Cabassous tatouay

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Cabassous tatouay
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
Überfamilie: Dasypodoidea
Familie: Gürteltiere (Dasypodidae)
Unterfamilie: Langnasengürteltiere (Dasypodinae)
Gattung: Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous)
Art: Cabassous tatouay
Wissenschaftlicher Name
Cabassous tatouay
(Desmarest, 1804)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Cabassous tatouay zählt innerhalb der Familie der Gürteltiere (Dasypodidae) zur Gattung der Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous). Im Englischen wird das Kleine Nacktschwanzgürteltier Greater Naked-tailed Armadillo genannt (IUCN, 2014). Die Art ist monotypisch (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung, ähnliche Arten

Die Vertreter der Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous) sind im Wesentliche kleine Gürteltiere, die morphologisch der deutlich größeren Schwesterart dem Riesengürteltier (Priodontes maximus) ähneln. Aufgrund des deutlichen Größenunterschiedes ist eine Verwechslung mit dieser Art ausgeschlossen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist das Vorhandensein einer stark vergrößerten Kralle an den Vorderpfoten sowie das Fehlen der Hornplatten auf dem Schwanz. Wegen letzterem auch die Gattungsbezeichnung "Nacktschwanzgürteltiere". In der Lebensweise ist der größte Unterschied in der unterirdischen Lebensweise der Nacktschwanzgürteltiere zu erkennen. Auch ein Fluchtverhalten zeigen die Tiere nicht. Innerhalb der Gattung ist das Kleine Nacktschwanzgürteltier (Cabassous chacoensis) die kleinste Art. Weitere Unterscheidungsmerkmale zu Cabassous tatouay sind die kleineren Ohren und der fleischige Rand der Ohren. Beide Arten leben allopatrisch im östlichen Paraguay und in den angrenzenden Regionen. Das Große Nacktschwanzgürteltier (Cabassous unicinctus), mit dem Cabassous tatouay sympatrisch ist, weist größere Körperdimensionen auf (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Cabassous tatouay erreicht eine Gesamtlänge von 56 bis 80 (63,68) cm, eine Körperlänge von 36 bis 49 (45,78) cm, eine Schwanzlänge von 15 bis 20 (17,9) cm, eine Hinterfußlänge von 8 bis 8,6 (8,22) cm, eine Ohrlänge von 4 bis 4,4 (4,107) cm, eine Condylobasallänge von 109,9 (+/- 4,5) mm, eine Jochbeinbreite von 56,3 (+/- 2,8) mm sowie ein Gewicht von 3.400 bis 6.400 g. Die Schnauze ist kurz und breit. Wie alle Gürteltiere weist auch Cabassous tatouay einen kräftig ausgebildeten, ledern wirkenden Panzer auf. Er besteht aus einzelnen, beweglich angeordneten Plättchen, die eine leicht quadratische Form aufweisen. Der Panzer besteht dorsal 12 bis 14 Reihen beweglichen Bändern. Der Nacken ist durch 2 Reihen geschützt. Die Panzerung setzt sich auch auf dem Kopf fort. Die dorsale Färbung reicht von rötlichbraun bis hin zu fast schwarz. In der Regel sind die Tiere ähnlich dem Boden gefärbt. Ventral zeigt sich eine spärliche Behaarung und eine leicht gräuliche Färbung. Der Schwanz ist relativ lang und schlank. Die Körperkerntemperatur reicht von 32 bis 34ºC (Smith, 2008).

Lebensweise

Über das Fortpflanzungsverhalten ist nichts bekannt. Auch über die sonstige Lebensweise sind nur bruchstückhafte Informationen in der einschlägigen Literatur zu finden. Cabassous tatouay lebt fast ausschließlich unter der Erde und kann nur selten beobachtet werden. Die Tiere leben einzelgängerisch und sind nachtaktiv. Die Aktivitäten beginnt die Art mit Einbruch der Dunkelheit. Die Eingänge zu den Höhlen weisen eine Breite von rund 21 cm und eine Höhe von etwa 15 cm auf. Die Gänge in die Nistkammer haben einen mittleren Winkel von 47,7°. Die Erdbauten werden in der Regel von den Tieren selbst gegraben. Es gibt nur einen Ein- bzw. Ausgang. Meist verfügen die Tiere über mehrere Höhlen in ihrem Revier (Smith, 2008).

Verbreitung und Lebensraum

Cabassous tatouay ist in Südamerika im östlichen und südöstlichen Brasilien, im östlichen Paraguay, im nördlichen und nordöstlichen Argentinien und im nordöstlichen Uruguay endemisch. In Brasilien ist der in den Bundesstaaten Espírito Santo, Goiás, Mato Grosso, Minas Gerais, Paraná, Rio de Janeiro, Rio Grande do Sul, Sao Paulo und Santa Catarina nachgewiesen. Nach Meinung einiger Forscher soll die Art auch in Mato Grosso do Sul, Piauí und Pará vorkommen (Smith, 2008).

Biozönose

Prädator: Puma
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Prädator: Puma

Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem der Puma (Puma concolor) und der Ozelot (Leopardus pardalis). Dies haben in der Feldforschung Kotanalysen der Prädatoren ergeben. Zu den nachgewiesenen Ektoparasiten zählen Schildzecken (Ixodidae) wie Amblyomma pseudoconcolor. Wichtige Endoparasiten sind Fadenwürmer (Nematoden) wie Aspidodera fasciata (Smith, 2008).

Ernährung

Cabassous tatouay ernährt sich hauptsächlich von Ameisen (Formicoidea) und Termiten (Isoptera). Zu einem kleinen Teil werden auch andere Gliederfüßer (Arthropoda) gefressen. Die Beutetiere werden mit den kräftigen, sichelförmigen Krallen aus den Erdbauten gegraben. Mit der langen Zunge werden die Ameisen oder Termiten dann aufgeleckt. Die Lokalisierung der Beute erfolgt über den ausgeprägten Geruchssinn (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Cabassous tatouay zählt heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird in der Roten Liste der IUCN daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES listet die Art nicht. Die größten Gefahren gehen heute vom Verlust des natürlichen Lebensraumes aus, insbesondere im Cerrado und im Regenwald. Lokal wird die Art zudem von der indigenen Bevölkerung bejagt (Smith, 2008; IUCN, 2014).

Systematik

Der Stammbaum der Gürteltiere (exklusive der Gürtelmulle) nach Delsuc et al., 2003:

Gürteltiere (Dasypodidae)
 ├──Langnasengürteltiere (Dasypus)
 └──N.N.
     ├──Euphractinae
     │      ├──Zwerggürteltiere (Zaedyus)
     │      └──N.N.
     │           ├──Sechsbindengürteltiere (Euphractus)
     │           └──Borstengürteltiere (Chaetophractus)
     │
     └──Tolypeutinae
            ├──Kugelgürteltiere (Tolypeutes)
            └──Prionodontini
                 ├──Riesengürteltiere (Priodontes)
                 └──Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous)

Demnach sind Riesengürteltiere (Priodontes) die nächsten Verwandten der Nacktschwanzgürteltiere (Cabassous).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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