Chilesperber

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Chilesperber

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Habichte und Sperber (Accipitrinae)
Gattung: Habichte und Sperber (Accipiter)
Art: Chilesperber
Wissenschaftlicher Name
Accipiter chilensis
Philippi & Landbeck, 1864

Der Chilesperber (Accipiter chilensis) zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Habichte und Sperber (Accipiter). Im Englischen wird der Chilesperber chilean hawk genannt. Dieses Taxon wird von einigen Autoren im weiteren Sinne (sensu-lato) als Unterart von Accipiter bicolor betrachtet. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Männchen erreicht eine Gesamtkörperlänge von etwa 37,0 bis 38,0 Zentimeter und das Weibchen eine Gesamtkörperlänge von etwa 41,0 bis 42,0 Zentimeter, wobei das Weibchen schwerer erscheint als das Männchen. Das Obergefieder der Erwachsenen weist eine schwarze Färbung auf. Der Kopf, der Hals sowie die Brust sind aschgrau und der Bauch ist mit dunklen Querstreifen versehen. Der Hals weist zum Teil dunkle Längsstreifen auf und ist zusätzlich vereinzelt mit weißen Flecken besetzt. Die Unterschwanzdecken sind von einer weißen Tönung und weisen ebenfalls dunkle Querstreifen auf. Die oberen Schwanzfedern sind mit fünf oder sechs dunkel braunen Streifen versehen. Die Wachshaut weist eine hellgelbe Färbung auf. Der Schnabel ist zum Teil grau gefärbt und die hakenförmige Spitze ist schwarz getönt. Die oberen Extremitäten sind mit einem weißen Gefieder bedeckt, während die Füße von einer grünlich-gelben Färbung sind. Die Iris der Augen weist eine gelbe Tönung auf. Beide Geschlechter ähneln sich in der Gefiederfärbung. Das Obergefieder der Jugendlichen weist eine braune Färbung auf mit zum Teil gesäumten cremefarbenen Federspitzen. An der blass gefärbten Brust und am Bauch zeigen sich Längsstreifen und auf den blassen oberen Schwanzfedern hebt sich deutlich die Streifenbildung ab. Lautäußerungen der Vögel sind nur in der Brutzeit zu hören.

Lebensweise

Chilenische Scheinbuche (Nothofagus dombeyi)
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Chilenische Scheinbuche (Nothofagus dombeyi)

Der Chilesperber bewohnt die Niederungen, in der Regel auf offenen Flächen und in gemäßigten Laubwäldern, hauptsächlich in Scheinbuchen- und Araukarien-Wäldern. Des Weiteren kommt er auch im offenen Buschland sowie in Strauchsteppen vor. In Patagonien bewohnt der Chilesperber Regenwälder, mesophytische Wälder und Bergwälder. Wie der eng verwandte Zweifarbensperber (Accipiter bicolor) ist auch der Chilesperber ziemlich verschlossen und scheu und scheinbar verbringt er den ganzen Tag über auf Bäumen. Gelegentlich hält sich der Chilesperber auch in menschlichen Siedlungen auf. In Chile trifft man ihn regelmäßig in gemischten Laubwäldern sowie in Regenwäldern und gelegentlich auf Kiefern-Plantagen an. Im südlichen Chile, wo die Landschaft stark fragmentiert ist, kommt er nur noch auf kleinen Waldflächen vor, insbesondere in Gebieten mit vielen älteren, zum Teil schon vermodernden Bäumen. In Argentinien bewohnt der Chilesperber hauptsächlich die Scheinbuchenwälder.

Verbreitung

Der Chilesperber gilt als ein Teilzieher und gelegentlich auch als Migrant in den Höhenlagen. Vielerorts ist der Chilesperber auch sesshaft oder lebt nomadisch. Im südlichen Patagonien wandern die Populationen saisonal, im Winter ziehen die Vögel in die gemäßigten Zonen und die Brutpaare aus dem Norden wandern nach Südamerika in den südlichen Winter. Ein Teil der Population aus Zentral-Chile migriert gegen Nordwesten Argentiniens, vielleicht auch nach Norden zusammen mit den ziehenden Singvögeln. Eine ähnliche Bewegung von Vögeln, die die Buchenwälder im Norden bewohnen, folgt den Wanderbewegungen der Araukanertaube (Patagioenas araucana). Während des Winters zieht auch ein Teil der Brutpaare, die in den Anden vorkommen, hinunter in die Tiefebene.

