Canyonmaus

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Canyonmaus
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Neuweltmäuse (Sigmodontinae)
Tribus: Peromyscini
Gattung: Weißfußmäuse (Peromyscus)
Art: Canyonmaus
Wissenschaftlicher Name
Peromyscus crinitus
(Merriam, 1891)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Canyonmaus (Peromyscus crinitus) gehört innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Weißfußmäuse (Peromyscus). Im Englischen wird diese Maus Canyon Mouse genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die frühesten Funde einer Canyonmaus stammen aus dem oberen Pleistozän und weisen ein Alter von 100.000 bis 130.000 Jahren auf. Zu den Hauptfundorten zählt insbesondere das Los Angeles-Becken nahe Newport. Im oberen Pleistozän herrschte in dieser Region ein semiarides Küstenklima (Johnson & Armstrong, 1987).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die kleine bis mittelgroße Canyonmaus erreicht je nach Geschlecht leicht divergierende Maße. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 162 bis 186 (174,6) mm, eine Schwanzlänge von 82 bis 101 (91,6) mm, eine Hinterfußlänge von 18 bis 25 (20,7) mm, eine Ohrlänge von 17 bis 23 (19,9) mm sowie ein Gewicht von 12,8 bis 20,5 (19,9) Gramm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 164 bis 191 (176,1) mm, eine Schwanzlänge von 79 bis 118 (92,2) mm, eine Hinterfußlänge von 18 bis 22 (20,6) mm, eine Ohrlänge von 18 bis 22 (20,1) mm sowie ein Gewicht von 12,6 bis 22,9 (17,3) Gramm. Die Populationen in den nördlichen Verbreitungsgebieten sind insgesamt größer und kräftiger gebaut. Der Schwanz ist länger als die Körperlänge. Der Schwanz ist mit feinem, dünnem und langem Haar versehen. Die Füße sind weiß gefärbt. Eine Ausnahme bildet lediglich die Unterart Peromyscus crinitus delgadilli, bei der die Füße schwarz gefärbt sind. Das seidenweiche Fell weist dorsal eine orangebraune bis hellbraune Färbung auf. Die Haarspitzen sind bräunlich bis schwarzbraun gefärbt. Die Fellfärbung kann regional zum Teil deutlich variieren. Ventral zeigt sich eine weißliche bis hellgraue Färbung. Der Schädel ist eher grazil gebaut, der Hirnschädel ist breit und flach. Das Rostrum ist relativ lang und schlank, der Jochbeinbogen ist grazil. Männchen erreichen eine Schädellänge von 23,8 bis 26,3 (24,9) mm, eine Condylobasallänge von 22,8 bis 24,8 (24,0) mm, eine Jochbeinbreite von 11,5 bis 13,0 (12,5) mm, eine nasale Länge von 8,4 bis 10,6 (9,5) mm sowie eine craniale Tiefe des Schädels von 8,6 bis 9,3 (8,8) mm. Die Maße der Weibchen divergieren leicht. Sie erreichen eine Schädellänge von 23,0 bis 26,2 (25,0) mm, eine Condylobasallänge von 22,9 bis 24,8 (23,8) mm, eine Jochbeinbreite von 11,6 bis 12,7 (12,4) mm, eine nasale Länge von 8,6 bis 10,1 (9,5) mm sowie eine craniale Tiefe des Schädels von 8,6 bis 9,0 (8,8) mm (Johnson & Armstrong, 1987; Novak, 1999).

