Carolinakleiber

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Carolinakleiber

Systematik
Klasse: Aves (Vögel)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Kleiber (Sittidae)
Gattung: Kleiber (Sitta)
Art: Carolinakleiber
Wissenschaftlicher Name
Sitta carolinensis
Latham, 1790

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Carolinakleiber (Sitta carolinensis) zählt innerhalb der Familie der Kleiber (Sittidae) zur Gattung der Kleiber (Sitta).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Carolinakleiber erreicht eine Körperlänge von 14 bis 15 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 18 bis 22 Gramm. Die Geschlechter weisen nur einen geringen Geschlechtsdimorphismus auf. Die Kappe ist beim Weibchen mehr bläulich, beim Männchen eher schwärzlich. Das Bauchgefieder ist beim Weibchen im unteren Bereich graubraun, beim Männchen ist es ein helles Kastanienbraun bis Goldbraun. Die Brust und der obere Bereich der Bauchseite sind weißlich bis cremefarben gefärbt. Jungvögel ähneln den adulten Tieren, jedoch fällt ihre Färbung ein wenig matter aus. Das Männchen ist insgesamt etwas farbenfroher gefärbt als das Weibchen. Der Körperbau der Carolinakleiber ist durchaus als kompakt zu bezeichnen. Die Flügel und das dorsale Gefieder weisen eine blaugraue Färbung auf, die beim Männchen etwas kräftiger ausfällt. Gleiches gilt für den ausgesprochen kurzen Schwanz. Die Flügel sind recht lang und spitz zulaufend. Das Gefieder unterhalb der Augen ist weißlich. Der Oberschnabel ist schwarz, am Unterschnabel zeigt sich am Ansatz eine weißliche Stelle. Die gräulich gefärbten Extremitäten sind sehr kräftig ausgebildet. Mit ihnen kann sich der Carolinakleiber selbst Kopfüber an Ästen und Baumstämmen halten. Die Zehen enden in kräftigen Krallen.

Verhalten

Die tagaktiven Carolinakleiber sind wie alle Kleiber ausgezeichnete Kletterer, die sich gewandt im Geäst der Bäume und Sträucher bewegen können. Dabei können sie problemlos auch einen Stamm senkrecht hinunterklettern. Carolinakleiber sind durchaus gesellige Vögel, die in der Regel eine monogame Saisonehe führen. Nicht selten bleiben die Paare auch über mehrere Jahre oder ein Leben lang zusammen. Während der Paarungszeit ist der Carolinakleiber ausgesprochen territorial. Das eigene Revier wird vehement gegenüber Eindringlingen verteidigt. Außerhalb der Paarungszeit, vor allem im Winter, sind Carolinakleiber auch in kleineren Gesellschaften anzutreffen. Diese Gruppen können auch aus verschiedenen Kleiber-Arten bestehen. Während der Paarungszeit wird das Gelege und Revier aktiv verteidigt. Dabei kommt es seitens des Männchens zu Drohhaltungen, die sich durch einen aufgerichteten Schwanz und gesenkten Kopf manifestieren. Mit paddelartigen Bewegungen der Flügel versucht das Männchen einen Fressfeind oder einen Konkurrenten zu vertreiben. Die Brutreviere umfassen meist eine Größe von einigen Tausend Quadratmetern.

Verbreitung

Der Carolinakleiber ist in den südlichen Provinzen von Kanada, in weiten Teilen der USA sowie im nördlichen Mexiko weit verbreitet. Er ist in den Brutgebieten zumeist in lichten Nadel-, Misch- und Laubwäldern anzutreffen. Reine Nadelwälder werden allerdings eher selten besiedelt. Geschlossene Wälder werden strikt gemieden. In dichten Bäumen entstehen ihre Nester. Hier sind sie auch vor den meisten Fressfeinden sicher und Nahrung ist in der Regel reichlich vorhanden. Bäume mit einer rauen Oberfläche werden bevorzugt. An glatten Stämmen finden Carolinakleiber keinen Halt. In der Nähe des Menschen sind Carolinakleiber auch in größeren Parks anzutreffen. Bei den nördlichen Populationen kann es bei Nahrungsmangen zu Teilzügen kommen. Ansonsten verbleiben sie das ganze Jahr in ihrem Revier.

Prädatoren

Aufgrund seiner geringen Größe hat der Carolinakleiber eine Reihe von Fressfeinden. Ihnen hat er auch nur wenig entgegenzusetzen. Aber vor allem die Eier und die Brut stehen auf der Speisekarte einer Reihe von Räubern. Unter den Vögeln und Säugetieren gehören insbesondere Habichte und Sperber (Accipiter), der Carolinaspecht (Melanerpes carolinus), der Merlin (Falco columbarius), der Rocky Mountains-Sperlingskauz (Glaucidium californicum), Dunenspecht (Picoides pubescens), Eichhörnchen (Sciurus), der Hermelin (Mustela erminea) und der Diademhäher (Cyanocitta stelleri) zu den Hauptfeinden. Der Carolinakleiber gilt als mutiger Verteidiger und geht selbst gegen deutlich größere Feinde energisch vor und versucht sie vom Nest wegzulocken.

