Citharischius crawshayi

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Citharischius crawshayi

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Eumenophorinae
Gattung: Citharischius
Art: Citharischius crawshayi
Wissenschaftlicher Name
Citharischius crawshayi
Pocock, 1900

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:001920]

Die Art Citharischius crawshayi zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Citharischius. Im Englischen wird die Art king baboon tarantula genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Citharischius crawshayi gehört mit zu den größten Vogelspinnen Ostafrikas. Die Spinne erreicht eine Körperlänge von etwa 8 bis 9 Zentimeter und eine Beinspannweite von etwa 15 Zentimetern. Die Art ist am ganzen Körper einheitlich rehbraun bis rostrot gefärbt und weist kein Zeichnungsmuster auf. Der gesamte Körper ist nur mit kurzen Haaren besetzt. Die Art besitzt keine abstreifbaren Abdominalbehaarung zur Verteidigung. Die Chelicerenklauen erreichen ebenfalls gewaltige Ausmaße, sie werden bis zu 1,7 Zentimeter lang. Das Labium ist viel länge als breit, apikal leicht zugespitzt und abgerundet und ist länger als die Hälfte des Sternums. Die Hinterbeine des Weibchens sind sehr kräftig ausgebildet. Tarsus und ein Drittel des Metatarsus der Hinterbeine sind an den Innenseiten stark skopuliert, vermutlich, um beim Kokonbau genügend Haftung an der Höhlendecke zu gewährleisten. Die kräftigen Extremitäten erreichen bis zu 7 Millimeter Durchmesser. Die Beine des vierten Paares sind viel dicker als die des ersten Paares. Patella und Tibia IV sind deutlich länger als Patella und Tibia I. Das Männchen besitzt keine verdickten Hinterbeine auch als subadultes Exemplar nicht und wurde aufgrund dessen lange Zeit einer anderen Vogelspinnengattung zugeordnet. Das Männchen ist im Gegensatz zum Weibchen stark behaart. Des Weiteren besitzt das Männchen keine Tibialhaken für die Paarung.

Lebensweise

Citharischius crawshayi lebt ziemlich zurückgezogen. Die Spinne gräbt aufwendige Höhlen und Tunnels und verbringt die meiste Zeit in ihrer Wohnhöhle. Diese Art ist in der Nacht aktiv und lauert ihre Beute vor dem Höhleneingang auf. Die Spinne ist leicht reizbar, bissig und kann sehr laut stridulieren. Durch Gegeneinanderreiben der Pedipalpen und des ersten Beinpaares erzeugt sie - mit speziellen Stridulationsorganen des Femurs - ein stark zischendes und knisterndes Geräusch. Gleichzeitig spreizt sie die Cheliceren auseinander. Einmal gestört und ohne Rückzugsmöglichkeit (Flucht) nimmt die Spinne eine typische Verteidigungsstellung ein, indem sie den Vorderkörper und die vorderen Extremitäten, auf Hinterleib und Hinterbeine gestützt, anhebt und dem Angreifer die geöffneten Cheliceren zeigt. Durch kräftiges Schlagen mit den Vorderbeinen verschafft sie sich noch zusätzlich Respekt.

Citharischius crawshayi
vergrößern
Citharischius crawshayi

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Citharischius crawshayi befindet sich in Kenia. Der Lebensraum sind die mit Akazienbäumen und Gras bewachsenen Savannengebiete des Tsavo-East-Nationalparks. Hier lebt Citharischius crawshayi in Erdröhren entlang der Wurzeln von Bäumen und Sträuchern mit variabler Tiefe von etwa 0,5 Metern. An der Basis der Röhre befindet sich eine geräumige Kammer. In der Trockenzeit sind die Wohnröhren bis zur Unkennlichkeit mit Sand und Erde bedeckt. Nach der Regenzeit wird die Spinne aktiv und bereitet sich auf die Eiablage vor.

Ernährung

Citharischius crawshayi ernährt sich in ihrem natürlichen Lebensraum von Insekten (Insecta), von Eidechsen (Lacertidae), Mäusen (Mus) und von anderen kleinen Tieren. In Gefangenschaft kann die Ernährung vielfältig sein und besteht meist aus Grillen (Gryllidae), Heuschrecken wie Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) und aus Larven vom Mehlkäfer (Tenebrio molitor). Gelegentlich können ein- oder zweimal pro Monat auch Mäuse (Mus) verfüttert werden.

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft Citharischius crawshayi mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation baut das Weibchen ihre Wohnhöhle aus und bereitet sich auf die Eiablage vor. Die Brutpflege des Weibchens ist hochinteressant. Das Weibchen baut ihren Kokon in einer Art Hängematte an die Höhlendecke. Wie das Weibchen den Kokon baut, wurde bisher nicht noch dokumentiert und konnte auch noch nicht beobachtet werden. Ein etwa 1,5 Zentimeter breites Band aus Seide wird mit seinen Enden an der bereits ausgesponnenen Höhlendecke befestigt. Im Schwerpunkt dieses durchhängenden Bandes befindet sich der Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie in der Regel 100 bis 200 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Citharischius crawshayi
vergrößern
Citharischius crawshayi

Update 4. November 2008 <1>

  • Citharischius crawshayi - Pocock, 1900
  • Citharischius crawshayi - Pocock, 1900f
  • Citharischius crawshagi - Bonnet, 1956
  • Citharischius crawshayi - Smith, 1990c
  • Citharischius crawshayi - Schmidt, 1993d
  • Citharischius crawshayi - Peters, 1998
  • Citharischius crawshayi - Peters, 2000a

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge