Chalinolobus gouldii

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Chalinolobus gouldii
Chalinolobus gouldii

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Unterfamilie: Eigentliche Glattnasen (Vespertilioninae)
Gattung: Chalinolobus
Art: Chalinolobus gouldii
Wissenschaftlicher Name
Chalinolobus gouldii
Gray, 1841

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Chalinolobus gouldii zählt innerhalb der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) zur Gattung Chalinolobus. Im Englischen wird die Art Gould's Wattled Bat genannt. Gray beschrieb die Art 1841 ursprünglich als Scotophilus gouldii. Innerhalb der Gattung ist Chalinolobus gouldii die größte Art.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Chalinolobus gouldii erreicht eine Körperlänge von 46 bis 75 Millimeter, eine Flügelspannweite von 273 bis 330 (295) Millimeter, eine Schwanzlänge von 31 bis 50 Millimeter, eine Vorderarmlänge von 36,6 bis 48 Millimeter, eine Schädellänge von 13,73 bis 15,08 Millimeter sowie ein Gewicht von 6,8 bis 18 Gramm. Das feine und samtartige Fell ist dorsal und ventral braun gefärbt. Im Kontrast dazu sind der Kopf und die Schultern schwarzbraun gefärbt. Die Haarspitzen weisen zum Schwanz hin eine rostbraune Färbung auf. Die nördlichen Populationen sind meist dunkler gefärbt als die südlichen Populationen. Das Patagium, also die Flughaut ist dunkelbraun gefärbt. Das Fell erreicht je nach Körperpartie eine Länge von bis zu 7 Millimeter. Die Schnauze ist breit und steht nur wenig aus dem flachen Gesicht hervor. Die Haut im Gesicht ist dunkel gefärbt, die kleinen Ohren weisen eine rundliche Form und eine Länge von 10,5 bis 12,5 Millimeter auf. Der Tragus, eine kleine Knorpelmasse an der Ohrmuschel, erreicht eine Länge von 4 bis 5,4 Millimeter. Das Gebiss besteht aus 34 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i2/3, c1/1, p2/2, m3/3.

Lebensweise

Chalinolobus gouldii sind gesellige Fledermäuse. Sie leben in kleinen Kolonien mit etwa 30 Individuen. Es sind jedoch auch Kolonien mit 100 bis 200 Tieren bekannt. Einige Männchen halten sich an ihren Schlafplätzen nicht selten einzelgängerisch auf. In fast ganz Australien ist Chalinolobus gouldii ganzjährig aktiv. Im südlichen Australien wie etwa in Victoria halten die Tiere jedoch einen Winterschlaf (Torpor). In der Regel ist dies unterhalb von 5 bis 10 Grad Celsius der Fall. Oberhalb von 10 Grad Celsius halten die Tiere keinen Torpor. Während des Torpor sinkt die Stoffwechselrate auf 0.10 ml O2 g-1 h-1. An den Überwinterungsplätzen rotten sich meist zwischen 2 und 44 Tiere zusammen. Als nachtaktives Tier verbringt Chalinolobus gouldii den Tag über am angestammten Schlafplatz. Etwa 20 Minuten nach Sonnenuntergang beginnt die aktive Phase. Chalinolobus gouldii ist ein guter, vor allem aber ein rascher und geradliniger Flieger. Der Flug erfolgt in einer durchschnittlichen Höhe von 1 bis 20 Metern über dem Grund. Die Nahrungssuche erfolgt in einem Umkreis von 4 bis 11 Kilometer rund um den Schlafplatz. Chalinolobus gouldii orientiert sich mittels Echolokation. Die geben auf ihren Flügen Töne mit einem Frequenzbereich von 29,1 bis 112,3 (41,3) kHz ab. Die Impulse erstrecken sich für gewöhnlich über etwa 1,3 bis 2,7 ms.

Unterarten

Die Einteilung in Unterarten nach Vorkommen gilt als umstritten und ist daher als nicht gültig anzusehen (Tidemann, 1986).

Verbreitung

Chalinolobus gouldii ist in weiten Teilen Australiens sowie auf Tasmanien, den Norfolk Island und auf Neukaledonien verbreitet. Die Art ist in Australien nur im Bereich von Cape York nicht anzutreffen. Aufgrund des großen Verbreitungsgebietes werden entsprechend unterschiedliche Habitate besiedelt. Bewohnt werden offene Wälder, Mallee-Flächen (Gebüsche und Buschformationen) und in der Nähe des Menschen auch landwirtschaftliche Flächen und Siedlungsraum. Die Tiere sind von Seehöhe bis in Höhen von gut 1.500 Meter über NN. anzutreffen. Als Schlafplätze werden Baumstümpfe, Bäume oder Büsche, Vogelnester, aber auch menschliche Behausungen (beispielsweise Dachverkleidungen) genutzt.

Prädatoren

Prädator: die Dickschnabel-Würgerkrähe (Strepera graculina)
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Prädator: die Dickschnabel-Würgerkrähe (Strepera graculina)

Zu den natürlichen Fleischfressern von Chalinolobus gouldii zählen insbesondere Eigentliche Eulen (Strigidae), Hauskatzen (Felis catus), Buntwarane (Varanus varius), Gewöhnliche Tigerottern (Notechis scutatus), Keilschwanzadler (Aquila audax) und Dickschnabel-Würgerkrähe (Strepera graculina). An Ektoparasiten konnten Entwicklungsstadien von Milben (Acari) nachgewiesen werden. Dies sind adulte Milben und Nymphen. Besonders häufig ist die Rote Vogelmilbe (Dermanyssus gallinae) anzutreffen.

Ernährung

Chalinolobus gouldii ist ein reiner Insektenfresser. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse beruhen auf Magenanalysen gefangener Tiere. Demnach stehen hauptsächlich Schaben (Blattodea), Steinfliegen (Plecoptera), Geradflügler (Orthoptera), Schnabelkerfe (Hemiptera), Käfer (Coleoptera), Zweiflügler (Diptera), Schmetterlinge (Lepidoptera) und Hautflügler (Hymenoptera) auf der Speisekarte. Besonders beliebt sind nachtaktive Motten. In kleineren Mengen sind auch geflügelte Drüsenameisen (Dolichoderinae) nachgewiesen.

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten ist relativ wenig bekannt. Chalinolobus gouldii ist wahrscheinlich im Alter von einem Jahr geschlechtsreif. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Regionen von Mai bis in den August hinein. Weibchen sind in der Lage das Sperma der Männchen bis zu 33 Tagen zu speichern. Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 90 Tagen bringt ein Weibchen 1, meist jedoch 2 Jungtiere zur Welt. Die Jungen kommen nackt zur Welt. Je nach Verbreitungsgebiet kommt der Nachwuchs zwischen November und Januar zur Welt. Die Jungtiere klammern sich im Fell der Mutter fest. Zum Säugen des Nachwuchses verfügt das Weibchen über Zitzen im Brustbereich. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über rund 4 bis 6 Wochen. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Chalinolobus gouldii gehört noch nicht zu den gefährdeten Fledermausarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In der Nähe des Menschen ist die Fledermaus durchaus beliebt, da sie ein eifriger Insektenvertilger ist. Zu den Hauptgefährdungsursachen gilt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume sowie die Ausbringung von Insektiziden in der Landwirtschaft.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

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