Ernährung

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Carolinakleiber ernähren sich als Allesfresser sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. Sie fressen die Samen von Nadelbäumen wie Fichten und Kiefern, andere Sämereien, Nüsse, Körner aller Art und kleinere Waldfrüchte. An tierischer Nahrung nehmen sie Insekten und deren Larven und kleine Gliederfüßer zu sich. Die Nahrung suchen Carolinakleiber sowohl im Geäst der Bäume und Sträucher als auch auf dem Waldboden. Während der Brutzeit werden fast ausschließlich Insekten gefressen. Insgesamt schwankt der jeweilige Anteil an tierischer und pflanzlicher Nahrung je nach Jahreszeit. In gemäßigten Breitengraden gelten Carolinakleiber als Standvögel. Für die kalte Jahreszeit, in der es keine oder nur wenige Insekten zu fressen gibt, legen sie Nahrungsspeicher an. Die Nahrung wird an geschützten Stellen wie tiefe Ritzen in Baumrinde oder in Baumhöhen versteckt.

Fortpflanzung

Carolinakleiber erreichen die Geschlechtsreife mit etwa einem Jahr. Beide Geschlechter erreichen die Geschlechtsreife zeitgleich. Die Geschlechter führen eine monogame Saisonehe, die nicht selten über mehrere Jahre hält. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten im späten April oder im Mai. In nördlichen Gebieten teilweise auch erst im Mai oder später. Die Brutzeit und die Aufzucht des Nachwuchses kann sich dabei bis in den August erstrecken. In einer Saison kommt es nur zu einem Gelege, jedoch ist bei Gelegeverlust ein Nachgelege möglich. Während der Brutzeit sind Carolinakleiber sehr territorial und verteidigen ihr Revier und das Gelege gegenüber Eindringlingen vehement. Männchen wissen durch ein ausgefeiltes Werbeverhalten zu beeindrucken. Mit erhobenem Schwanz, ausgebreiteten Flügeln und gesenktem Haupt präsentieren sie sich einem Weibchen. Zum Werbeverhalten gehört auch ein mehrstrophiger Gesang, der unentwegt wiederholt wird. Auch Nahrung wird einer potentiellen Partnerin dargereicht.

Das Nest entsteht in alten, zum Teil schon morschen Bäumen. Carolinakleiber sind Höhlenbrüter, die ihre Nester in Baumhöhlen anlegen. Zumeist werden Baumhöhlen von anderen Vögeln übernommen. Eher selten bohren Carolinakleiber in morschem Holz selbst eine Baumhöhle. Das innere einer Baumhöhle wird vom Weibchen alleine ausgebaut. Das Innere des Nestes wird vor allem mit weichem Harz ausgekleidet, dass eine hohe Isolierfähigkeit aufweist. Zudem dient das Harz als Schutz vor Eindringlingen. Die Nistmulde wird mit weichen Materialien ausgepolstert. Dazu verwenden Carolinakleiber meist Moose, Flechten und weiche Pflanzenteile.

Ist der Bau bezugsfertig, so beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Sie legt in der Regel fünf bis sieben, selten auch bis zehn weißliche bis leicht rosafarbene Eier, die vom Weibchen alleine über einen Zeitraum von gut 13 bis 14 Tagen ausgebrütet werden. Das Männchen versorgt sein Weibchen während dieser Zeit mit Nahrung und schützt das Gelege. Die geschlüpften Jungvögel sind bei der Geburt noch nackt und blind. Sie werden in der ersten Lebenswoche vom Weibchen gehudert. Jedoch wachsen die Küken aufgrund der proteinhaltigen Nahrung sehr schnell heran. Sie werden von beiden Elternteilen mit Insekten und deren Larven versorgt. Bereits mit gut 25 Tagen sind die Jungvögel voll befiedert und flugfähig. Sie bleiben allerdings noch zwei weitere Wochen bei den Eltern ehe sie ausfliegen. Die Lebenserwartung in Freiheit liegt bei sieben bis neun Jahren.

Gefährdung und Schutz

Carolinakleiber gehören noch nicht zu den bedrohten Arten, sie sind fast in allen Verbreitungsgebieten noch häufig anzutreffen. Jedoch gehen die Bestände seit Jahrzehnten kontinuierlich zurück. Schuld daran ist mit Sicherheit die Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Selbst in den unzugänglichen Lebensräumen schreitet die Urbanisierung und die Abholzung der Wälder immer weiter voran. Vor allem der "saubere" Wald nützt den Carolinakleibern nur wenig, da sie hier kaum noch Nahrung und Brutplätze finden. Sie sind auf altem Baumbestand und Totholz angewiesen. In der Roten Liste der IUCN wird der Carolinakleiber als nicht gefährdet geführt. In den USA wird der Carolinakleiber durch lokale Gesetze geschützt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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