie sie in den Mittelgebirgen Deutschlands häufig aufzufinden sind (auch wenn die Fichten dort nicht natürlich vorkommen, sondern vom Menschen verbreitet wurden), aber auch in natürlichen Wäldern kommt unter den Buchdruckern gelegentlich zu Jahren mit massenhaftem Auftreten. Die natürlichen Fressfeinde (Prädatoren), zu denen vor allem Buntkäfer (Cleridae), Schlupfwespen (Ichneumonidae) und Vögel (Aves), beispielsweise Spechte (Picidae) wie der Buntspechte (Dendrocopos major) oder der Grünspecht (Picus viridis), Kleiber (Sittidae) und Baumläufer (Certhiidae) sowie einige Spinnentiere (Arachnida), in erster Linie Webspinnen (Araneae), zählen, haben dann ein reiches Nahrungsangebot. Vereinfachend soll hier der Buntspecht näher betrachtet werden. Er hat ein reiches Nahrungsangebot mit Spinnen, Ameisen, Insekten und deren Larven, darunter auch die Larven und gelegentlich auch ausgewachsenen Käfer des Buchdruckers. Kommt es bei ihm zum Massenauftreten, findet der Specht wesentlich mehr Nahrung als üblich und kann mehr Junge ernähren, die dann auch kräftiger durch den Winter gehen. Im Folgejahr gibt es mehr Spechte, damit werden auch mehr Käfer gefressen. Die Zahl der Käfer geht in einem naturnahen Ökosystem wie einem Mischwald drastisch zurück und das Nahrungsangebot für die Spechte sinkt, mit der Folge, dass wieder weniger Junge aufgezogen werden und über den Winter kommen. Solche Veränderungen der allgemeinen Individuenzahlen kommen immer wieder vor, pendeln sich jedoch wieder um einen Mittelwert ein und beide Tierarten bleiben erhalten. Solche Prozesse bezeichnet man als dynamisches ökologisches Gleichgewicht. Durch die Artenvielfalt bleibt das Gleichgewicht noch besser gewahrt, denn Spechte fressen neben dem Buchdrucker noch viele weitere Tiere und der Buchdrucker hat eine Vielzahl weiterer Prädatoren, die ihn fressen. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Buchdrucker in Jahren mit schlechtem, kühlen Wetter weniger Nachwuchs hervorbringt und auch die Prädatoren des Buchdruckers Fressfeinde haben. Somit wird ein enorm großes und kaum mehr überschaubares Nahrungsnetz gebildet. Umso mehr Arten in ein Nahrungsnetz eingebunden sind, desto stabiler ist dieses und damit auch das biologische Gleichgewicht.

Der Buchdrucker brütet unter der Borke seiner Wirtsbäume, häufig sind zwischen seinen Brutgängen die Larven anderer Käfer (Coleoptera) zu finden, oftmals entwickeln sich beispielsweise Kupferstecher (Pityogenes chalcographus), ebenfalls eine Art der Borkenkäfer (Scolytinae), im gleichen Baum.

Buchdrucker
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Parasiten und Parasitoide

Unter den Parasiten und Parasitoiden der Buchdrucker finden sich etliche Gruppen und Arten. Sie können zwangsläufig zum Tod des Käfers führen (Parasitoid) oder ihn zu ihrem Nutzen am Leben lassen (Parasit). Zu den Endoparasitoiden, das heißt Parasitoiden, die im Inneren des Körpers leben, zählen zum Beispiel einige Arten der Fadenwürmer (Nematoda). Sie gelangen über die Nahrung in den Verdauungstrakt und treten oft in Verbindung mit Bakterien auf. Sie nutzen den Körper als "Brutplatz" und vermehren sich im Käfer, schwächen ihn und töten ihn letzten Endes ab. Zum Zusammenbruch von Borkenkäferpopulationen führen Nematoden selten, begünstigend wirkt für sie feuchtes Wetter. Wichtige Parasitoide unter den Insekten finden sich bei den Hautflüglern (Hymenoptera). Hier sind in der Regel parasitoide Arten zu finden, die die Borkenkäfer arttypisch in verschiedenen Entwicklungsstadien befallen, zumeist als junge Larve oder junge Puppe, einige parasitieren auch die ausgewachsenen Käfer. Sie leben entweder als Endoparasitoide im Inneren des Körpers oder als Ektoparasitoide auf dem Chitinpanzer. Viele primitivere Arten der Taillenwespen (Apocrita) verfügen über einen Legebohrer, der mit einer Giftdrüse in Verbindung sitzt. Wirtstiere lähmt das Weibchen durch Gifteinfuhr über den Legebohrer, anschließend werden die Eier auf dem Panzer abgelegt. Die daraus schlüpfenden Larven ernähren sich sagend von den Körpersekreten des Wirts. Zu diesen Ektoparasitoiden zählen sehr viele Arten der Brackwespen (Braconidae). Unter den Endoparasitoiden finden sich unter vielen anderen etliche Erzwespen (Chalcidoidea). Sie parasitieren neben Larven, Puppen und Imagines auch die Eier des Buchdruckers. Für die Entwicklung der Wespenlarven ist eine gute Entwicklung des Wirts wichtig. Einige verbleiben bis zum Schluss ihrer Entwicklung zur ausgewachsenen Wespe im Wirt, andere, wie die Brackwespenart Rhopalophorus clavicornis oder die Erzwespe Tomicobia seitneri, bohren sich bereits als Larve am Absturz (schräge Fläche des Hinterleibes) des Käfers heraus und verpuppen sich außerhalb des Wirtstieres. Die Wespenlarven ernähren sich vom Fettgewebe des Wirts, bei imaginen Buchdruckern auch von den Geschlechtsorganen, was sie fortpflanzungsunfähig macht.

