Cayennetyrann

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Cayennetyrann

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Schreivögel (Tyranni)
Familie: Tyrannen (Tyrannidae)
Unterfamilie: Tyranninae
Gattung: Myiarchus
Art: Cayennetyrann
Wissenschaftlicher Name
Myiarchus tyrannulus
(Müller, 1776)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Cayennetyrann (Myiarchus tyrannulus), auch als Braunschopftyrann bekannt, gehört innerhalb der Familie der Tyrannen (Tyrannidae) zur Gattung Myiarchus. Im Englischen wird der Cayennetyrann Brown-crested Flycatcher, Arizona crested Flycatcher, Brown-crested Myiarchus, Guianan Flycatcher, Mexican crested Flycatcher, Rusty-tailed Flycatcher oder Wied's Crested Flycatcher genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Cayennetyrann erreicht eine Körperlänge von etwa 20 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 30 Gramm. Das obere Gefieder weist eine olivbraune bis dunkelbraune Färbung auf. Der Kopf und die Schopffedern sind dunkel gefärbt. Die Brust weist eine graue Färbung auf und der Bauch ist von einer zitronengelben Tönung. Die oberen Schwanzfedern sind braun gefärbt und weisen innere rotbraune Bahnen auf. Ferner sind die Deckfedern der Handschwingen ebenfalls von einer rotbraunen Tönung. Die übrigen Federn der Flügel sind insgesamt dunkler und glanzloser gefärbt. Zwischen den Geschlechtern gibt es kaum einen nennenswerten Dimorphismus. Der Cayennetyrann unterscheidet sich von den anderen Arten aus der Gattung Myiarchus durch seinen unverwechselbaren Ruf. Ein weiteres markantes Merkmal des Cayennetyrannen ist der sehr kräftige Schnabel, der eine dunkelgraue bis schwarze Färbung aufweist.

Lebensweise

Cayennetyrannen leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich in der Regel nur während der Paarungszeit. Während dieser Zeit führen sie eine monogame Saisonehe. In den meisten Verbreitungsgebieten gelten die Vögel als Zugvögel, dies ist insbesondere in den kanadischen und in den nordwestlichen USA der Fall. Die Unterarten in Mexiko gelten als Standvögel. Der Zug beginnt in der Regel, wenn die Nahrung in Form von Insekten knapp wird. Dies ist in einigen Regionen bereits ab August der Fall. Der Cayennetyrann lebt sehr territorial und verteidigt sein Revier laut schreiend und mit gewagten Flugangriffen vehement gegen Eindringlinge. Sogar größere Greifvögel (Falconiformes) vertreibt er mutig aus seinem Territorium. Der Cayennetyrann ist ein guter Flieger, der mit gleichmäßig kraftvollem Flug beeindruckt.

Unterarten

Nominatform und Unterarten der Art Myiarchus tyrannulus
Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Myiarchus tyrannulus tyrannulus (Müller, 1776) LC Trinidad und Tobago, Niederländische Antillen, Aruba, Bonaire, Curaçao, Südamerika, Kolumbien, Venezuela, Región Insular, Nueva Esparta, Isla Margarita, Guyanas, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Peru, Bolivien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Argentinien.
Myiarchus tyrannulus cooperi Baird, 1858 LC Nordamerika. Mittelamerika: Mexiko, Veracruz, Honduras.
Myiarchus tyrannulus cozumelae Parkes, 1982 LC Nordamerika. Mittelamerika: Mexiko [endemisch], Yucatán Peninsula [endemisch], Quintana Roo [endemisch], Cozumel Island [endemisch].
Myiarchus tyrannulus insularum Bond, 1936 LC Nordamerika. Mittelamerika: Honduras [endemisch].
Myiarchus tyrannulus bahiae Berlepsch & Leverkühn, 1890 LC Südamerika: Brasilien.
Myiarchus tyrannulus nelsoni Ridgway, 1884 LC Südamerika: Brasilien.
Myiarchus tyrannulus magister Ridgway, 1884 LC Nordamerika (USA und Kanada [selten/gelegentlich]), Mountain, Pazifik, West South Central, Arizona, Kalifornien, New Mexico, Nevada, Texas, Utah, Mittelamerika: Mexiko, Baja California [selten/gelegentlich], Baja California Süd [selten/gelegentlich], Sonora, Chihuahua, Coahuila, Nuevo León, Tamaulipas, Sinaloa, Durango, Zacatecas, San Luis Potosí, Nayarit, Islas Tres Marías, Jalisco, Querétaro, Hidalgo, Colima, Michoacán, México, Tlaxcala, Puebla, Distrito Federal, Morelos, Guerrero, Veracruz, Oaxaca, Tabasco, Chiapas, Yucatán Peninsula, Campeche, Yucatán, Quintana Roo, Guatemala, Belize, El Salvador, Honduras.
Myiarchus tyrannulus brachyurus Ridgway, 1887 LC Nordamerika. Mittelamerika: El Salvador, Nicaragua, Costa Rica.

