Chileskua

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Chileskua
Chileskua im Flug

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Raubmöwen (Stercorariidae)
Gattung: Stercorarius
Art: Chileskua
Wissenschaftlicher Name
Stercorarius chilensis
Bonaparte, 1857

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Chileskua (Stercorarius chilensis) zählt innerhalb der Familie der Raubmöwen (Stercorariidae) zur Gattung Stercorarius. Im Englischen wird die Chileskua chilean skua genannt. Dieser Taxon wird von einigen Autoren als Subspezies von Stercorarius skua im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Chileskua erreicht eine Körperlänge von 53,0 bis 59,0 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 90,0 bis 120,0 Zentimeter sowie ein Gewicht von 1,0 bis 2,0 Kilogramm. Das Gefieder ist völlig dunkel grau-braun gefärbt. Das Obergefieder und die Flügel zeigen eine gut helle, feine Zeichnung. Die Bauchseite ist etwas heller als das Obergefieder. Im Bereich der Kehle und am Hals zeigen sich kastanienbraune Schaftstreifen und hellbraune Federkanten. Die Flügelunterseiten sind bis auf ein helles, fast weißes Feld im Handschwingenbereich dunkelbraun gefärbt. Im Flug erkennt man besonders deutlich die weißen Schaftstreifen im Bereich der Handschwingen. Der Schwanz ist gerundet und dient im Flug als Steuerorgan. Er kann weit aufgefächert werden. Der an der Spitze leicht hakenförmige Schnabel sowie die Extremitäten sind dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Die obere Schnabelhälfte weist eher eine hellgraue Tönung auf. Die Jugendlichen weisen einjährig eine dunkelbraune Färbung mit wenigen Streifen auf und der Kopf ist von einer schwarzen Färbung. Mit jeder Mauser wird das Gefiederkleid heller.

Lebensweise

Die Chileskua gilt als ausgesprochen aggressiv und greift auch Menschen an, die sich ihrem Gelege nähern. Auf Eindringlinge in das Brutgebiet werden häufig Scheinangriffe geflogen. Dazu nähert sich der Vogel von hinten auf Augenhöhe dem vermeindlichen Nesträuber mit hoher Geschwindigkeit bis auf wenige Zentimeter und zieht i.d.R. im letzen Augenblick wieder nach oben. Als gute und ausdauernde Fliegerin ist die Chileskua in der Lage, selbst Flüge über die Polarregionen zu meistern. Auch im Wasser ist sie gut unterwegs, sie gilt als gute Schwimmerin.

Verbreitung

Subantarktikskua im Flug
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Subantarktikskua im Flug

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Chileskua in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Argentinien, Chile und Peru. Als Durchzügler findet man die Chileskua in folgenden Gebieten: Antarktis, Brasilien, Ecuador und Uruguay und präsent ist die Art auf den Falklandinseln (Malvinas), jedoch ist die Herkunft ungewiss. Zu den Lebensräumen der Chileskua zählen unter anderem gemäßigtes Grünland, pelagische Flachseezonen, intertidale felsige Küsten, intertidale Sandstrände, intertidale Sandbänke, intertidale Nehrungen, intertidale Kiesstrände, intertidale geröllhaltige Küstenstreifen, Gezeitenzonen, supratidale Klippen und felsige Inseln sowie supratidale an Küsten vorgelagerte Süßwasserseen.

Ernährung

Chileskuas sind räuberisch lebende Fleischfresser. Nicht selten jagen sie anderen Vögel in der Luft ihre Beute ab oder reißen gleich den ganzen Vogel. In der Luft ist die Chileskua aufgrund ihrer hohen Manövrierfähigkeit den meisten anderen Vögeln deutlich überlegen. Die Hauptnahrung besteht aus Fisch. Jedoch werden auch andere Vögel und sogar Kleinsäuger wie Ratten, Mäuse und Kaninchen gefressen. Gefangene Beutetiere werden mit Bissen ihres kräftigen Schnabels getötet.

Fortpflanzung

Chileskuas sind Kolonienbrüter, die in kleineren Kolonien an steinigen, flach ansteigenden Küstensäumen und ähnlichen Arealen brüten. Diese Gebiete zeichnen sich in der Regel durch eine karge Vegetation aus. Die Brutgebiete befinden sich im südlichen Chile. Die Brutzeit erfolgt dort von November bis Dezember. Auf steinigem Untergrund entstehen flache Bodennester, die meist auf Geröll oder sandigem Untergrund in flachen Mulden errichtet werden. Das Nest wird spärlich mit Pflanzenteilen ausgepolstert. Die Neststandorte weisen immer einen direkten Zugang zum Meer auf. Das Weibchen legt zwei bis drei Eier. Die Eier sind mit braunen und grauen Flecken sowie mit Punkten und Strichen gesprenkelt. Beide Elternteile bebrüten die Eier über einen Zeitraum von 28 bis 30 Tagen. In der Regel überlebt von den beiden Küken nur das zuerst geschlüpfte. Meist endet das schwächere Küken als Nahrung für das zweite Küken. Die Küken werden von beiden Elternteilen mit hochgewürgter Nahrung gefüttert. Später auch mit aus Beutetieren herausgerissenen Fleischbrocken. Mit vier bis fünf Wochen sind die Jungvögel flügge.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Chileskua heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 20.000 Quadratkilometer. Die Chileskua ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Chileskua selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Chileskua als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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