Ceylonkuckuck

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Ceylonkuckuck

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Kuckucksvögel (Cuculiformes)
Teilordnung: Cuculides
Überfamilie: Cuculoidea
Familie: Kuckucke (Cuculidae)
Unterfamilie: Spornkuckucke (Centropodinae)
Gattung: Spornkuckucke (Centropus)
Art: Ceylonkuckuck
Wissenschaftlicher Name
Centropus chlororhynchus
Blyth, 1849

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Ceylonkuckuck (Centropus chlororhynchus) zählt innerhalb der Familie der Kuckucke (Cuculidae) zur Gattung der Spornkuckucke (Centropus). Im Englischen wird der Ceylonkuckuck green-billed coucal genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Ceylonkuckuck erreicht eine Körperlänge von etwa 43,0 bis 46,0 Zentimeter. Diese Art sieht dem Chinesischen Spornkuckuck (Centropus sinensis) sehr ähnlich, aber mit auffallend kurzen Flügeln und stärkerem einfarbig grünlich-gelben Schnabel. Der Lauf ist ähnlich lang wie bei den Seidenkuckucken (Coua), während der leicht gebogene Schnabel kräftig, fast knollig wirkt. Die Geschlechter sind gleichermaßen gefärbt. Das Gefieder ist mit harten Schäften und Fahnen versehen und wirkt meist strähnig. Die Färbung ist im Allgemeinen eine dunklere, wie auch dunklere Ränder die kastannienbraunen Federn des Rückens und der Flügel säumen. Der Kopf, der Nacken und die Unterseite zeigen gleichfalls einen eigentümlichen dunkleren Anflug und letztere ist leicht amethyst-purpurfarben angehaucht. Die Oberseite zeigt sich etwas rötlicher. Die Iris weist eine rote bis braune Färbung auf. Der Kehlkopf befindet sich nur im Bereich der Bronchien und nicht im Bereich der Luftröhre. Beim Männchen ist zur Brutzeit nur ein Hoden vergrößert und nicht wie bei den anderen Vögeln, beide Hoden. Die schwarz gefärbten Beine und Füße können meisterhaft zum Kriechen oder zum Klettern durch engstes Grasgewirr sowie durch Blattgewirr und Lianengewirr benutzt werden. Das Gefieder der Jugendlichen ist so ähnlich gefärbt wie bei den Altvögeln, jedoch sind die Flügeldecken matt schwarz getönt. Die Iris weist eine graue Färbung auf und der Schnabel zeigt eine grünliche Färbung und der Culmen ist eher grau. Die Beine und Füße weisen ein düsteres Grau auf. Die Nestjungen sind schon kurz vor dem Schlüpfen mit verlängerten Spitzen weniger noch mit geschlossenen Federscheiden bedeckt. Man bezeichnet diese Entwicklung auch verfrühtes Igelstadium, weniger ausgeprägt auch bei den Regenkuckucken (Coccyzinae) und den Langbeinkuckucken (Geococcyginae). Bei den Nestlingen zeigt sich die Haut nach dem Schlupf schwarz gefärbt und ist mit langen weißen haarähnlichen Dunen bedeckt. Auf der Schnabeloberhälfte zeigt sich ein elfenbeinfarbener Streifen, der sich von den Zügeln bis zur Spitze erstreckt. Die untere Schnabelhälfte weist eine schwarze Färbung auf. Die Nestjungen weisen eine rote Zunge und eine schwarze Zungenspitze auf und sperren wie die Sperlingsvögel (Passeriformes) ihre Schnäbel bei der Fütterung weit auf.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Ceylonkuckuck auf Sri Lanka endemisch, wo er in feuchten Gebieten im Südwesten der Insel lebt. Seine Population ist kaum bekannt, scheint aber seit dem späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert abnehmend zu sein. Es ist unwahrscheinlich, dass die Population ein Paar Tausend Individuen übersteigt. Bevorzugt werden von der Art feuchte Wälder mit dichtem Unterwuchs (oft aus Bambus), vor allem ist die Art unter 760 Meter zu finden. Die Art scheint generell intolerant gegenüber Lebensraumveränderungen zu sein. Zum Nahrungsspektrum dieser Art zählen unter anderem wirbellose Tiere sowie Frösche, Eidechsen und Früchte. Die Brutzeit erfolgt von Januar bis Juli, möglicherweise auch zu anderen Zeiten des Jahres. Song besteht aus zwei oder drei resonanten, sonoren, tiefen Noten und diese klingen etwa wie "Hoop-Poop-poop", der letzte Ton ist tiefer in der Tonhöhe. Der Gesang beträgt 0,3-0,35 kHz und wird bei 2 Noten pro Sekunde wiedergegeben. Das Paar ruft oft im Duett. Gelegentlich hört man auch eine kurze Doppel-Silbe etwa wie "Hu, hu" oder "hoooooEE" und ein Husten etwa wie "chewkk".

Verbreitung

Sinharaja-Nationalpark im Südwesten von Sri Lanka
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Sinharaja-Nationalpark im Südwesten von Sri Lanka

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Ceylonkuckuck nur in Sri Lanka vor. Der Ceylonkuckuck lebt in subtropischen und tropischen feuchten Tieflandwäldern.

Ernährung

Der Ceylonkuckuck ernährt sich überwiegend von Langfühlerschrecken (Ensifera), Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Ameisen (Formicidae), Termiten (Isoptera), Wanzen (Heteroptera), Krebstieren (Crustacea), Tausendfüßern (Myriapoda) sowie Skorpionen (Scorpiones) und Spinnentieren (Arachnida). Ferner verzehrt der Ceylonkuckuck noch Schnecken (Gastropoda), Amphibien (Amphibia), Eidechsen (Lacertidae), Schlangen (Serpentes) und kleine Vögel (Aves) und deren Nestlinge und Eier. Des Weiteren nimmt der Ceylonkuckuck auch Käfer (Coleoptera) wie zum Beispiel Rüsselkäfer (Curculionidae) zu sich. Kleine Beutetiere werden gleich im Ganzen geschluckt und größere Beutetiere werden zerkleinert und Schnecken, die ein Gehäuse haben, werden gegen einen Stein geschlagen.

Fortpflanzung

Die Paarungs- und Brutzeit erfolgen im Januar, April bis Juli, September und November. Das Nest ist meist kugelförmig, aber es kann auch einem Krähennest ähneln, das dann meist napfförmig aussieht. Das Nest wird in Dornstöcken, im Bambus oder in einem Baum, nahe dem Boden, etwa 3,6 Meter, vor allem in Wendlandia bicuspidate aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae), angelegt. Außen ist das Nest mit Zweigen, Blättern, vor allem Bambus, und Gräsern konstruiert und innen mit grünen Blättern ausgepolstert. Von der Seite her führt eine Öffnung in dieses Kugelnest. Beide Geschlechter bauen das Nest, das etwa 60,0 x 45,0 Zentimeter mißt. Das Weibchen legt in der Regel 2 (3) kreideweiße Eier, die mit einer dicken, wie eine Lederhaut wirkende Kalkoberhaut überzogen sind. Die Eigröße beträgt etwa 35,0 x 27,0 Millimeter. Die Eier werden im Abstand von 2 bis 3 Tagen gelegt. Die Inkubation erfolgt hauptsächlich vom männlichen Partner, beginnend mit dem ersten Ei oder später. Die Inkubation der Eier dauert etwa 17 bis 19 Tage lang. Die Nestlinge schlüpfen asynchron, einen Tag auseinander. Die Nestjungen sind schon kurz vor dem Schlüpfen mit verlängerten Spitzen weniger noch mit geschlossenen Federscheiden bedeckt. Man bezeichnet diese Entwicklung auch verfrühtes Igelstadium. Die Nestlinge sehen wie die Jungen vom Archaeopteryx aus und behalten diese Ähnlichkeit auch im erwachsenen Alter bei. Die Nestjungen weisen eine rote Zunge und eine schwarze Zungenspitze auf und sperren wie die Sperlingsvögel (Passeriformes) ihre Schnäbel bei der Fütterung weit auf. Beide Partner versorgen die Nestlinge reichlich mit Nahrung. In den ersten drei Wochen erhalten die Jungen vor allem Amphibien (Amphibia). Werden die Nestjungen von natürlichen Feinden bedroht, dann schrecken sie die Feinde durch einen unangenehmen Geruch und durch Fauchen ab. Außerdem würgen sie eine schwarze, zum Brechen reizende Flüssigkeit aus. Nach etwa 18 bis 20 Tagen sind die Jugendlichen dann flügge. Die älteren Jugendlichen verbleiben noch eine zeitlang in der Nähe des Nestes, bis alle flügge sind und verlassen dann gemeinsam den Nistplatz.

Gefährdung und Schutz

Sinharaja-Nationalpark im Südwesten von Sri Lanka
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Sinharaja-Nationalpark im Südwesten von Sri Lanka

Laut der Roten Liste der IUCN hat diese Art eine kleine, stark fragmentiere und rückläufige Population und Reichweite als ein Ergebnis der Zerstörung und Degradierung von feuchten Wäldern. Daher kann die Art als gefährdet betrachtet werden. Die größte Bedrohung ist die umfangreiche Räumung und Zerstörung der Wälder, insbesondere in den feuchten Gebieten, durch Holzeinschlag, Brennholzsammlung, die Umstellung auf Landwirtschaft und Baumpflanzungen, Bergbau, Ansiedlung und Brandrodungen. Einige geschützte Wälder werden weiter abgebaut, zum Beispiel Ingiriya Forest Reserve (Bodhinagala), wo die Art wegen des illegalen Holzeinschlages rückläufig ist. Diese Art ist in Sri Lanka rechtlich geschützt. Ein Moratorium wurde im Jahr 1990 übergeben, um die tropischen Tiefland-Regenwälder durch Holzeinschlag zu schützen. Dies betrifft mehrere Nationalparks und Waldreservate, vor allem der Sinharaja-Nationalpark (tropischer Tiefland-Regenwald im Südwesten Sri Lankas), der seit 1988 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt und eines der letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete der Insel darstellt. Ein Überblick über die Artenvielfalt von 200 Waldstandorten wurde von 1991 bis 1996 durchgeführt. Um die Art vor dem Aussterben zu bewahren sind folgende Maßnahmen erforderlich: Forschung ihrer Verteilung, Größe und Ökologie, insbesondere zur Verbesserung des Verständnisses für ihre Habitatsansprüche und geeignete Wald-Management-Systeme. Schutz der verbleibenden wichtigen Bereiche dieser Art und anderer bedrohter Arten. Darunter zählen auch Vorschläge zur Erhaltung der Wälder und die Gewährleistung einer effektiven Verwaltung. Ferner Förderung von Programmen zur Sensibilisierung für den Wert der biologischen Ressourcen bei den lokalen Gemeinschaften.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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