Chiasognathus granti

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Chiasognathus granti
Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Käfer (Coleoptera)
Unterordnung: Polyphaga
Teilordnung: Scarabeiformia
Überfamilie: Scarabaeoidea
Familie: Schröter (Lucanidae)
Unterfamilie: Lucaninae
Gattung: Chiasognathus
Art: Chiasognathus granti
Wissenschaftlicher Name
Chiasognathus granti
Stephens, 1831

Der Chiasognathus granti, der auch unter dem Namen Darwin's Hirschkäfer bekannt ist und von den Einheimischen als Ciervo volante (wörtlich: Fliegendes Rotwild) bezeichnet wird, zählt innerhalb der Familie der Schröter (Lucanidae) zur Gattung der Chiasognathus. Erstmalig wurde der bizarre Käfer Chiasognathus granti im Jahre 1948 auf einer Briefmarke Chiles abgebildet und ausgegeben. Auch in den Jahren 1987 und 1995 war der Käfer Chiasognathus granti auf den chilenischen Briefmarken wieder zu bewundern.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der bizarre Käfer Chiasognathus granti ist die schönste und größte Käferart Chiles. Er erreicht eine Körperlänge einschließlich Oberkiefer (Mandibeln) von 70 bis 80 Millimeter. Das Weibchen wirkt etwas kleiner als das Männchen und die Körperlänge des Weibchens beträgt etwa 25 bis 40 Millimeter. Der Kopf ist bei beiden Geschlechtern im Verhältnis zum Prothorax ziemlich klein geraten. Die Augen des Männchens und des Weibchens erscheinen ebenfalls klein und variieren je nach Lichteinfall in den Farben Grau, Braun und Schwarz. Die Taster sind am Ende mit gelben Härchen besetzt und lamellenartig aufgefächert. Ansonsten besteht zwischen dem Männchen und dem Weibchen ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen verfügt über außergewöhnlich extrem lange gezackte Oberkiefer (Mandibeln), die länger als der restliche Körper sind. Die Oberkiefer (Mandibeln) sind am unteren Ende des Kopfes gespalten und gehen nahtlos in die ebenfalls gezackten Unterkiefer (Maxillen) über, was dem Käfer ein bizarres Aussehen verleiht. Die Oberkiefer (Mandibeln) verlaufen nach Oben hin senkrecht, auf halben Wege zur Mitte verlaufen sie etwas gerade und fallen dann nach vorn abwärts ab. Die Unterkiefer (Maxillen) sind gegenüber den Oberkiefern (Mandibeln) deutlich kürzer und sind etwas nach oben in Richtung Oberkiefer (Mandibeln) gebogen. Die Unterkiefer (Maxillen) weisen wie die Oberkiefer (Mandibeln) kleine feine Zähnchen auf. Oberkiefer (Mandibeln) sowie Unterkiefer (Maxillen) sind ventral mit feinen gelben Härchen versehen. Die Unterkiefer (Maxillen) setzt das Männchen auch bei Kommentkämpfen gegen Rivalen ein.

Das erste Segment des Thorax ist wesentlich breiter und deutlich kürzer. Obgleich die Farbe des bizarren Käfers braun bis goldbraun ist, so glänzt er doch je nach Lichteinfall metallisch grün und reflektiert in den verschiedensten Regenbogenfarben. Der gesamte Körper des Männchens ist mit feinen weißen Härchen bedeckt. Die Flügeldecken (Elytren) weisen insgesamt eine bräunliche Färbung mit einem geringfügig metallischen Glanz auf. Der vordere Teil der Flügeldecken (Elytren) schimmert je nach Lichteinfall silberweiß und ist rötlich umrandet. Die Oberfläche der Flügeldecken (Elytren) ist ohne wesentliche Markierungen relativ glatt. Die Hautflügel des Käfers sind sandfarben gefärbt. Wie alles bei dem Käfer außergewöhnlich erscheint, so weisen auch die Beine eine ungewöhnliche Länge auf. Die Vorderbeine sind stärker und länger als die Mittel- und Hinterbeine, die etwas dünner und kürzer wirken. Die Beine zeigen ebenfalls einen metallisch grünlich schimmernden Glanz.

Beschreibung und Bestimmung der Laufbeine und des Körpers eines Käfers
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Beschreibung und Bestimmung der Laufbeine und des Körpers eines Käfers

Das Weibchen unterscheidet sich vom Männchen durch ihre weniger metallische Färbung. Die Beine des Weibchens sind ähnlich wie beim Männchen lang, aber etwas kräftiger als beim Männchen ausgebildet. Auch wirkt die Körperform gegenüber dem Männchen etwas gedrungener und stärker. Wie schon erwähnt ist das Weibchen merklich kleiner als das Männchen. Die Flanken des Thorax sind ohne dornige Auswüchse. Bemerkenswert bei dem Weibchen sind die Oberkiefer (Mandibeln), die gleich breit sind wie der Kopf und für ein Weibchen eine stattliche Grösse aufweisen.

Aufgrund der globalen Klimaveränderung und der Vernichtung von Regenwäldern ist die Population dieser Käferart stark zurückgegangen. Extreme Temperaturschwankungen können für den Käfer und auch für die Larven tödlich sein, da der Käfer und die Larven sich kaum dem schnellen Klimawandel anpassen können. Chile unternimmt jetzt Maßnahmen, um den noch verbliebenen Valdivian-Regenwald zu schützen und somit dem Käfer einen natürlich Lebensraum zu bieten. Allerdings gibt es Jahre, in denen die Käfer zu Tausenden während der warmen Mittagsstunden gesichtet wurden.

Unterarten

Verbreitung

Valdivian-Wald in Chile
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Valdivian-Wald in Chile

Der Käfer Chiasognathus granti ist nur in begrenzten Bereichen von Malleco, Provinz in Chile, verbreitet. Er hält sich in den Valdivian-Wäldern auf. Die Valdivian-Wälder gehören mit zu den seltenen und ältesten artenreichsten und pflanzenreichsten Regenwäldern Chiles. Weltweit existieren nur noch fünf gemäßigte Valdivian-Regenwälder. Die Valdivian-Wälder stehen mittlerweile unter strengem Schutz. Der Valdivian-Wald wächst auf Steigungen beidseitig der Anden und an den Küstengebirgshängen. Man trifft den Käfer in Höhen von 900 Meter bis 3.000 Meter an, wo auch reichlich Niederschlag 2500 Millimeter bis 5000 Millimeter pro Jahr fällt, einhergehend mit kurzen Trockenperioden und mit minimalen Temperaturschwankungen. Der Käfer findet in dem Valdivian-Wald zahlreiche grosskronige Baumarten wie zum Beispiel Olivillos, Coigue, Ulmo, Tepa und Tineo. Die gefallenen morschen Baumstämme sind mit reichlich vorhandener niedriger Vegetation bedeckt, ideal für die Larven des Käfers.

Ernährung

Eine Bohnenart
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Eine Bohnenart

Der adulte Chiasognathus granti ernährt sich von Baumsäften, vorzugsweise von den Hartholzbäumen. Er nimmt den Baumsaft aus Wunden in der Rinde auf.

Die Larven dagegen leben von vermodertem Totholz der Hartholzbäume. Das Totholz ist meist von Pilzen befallen, so dass selbst Holz einen Nährwert aufweist. Des weiteren ernähren sich die Larven auch von den Wurzeln der Gramineas (grasartige Pflanze) und von den Wurzeln der Leguminosas (Bohnenart).

Fortpflanzung

Der Käfer Chiasognathus granti erreicht die Geschlechtsreife mit Beendigung des Puppenstadiums. Während der Balz kommt es zwischen den Männchen regelmäßig zu Kommentkämpfen, bei denen sie ihre außergewöhnlich langen Oberkiefer (Mandibeln) und die etwas kürzeren Unterkiefer (Maxillen) einsetzen und versuchen den Widersacher auf den Rücken zu werfen. Der Gewinner hat das Recht auf die Paarung mit dem Weibchen. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen kleine weiße Eier in den Boden unter Wurzeln verschiedener Pflanzen und unter Wurzeln gefallener morscher Bäume mit reichlich vorhandener niedriger Vegetation ab. Aus den Eiern schlüpfen nach etwa zwei bis drei Wochen die engerlingsartigen Larven.

Die Entwicklung der Larven erfolgt unter den Wurzeln verschiedener grasartiger Pflanzen und bohnenartiger Pflanzen sowie unter den Wurzeln abgestorbener morscher Bäume. Die larvale Entwicklung hängt stark vom Nahrungsangebot und den Temperatureinflüssen ab. Der Körper der Larven ist gelblich weiß und der Kopf weist ein rötliches Braun auf. Die Larven erreichen im Endstadium der larvalen Entwicklung insgesamt eine Körperlänge von 80 Millimeter, der Kopf mißt neun Millimeter und die Taster fünf Millimeter. Der Thorax erreicht eine Länge von vier Millimeter und das Abdomen sieben Millimeter. Die Beine sind gelblich bis bräunlich gefärbt. Während dieser Zeit kommt es zu drei Häutungen. Nach der dritten Häutung verpuppen sich die Larven in einen Kokon. Nach der abgeschlossenen Metamorphose schlüpft der Käfer mit sechs Beinen und vier Flügeln aus der Puppe. Nach dem Schlupf sind die Flügeldecken (Elytren) bei dem Käfer noch feucht und glänzend. Erst nach dem Erhärten und Trocknen (Fumigation) der Flügeldecken (Elytren) ändert sich auch die Farbe und der flugfähige Käfer (Imago) zeigt sich in seiner ganzen Pracht.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

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