Krankheiten

Der Buchdrucker ist einer Vielzahl von Krankheitserregern und Parasiten ausgesetzt. Unter den Prokaryoten (Monera), oder schlicht als Bakterien bezeichnet, sind für den Buchdrucker vor allem viele sporenbildende Arten pathogen, das heißt krankheitsverursachend. In der Regel erfolgt die Aufnahme über die Nahrung und die Infektion über den Verdauungskanal. In Folge der Infektion verjaucht der Körperinhalt des infizierten Tieres zu breiiger Konsistenz. Größere Infektionen unter den Käfern können Massenvermehrungen verhindern. Daher werden Spezies wie Bacillus thuringiensis in Form ihrer Sporen für Maßnahmen des Pflanzenschutzes in der Forstwirtschaft gehandelt und eingesetzt. Bacillus thuringiensis produziert ein Toxin (Giftstoff), das Protein Bt-Toxin (Bt steht für Bacillus thuringiensis), welches im sauren Milieu des Insektendarms wirkungsvoll wird. Ebenfalls für umfangreiche Infektionen sorgen häufig die Bakterienspezies Aerobacter scolyti, Escherichia klebsiellaeformis und Serratia marcescens. Viren kommen kaum als Krankheitserreger in Frage. Des Weiteren kommen als insektenpathogene Organismen Pilze (Fungi) in Frage, vor allem imperfekte Arten mit unvollständigem Entwicklungszyklus. Sie pflanzen sich ungeschlechtlich über sogenannte Konidien fort und infizieren die den Buchdrucker über seine Außenhülle, den Panzer aus Chitin. Der Pilz breitet sich im inneren aus und führt zu Veränderungen im Gewebe, Flüssigkeitsausstoß in Form feiner Tröpfchen sowie einem feinen Belag aus Pilzgeflecht (Mycel) auf dem Körper. Der größte Teil des Pilzes verbreitet sich im Inneren des Organismus und tötet diesen innerhalb weniger Tage, Männchen meist schneller als Weibchen, Larven und Puppen sind noch weniger beständig. Bei günstigem Klima (feuchtwarm und um die 25 ° Celsius) bildet sich auf dem Körper des toten Insekts ein dichter, flauschiger Belag aus Pilzmycel, in dem neue Konidien gebildet werden. Die Letalität ("Sterberate") am Individuum beträgt 100 Prozent, auch kann die Hinfälligkeit in einem ganzen Buchdrucker-Bestand bis zu 100 Prozent betragen. Damit sind die Pilze noch sicherere Vernichter der Baumschädlinge und von noch größerer Bedeutung für die Forstwirtschaft, als die Bakterien. Typische Pilzgattungen, die regelmäßig Borkenkäfer infizieren, sind Beauveria und Paecilomyces. Weitere insektenpathogene Mikroorganismen werden von Sporentierchen (Sporozoa) dargestellt. Sie infizieren die Käfer mit ihren Sporen über den Verdauungskanal. Sie treten mit dem Pilz Beauveria sp. auf und führen zur Verjauchung des Körperinhalts. Über sie ist bis jetzt noch relativ wenig bekannt.

Waldschädling

Der Buchdrucker ist einer der wichtigsten Waldschädlinge Mitteleuropas. Er befällt besonders Fichten (Picea) sowie Lärchen (Larix), Kiefern (Pinus), Weißtannen (Abies alba) und Douglasien (Pseudotsuga). Allerdings kommen all diese Arten normalerweise nicht in den Mittelgebirgen, den typischen "Krisengebieten", vor. Lärchen, Weißtannen und Fichten sind in Deutschland vor allem im Alpenraum verbreitet, Kiefern kommen je nach Art ebenfalls in den Alpen oder in Norddeutschland vor und die Douglasien stammen aus Nordamerika. In den Mittelgebirgen waren Buchdrucker daher ursprünglich an kranken und geschwächten Laubbäumen zu finden. Nadelbäume können sie wegen dem weichen Holz auch im gesunden Zustand befallen, außerdem sind diese bei künstlicher Verbreitung in unnatürliches Gelände durch den Menschen wesentlich anfälliger für Schadeinwirkungen aller Art. Begünstigend für den Buchdrucker, seine Fortpflanzung und damit auch für den Schaden, den er hinterlässt, wirken abgeholzte Bäume, die nicht aus dem Wald gefahren werden und Windbruchschäden, bei denen eine Menge Holz anfällt, in dem sich die Käfer entwickeln können und auch Trockenheit und Hitzeperioden, die die Bäume schwächen. Bei entsprechendem Klima kann es in Höhenlagen von bis deutlich über 1.500 Meter über NN zu Massenbefall mit Buchdruckern kommen. Auch allgemein geschwächte Bäume, zum Beispiel durch den sauren Regen, Krankheiten oder durch Schadstoffe, werden häufiger von Borkenkäfern aller Art befallen. In Monokulturen mit Nadelwäldern und vor allem dort, wo eigentlich keine Monokulturen aus Nadelwäldern bestehen, ist eine deutlich geringere Artenvielfalt zu beobachten. Hier ist das ökologische Gleichgewicht sehr instabil. Fressfeinde wie Spechte sind kaum zu beobachten, insbesondere in größeren Monokulturen. Dies liegt daran, dass sie dort nicht genügend andere Nahrung auffinden und hat zur Folge, dass sich Buchdrucker massenhaft vermehren.

Angelockt werden die Buchdrucker durch den Geruch von kranken Fichten. Gegen den Befall der Käfer kann sich eine Fichte zunächst zur Wehr setzen, in dem sie Harz absondert, der besonders für die Käfer eine toxische (giftige) Wirkung hat. Allerdings sind die Käfer auch in der Lage aus Stoffen in dem Harz Pheromone zu synthetisieren, welche weitere Käfer anlocken. Somit werden es nach und nach immer mehr Käfer. Überschreitet die Anzahl der Käfer die Widerstandskraft des Baumes, kommt es zur Eiablage. Nur durch das Verständigungssystem und die Individuenvielzahl ist der äußerst kleine Buchdrucker in der Lage große Bäume zu parasitieren und sie zum absterben zu bringen.

Bayerischer Wald: Schadbild
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Bayerischer Wald: Schadbild
Schadbild

Der Buchdrucker kann ganze Wälder zum Absterben bringen. Der Befall mit ihm ist bereits am einzelnen Baum, zumeist bei Fichten (Picea abies) ab einer Größe von 20 Zentimetern Durchmesser in Brusthöhe (Brusthöhendurchmesser, BHD), zu erkennen. Dass ein Baum von Borkenkäfern wie dem Buchdrucker befallen ist, äußert sich bereits durch die Einbohrlöcher der Käfer in der Borke seiner Rinde. Sind diese frisch, kann man davor ausgestoßenes Bohrmaterial von mehlartiger Konsistenz erkennen, bei Regen wird es gegebenenfalls weggespült. In dem Bast, dem wasserführendem und lebenden Teil der Rinde unterhalb der äußeren, abgestorbenen Borke, pflanzt sich der Buchdrucker fort. Die Muttergänge sind senkrecht, davon abgehend führen nach links und rechts die Larvengänge. Daher stammt auch die Bezeichnung "Buchdrucker", der Muttergang sieht aus wie die Mitte eines aufgeschlagenen Buches und die Larvengänge erinnern an von der Buchmitte aus wegführende Zeilen. Insbesondere die Larvengänge stören den Wasserhaushalt der Bäume enorm, sie können ihn sogar zum erliegen bringen, da durch die Unterbrechungen in der Bastschicht kein Wasser mehr fließen kann, denn der Bast ist die wasserführende Schicht des Baumes. In Folge dessen tritt am Baum allgemein zunächst eine Auflichtung der Krone auf, die in größeren Nadelverlust übergeht. Nach und nach verlieren sich durch die Austrocknung alle Nadeln und das Holz stirbt auch ab, auch können Teile der Rinde abfallen.

Bayerischer Wald
Im 1970 gegründeten und 24.250 Hektar großem Nationalpark Bayerischer Wald liegt eine der größten durch Borkenkäfer zerstörten Waldlandschaften vor. Zwischen den Bergen Rachel und Lusen standen fast ausschließlich Fichten. Im August und November 1983 kam es zu zwei Stürmen, bei denen 70.000 Festmeter Holz fielen. Minister Hans Eisenmann entschied, dass 30.000 Festmeter liegen bleiben sollten. Weitere Stürme in den nächsten zehn Jahren rissen ebenfalls Löcher in den Wald. Dadurch, dass nichts abgefahren wurde, entwickelte sich das Gebiet schnell zu einem Paradies für Buchdrucker und andere Borkenkäfer. Letzten Endes wurden auch anfangs kerngesunde Fichten von den Käfern befallen. Bei der Bevölkerung, vor allem unter den Forstwirten der naheliegenden, privaten Fichtenbestände, stieß das Projekt verständlicherweise auf Widerstand. Nicht nur, aus Befürchtung um den Befall des eigenen Bestandes, auch passte es nicht in das typische Bild der deutschen Waldwirtschaft, nutzbares Holz einem Waldschädling zu überlassen. Allerdings konnten aus dem sich bis heute von alleine entwickelnden Wald viele ökologische Erkenntnisse gewonnen werden. Regelmäßig werden Untersuchungen der Biodiversität (Artenvielfalt) durchgeführt, oft auch von ehrenamtlichen und nicht wissenschaftlichen,
Lockstofffalle
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Lockstofffalle
aber dennoch qualifizierten und kundigen Helfern. Auf der karg und trostlos wirkenden Fläche, die an ein Waldbrandgebiet erinnert, haben sich bereits viele junge Bäume entwickelt, ganze Jungwälder sind bereits entstanden. Auch etliche seltene Pflanzen wie einige Orchideen (Orchidaceae) sowie wie tierische Seltenheiten haben sich eingefunden. Die Zahl der Borkenkäfer ist mit dem Schwinden der für sie nutzbaren Wirtsbäume ebenfalls stark zurück gegangen.

Die Randgebiete der Wälder müssen gegen Borkenkäferbefall behandelt werden, um eine Infektion der wirtschaftlich genutzten Waldflächen zu verhindern.

Bekämpfung

Der Bayerische Wald ist ein Einzelfall, es gibt kaum weitere Gebiete, in denen Wälder bewusst dem Buchdrucker überlassen werden. Im Bayerischen Wald ist sich das, durch die künstliche Ansiedlung der Fichten durch den Menschen und den anschließenden Käferbefall, gekippte ökologische Gleichgewicht sich bereits wieder am Einpendeln, die natürlichen Waldlandschaften nehmen wieder Einzug. Hier regelt sich die Natur alles selbst. Im Wirtschaftsforst dauert dies jedoch zu lange, es ist wirtschaftlich nicht vertretbar, zu warten, bis die Natur alles geregelt hat. Daher muss der Mensch eingreifen, sobald auf forstlichen Kontrollgängen (zum Beispiel durch den Revierjäger oder zuständige Forstwirte) befallene Bäume auffallen.

Es gibt viele Methoden, die Käfer zu bekämpfen. Eine davon sind sogenannte Fangbäume, die als besser kontrollierbare, liegende Fichten vorliegen. Als Vorlage sollten nur gesunde Bäume dienen. Drei bis vier Wochen nach dem Auslegen der Fangbäume und vor dem Ausfliegen der imaginen (ausgewachsenen) Tiere sind sie zu verwerten oder zu behandeln. Dazu können Insektizide zum Einsatz kommen oder die Rinde abgeschält und verbrannt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht in dem Einsatz von Lockstoff- bzw. Pheromonfallen. Dazu werden weibliche Pheromone des Buchdruckers mit chemischen Mitteln künstlich nachempfunden. Die Männchen fliegen diese an und kriechen in einen Fangbehälter, aus dem sie nicht mehr entfliehen können. Allerdings gibt es einer Annahme zufolge bereits Individuen, die nicht mehr auf die Lockstoffe reagieren und ausschließlich Wirtsbäume anfliegen, denn dort lassen sich Weibchen leichter finden, die weiblichen Pheromone werden überflüssig. Die wichtigste Bekämpfungsmethode ist aber das rechtzeitige Abführen des Holzes aus dem Wald und eine sichere, "hygienische" Lagerung (saubere Waldwirtschaft). Dazu können Stammschutzmittel eingesetzt werden oder die Stämme von der Rinde befreit werden, solange sich die Brut noch nicht zu ausgewachsenen Käfern entwickelt hat. Auch ständiges Bewässern mit Sprühwasseranlagen direkt am Lagerplatz erweist sich als sinnvolle Methode. Des Weiteren kann man durch die Förderung der natürlichen Feinde (siehe Absatz Krankheiten sowie Parasiten und Parasitoide) des Buchdruckers gegen seine Ausbreitung vorgehen. Als vorbeugende Maßnahme können gegebenenfalls Bekämpfungsmethoden sowie die Ansiedlung naturnaher Mischwälder in Frage kommen.
Bayerischer Wald: Schadbild
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Bayerischer Wald: Schadbild

Anhang

Literatur und Quellen

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