Das Baculum, also der Penisknochen, erreicht eine Länge von 7,5 bis 8,6 (8,2) mm und eine Breite an der Basis von 1,5 bis 2,1 (1,8) mm. Die Hoden (Testes) weisen einen Durchmesser von 7,0 mm auf. Der Samenleiter (Ductus deferens) erreicht eine Länge von 10,4 mm, die Harnröhre (Urethra) eine Länge von 8,5 mm (Johnson & Armstrong, 1987). Canyonmäuse sind vom Trinkwasser wenigstens zeitweise unabhängig. Sie können ihren Wasserbedarf über einen längeren Zeitraum über ihre Nahrung decken. Dies konnte unter Laborbedingungen nachgewiesen werden. Ohne Wasser verlieren Canyonmäuse in einer Woche 10% des Körpergewichtes. Unter Laborbedingungen konnte eine Urinkonzentration von 3.420 mOsm/Liter nachgewiesen werden. Im Freiland konnte eine Urinkonzentration von 4.000 mOsm/Liter belegt werden. Das kräftige Gebiss der Canyonmaus besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 1/1, 3/3.

Lebensweise

Die Canyonmaus ist überwiegend in der Nacht aktiv. Eher selten ist sie auch am Tage zu beobachten. Dies stellt eine Anpassung an die zahlreichen Fleischfresser dar. In ihrem Lebensraum bewegt sich eine Canyonmaus mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 27,3 Meter pro Minute. Die Siedlungsdichte liegt je nach Vorkommen und Lebensraum zwischen 0,5 und 43 Tiere je Hektar. Die Siedlungsdichte korreliert auch mit dem Vorhandensein von Nahrungskonkurrenten. Offene Flächen werden aufgrund der zahlreichen natürlichen Feinde gemieden. Die Tiere bewegen sich für gewöhnlich im Schutze von Felsen, Steinen oder Sträuchern (Johnson & Armstrong, 1987; Novak, 1999).

Unterarten

Im Folgenden die Unterarten nach Johnson & Armstrong, 1987:

  • Peromyscus crinitus auripectus - Allen, 1893
  • Peromyscus crinitus crinitus - Merriam, 1891
  • Peromyscus crinitus delgadilli - Benson, 1940
  • Peromyscus crinitus disparilis - Goldman, 1932
  • Peromyscus crinitus doutti - Goin, 1944
  • Peromyscus crinitus pallidissimus - Huey, 1931
  • Peromyscus crinitus pergracilis - Goldman, 1939
  • Peromyscus crinitus stephensi - Mearns, 1897

Die Einteilung in Unterarten ist umstritten und wird nicht von allen Forschern geteilt. Wilson & Reeder (2005) sehen beispielsweise keine Unterarten. Die oben aufgeführten Unterarten führen Wilson & Reeder lediglich als Synonym.

Verbreitung

Canyonmäuse kommen in den westlichen Regionen Nordamerikas vor. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Oregon, Idaho und Wyoming südlich bis ins nördliche Mexiko. Im Süden ist die Art bis in die trockenen Regionen der Sonora anzutreffen (Johnson & Armstrong, 1987; Novak, 1999). Die Canyonmaus lebt hauptsächlich in felsigen Habitaten. So gehören Stein- und Schotterwüsten, Geröll- und Schutthalden sowie Felsen zu den natürlichen Lebensräumen. Die Lebensräume sind durch verschiedenste Pflanzen geprägt. Hier sind insbesondere Rosengewächse (Rosaceae) wie Arten aus der Gattung der Coleogyne zu nennen. Weitere Markante Bäume und Pflanzen sind die Gelb-Kiefer (Pinus ponderosa), die Einblättrige Kiefer (Pinus monophylla), Amerikanische Zitterpappeln (Populus tremuloides), Utah-Wacholder (Juniperus osteosperma), Beifuß (Artemisia) und Melden (Atriplex) (Johnson & Armstrong, 1987).

Biozönose

Sympatrie

Zu den Lebensraum- und Nahrungskonkurrenten der Canyonmäuse zählen je nach Vorkommen und Lebensraum die Kaktusmaus (Peromyscus eremicus), Amerikanische Buschratten (Neotoma) wie Neotoma lepida und Buschschwanzratten (Neotoma cinerea) sowie Taschenratten (Geomyidae) wie Perognathus fallax (Johnson & Armstrong, 1987).

