Kragenechse

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

(Weitergeleitet von Chlamydosaurus kingii)
Kragenechse

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Echsen (Lacertilia)
Familie: Agamen (Agamidae)
Gattung: Kragenechsen (Chlamydosaurus)
Art: Kragenechse
Wissenschaftlicher Name
Chlamydosaurus kingii
Gray, 1827

Verbreitungsgebiet

Die Kragenechse (Chlamydosaurus kingii), auch Australische Kragenechse genannt, gehört innerhalb der Familie der Agamen (Agamidae) zur Gattung der Kragenechsen (Chlamydosaurus). Im Englischen wird die Art als Frill-necked lizard bezeichnet. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde die Kragenechse im Jahre 1827 durch John Edward Gray.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Kragenechse erreicht eine durchschnittliche Größe von 70 Zentimetern, wobei die reine Körperlänge etwa 26 Zentimeter beträgt. Ihre maximale Gesamtlänge liegt bei knappen 90 Zentimetern. Die schuppige Haut ist gelbbraun oder grünlichbraun bis schwarz und ist mit einigen, oft schwach zu sehenden Mustern versetzt, allgemein aber eher schlicht wirkend. Das auffälligste Merkmal der Kragenechse, welches sie wohl zu einer der außergewöhnlichsten Agamen macht, ist der aufstellbare Nackenkragen, der bei geöffnetem Maul aufgestellt werden kann. Dabei wird der Nackenkragen über Verlängerungen der Kieferknochen sowie dem gut und kräftig entwickelten Zungenbeine gestützt. Diese Halskrause ist namensgebend für die Art und kann bei einem adulten (geschlechtsreifen, ausgewachsenem) Männchen bis zu 30 Zentimeter im Durchmesser erreichen. Sie ist im Normalfall schlicht braun mit einigen unscheinbaren Zeichnungen gefärbt, bei Erregung jedoch werden auf dem aufgestellten Kragen bunte, leuchtend rote, schwarze und weiße Flecken sichtbar.

Der Kragen respektive dessen anatomischen Grundlagen in Form des gut entwickelten Zungenbeines sind eine große Ähnlichkeit zu den Bartagamen (Pogona), welche mit sehr ähnlicher Anatomie einen Stachelbart aufstellen können.

Der Körper der Kragenechse ist sehr lang gestreckt, besonders der Schwanz ist in seiner Länge und Schlankheit sehr auffällig. Der Kopf ist insgesamt schmal, die Schnauze verjüngt sich nach vorne zu und läuft am Ende sehr spitz zusammen. Die Beine und Zehen sind sehr lang und schlank, dennoch äußerst kräftig für eine solch zierlich wirkende Echse. Auch der Bauchbereich ist bei gesunden Tieren relativ schlank.

Lebensweise

Kragenechse
vergrößern
Kragenechse

Allgemeines Verhalten, Thermoregulation

Kragenechsen sind in freier Natur einzelgängerische, am Tage aktive Tiere, welche die meiste Zeit des Tages auf Bäumen, Baumstümpfen oder in Büschen verbringen und in der Sonne oder im Schatten liegen. Dabei ist die Halskrause zusammengefaltet. Mit leicht bis völlig ausgefaltetem Kragen ist es der Kragenechse möglich, über feine Blutgefäße im Halskragen die Körpertemperatur zu kontrollieren und zu regulieren. Auf der großen, aber dünnen Fläche, welche dann auch noch dunkel gefärbt ist, fällt Sonnenlicht ein. Das Licht erwärmt in den feinen und feinsten Blutgefäßen (Kapillare genannt) das Blut, welches dann in den Körper zurückströmt und den gesamten Organismus erwärmt. Außerdem ist die Kragenechse, wie die meisten Echsen (Lacertilia), in der Lage, beim Sonnen ihre gesamte restliche Haut ebenfalls zu verdunkeln, um die Wärme besser aufnehmen zu können. Auch diese Fähigkeit sorgt für das Erreichen der "Betriebstemperatur", denn Kriechtiere (Reptilia) sind als wechselwarme Tiere von ihrer Umgebungstemperatur abhängig. Ist die Betriebstemperatur erreicht, wird die Haut heller.

Die Nacht verbringt die Kragenechse zumeist in Büschen und auf Bäumen, auch wenn sie am Tag auf dem Boden sehr flink sein kann. Zu heiße Tage werden ebenfalls im Schutz der von den Bäumen gespendeten Schatten verbracht, denn zu hohe Temperaturen sind noch gefährlicher, als gelegentlich zu tiefe Temperaturen.

Verteidigungsstrategien

Wird die Kragenechse beispielsweise von einem Dingo (Canis lupus dingo) überrascht, führt sie dem Räuber einen Bluff vor. Sie reißt das Maul auf und spreizt den dann bunt und grell gefärbten Kragen weit, um größer zu wirken als sie in Wirklichkeit ist. Zusätzlich gibt die Echse fauchende Laute von sich. Dies reicht in der Regel aus, um einen Diongo zu verjagen. Wird er der Echse dennoch zu aufdringlich, rennt sie mit hoher Geschwindigkeit davon. Dabei befähigen sie ihre langen Hinterbeine zum aufrechten rennen auf
Kragenechse mit gespreiztem Kragen
vergrößern
Kragenechse mit gespreiztem Kragen
zwei Beinen. Die Balance hält das Tier beim Rennen mit dem langen und muskulösen Schwanz, welcher hoch aufgestellt wird. Wird die Kragenechse dennoch mal von einem anderen Tier gefasst, weiß sie sich durch kräftige Schläge mit dem Schwanz, durch Kratzen mit den Krallen und durch Beißen mit dem starken Gebiss zu helfen.

Fortpflanzung

Die Balz beginnt nach der Regenzeit. Zum typischen Paarungsverhalten der Männchen gehört ein aufgeregtes Kopfnicken, dass vom Weibchen mit Armkreisen erwidert wird. Auch die Halskrause kommt beim Imponiergehabe des Männchens zum Einsatz. Ist ein Weibchen zur Paarung bereit, so steigt das Männchen auf den Rücken des Weibchens und verbeißt sich in ihrem Nacken. Das Weibchen legt ein Gelege mit 8 bis 14 Eiern an, das sorgsam im Boden vergraben wird. Nach rund 10 Wochen schlüpfen die Jungtiere. Die Kragenechse betreibt keine Brutpflege, dass heißt, die Jungtiere sind gleich nach dem Schlupf auf sich gestellt. Kragenechsen haben eine Lebenserwartung von gut 12 Jahren.

Ernährung

Beute und Beuteerwerb

Die Kragenechse jagt zumeist als Ansitzjäger. Sie sitzt auf einem Ast und hält von dort aus Ausschau nach potentieller Beute, welche für die Kragenechse von Insekten (Insecta), kleineren Echsen (Lacertilia), kleinen Säugetieren (Mammalia) wie Mäusen (Mus) sowie seltener von Vogel- und Reptilieneiern dargestellt wird. Als Schlüsselreiz wird die Bewegung eines Beutetieres angesehen. Diese regt die Echse an, ihr hinterher zu jagen. Sieht die Kragenechse ein Beutetier, springt oder klettert sie von dem Baum herunter und jagt ihr hinterher. Hat sie ein Beutetier erwischt, wird dieses nach sehr grobem Kauen im Ganzen verschlungen. Obwohl sie in der Regel von Bäumen Ausschau hält, gibt es auch Tage, an denen eine Kragenechse aktiv auf die Jagd geht und am Boden umherstreift.

Verbreitung

Vorkommen

Die Kragenechse ist auf natürliche Weise im Norden und Nordwesten von Australien sowie auf Neuguinea verbreitet. Es gibt Diskussionen bezüglich der Arten- und/oder Unterarten-Zugehörigkeit von den Kragenechsen in Australien und auf Neuguinea.

Lebensraum

Die Kragenechse lebt auf Grund ihrer Lebensweise bevorzugt in bewaldeten, aber dennoch nicht zu feuchten Gebieten. Allerdings ist sie beispielsweise in Neuguinea auch in tropischen Regenwäldern zu finden. Im Regelfall wird man die Echse in Baumsteppen und Trockenwäldern antreffen, selbst im tropischen Regenwald hält sie sich eher in den Randgebieten zu trockeneren Gefilden auf.

Die Steppen werden besonders durch jahreszeitlich wechselnde Temperaturen und Regengüsse charakterisiert. Steppen haben durchaus ausgeprägte Regen- und Trockenzeiten, es kann lange
Kragenechse
vergrößern
Kragenechse
Zeit kein Regen fallen, dann aber zeitweise auch wieder Wasser im Überfluss vorhanden sein. Frost wird die Kragenechse in Australiens Norden und auf Neuguinea keinen fürchten müssen, dazu sind diese Gebiete zu nah am Äquator liegen.

In Nordaustralien sowie Süd-Neuguinea gibt es auch Savannen. Diese erhalten regelmäßig Wasser aus den Wolkenausläufern der Regenwälder. Savannen haben wesentlich ausgeprägtere Trocken- und Regenzeiten. Die Ausläufer der Wolken regnen sich jahreszeitlich und vom dem entsprechend jeweiligen Sonnenstand abhängig ein bis maximal zwei mal pro Jahr nieder, zwischen zehn Breitengraden nördlich und südlich des Äquators können Savannen in der Nähe tropischer Regenwälder existieren.

Ökologie

Parasiten, Krankheiten

Es gibt eine Vielzahl von Parasiten, welche sich an und in Echsen wie der Kragenechse finden lassen können. Außenparasiten, sogenannte Ektoparasiten, können Milben (Acari) wie der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) oder andere Milben sein. Es gibt wesentlich weniger Außen- als Innenparasiten, die Endoparasiten. Unter ihnen sind die wichtigsten Bandwürmer (Cestoda), Fadenwürmer (Nematoda), Spulwürmer (Ascaris), Madenwurm (Enterobius vermicularis) sowie andere Darmnematoden im Verdauungstrakt. Sie können je nach Art zu Darmverschlüssen, Blutungen im Darm, zur Schwächung des Immunsystems und einige von ihnen durchaus auch zum Tode führen. Auch zu finden sein können Lungenwürmer (Rhabdasiden), die das Lungengewebe schädigen, sowie die zu den Gliederfüßern (Arthropoda) zählenden Zungenwürmer (Pentastomida), welche ebenfalls zu Gewebeschäden und Blutungen führen. Auch Bakterielle Erkrankungen und Darmerkrankungen, die auf Amöben wie Entamoeba invadens zurückzuführen sind, sind nicht selten festzustellen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern, den Prädatoren, umgangssprachlich als Fressfeinde bezeichnet, zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes), Raubtiere (Carnivora) wie Dingos (Canis lupus dingo) sowie Schlangen (Serpentes) wie zum Beispiel verschiedene Pythons (Pythonidae). Diese sind diejenigen, zu welchem Beuteschema durchaus auch Kragenechsen gehören.

Gefährdung und Schutz

In Deutschland unterliegt die Kragenechse keinem Schutzstatus, während Australien die Ein- und Ausfuhr streng kontrolliert, dort sind die Kragenechsen auch geschützt. Im südöstlichen Teil ihres Verbreitungsgebietes erlebten die Populationen der Kragenechse in den 1960er-Jahren einen herben Rückgang,
Australisches Warnschild vor Kragenechsen (Souvenir made in Australia)
vergrößern
Australisches Warnschild vor Kragenechsen (Souvenir made in Australia)
allgemein ist der Bestand jedoch glücklicherweise derzeit einigermaßen gesichert. In den Handel gelangen aufgrund der strengen Kontrollen kaum Tiere aus Australien, häufiger wird man geschwächte Wildfänge aus Neuguinea im Handel finden können, von deren Kauf allerdings sehr abzuraten ist. Dies ist auch eine Möglichkeit, die Ausbeute der natürlichen Bestände zu schützen, man sollte nur Tiere kaufen, bei denen man sich sicher sein kann, dass sie aus einer Terrariennachzucht stammen.

Anhang

Links

Literatur und Quellen

  • Hörenberg, T.: Ein echter Saurier im Terrarium: Die australische Kragenechse (Chlamydosaurus kingii). in vol. (50) 9:6 Reptilia. Münster 2004.
  • Reisinger, M.: Erfahrungen bei der Haltung und Vermehrung der Kragenechse Chlamydosaurus kingi. in vol. 3:3 Elaphe. Rheinbach 1995.
  • Manfred Niekisch: Reptilien und Amphibien, Tessloff Verlag, ISBN 3-7886-0260-0
  • Uwe Dost: Das KosmosBuch der Terraristik, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10129-0
  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 2 / Bd. 34. ISBN 3765394645
  • Neumann & Göbel: Amphibien und Reptilien, Neumann & Göbel Verlagsgesellschaft, ISBN 3625211335
'Persönliche Werkzeuge