Buntwaran

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Buntwaran

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Überfamilie: Waranartige (Platynota)
Familie: Warane (Varanidae)
Gattung: Varanus
Art: Buntwaran
Wissenschaftlicher Name
Varanus varius
Shaw, 1790

Der Buntwaran (Varanus varius) zählt innerhalb der Familie der Warane (Varanidae) zur Gattung Varanus. Im Englischen wird dieser Waran Lace Monitor genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Buntwaran gehört zu den größten Waranen in Australien und erreicht eine durchschnittliche Körperlänge von rund 75 Zentimeter, die Gesamtlänge liegt bei 200 Zentimeter. Längenangaben von bis zu 250 Zentimeter wurden angeblich dokumentiert, erscheinen jedoch als wenig glaubwürdig. Das Gewicht der Buntwarane liegt bei 14 bis 20 Kilogramm. Weibchen bleiben zwar kleiner als Männchen, sie sind jedoch deutlich kräftiger gebaut. Der sehr lange Schwanz erreicht in etwa die 1,6-fache Länge des Körpers. Er dient den Tieren als durchaus schlagkräftige Waffe. Die Körperoberfläche weist eine gräuliche bis dunkelgraue Grundfärbung auf. Zahlreiche Muster und Querbinden, die eine gelbliche Färbung aufweisen, überziehen vor allem den Rücken und die Seiten des Halses. Die Binden gehen im Bereich des hinteren Rückens und des Schwanzes stellenweise in Punkte über. Derartige Punkte sind auch auf den Extremitäten zu erkennen. Die Bauchseite und die Innenseite der Extremitäten weisen eine gelbliche bis cremefarbene Färbung auf. Der Kopf ist langgestreckt, die Augen liegen seitlich, etwa in der Mitte des Schädels. Die rundlichen Nasenlöcher befinden sich im Bereich an der Seite der Schnauzenspitze.

Lebensweise

Die tagaktiven Buntwarane gelten als ausgezeichnete Kletterer. Die Zehen enden in kräftigen und stark gebogenen Krallen. Mit Hilfe der Krallen können die Tiere selbst glatte Baumstämme empor klettern. Beim Klettern im Geäst dient der lange Schwanz der Stabilisierung. Trotz der imposanten Größe sind Buntwarane sehr flink in Bäumen unterwegs. Die Ruhephase halten die Tiere zumeist in sicherer Höhe in Baumhöhlen oder an ähnlich geschützten Stellen. Buntwarane kann man durchaus als territorial bezeichnen. Sie verteidigen ihr Revier vor allem gegenüber Artgenossen vehement.
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Die Reviere der Weibchen fallen zumeist etwas kleiner aus. So kommt es in der Regel vor, dass sich das Revier eines Männchen mit Revieren mehrerer Weibchen überschneidet. Wie alle Reptilien, so gehören auch Buntwarane zu den poikilothermen (wechselwarmen) Tieren. Wechselwarme Tiere können ihre Körpertemperatur nicht selbständig halten. Im Gegensatz zu den homoiothermen (gleichwarmen) Tieren weisen Buntwarane keine konstante Körpertemperatur auf. Gefährlich sind neben zu niedrigen Temperaturen auch zu hohe Temperaturen. Letal (tödlich) sind Temperaturen von über 43 Grad Celsius. Im Hochsommer sind Buntwarane daher vor allem am Vormittag und am späten Nachmittag aktiv. In der kalten Jahreszeit halten Buntwarane eine Art Winterruhe oder schränken ihre Aktivität stark ein.

Verbreitung

Buntwarane sind in Australien insbesondere im östlichen Queensland, im östlichen New South Wales und im nördlichen und westlichen Viktoria weit verbreitet. Sie kommen auch auf vielen der Küste vorgelagerten Inseln vor. Feuchte Lebensräume wie die Ufer von Bächen und Flüssen gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Ihr Lebensraum ist darüber hinaus durch eine leichte Bewaldung geprägt. Die Bäume dienen zum einen dem Schutz und zum anderen als Nahrungshabitat. In Queensland leben die Tiere auch im lichten tropischen Regenwald. Weiter südlich handelt es sich zumeist um Trockenwälder.

Prädatoren

Prädator: Dingo (Canis lupus dingo)
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Prädator: Dingo (Canis lupus dingo)

Über mögliche Fleischfresser ist nur wenig bekannt. Ausgewachsene Buntwarane können allenfalls von einem Dingo (Canis lupus dingo) überwältigt werden. Buntwarane sind jedoch ausgesprochen wehrhafte Echsen, die sich mit ihren Krallen und ihrem Schwanz zu verteidigen wissen. Jungtiere fallen gelegentlich dem einen oder anderen Greifvogel (Falconiformes) oder anderen Waranen (Varanus) zum Opfer.

Ernährung

Buntwarane ernähren sich als Omnivora (Allesfresser) vor allem von Vögel (Aves), insbesondere Bodenbrüter, und deren Eier. Die Vögel und Eier werden sowohl am Boden als auch hoch oben in den Bäumen erbeutet. Außerhalb der Brutzeit von Vögeln stehen vor allem Kleinsäuger (Mammalia), Eidechsen (Lacertidae), Schlangen (Serpentes) und die Eier von Schildkröten (Testudinata) und Krokodilen (Crocodilia)auf dem Speiseplan. Aber auch Kleingetier wie Schnecken (Gastropoda), Spinnentiere (Arachnida) und größere Insekten (Insecta) werden keineswegs verschmäht. Bei Gelegenheit wird in Gewässern auch nach Fisch (Pisces) gejagt. Aas wird ebenfalls gefressen. Dabei kann es sich durchaus um bereits stark verwestes Fleisch handeln. Der Buntwaran ist da nur wenig wählerisch. In der Nähe des Menschen tummeln sich Buntwarane auch auf Müllkippen, räumen Mulltonnen aus oder gehen zuweilen auf Campingplätzen auf Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Buntwarane erreichen die Geschlechtsreife im Alter von etwa drei Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich über die Sommermonate. Während der Balz konkurrieren meist mehrere Männchen um die Gunst eines Weibchens. Dabei kommt es regelmäßig zu heftigen Kommentkämpfen, aus den der Sieger für gewöhnlich das Recht auf Paarung mit einem Weibchen beansprucht. Eine Umwerbung und die anschließende Kopulation kann sich teilweise über mehrere Stunden hinziehen. Buntwarane gehören zu den eierlegenden Reptilien. Je nach Alter und Ernährungszustand eines Weibchens umfasst ein Gelege zwischen 4 und 14, selten bis 18 Eier. Ein durchschnittliches Gelege dürfte etwa 8 bis 10 Eier umfassen. Die Eier weisen ein Gewicht von 50 bis 60, bei großen Weibchen auch bis 65 Gramm auf. Als Eiablageort werden zumeist Termitenbauten ausgewählt, in denen eine optimale Feuchtigkeit und Bruttemperatur vorherrscht. In Gegenden, wo Termitenbauten Mangelware sind, legen nicht selten mehrere Weibchen ihre Eier in einen Termitenbau. Nistplatzkonkurrenz wurde dabei noch nicht beobachtet. Seltener werden die Eier auch in Baum- oder Erdhöhlen höhlen abgelegt. In einigen Teilen der Verbreitungsgebiete überwintern die Eier. Die durchschnittliche Entwicklungsdauer erstreckt sich über sechs bis sieben Monate, also 180 bis 210 Tage. Die Jungtiere weisen eine Schlupflänge von 28 bis 36 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 25 Gramm auf. Wie die Jungtiere aus den Termitenbauten gelangen, ist weitestgehend unklar. Einige Forscher glauben, dass die Weibchen die Bauten zur gegebenen Zeit aufbrechen. Dieses ist jedoch nicht bestätigt. Eine konkrete Brutpflege wie bei Krokodilen ist bisher bei Buntwaranen nicht beobachtet werden. Die Jungtiere leben in der ersten Zeit ausschließlich in den Bäumen. Dies dient als Schutz vor möglichen Fleischfressern. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei gut 12 bis 15 Jahren. Ein ähnliches Alter wird auch in Gefangenschaft erzielt.

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Warane (Varanidae)

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert, Gisela Deckert, Günther E. Freytag: Urania Tierreich, 7 Bde., Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania, Freiburg (1991) ISBN 3332003763
  • Manfred Rogner: Echsen, Bd.2, Warane, Skinke und andere Echsen sowie Brückenechsen und Krokodile. Ulmer (Eugen) (1994). ISBN 3800172534
  • Daniel Bennett: Warane der Welt. Chimaira (1996) ISBN 3930612054
  • Bernd Eidenmüller: Warane. Lebensweise - Pflege - Zucht. Herpeton, Auflage 2 (2003) ISBN 3936180032
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