Krankheiten und Parasiten

In der Feldforschung konnten zahlreiche Endo- und Ektoparasiten nachgewiesen werden. Neben verschiedenen Fadenwürmern (Nematoda), Bandwürmern (Cestoda) und Saugwürmern (Trematoda) sind dies insbesondere Dasselfliegen (Oestridae) der Gattung Cuterebra. Auch zahlreiche Milben (Acari) wie Zecken (Ixodida), Flöhe (Siphonaptera) und Tierläuse (Phthiraptera) konnten nachgewiesen werden. Zahlreiche Individuen sind vor allem mit Eubrachylaelaps hollisteri infiziert (Johnson & Armstrong, 1987).

Ernährung

Canyonmäuse ernähren sich als Allesfresser von Sämereien, Insekten (Insecta) und grünen Pflanzenteilen. Auf tierische Kost wird vor allem zurückgegriffen, wenn Sämereien Mangelware sind (Johnson & Armstrong, 1987; Novak, 1999).

Fortpflanzung

Der Östrus ist typisch für Mäuseartige (Muroidea), die Ovulation tritt spontan auf. Ein Zyklus erstreckt sich über rund 6,1 Tage. Canyonmäuse erreichen die Geschlechtsreife bereits im Alter von knapp 2 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen vom Frühjahr bis in den Spätsommer oder Herbst hinein, in südlichen Regionen oder niedrigen Lagen zum Teil auch ganzjährig. Dabei kommt es je nach Vorkommen durchaus zu mehreren Würfen. Der Durchschnitt liegt bei 2 Würfen in einer Saison. Unter günstigen Bedingungen kann ein Weibchen bis zu 8 Würfe zur Welt bringen. Der kürzeste Abstand zwischen 2 Würfen liegt bei 27 Tagen. Canyonmäuse leben einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur kurz zur Paarung aufeinander. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich demnach ausschließlich das Weibchen. Sie ist während der Paarungszeit besonders territorial und duldet keine anderen Weibchen in ihrem Revier. Das Revier eines Weibchens deckt sich in der Regel mit denen mehrerer Männchen. Nach einer Tragezeit von 24 bis 25 Tagen bringt das Weibchen zwischen 1 und 5 (3,1) Jungtiere in ihrem Nest zur Welt. Die Anzahl der Jungtiere steigt mit zunehmendem Alter eines Weibchens. Die wenigsten Jungtiere weist die erste Geburt eines Weibchens auf. Das Geschlechterverhältnis zwischen Männchen und Weibchen liegt bei den Jungtieren bei 0,91 bis 0,97 zu 1. Der Nachwuchs weist ein Geburtsgewicht von etwa 1,8 bis 2,6 (2,2) Gramm auf und ist sowohl nackt als auch blind. Der Schwanz weist eine Länge von 12 bis 14 (12,8) mm auf, die Hinterfußlänge beträgt 7 bis 8 (7,5) mm. Die Jungen wachsen schnell und erreichen gegen Ende der ersten Lebenswoche bereits ein Gewicht von 5 bis 6 Gramm. Die Vibrissen weisen eine Anfangslänge von 10 mm auf. Das Fell beginnt bereits ab dem zweiten Tag zu wachsen. Die Ohren öffnen sich ab dem zehnten Tag, die Augen öffnen sich im Alter von 15 bis 17 Tagen. Im Alter von 4 Wochen haben die Jungen ein Gewicht von 13,2 bis 15 Gramm erreicht. In der vierten Lebenswoche erfolgt bereits die Absetzung von der Muttermilch. Zu diesem Zeitpunkt verlassen sie auch zum ersten Mal das schützende Nest. Die Selbständigkeit erreichen die Jungtiere im Alter von etwa 35 Tagen. Im Alter von gut 10 Wochen sind die Jungtiere ausgewachsen. Aufgrund der zahlreichen Fleischfresser liegt die Lebenserwartung selten bei einem Jahr. Während eines kalten Winters kommt es zusätzlich zu einer erhöhten Mortalität (Johnson & Armstrong, 1987; Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Canyonmäuse gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Gefährdungsfaktoren sind keine bekannt (IUCN, 2008).

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge