Candiru

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Candiru

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Zwischenklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Ostariophysi
Ordnung: Welse (Siluriformes)
Familie: Schmerlenwelse (Trichomycteridae)
Unterfamilie: Vandelliinae
Gattung: Vandellia
Art: Candiru
Wissenschaftlicher Name
Vandellia cirrhosa
Cuvier & Valenciennes, 1846

Der Candiru (Vandellia cirrhosa), auch als Canero oder als Brasilianischer Vampirfisch bekannt, zählt innerhalb der Familie der Schmerlenwelse (Trichomycteridae) zur Gattung Vandellia. Im Englischen wird der Candiru canero, toothpick fish, willy fish oder penis fish genannt.

Die Bezeichnung der Gattung Vandellia ist abgeleitet von Vandelli. Professor Domingo Vandelli aus Lissabon brachte zuerst ein Probestück von Vandellia cirrhosa aus Brasilien mit. Er befand sich auf einer Forschungsreise in Brasilien und sammelte unter anderem seltene Pflanzen- und Tierarten für Studienzwecke an der Universität von Lissabon. Im Jahre 1766 gründete Professor Domingo Vandelli den botanischen Garten des königlichen Palastes von Ajuda in Lissabon und 1772 auch den der Universität von Coimbra.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Candiru ist ein kleiner Parasiten-Wels, der in den Gewässern von Südamerika lebt. Er erreicht eine durchschnittliche Körperlänge von etwa 2,5 bis 3,0 Zentimeter. Es sind auch Längen von mehr als 10 Zentimeter bekannt. Derartige Längen treten wahrscheinlich eher selten auf. Aufgrund der kleinen Größe und des fast transparenten bis gelblichen, aalschlanken oder wurmähnlichen, nackten Körpers ist es schwer, diesen Fisch zu lokalisieren. Der Candiru weist eine Reihe von kurzen scharfen erektilen Stacheln auf, die sich an den Kiemen befinden. Das Maul erscheint saugförmig und der Unterkiefer ist mit nadelspitzen Zähnen ausgestattet. Des Weiteren zeigen sich auf der Oberseite des Kopfes kleine Augen.

Lebensweise

Der Candiru ernährt sich von dem Blut anderer Fische, wobei er in die Kiemenhöhle der Wirtstiere eindringt. Bisher wußte man nicht, wo genau der Candiru sich in der Kiemenhöhle festsetzt, um Blut aufzunehmen. Die brasilianischen Biologen Dr. Ivan Sazima und Dr. Jansen Zuanon konnten bei ihren Untersuchungen im Jahre 2004 nachweisen, dass die zwei Arten Vandellia cirrhosa und Vandellia sanguinea die Hauptschlagadern der Wirtstiere aufsuchen. Diese Spezies beißen am häufigsten in die ventralen und dorsalen Arterien und nutzen den Blutdruck des Wirtsfisches, um das Blut in den eigenen Körper aufzunehmen. Nach den Ergebnissen von Ivan Sazima und Jansen Zuanon benötigen die Schmerlenwelse keinen speziellen Saug- oder Pumpmechanismus, um das Blut ihrer Wirtstiere aufzunehmen. Sie benutzen lediglich ihre nadelspitzen Zähne zu einem Einstich in die Arterie. Der Druck des durch den Biss in die Arterien ausströmenden Blutes reicht aus, um den Fisch von 30 bis 145 Sekunden mit Blut zu füllen. Danach läßt der Candiru vom Wirtstier ab. Die bisherige Beschreibung, es handle sich um blutsaugende Fische, erweist sich eigentlich als irreführend.

Verbreitung

Im Jahre 1829 wurde der Candiru in der spanischen Provinz der Mayas (Peru) erstmals gesehen, der bei den Brasilianern schon lange bekannt ist. 1855 wurde der Candiru in den Flüssen Araguay und Amazonas gesichtet und im Jahre 1877 fand C. Jobert Fische entlang des Amazonas von Parä bis nach Tabatinga, wo ihm erklärt wurde, dass es sich um Candirus handele. C. Jobert fand die Fische auch in den Oberläufen des Batovi-Flusses (12 Grad südlicher Breite). Im Jahre 1897 schickte der Arzt J. Bach, der in La Plata praktizierte, einige Probestücke aus dem Fluss Juruá (südwestlich des Amazonas) der Zoologischen Gesellschaft von London. Dr. Charles C. Ammerman, der von 1910 bis 1911 als Chirurg tätig war, berichtete von einigen Patienten, die mit dem Candiru in Berührung kamen als sie sich im Madeira-Fluss aufhielten. Im Jahre 1929 berichtete Dr. Americo Campo über viele Candirus, während ein anderer Arzt in Abydos ebenfalls über viele Candirus im Unterlauf des Amazonas berichtete. Dr. Alfredo da Matta von Manaos bezieht sich auf ein Ereignis in Cambixie, wo im Rio Solimoes ein Candiru gesichtet wurde. Im Jahre 1938 fand man in den Oberläufen des Amazonas in der Montana-Region von Ostperu Candirus bei Yurimaguas im Huallaga-Fluss etwa 644 Kilometer über Iquitos.

Das heutige Verbreitungsgebiet des Candiru erstreckt sich über das Amazonasbecken und reicht von Peru bis nach Brasilien. Wenn der Candiru inaktiv ist, dann bleibt er im weichen schlammigen Boden vergraben. Der Candiru ist am Tage und in der Nacht aktiv. Während der aktiven Zeit hält sich der Candiru im Oberflächenwasser auf, meist in Tiefen von bis zu einem Meter.

Ernährung

Der Candiru ernährt sich parasitär vom Blut seiner Wirtstiere. Gelegentlich soll er auch in Körperöffnungen von Wirtstieren eindringen. Ferner soll der Candiru auch in Vaginalberreiche oder in die Harnröhre des Menschen eindringen. Dies mag in seltenen Fällen vorkommen, ist jedoch keineswegs die Regel. Belegt sind nur wenige Fälle. Der Mensch gehört nicht zu den typischen Wirtstieren des Candiru. Ein typisches Wirtstier ist zum Beispiel der Zungarowels (Zungaro zungaro) aus der Familie der Antennenwelse (Pimelodidae), der in den Stromgebieten des Amazonas vorkommt. Dabei schwimmt der Candiru gegen die Wasserströmung und gelangt so in die Kiemen des Wirtstieres oder bohrt eine Reihe winziger Löcher, die etwa 2 mm tief und 3 mm breit sind, in die dorsalen und ventralen Arterien und nutzt so den Blutdruck des Wirtstieres. Die meisten dieser Löcher verheilen aber wieder ganz schnell.

Fortpflanzung

Über die Fortpflanzung gibt es keine Dokumentationen, da das Fortpflanzungsverhalten dieser Spezies noch nicht erforscht ist.

Anhang

Literatur und Quellen

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