Chaetodipus penicillatus

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Chaetodipus penicillatus
Foto/Zeichnung folgt

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Familie: Taschenratten (Geomyidae)
Unterfamilie: Heteromyinae
Tribus: Perognathini
Gattung: Rauhaar-Taschenmäuse (Chaetodipus)
Art: Chaetodipus penicillatus
Wissenschaftlicher Name
Chaetodipus penicillatus
Woodhouse, 1852

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Chaetodipus penicillatus zählt innerhalb der Familie der Taschenratten (Geomyidae) zur Gattung der Rauhaar-Taschenmäuse (Chaetodipus). Im Englischen wird die Art Desert Pocket Mouse genannt. Es sind zahlreiche Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde von Chaetodipus penicillatus stammen aus dem späten Pleistozän und wurde in Kern County, Kalifornien gefunden. Jüngere Funde - aus dem frühen Holozän - wurden auch in San Bernardino County, Kalifornien, gefunden (Whistler 1990, 1991 in Mantooth & Best, 2005).

Erkennung und Unterschiede

Von Chaetodipus intermedius lässt sich Chaetodipus penicillatus in der Größe und der Fellfärbung unterscheiden. Chaetodipus penicillatus ist größer und das Fell ist lateral mehr hellbraun gefärbt. Die Ohrmuscheln von Chaetodipus penicillatus sind zudem spärlich kurz behaart (Williams et al. 1993, Halle 1981 in Mantooth & Best, 2005).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Chaetodipus penicillatus weisen je nach Geschlecht unterschiedliche Maße auf. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 167,7 mm, eine Körperlänge von 76,6 mm, eine Schwanzlänge von 91,1, eine Hinterfußlänge von 21,6 mm, eine Ohrlänge von 8,2 mm, eine basale Schädellänge von 15,1 mm, eine maximale Schädellänge von 24,2 mm, eine Schädeltiefe von 8 mm, eine maximale Schädelbreite von 12,5 mm, eine Rostrumlänge von 9,1 mm, eine Rostrumbreite von 2,9 mm, eine Jochbeinbreite von 12,3 mm sowie ein Gewicht von durchschnittlich 16,23 bis 16,88 Gramm. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 167,3 mm, eine Körperlänge von 75,8 mm, eine Schwanzlänge von 91,5, eine Hinterfußlänge von 23,1 mm, eine Ohrlänge von 8,5 mm, eine basale Schädellänge von 15,0 mm, eine maximale Schädellänge von 24,3 mm, eine Schädeltiefe von 7,9 mm, eine maximale Schädelbreite von 12,5 mm, eine Rostrumlänge von 9,2 mm, eine Rostrumbreite von 2,9 mm, eine Jochbeinbreite von 12,2 mm sowie ein Gewicht von durchschnittlich 15,91 bis 17,85 Gramm. Anhand der Maße lässt sich erkennen, dass Männchen für gewöhnlich ein wenig größer sind. Der Unterschied ist jedoch nur marginal. Die größten Unterschiede ergeben sich in der Länge des Hinterfußes (Mantooth & Best, 2005).

Die Fellfärbung und -länge variiert je nach Lebensraum. In den vulkanisch geprägten Bergregionen ist das Fell deutlich länger. Das Fell von Chaetodipus penicillatus weist eine bräunliche Färbung auf, ventral zeigt sich eine gelblichbraune bis gelbliche Färbung. Ein Melanismus konnte nachgewiesen werden, der nach Howell (1923) auf eine Schädigung der kaudalen Wirbel zurückzuführen ist. Das Fell weist eine durchschnittliche Länge von 8,5 mm sowie eine Breite von 0,08 bis 0,1 mm auf. Die Vorderfüße verfügen über 4 Zehen, an den hinteren Füßen zeigen sich je 5 Zehen. Die Daumen der Vorderfüße sind gut entwickelt. Der Kopf ist relativ groß und setzt sich nur wenig von Hals ab. Das Rostrum ist kräftig entwickelt und recht hoch. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Der Penisknochen (Baculum) ist an der Basis lateral leicht abgeflacht und endet in einer sich verjüngenden Spitze. Das distale Ende des Baculum ist ventral leicht gebogen. Der Penisknochen erreicht bei juvenilen Tieren eine Länge von 7,65 mm, bei subadulten Tieren eine Länge von 9,01 mm. Die Membran des Trommelfelles erreicht einen Durchmesser von 2,77 mm, das Mittelohr hat ein Volumen von 0,04 ml. Der Steigbügel ist konvex, der Amboss weist eine Breite von 1,55 mm und eine Länge von 0,67 mm auf (Mantooth & Best, 2005).

Lebensweise

Chaetodipus penicillatus lebt einzelgängerisch. Die Reviere einzelner Individuen überschneiden sich dabei nicht. Vaughan (1976) in Mantooth & Best, 2005, schätzt die Siedlungsdichte auf etwa 8,5 Individuen pro Hektar. Die durchschnittliche Reviergröße liegt je nach Autor in Verbindung mit der Lebensraumqualität bei 855 bis 2.430 m² (Mantooth & Best, 2005). Die Hauptaktivitäten entfaltet Chaetodipus penicillatus im Frühjahr und Frühsommer in den frühen Morgenstunden und am Vormittag. Die warme Tageszeit wird im Sommer gemieden. Während dieser Zeit ruhen die Tiere an geschützter Stelle. Im Winter sinkt die tägliche Aktivität auf ein Minimum. Dies ist insbesondere von Dezember bis Februar der Fall. Insgesamt ist die Aktivität zwischen November und April eher gering. Während der Inaktivität fallen die Tiere in eine Art Starre, bei der die Körpertemperatur auf 9,98 °C sinkt (Vaughan 1976 inMantooth & Best, 2005).

Unterarten

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Chaetodipus penicillatus erstreckt sich das südwestliche Nordamerika. Die nördliche Grenze liegt im südöstlichen Kalifornien, die südwestliche Grenze erstreckt sich bis ins nordöstliche Baja California/Mexiko. Östlich ist die Art bis nach New Mexiko und Arizona anzutreffen. Chaetodipus penicillatus besiedelt ausschließlich trockene Regionen wie Wüsten und Halbwüsten. In den meisten Regionen wie beispielsweise der Sonora zeigt sich eine relativ hohe Abundanz, also eine hohe Populationsdichte. Die Lebensräume weisen für gewöhnlich einen spärlichen Pflanzenwuchs auf. Typische Gattungen, die vertreten sein können, sind Larrea aus der Familie der Jochblattgewächse (Zygophyllaceae) und Melden (Atriplex) aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae). Zu weiteren Pflanzengattungen zählen Prosopis, Bouteloua, Akazien (Acacia), Fouquieria, Flourensia, Opuntien (Opuntia) und Yuccas (Yucca). Dichte Buschgruppen dienen den Tieren zuweilen als Nahrungsquelle. Erforderlich ist eine dichte Vegetation hingegen nicht. Die Eingänge zu den Erdbauten liegen immer an geschützter Stelle wie beispielsweise unter einem Busch oder Strauch (Mantooth & Best, 2005).

Biozönose

Sympatrie

Chaetodipus penicillatus lebt im natürlichen Lebensraum sympatrisch mit zahlreichen anderen kleinen Säugetieren. Hier sind insbesondere Wüstenkängururatten (Dipodomys deserti), Merriams Kängururatten (Dipodomys merriami), Neotoma albigula, Hausmäuse (Mus musculus), Graue Wüstenspitzmäuse (Notiosorex crawfordi), Onychomys torridus, Perognathus baileyi, Kaktusmäuse (Peromyscus eremicus), Reithrodontomys megalotis, Baumwollratten (Sigmodon hispidus) sowie Rundschwanzziesel (Spermophilus tereticaudus) (Mantooth & Best, 2005).

Prädatoren und Mortalität

Als natürliche Feinde kommen hauptsächlich Kojoten (Canis latrans) in Frage. Andere Prädatoren spielen nur eine marginale Rolle (Kurz 1979 in Mantooth & Best, 2005).

Krankheiten und Parasiten

Zu den zahlreichen Ektoparasiten gehören vor allem Milben (Acari, Acarida) wie Geomylichus brevispinosus, Geomylichus multistriatus, Geomylichus texanus, Ischyropoda spiniger und Neolabidophorus verrucosus. Besonders häufig sind auch die Larven von verschiedenen Laufmilben (Trombiculidae). Hier sind insbesondere Dermadelema furmani, Euschoengastoides arizonae, Euschoengastoides hoplai, Euschoengastoides imperfectus, Euschoengastoides loomisi, Euschoengastoides neotomae, Euschoengastoides ryckmani, Euschoengastoides tanigoshii, Euschoengastoides tumidus, Euschoengastoides webbi, Hexidionis allredi, Hexidionis harveyi, Hexidionis navojoae, Hyponeocula arenicola, Hyponeocula deserticola, Hyponeocula Imitator, Hyponeocula rugosa, Kayella Lacerta, Leptotrombidium panamense, Otorhinophila baccusi, Otorhinophila desertorum, Otorhinophila intrasola, Otorhinophila parvisola und Otorhinophila xerophila zu nennen. Unter den Flöhen (Siphonaptera) gilt vor allem Meringis agilis als nachgewiesen. In Laborversuchen konnten auch parasitäre Schlauchpilze (Ascomycota) wie Coccidioides immitis und Haplosporangium parvum belegt werden. Neben Ektoparasiten treten auch eine Reihe von Endoparasiten in Erscheinung. Belegt sind insbesondere Sporozoen (Apicomplexa) wie Eimeria penicillati, die den Darmtrakt befallen, sowie Eimeria merriami und Eimeria reedi. Sporozoen sind Sporentierchen. Zu den gefundenen Fadenwürmern (Nematoda) zählen Protospirura anodon, Trichuris perognathi, Trichuris minuta und Wellcomia longejector (Mantooth & Best, 2005).

Ernährung

Chaetodipus penicillatus ernährt sich hauptsächlich von Sämereien, seltener von feinen Gräsern und anderen Pflanzenteilen. Besonders bevorzugt werden die Samen von Akazien (Acacia) und Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) wie Zizyphus. In kleineren Mengen werden auch Samen von Gewöhnlichen Reiherschnabel (Erodium cicutarium) und Opuntia engelmannii. Andere Futterpflanzen sind Aristida ternipes, Aristida adscencionis, Bouteloua aristidoidea, Heteropogon contortus, Pappophorum wrighti, Ristida hamulosa, Wolfsmilch (Euphorbia), Setaria macrostachya, Trichachne californica, Boerhaavia terreyana, Kallstroemia grandiflora, Lotus humistratus, Boerhaavia caribaea, Ditaxis neomexicana und Sida diffusa. In Laborversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Chaetodipus penicillatus toxische Sämereien wie beispielsweise die Samen der Jojoba (Simmondsia chinensis) nicht gefressen werden. Die aufgenommene Nahrung schwankt je nach Jahreszeit, Lebensraum und Verfügbarkeit (Mantooth & Best, 2005).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich hauptsächlich über den Sommer, mit einer Fortpflanzungsspitze im Juni. Nachgewiesen ist die Fortpflanzung zwischen Juni und Oktober. Der Östrus der Weibchen erstreckt sich über 23 bis 26 Tage. Während des Östrus legen die Weibchen nur eine geringe Territorialität und Aggressivität an den Tag. Nach einer erfolgreichen Paarung trennen sich die Geschlechter wieder. Männchen haben demnach mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Die Wurfgröße liegt bei 3 bis 7 (3,38) Jungtiere, die Tragezeit ist nicht bekannt. Die Geburt erfolgt im Wohnkessel der Weibchen. Die ersten Schneidezähne brechen nach 9 Tagen durch, die Augen und Ohren öffnen sich gegen Ende der zweiten Woche. Die Lebenserwartung liegt vermutlich bei kaum einem Jahr (Mantooth & Best, 2005).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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