Chilenische Waldkatze

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Chilenische Waldkatze

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
Gattung: Leopardus
Art: Chilenische Waldkatze
Wissenschaftlicher Name
Leopardus guigna
Syn. Oncifelis guigna
Molina, 1782

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Chilenische Waldkatze (Leopardus guigna, Syn. Oncifelis guigna) zählt innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) zur Gattung Leopardus. Im Englischen wird die Art Guiña, Chilean Cat oder Kodkod genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Chilenische Waldkatze erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge 424 bis 510 mm, eine Schwanzlänge von 195 bis 250, eine Schulterhöhe von bis zu 250mm sowie ein Gewicht von 2.100 bis 2.500 (2.200) Gramm. Mit diesen Maßen gehört die Chilenische Waldkatze zu den kleinsten Vertretern der Katzen. Das Fell weist eine hellbraune bis graubraune Grundfärbung und zahlreiche schwärzliche Flecken auf. Die Flecken, die mitunter auch zu Streifen verschmelzen können, sind sowohl dorsal als auch ventral zu erkennen. Ventral ist das Fell weißlich bis cremefarben gefärbt. Der lange und buschige Schwanz weist eine schwarze Ringelung auf. Melanistische Formen treten nicht oft auf, sind jedoch nach Cabrera und Yepes (1960) dokumentiert. Die Zehen sind mit kräftigen Krallen versehen. Damit ist die Chilenische Waldkatze ein ausgezeichneter Kletterer. Das kräftige Gebiss besteht aus 30 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3/2, m1/1. Das Milchgebiss weist 26 Zähne auf (Novak, 1999; Greer 1965a; Cabrera und Yepes, 1960).

Lebensweise

Chilenische Waldkatzen leben einzelgängerisch und sind primär nachtaktiv. Nur selten sind sie auch am Tage zu beobachten. Die Tiere zeichnen sich durch eine überwiegend aboreale Lebensweise aus. Einen Großteil ihres Lebens halten sie sich demnach in den Bäumen auf. Während der Ruhephasen halten sich die Katzen in dichter Vegetation auf. Chilenische Waldkatzen sind territorial, wobei die Reviere der Männchen deutlich größer sind und sich mit den Revieren mehrerer Weibchen überschneiden (Novak, 1999).

Unterarten

Verbreitung

Die Chilenische Waldkatze ist in den südlichen Anden in Argentinien und Chile, insbesondere im westlichen Patagonien verbreitet. Besiedelt werden auch einige Inseln wie beispielsweise die Insel Chiloé. Nach Angaben der IUCN erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über etwa 177.000 km². Die Tiere besiedeln neben dichten gemäßigten Regenwäldern auch gemäßigte Feuchtwälder, Hartlaubwälder, Nadelwälder und zuweilen auch halboffenes Buschland. Chilenische Waldkatzen treten bis in Höhen von gut 1.900, lokal auch bis oberhalb der Baumgrenze von 2.500 Metern über NN auf. Die Männchen besiedeln ein Revier in einer Größe von rund 6,5 km². Die Reviere der Weibchen sind mit 1,2 km² deutlich kleiner (Novak, 1999; Melquist, 1984; Freer, 2004).

Ernährung

Chilenische Waldkatzen ernähren sich als Carnivoren opportunistisch von kleinen Säugetieren (Mammalia), Vögeln (Aves) und kleinen Kriechtieren (Reptilia). Nagetiere (Rodentia) stehen dabei weit oben auf der Speisekarte. Auch Aas wird nicht verschmäht. Die Jagd auf Beutetiere erfolgt in der Dunkelheit meist am Boden, seltener auch auf Bäumen. In der Nähe des Menschen werden zum Leidwesen der Bauern auch Gänse und Hühner gerissen (Novak, 1999).

Fortpflanzung

Chilenische Waldkatzen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 2 Jahren. Das Paarungsverhalten kann wie bei allen Katzen als polygam bezeichnet werden. Die Geschlechter leben einzelgängerisch und treffen im Wesentlichen nur zur Paarungszeit aufeinander. Nach einer Tragezeit von 72 bis 78 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Unterschlupf 1 bis 4, meist jedoch 2 Jungtiere zur Welt. Das erste Milchgebiss besteht aus 26 Zähnen. Die Augen öffnen sich im Laufe der dritten Lebenswoche, die ersten Gehversuche beginnen in der vierten Lebenswoche. Der Zeitpunkt der Entwöhnung und der Selbständigkeit sind nicht bekannt. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei 11 Jahren. Ein solch hohes Alter ist jedoch nur in Gefangenschaft möglich (Novak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Chilenische Waldkatze gehört heute zu den bedrohten Katzenarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen wird in Anhang II des Abkommens gelistet. Die größte Gefahr geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Die Wälder werden weitflächig zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen gerodet. In der der Nähe des Menschen sind Chilenische Waldkatzen keine gern gesehenen Gäste. Man sagt ihnen nach, sie würden das Geflügel der Landwirte reißen. Es verwundert nicht, dass die Landwirte den Katzen nachstellen (Novak, 1999; Acosta-Jamett et al., 2003).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der der Katzen (Felidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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