Burmeister-Gürtelmull

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Burmeister-Gürtelmull

Systematik
Ordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
Überfamilie: Dasypodoidea
Familie: Gürteltiere (Dasypodidae)
Unterfamilie: Gürtelmulle (Chlamyphorinae)
Tribus: Chlamyphorini
Gattung: Calyptophractus
Art: Burmeister-Gürtelmull
Wissenschaftlicher Name
Calyptophractus retusus
Burmeister, 1863)

IUCN-Status
Data Deficient (DD)

Der Burmeister-Gürtelmull (Calyptophractus retusus) gehört innerhalb der Familie der Gürteltiere (Dasypodidae) zur Gattung Calyptophractus und ist die einzige Art in dieser Gattung. Im Englischen wird die Art Greater Fairy Armadillo, Burmeister's Armadillo, Chacoan Fairy Armadillo oder Greater Pichi Ciego genannt (IUCN, 2014). Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Wilson & Reeder 2005).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Burmeister-Gürtelmulle erreichen je nach Geschlecht unterschiedliche Maße. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 126 bis 199 (153) mm, eine Schwanzlänge von 32 bis 39 (35,5) mm, eine Hinterfußlänge von 28 bis 39 (31,5) mm, eine Ohrlänge von 5 bis 6 (5,4) mm und ein Gewicht von 71 bis 116 (91) g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 125 bis 153 (137) mm, eine Schwanzlänge von 33 bis 37 (35) mm, eine Hinterfußlänge von 28 bis 31 (30) mm, eine Ohrlänge von 5 mm und ein Gewicht von 63,5 bis 84 (74) g. Weibchen sind demnach durchweg kleiner und leichter als Männchen. Die Augen und Ohren sind aufgrund der unterirdischen Lebensweise stark reduziert. Der oval geformte Kopfschild ist mäßig gut entwickelt. Der kräftige Rückenpanzer, der mit der Wirbelsäule und dem Becken verwachsen ist, besteht aus einer Reihe von 23 bis 24 flexiblen Bändern. Der Panzer ist leicht rosa bis fleischfarben gefärbt und endet an den Seitenkanten wellenförmig. Eine leichte Panzerung setzt sich auf dem kurzen Schwanz und den Außenseiten der Glieder fort. Die Bauchseite, die Innenseiten der Glieder sowie der Bereich der Kehle und Brust sind dicht behaart. Die Behaarung weist eine cremefarbene bis weißliche Färbung auf. Die Füße der Vorderbeine enden jeweils in 5 Zehen, die mit kräftigen Grabklauen versehen sind. Die Klauen erreichen eine Länge von bis zu 20 mm (Novak, 1999; Smith, 2008).

Lebensweise

Die Lebensweise der Burmeister-Gürtelmulle ist nur unzureichend erforscht. Die Tiere sind nachtaktiv und halten sich fast ausschließlich unter der Erde auf. Beobachtungen im Freiland sind demnach sehr selten. Wahrscheinlich leben Burmeister-Gürtelmulle einzelgängerisch und die Geschlechter treffen nur zur Paarungszeit aufeinander. Über das Fortpflanzungsverhalten ist nichts bekannt (Smith, 2008).

Verbreitung und Lebensraum

Burmeister-Gürtelmulle sind im Gran Chaco endemisch. Die Vorkommen erstrecken sich dabei über das Grenzgebiet von Bolivien, Paraguay und Argentinien. Besiedelt werden das südöstliche Bolivien, das nordwestliche Paraguay und das nördliche Argentinen. Die Art besiedelt Habitate mit einem weichen und sandigem Boden. Aufgrund der grabenden Lebensweise kann der Burmeister-Gürtelmull keinen Lebensraum mit hartem Boden besiedeln (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählen verwilderte Haushunde und Hauskatzen (Felis catus) sowie andere kleine Raubtiere (Carnivora) und Eulen (Strigiformes). Unter den Parasiten sind nur Schildzecken (Ixodidae) wie Amblyomma pseudoconcolor nachgewiesen (Smith, 2008).

Ernährung

Der Burmeister-Gürtelmull ermährt sich überwiegend von Gliederfüßern (Arthropoda) wie Insekten (Insecta) und deren Larven. Zu einem kleinen Teil werden auch Ringelwürmer (Annelida) und Schnecken (Gastropoda) verzehrt. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich in der Nacht (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Gefahrdungsgrad der Burmeister-Gürtelmulle ist unbekannt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie DD, Data Deficient, geführt. Die größten Gefahren gehen zweifelsohne von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Aufgrund der geringen Größe wird die Art wegen des Fleisches nicht durch die indigene Bevölkerung bejagt. Eine Nachstellung erfolgt dennoch, da die Tiere in der indigenen Bevölkerung Unglück und den baldigen Tod von einem Familienmitglied prophezeihen. (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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