Chilobrachys fimbriatus

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Chilobrachys fimbriatus

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Selenocosmiinae
Gattung: Chilobrachys
Art: Chilobrachys fimbriatus
Wissenschaftlicher Name
Chilobrachys fimbriatus
Pocock, 1899

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:001893]

Die Art Chilobrachys fimbriatus zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Chilobrachys. Im Englischen wird die Art indian violet tarantula genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Chilobrachys fimbriatus erreicht als Weibchen eine Körperlänge von etwa 5,0 bis 6,0 Zentimeter und als Männchen eine Körperlänge von bis zu 4,0 Zentimeter. Mit Ausnahme der übrigen Arten aus der Gattung Chilobrachys, die alle ein einheitliches, unscheinbares Aussehen besitzen, weist Chilobrachys fimbriatus eine etwas bunte Färbung auf. Zwischen den Geschlechtern gibt es kaum Farbunterschiede. Die dominante braune Färbung ist charakteristisch für diese Art. Der Carapax weist eine beigebraune Färbung auf und auf dem länglichen Opisthosoma zeigt sich deutlich ein Fischgrätenmuster, das aus schwarzen Linien zusammengesetzt ist. Das erste Beinsegment ist dunkelbraun bis schwarz getönt und die übrigen Beine sind von einer braunen Färbung. Die Jungspinnen weisen nach der dritten bis vierten Häutung eine bronzefarbene Tönung auf und nach und nach nehmen sie die Färbung der adulten Tiere an. Das lyraförmige Stridulationsorgan prolateral erscheint auf der Tastercoxa halbkreisförmig, länglich oder oval, bestehend nur aus bis zu drei Reihen paddel- oder klöppelförmiger, ungleich großer Stridulationsstäbchen, von denen die der untersten Reihe länger als die über ihnen liegenden sind. Die oberste Reihe ist durch einen Fransensaum von Haaren an der Sutur überlappt. Die Vorderaugenreihe erscheint gerade. Die beiden Receptacula seminis (Organe zur Aufbewahrung des Spermas beim Weibchen) divergieren häufig.<2> Unter günstigen Bedingungen kann das Weibchen ein Alter von bis zu 16 Jahren erreichen, während das Männchen nach der letzten Reifehäutung etwa noch 1,5 Jahre lebt.

Lebensweise

Chilobrachys fimbriatus lebt ziemlich zurückgezogen. Die Spinne baut lange, waagerechte Erdröhren in senkrechten Hängen mit einem darin verzweigten Gangsystem. Die meiste Zeit verbringt Chilobrachys fimbriatus in ihrer Wohnhöhle. Diese Art ist in der Nacht aktiv und lauert ihre Beute vor dem Höhleneingang auf. Die Spinne ist leicht reizbar und bissig. Einmal gestört und ohne Rückzugsmöglichkeit (Flucht) nimmt sie eine typische Verteidigungsstellung ein, indem sie den Vorderkörper und die vorderen Extremitäten, auf Hinterleib und Hinterbeine gestützt, anhebt und dem Angreifer die geöffneten Cheliceren zeigt. Durch kräftiges Schlagen mit den Vorderbeinen verschafft sich Chilobrachys fimbriatus noch zusätzlich Respekt.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Chilobrachys fimbriatus liegt in Indien und umfaßt die Regionen Khandala, Jaoli/Satara/Westindien. Chilobrachys fimbriatus lebt in feuchtwarmen Regenwäldern Indiens. Die Temperaturen betragen am Tage etwa 23 bis 25 Grad Celsius und in der Nacht etwa um die 20 Grad Celsius. Die Lufttemperatur liegt bei etwa 60 bis 80 Prozent.

Ernährung

Chilobrachys fimbriatus ernährt sich in ihrem natürlichen Lebensraum von Insekten (Insecta) und von anderen kleinen Tieren. In Gefangenschaft kann die Ernährung vielfältig sein und besteht meist aus Grillen (Gryllidae), Heuschrecken wie Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und aus Larven vom Mehlkäfer (Tenebrio molitor). Gelegentlich können ein- oder zweimal pro Monat auch Mäuse (Mus) verfüttert werden.

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft Chilobrachys fimbriatus mehrere Häutungen. Die Paarung erfolgt in der Regel in der Nacht, oft in den Morgenstunden. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie etwa 150 bis 200 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

  • Chilobrachys fimbriatus - Pocock, 1899
  • Chilobrachys fimbriatus - Pocock, 1899d

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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