Ernährung

Bisher wurde angenommen, dass der Chilesperber sich nur von Vögeln ernährt, wie zum Beispiel von Tauben (Columbidae) und von Graurallen (Pardirallus sanguinolentus), aber er verzehrt auch Nagetiere, Reptilien und fliegende Insekten. Auf der chilenischen Insel Chiloé jagt der Chilesperber Bürzelstelzer (Rhinocryptidae) und im Nationpark Torres del Paine in Patagonien erbeutet er Tauben, Singvögel und Sittiche. Figueroa et al. (2004) machten eine umfangreiche Studie über die Ernährungsweise dieser Art und stellten fest, dass ihre Beute zu 97,8% aus Vögeln bestand, und nur zu einem geringen Teil Nagetiere (1,6%) und Insekten (0,6%) vertreten waren.
Araukanertauben (Columba araucana)
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Araukanertauben (Columba araucana)
Unter den Vögeln waren die häufigsten Arten kleine und mittlere Singvögel, darunter Magellandrossel (Turdus falcklandii), Weißbauch-Olivtyrann (Elaenia albiceps), Zeisige (Carduelis), wie Carduelis bataus, Feueraugen-Nonnentyrann (Xolmis pyrope) und Pieper (Anthus), wie Anthus spinicauda. Johnson (1965) behauptete dagegen, dass die bevorzugte Beute des Chilesperber große Tauben seien, wie zum Beispiel die Araukanertauben (Columba araucana).

Fortpflanzung

In Chile beginnt die Paarbildung im Oktober (Mitte des südlichen Frühlings) und in Nevados de Chillán tritt die Periode von Ende Oktober bis Ende Februar (Ende des südlichen Sommers) auf. Die Brut erfolgt Ende Dezember bis Anfang Januar und die Küken-Aufzucht erstreckt sich von Januar bis Februar. Der Horst ist eine ovale Plattform, verflochten mit trockenen Ästen und Zweigen. In der Regel wird er in einer Astgabel im oberen Teil von lebenden Bäumen, wie Scheinbuchen, in einer Höhe von etwa 16 bis 25 Meter platziert. Der Horst wird in der Nähe des Hauptstammes oder eines dicken Astes senkrecht angebracht. Housse (1937) beschrieb, dass der Horst in der Regel in der Astgabel eines hohen Baumes am Waldrand, nahe einer Lichtung oder offenen Fläche angelegt und eng mit grünen oder trockenen Zweigen verflochten und mit trockenen Gräsern ausgekleidet ist, so dass der Horst eine reibungslose und abgerundete tassenförmige Oberfläche darstellt. Im südlichen Argentinien finden Paarung und Brut von Januar bis Februar statt und der Horst wird hoch oben, etwa 23,5 Meter, in der Krone einer Chilenischen Scheinbuche (Nothofagus dombeyi) angelegt. Die Inkubationszeit erstreckt sich über 20 bis 21 Tagen und das Gelege besteht aus zwei bis drei Eiern. Sie weisen eine elliptische, glatte Form auf und haben eine etwas dickere Schale. Ferner sind die Eier von einer weißen Färbung und sind am größeren Pol mit großen gelblichen oder grünlichen Flecken besetzt, jedoch ist die gesamte Oberfläche mit zahlreichen kleinen grauen Flecken versehen. Die Eier weisen aber keine Ähnlichkeit mit denen des Zweifarbensperber (Accipiter bicolor) auf, eher ähneln sie denen des Chimangokarakara (Milvago chimango). Pavez (2004) beschrieb die Eier leicht bläulich-weiß oder matt weiß, unbefleckt, nicht glänzend und die innere Oberfläche der Schale hatte einen leichten bläulichen oder grünlichen Schimmer.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X
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