Verbreitung

Der Cayennetyrann kommt im südlichen Kalifornien, Süd-Nevada, im zentralen Arizona und im südlichen Texas sowie im Süden von Argentinien und Bolivien sowie in Trinidad und Tobago vor, wo er sich in lichten Wäldern aufhält. Außerhalb der Brutzeit ist der Cayennetyrann ein Standvogel, jedoch unternimmt er während der Brutzeit Wanderungen in die USA bis nach Mexiko. Seine Überwinterungsquartiere befinden sich hauptsächlich im südlichen Florida.

Laut der Roten Liste der IUCN lebt der Cayennetyrann in subtropischen und tropischen regenarmen Wäldern, in subtropischen und tropischen Wäldern feuchter Niederungen, in subtropischen und tropischen Mangrovenwäldern in höheren Lagen. Des Weiteren hält sich der Cayennetyrann in regenarmen Savannen, im subtropischen und im tropischen Buschland sowie in Feuchtgebieten (Inland) wie an Flüssen, in der Nähe von Bächen, an schmalen Buchten mit Wasserfällen, in der Nähe von Süßwasserseen über 8 Hektar sowie in subtropischen und tropischen stark geschädigten ehemaligen Wäldern auf.

Ernährung

Cayennetyrann
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Cayennetyrann

Der Cayennetyrann ernährt sich fast ausschließlich von Insekten (Insecta), wobei er es zumeist auf Geflügelte Insekten wie Fliegen und Mücken, Bienen und ähnliche Insekten abgesehen hat. Aber auch Heuschrecken, Spinnentiere und kleine wirbellose Tiere werden keineswegs verschmäht. Wenn tierische Nahrung knapp ist, kann der Cayennetyrann begrenzt auch auf pflanzliche Kost ausweichen. Hier bevorzugt er dann Früchte und Beeren sowie fettreiche Sämereien. Die Jagd auf Beutetiere erfolgt von einer Ansitzwarte aus, die sich in der Regel in Wassernähe befindet. Insekten werden meist im Flug mit dem Schnabel erbeutet. Gelegentlich sucht der Cayennetyrann auch im Unterholz nach Insekten.

Fortpflanzung

Der Cayennetyrann erreicht die Geschlechtsreife mit gut einem Jahr. Die Paarungszeit und Brutsaison finden hauptsächlich im Frühjahr und Sommer statt. In den nördlichen Regionen beginnt die Paarungszeit meist erst Ende April oder im Mai. Die monogam lebenden Paare bilden sich erst im Brutgebiet. Die Paarbildung erfolgt kurz und schmerzlos, scheinbar ohne die übliche Balz, die bei den meisten Vögeln üblich ist. Einzig erkennbares Balzritual ist der Gesang des Männchens. Die Kopulation wird nach der Paarbildung aktiv vom Weibchen eingeleitet. Auch der Nistplatz wird vom Weibchen ausgewählt. Das Nest wird hauptsächlich von ihr alleine gebaut, das Männchen kümmert sich während der Bauphase des Nestes nur um den Schutz. Während des Sommers kommt es in der Regel zu einer Jahresbrut oder zu zwei Jahresbruten. Bei einer eventuellen zweiten Brut wird das alte Nest genutzt. Während der Paarungs- und Brutzeit ist der Cayennetyrann gegenüber anderen Vögeln sehr aggressiv. Er verteidigt vehement das Revier gegen Eindringlinge.

Das Nest wird meist in einem Baumloch oder in ähnlich natürlichen Höhlen oder von Menschenhand künstlich geschaffene Löcher angelegt. Das eigentliche Nest wird mit weichen Pflanzenteilen, Fasern, Wolle, Federn und Tierhaaren ausgepolstert. Um die Errichtung des Nestes kümmert sich ausschließlich das Weibchen. In der Regel legt das Weibchen zwei bis drei cremefarbene Eier, die mit lilafarbenen Markierungen versehen sind. Das Weibchen wärmt die Eier über einen Zeitraum von 14 bis 16 Tagen. Das Weibchen wird während dieser Zeit vom Männchen mit Nahrung versorgt. Die geschlüpften Küken werden von beiden Elternteilen mit Nahrung in Form von kleinen Insekten gefüttert. Die Jungen sind nach bereits etwa 18 Tagen flügge. Kurze Zeit nach Erreichen der Flugfähigkeit sind die Jungvögel selbständig und fliegen aus.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN weist die Art eine große Reichweite auf, mit einem geschätzten globalen Umfang von etwa 10.000.000 Quadratkilometer und verfügt über eine große, globale Population, geschätzt werden etwa 7.700.000 Individuen (Rich et al., 2003). Der globale Trend der Population ist bisher noch nicht quantifiziert worden, aber die Art ist bis jetzt noch nicht rückgängig und wird deshalb in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (least concern) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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