Callilepis schuszteri

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Callilepis schuszteri
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Gnaphosoidea
Familie: Glattbauchspinnen (Gnaphosidae)
Gattung: Callilepis
Art: Callilepis schuszteri
Wissenschaftlicher Name
Callilepis schuszteri
(Herman, 1879)

Die Spinnenart Callilepis schuszteri gehört innerhalb der Familie der Glattbauchspinnen (Gnaphosidae) zur Gattung Callilepis. Eine zweite, sehr ähnliche Art, Callilepis nocturna, läßt sich nur genital-morphologisch sicher von dieser Art unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Callilepis schuszteri erreicht als Weibchen eine Körperlänge von etwa 6 bis 7 Millimeter und als Männchen eine Körperlänge von etwa 4 bis 5 Millimeter. Die Spinne unterscheidet sich durch ihre auffallende Färbung recht deutlich von den meisten übrigen Arten aus der Familie der Glattbauchspinnen (Gnaphosidae). Der in der Grundfärbung schwarze Körper trägt bei dem Männchen leuchtend golden, bei dem Weibchen silbern glänzende Muster. Diese bestehen auf dem Hinterkörper aus einem breiten Querband und dahinter zwei Fleckenpaaren, während der Vorderkörper oberseits fast vollständig metallisch glänzt. Die an der Basis schwarzen Beine werden zu den Spitzen hin hellbraun. Bei den hinteren Beinen ist die Hellfärbung ausgedehnter als bei den vorderen Beinen. Die adulten Tiere treten von Mai bis Juni, vereinzelt auch noch im August, auf.

Lebensweise

Die tagaktive Art ernährt sich fast ausschließlich von Ameisen (Formicidae). Dabei dringt die Spinne aktiv in Ameisennester ein und greift die Beute frontal an. Sie sucht mit ihren Vorderbeinen die Fühler am Kopf der Ameise, beißt dann rasch in die Fühlerbasis und spritzt ihr lähmendes Gift in die Ameise ein. Dann zieht sie sich zurück, um nach kurzer Zeit erneut zuzubeißen. Jetzt wartet sie, bis die Ameise gelähmt umkippt. Die Spinne packt die Beute und zieht sie in ihr Versteck, wo sie die Ameise aussaugt. Auf dem Weg zu ihrem Versteck muß die Spinne sich jedoch immer vor dem Angriff der anderen Ameisen (Formicidae) schützen. Die Spinne bewegt sich fast wie eine Ameise, ist in ihrem Aussehen jedoch viel gedrungener.

Verbreitung

Callilepis schuszteri hält sich an warmen, offenen Standorten, besonders auf Trockenrasen auf. Diese Art trifft man in Mitteleuropa mehr im Süden und im Osten an. Sie ist überall sehr selten. Nach der Roten Liste in Deutschland ist Callilepis schuszteri stark gefärdet.

Ernährung

Callilepis schuszteri hat sich auf Ameisen (Formicidae) als Nahrung spezialisiert und dringt aktiv in die Nester verschiedener Ameisenarten ein. Durch ihren schnellen, ruckhaften Lauf erinnert die Spinne zwar an die Fortbewegungsweise gewisser Ameisenarten, doch ist ihre Körpergestalt keineswegs ameisenähnlich. Die Ameise wird immer frontal angegriffen. Mit den Vorderbeintarsen berührt die Spinne den Kopf der Ameise und ertastet die Fühlereinlenkung. Dann beißt sie rasch in die Fühlerbasis und spreizt die Beine nach rückwärts. Nach diesem kurzen Biß zieht sich die Spinne für etwa eine Minute zurück, bevor sie die Beute wieder aufsucht und länger beißt. Anfänglich reagieren die gebissenen Ameisen (Formicidae) nämlich recht aggressiv, doch schon nach wenigen Sekunden hängt der Fühler, in den das Gift injiziert wurde, schlaff herunter. Gleichzeitig beginnt die Ameise sich im Kreis zu drehen, und zwar nach rechts, falls in den linken Fühler gebissen wurde bzw. umgekehrt, so dass sie praktisch am gleichen Ort gelähmt liegen bleibt, wo sie auch gebissen wurde. Dies erleichtert natürlich die anschließenden Suchgänge der Spinne. Callilepis schuszteri packt die gelähmte Ameise unter sich und läuft sehr behende in ein Versteck. Obwohl sie dabei des öfteren von anderen Ameisen (Formicidae) angegriffen wird, vermag sie diesen geschickt auszuweichen. Für den Freßakt schließt sie ihr Versteck schließlich mit einem Gespinst nach außen ab. Das Beutetier wird nicht zerkaut, sondern stets vom Hals und Abdomen her ausgesaugt, so dass nach ein bis zwei Stunden nur die unversehrte Cuticulahülle zurückbleibt.

Die präzise und sehr rasch ablaufende Fanghandlung von Callilepis schuszteri ist als Anpassung an eine wehrhafte Beute aufzufassen. Der Biß wird nur an der verwundbaren Fühlerbasis appliziert und die Beine werden sofort außer Reichweite der kräftigen Kiefer der Ameise gebracht. Auch der anschließende Rückzug ist als eine entsprechende Vorsichtsmaßnahme zu interpretieren. Das Beispiel des Beutefanges von Callilepis schuszteri zeigt, dass das Fangverhalten auch streng fixiert sein kann. Entfernt man nämlich einer Ameise beide Fühler, so wird sie zwar von der Spinne angegriffen, aber nie gebissen, offenbar weil sie den Ansatzpunkt Fühlerbasis nicht findet. Klebt man umgekehrt Fühler an das Abdomen der Ameise, so setzt die Spinne dort ihren Biß an. Die Ameisenfühler stellen somit den Schlüsselreiz für die Auslösung des Bisses dar.

Fortpflanzung

Die Spinne wird in der ersten Jahreshälfte geschlechtsreif. Das Männchen baut den Wohnsack ganz in der Nähe des noch nicht geschlechtsreifen Weibchens, mit dem das Männchen sich sofort nach der Reifehäutung paart. Meist verläuft eine solche Paarung gänzlich ohne vorherige Werbung, abgesehen von einem kurzen Beinkitzeln. Nach der Paarung verschwindet das Männchen eilig. Das Weibchen baut den Eikokon im Sommer. Der Eikokon ist dickwandig und wird im Schlupfwinkel verborgen gehalten, so dass die Eier ausgezeichnet geschützt sind.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Platnick, Norman I. (2008): The world spider catalog, version 8.5. American Museum of Natural History.
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