Chathamscharbe

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Chathamscharbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Kormorane (Phalacrocorax)
Art: Chathamscharbe
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax onslowi
Forbes, 1893

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Die Chathamscharbe (Phalacrocorax onslowi), auch unter dem Synonym Leucocarbo onslowi bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) zur Gattung der Kormorane (Phalacrocorax). Im Englischen wird die Chathamscharbe chatham islands shag, chatham island shag oder chatham shag genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Dieser Taxon wurde in mehrere Spezies gesplittet: Phalacrocorax onslowi, Phalacrocorax carunculatus, Phalacrocorax chalconotus, Phalacrocorax colensoi und Phalacrocorax ranfurlyi.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Chathamscharbe erreicht eine Körperlänge von etwa 63,0 Zentimeter. Das Gefieder der Chathamscharbe weist überwiegend eine schwarze und weiße Färbung auf. Der schwarze Kopf, der Hinternacken, der untere Rückenbereich, der Rumpf sowie die oberen Schwanzunterdecken sind alle mit einem metallic-blauen Glanz versehen. Die Unterseite weist eine weiße Färbung auf. Die Beine und Füße sind rosafarben geschönt. Die weißen Flecken auf den Flügel erscheinen, wenn die Flügel gefaltet sind, als weiße Binden. Die Chathamscharbe zählt ebenfalls zu der Gruppe der Blauaugen-Kormorane. Die Blauaugen-Kormorane sind eine Gruppe von eng verwandten Taxa Kormorane (Phalacrocoracidae). Alle haben einen blauen, violetten oder roten Ring um das Auge (nicht eine blaue Iris). Andere gemeinsame Merkmale sind die weiß gefärbte Brust und die Unterseite (zumindest bei einigen Individuen) sowie die rosafarbenen Beine und Füße. Charakteristisch für die Art ist der bis zu fünf Zentimeter lange Schnabel, der über eine hakenförmige Spitze verfügt. Der Hals ist insgesamt lang und ausgesprochen dünn. Zwischen den Zehen hat die Chathamscharbe Schwimmhäute, die sie zu einer hervorragenden Taucherin machen. Schwimmt die Chathamscharbe an der Wasseroberfläche, so sind in der Regel nur ihr Hals und Kopf zu sehen. Der Körper befindet sich knapp unter der Wasseroberfläche. Das Gefieder saugt sich bei Kontakt mit Wasser voll und hält den Körper unter Wasser. Die Chathamscharbe verfügt über keine Bürzeldrüse, mit der andere Wasservögel ihr Gefieder einfetten und mehr oder weniger wasserdicht machen. Nach einem Tauchgang kann man Chathamscharben an Land mit ausgebreiteten Flügeln beobachten. Meist wedeln sie dabei mit ihren Flügeln, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen.

Lebensweise

Chatham Islands - Neuseeländische Seebären (Arctocephalus forsteri)
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Chatham Islands - Neuseeländische Seebären (Arctocephalus forsteri)

Die Chathamscharbe kommt auf den Chatham-Inseln Neuseelands vor. Auf drei Inseln befinden sich die Brutkolonien, und zwar Chatham, Star Keys und Rabbit, mit einer weiteren Population auf North East Reef. Chatham war auch für die Art namensgebend. Die Chathamscharbe ist ein Kolonienbrüter. Die Nester werden aus organischem Material und aus Guano errichtet. Die Brutkolonien werden von Jahr zu Jahr aufgesucht. Die Chathamscharbe fischt in küstennahen Gewässern, selten, wenn überhaupt, fischt sie weit draußen auf dem Meer.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Chathamscharbe nur auf Neuseeland vor. Die Fanggebiete dieser Art befinden sich im südwestlichen Pazifik. Im Jahre 2003 zählte man nur noch 270 Paare (R. Hitchmough in litt. 2005). Die Populations-Entwicklung ist weiter sinkend. Die Chathamscharbe nistet in Kolonien, meist an exponierten Felsen, hoch oben auf Landzungen und auf kleinen Inseln, Klippen oder auf Felsvorsprüngen. Die Art ernährt sich hauptsächlich von kleinen Fischen.

Ernährung

Chathamscharben ernähren sich hauptsächlich von Fisch. Die Fische weisen dabei eine Länge von rund zehn Zentimeter auf. Längere Fische könnten Chathamscharben nicht fressen, da ein Fisch immer im Ganzen verschlungen wird. Pro Tag brauchen diese großen Vögel etwa 250 bis 300 Gramm an Nahrung. Auf Beutezug gehen sie unter Wasser. Sie sind ausgezeichnete Taucher, die durchschnittlich in Tiefen von zehn Metern jagen. Es wurden aber auch schon Tauchtiefen von deutlich unter 20 Metern registriert. Dabei können sie über eine Minute unter Wasser verbleiben. Die durchschnittliche Tauchzeit liegt bei rund 30 bis 45 Sekunden. Bei ihren Tauchgängen setzen sie ihre kräftigen Füße als Antrieb ein und nutzen ihren Schwanz zum Steuern.

Fortpflanzung

Chatham Islands - Bootswrack
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Chatham Islands - Bootswrack

Die Chathamscharbe nistet in Kolonien, meist an exponierten Felsen, hoch oben auf Landzungen und auf kleinen Inseln, Klippen oder auf Felsvorsprüngen. Häufig wird die Chathamscharbe von Raubmöwen (Stercorariidae) bedroht, insbesondere werden dabei die Nester geplündert. Die Kolonien sind ziemlich dicht mit Nestern belegt. Manchmal brütet die Chathamscharbe auch einzeln. Die Brutzeit erfolgt in den Monaten zwischen August und Dezember, vor allem im August und September erreicht die Brutzeit ihren Höhepunkt. Bevor es zur Paarung zwischen den Partnern kommt, vollführt das Männchen einen stillen Balztanz. Dabei bewegt das Männchen mehrmals den Kopf nach hinten und zur Seite. Der Schwanz wird nach oben oder nach vorne oder nach unten gefächert, die Flügel hängen herab, der Kamm ist abgeflacht und der Schnabel ist weit aufgesperrt. Während der Kopf-Hals-Senkung stehen sich die Partner gegenüber. Nach erfolgreicher Paarung bauen die Partner ein Nest, das ein flaches Gebilde darstellt, aus organischem Material besteht und mit Guano stabilisiert ist. Das Weibchen legt in der Regel zwei bis drei Eier. Die Eier werden über einen Zeitraum von rund 24 Tagen bebrütet. Bei Gelegeverlust sind Nachgelege durchaus die Regel. Die Küken weisen nach dem Schlupf eine schwarze Haut mit einem rosafarbenen Hals auf und sind mit einem grauen Flaum bedeckt. Als Nesthocker verbleiben die Küken für 47 bis 50 Tage im Nest und werden von den Eltern gefüttert. Die Flugfähigkeit wird zwar mit 60 Tagen erreicht, die Jungvögel verbleiben aber noch einige Wochen bei den Eltern. Die Jugendlichen weisen ein dunkelbraunes Gefieder auf. Nach der ersten Mauser weisen die Jungvögel das gleiche Gefieder wie die adulten Vögel auf.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN befindet sich die Art seit 2003 im Niedergang in Kombination mit den extrem kleinen besetzten Gebieten der Brutkolonien, mit den Störungen aus der Landwirtschaft und der Schwarzwild-Population. Die Art wird als kritisch gefährdet qualifiziert, d. h. dass die Art vom Aussterben bedroht ist. Die Chathamscharbe ist auf den Chatham-Inseln Neuseelands beschränkt. Auf drei Inseln befinden sich die Brutkolonien, und zwar Chatham, Star Keys und Rabbit, mit einer weiteren Population auf North East Reef.
Chatham Islands - Bauerngehöfte mit Viehzucht
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Chatham Islands - Bauerngehöfte mit Viehzucht
Im Jahre 1997 fand eine Vollerhebung von insgesamt 842 Paaren an 10 Standorten statt. Die größte Kolonie befindet sich auf Star Keys, dort wurden im Jahre 1980 358 Nester mit Eiern und Küken gezählt. Allerdings schätzte man in den Jahren von 2003 bis 2004 den Brutbestand auf 271 Paaren, die in 13 Kolonien verteilt waren, wobei sich die größte Kolonie mit 81 Paaren auf Star Keys befand. Dies entspricht einem Rückgang von 67,8 Prozent der Brutpaare seit 1997. Jedoch können eine schlechte Brutzeit oder Variabilität bezüglich des Zeitpunktes der Brut innerhalb und zwischen den Jahrzehnten zu diesem Rückgang beigetragen haben. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um die Populations-Entwicklung zu bestätigen. Obwohl die Kolonien über drei Inseln verteilt sind, betragen die Brutgebiete dieser Art weniger als 1 Hektar. Die größten Brutkolonien auf den Inseln sind durch die eingeführten Tiere gefährdet.

Auf Chatham geht die Bedrohung von den Menschen mit den Bauernhöfen sowie von verwilderten Hauskatzen, der Landwirtschaft und von den Wildschweinen aus. Ein weiteres Problem stellen die Wekaralle (Gallirallus australis) und der Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) sowie die verwilderten Haushunde dar. Gelegentlich verursachen die Raubmöwen (Stercorariidae) eine Massenpanik unter den Vögeln, indem die Möwen die Nester plündern. Auf Star Keys stören die Neuseeländischen Seebären (Arctocephalus forsteri) und die Besuche der Ökotouristen die Brutkolonien. Illegaler Abschuss von Vögeln kommt selten vor. Die erste Zählung dieser Art wurde im Jahre 1997 abgeschlossen. Eine weitere Zählung der Chathamscharben und der Pittscharben (Phalacrocorax featherstoni) wurde in den Jahren von 2003 bis 2004 durchgeführt, jedoch sind noch keine Erhaltungsmaßnahmen speziell für diese Arten realisiert worden. Folgende Maßnahmen sind für die Erhaltung der Arten zwingend notwendig: Eine Zählung der gesamten Population sollte alle fünf Jahre erfolgen. Eine Überwachung der Brutkolonien auf Chatham Island sollte durchgeführt werden, um den jährlichen Trend zu ermitteln. Aufklärung der Hundebesitzer über die möglichen Auswirkungen ihrer Hunde auf die Brutkolonien. Erhaltung des rechtlichen Schutzes für alle Brutkolonien. Durchführung von Forschungsarbeiten der Populationsdynamik, Brutbiologie, Bewegungen, Nahrungssuche und Nahrung.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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