Coruro

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Coruro

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Stachelschweinverwandte (Hystricognatha)
Teilordnung: Hystricognathi
Überfamilie: Trugrattenartige (Octodontoidea)
Familie: Trugratten (Octodontidae)
Unterfamilie: Octodontinae
Tribus: Octodontini
Gattung: Spalacopus
Art: Coruro
Wissenschaftlicher Name
Spalacopus cyanus
(Molina, 1782)

IUCN-Status

Der Coruro (Spalacopus cyanus) zählt innerhalb der Familie der Trugratten (Octodontidae) zur Gattung Spalacopus. Im Englischen wird die Art ebenfalls Coruro genannt. Es sind 3 Unterarten bekannt, innerhalb seiner Gattung ist der Coruro die einzige Art (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde der Art sind nicht bekannt. Die ältesten fossile Funde von Arten der Familie der Trugratten (Octodontidae) wurden den Gattungen Eucelophorus, Actenomys und Xenodontomys zugeordnet und stammen im Wesentlichen aus Argentinien. Die genannten Gattungen stehen in engem Zusammenhang mit der Gattung Spalacopus (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Erkennung und Unterschiede

Der Coruro ist eine mittelgroße grabende Art. Das Fell ist schwarz, die Ohren und der Schwanz sind kurz. Die nächsten Verwandten des Coruro sind die Vertreter der Gattung der Tukotukos (Ctenomys). Die sympatrischen Arten dieser Gattung sind jedoch größer, schwerer und ihr Fell ist bräunlich gefärbt. Als einzige Art der Trugratten hat der Coruro hervorstehende Schneidezähne. Alle anderen Trugratten haben orthodonte (von altgr. orthós, gerade und odóntos, Zähne) oder opisthodonte (von altgr. opisthen‚ hinten und odóntos, Zähne) Zähne (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Coruro erreicht je nach Unterart und Geschlecht unterschiedliche Maße. Männchen der Nominalform erreichen eine Gesamtlänge von 155 bis 205 (176) mm, eine Schwanzlänge von 31 bis 50 (41) mm, eine Hinterfußlänge von 21 bis 33 (28) mm, eine Ohrlänge von 8 bis 12 (10) mm sowie ein Gewicht von 83 bis 105 (81) g. Weibchen der Nominalform erreichen eine Gesamtlänge von 142 bis 204 (170) mm, eine Schwanzlänge von 28 bis 49 (39) mm, eine Hinterfußlänge von 23 bis 31 (28) mm, eine Ohrlänge von 8 bis 12 (10) mm sowie ein Gewicht von 43 bis 119 (73) g. Die Augen sind mit einem Durchmesser von 5,5 mm eher klein. Das Fell ist schwarz gefärbt, gelegentlich zeigt sich in der ventralen Region ein weißlicher Fleck. Die Vorderfüße sind kräftig entwickelt und mit starken Klauen versehen. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3. Die oberen Schneidezähne sind lang und stehen im Winkel von 117° nach vorne. Der Schädel ist kurz, breit und abgeflacht. Die nasale Regiion ist kurz. Der Femur weist einen vergrößerten dritten Trochanter auf. Der Magen ist einfach aufgebaut, der Blinddarm (Cecum) ist klein und einfach. Die Körpertemperatur liegt bei 36,5°C (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Lebensweise

Coruros sind für nacht- als auch tagaktiv. Die Tiere leben in kleinen Kolonien mit bis zu 15 Individuen. In der Regel handelt es sich bei einer Kolonie um eine Familiengruppe. Die Tunnel weisen einen Durchmesser von 5 bis 7 cm auf und verlaufen meist in Tiefen von kaum mehr als 10 cm. Diese flachen Tunnel dienen hauptsächlich der Nahrungssuche. Eine andere Art von Tunnel verläuft in Tiefen von 40 bis 60 cm. Diese Tunnel sind kürzer, dienen jedoch den Tieren über einen längeren Zeitraum. In dieser Tiefe befindet sich auch die Wohn- bzw. Nistkammer. Ein Nest weist einen Durchmesser von etwa 20 cm aus und ist mit weichen Gräsern gepolstert. Die Reviere der Coruros erstrecken sich über 24 bis 62 (40) m². Das Revier eines Individuums deckt sich mit demRevier einer Kolonie (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005:

Verbreitung

Die Art ist in Chile westlich der Anden bis zur Pazifikküste endemisch. In den Küstenregionen ist der Coruro von Caldera bis Quirihue und in den Anden von Alicahue bis Los Cipreses anzutreffen. In Höhenlagen ist die Art bis in Höhen von etwa 3.500 m über NN zu Hause. Die Tiere besiedeln je nach Vorkommen alpines Grasland, sandiges Grasland in der Ebene, Akaziensavannen und Buschland (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Biozönose

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere Bussarde (Buteo), der Wüstenbussard (Parabuteo unicinctus), der Buntfalke (Falco sparverius), Virginia-Uhu (Bubo virginianus), der Argentinische Graufuchs (Pseudalopex griseus), der Kleingrison (Galictis cuja) und die Pampaskatze (Oncifelis colocolo) (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Ernährung

Coruros sind strickte Pflanzenfresser. Auf der Speisekarte stehen beispielsweise Schwertliliengewächse (Iridaceae) und Zwiebelgewächse (Allioideae). Die Nahrungssuche erfolgt in Tunnel, die nahe der Erdoberfläche verlaufen (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Fortpflanzung

In einer Saison kommt es zu bis zu 2 Würfen. Ein Wurf besteht aus 1 bis 3 (2,2) Jungen, die Tragezeit beträgt 77 Tage. Die nackte Haut ist bei der Geburt schwärzlich gefärbt. Die Jungtiere öffnen im Alter von 10 bis 12 Tagen erstmals ihre Augen. Das Geschlechterverhältnis von Männchen zu Weibchen liegt bei einem Wurf bei 1:0,88. ImAltervon 2 Monaten wird der Nachwuchs von der Muttermilch abgesetzt. Die Lebenserwartung liegt unter günstigen Umständen bei 6 Jahre (Torres-Mura & Contreras, 1998).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Coruro gehört nach Angaben der IUCN noch nicht zu den bedrohten Arten und wird daher in der Roten Liste in der Kategorie LC, Least Concern geführt. In der chilenischen Roten Liste wird die Art als bedroht eingestuft. Die größte Bedrohung gehr von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere von der Abholzung und der Überweidung aus (IUCN, 2013).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder, 2005, ist der Coruro unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind Spalacopus ater (F. Cuvier, 1834), Spalacopus noctivagus (Poeppig, 1835), Poephagomys cyanus F. Cuvier, 1834, Psammoryctes cyanus Poeppig, 1835 und Spalacopus tabanus Thomas, 1925. Die genannten Synonyme sind ungültig.

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge