Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne

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Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Chromatopelma
Art: Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Chromatopelma cyaneopubescens
Strand, 1907

Die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne (Chromatopelma cyaneopubescens) ist eine tropische Spinne aus der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) und zählt als einzigste Art innerhalb der Unterfamilie Theraphosinae zur Gattung Chromatopelma. Erstmals beschrieben wurde die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne im Jahre 1907 von dem Norweger Embrik Strand.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Lebensweise und Fortpflanzung

Die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne erreicht eine Länge von 50 bis 70 mm Länge, die Beinspannweite beträgt dabei bis über 150 mm. Die Oberseite der Kopfbrust (Carapax) glänzt metallisch grün, selten auch leicht bläulich. Das Abdomen, also der Hinterleib ist schwarz mit langen, roten Brennhaaren. Die Gliedmaßen sind lang und metallisch blau bis schwarz. Juvenile Tiere sind auffällig schwarz gezeichnet auf dem Abdomen.

Die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne ist überwiegend nachtaktiv. Sie bewohnt sowohl Bäume und Büsche, als auch Höhlen im Boden. In den jeweiligen Lebensräumen legen sie ein dicht gesponnenes Höhlen- oder Röhrennetz an. Um den Schlupfwinkel herum legen sie Warnfäden an, um Beutetiere früh genug erkennen zu können.

Chromatopelma cyaneopubescens
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Chromatopelma cyaneopubescens

Die Fortpflanzung findet vogelspinnentypisch statt. Das Männchen spinnt ein Samennetz auf den Boden und legt dort ein Samenpaket drauf, die Samenflüssigkeit wird dann mit den Bulben aufgenommen. Trifft er auf ein Weibchen, trommelt und zittert er auf den Warnfäden vor dem Bau des Weibchens, welches bei Paarungsbereitschaft dieses Trommeln erwidert. Dann "umarmen" sich die beiden Geschlechtspartner und das Männchen führt den mit Samen gefüllten Bulbus in die Geschlechtsöffnung am Bauch des Weibchens ein, wo er die Eier befruchtet. Die Eier werden bis zu acht Wochen ausgetragen, anschließend in einem Kokon aus Spinnenseide abgelegt. Dort entwickeln sich die Jungspinnen in den Eiern, während das Weibchen den Kokon und den Bau verteidigt. Die juvenilen Spinnen sind etwa 5 mm lang und ernähren sich in der ersten Zeit vor allem von Milben und kleinen Ameisen.

Die Geschlechtsreife wird nach zwei bis drei Jahren erreicht, die Lebenserwartung beträgt in der Natur bis rund 12 Jahren, in Gefangenschaft bis zu 18 Jahren. Männchen sterben meist nach der Paarung, sie haben ihren Dienst erledigt. Wie alle Spinnen müssen auch die Vogelspinnen sich regelmäßig häuten, Jungtiere mehrmals im Jahr, adulte Tiere nur noch ein bis zwei Mal im Jahr.

Verbreitung

Die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne lebt in trockenen bis mäßig feuchten Wäldern an den Küsten Venezuelas, besonders auf der Halbinsel Curacao im Norden Venezuelas. Bevorzugt an Bäumen mit Astlöchern lebend, aber auch in Erdhöhlen, wie zum Beispiel verlassene Kleintierbauten. Auch kommt die Spinne gelegentlich als Kulturfolger in Gärten vor, wo sie sich besonders an und in Mauern aufhält.

Ernährung

Chromatopelma cyaneopubescens
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Chromatopelma cyaneopubescens

Überwiegend ernährt sich die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne von kleinen Gliederfüßern wie Insekten (Insecta), besonder gerne frißt sie Käfer (Coleoptera). Auch kleine Säugetiere, vor allem junge Mäuse (Mus), und kleine Echsen (Lacertilia) stehen auf ihrem Speiseplan. Vögel fressen Vogelspinnen fast gar nicht, lediglich aus dem Nest gefallene Küken oder verletzte Kolibris (Trochilidae) werden verzehrt. Aufmerksam gemacht wird die Spinne auf die potentielle Beute durch ein Gespinnst aus Warnfäden vor der Wohnhöhle. Tritt ein Insekt oder anderes Tier darauf, zittern die Fäden aus Spinnenseide. Dieses Zittern spürt die Spinne. Getötet wird die Beute durch einen Giftbiss. Das Gift verflüssigt die Beute innerlich, die Spinne "trinkt" sie dann aus. Die Gifte von Spinnen werden überwiegend für den Beuteerwerb und die Verteidigung produziert. Das Gift der Cyanblauen Venezuela-Vogelspinne ist für gesunde und erwachsene Menschen nicht tödlich, aber der Biss ist sehr schmerzhaft -ein Arztbesuch sollte nicht gemieden werden.

Prädatoren und Verteidigung

Prädatoren gibt es nicht viele, gefährlicher sind Säugetiere, welche die Spinnen zertreten könnten. Dazu zählen zum Beispiel Tapire (Tapiridae). Auch Parasiten gibt es wesentlich mehr als Prädatoren. Zu den Parasiten der Cyanblauen Venezuela-Vogelspinne zählen vor allem Schlupfwespen (Ichneumonidae) und Fadenwürmer (Nematoda). Die Schlupfwespen betäuben die Spinne und legen durch einen Legebohrer zumeist ein einzelnes Ei in die Spinne. Aus dem Ei schlüpft dann eine junge Schlupfwespe, welche sich dann von der Vogelspinne ernährt, solange diese lebt. Vorerst entstehen keine gar all zu großen Schäden, nach und nach geht die Spinne an den inneren Verletzungen ein.

Die Cyanblaue Venezuela-Vogelspinne hält Flucht für die beste Verteidigung. Kommen größere Tiere auf den Bau der Spinne zu, so versucht die Vogelspinne zunächst zu fliehen. Wird sie aufgehalten, streift sie die langen Haare vom Hinterleib ab und schleudert sie dem Angreifer ins Gesicht. Die Haare sind mit Nesselkapseln gefüllt und verursachen starkes Brennen auf der Haut, sowie schwere Lungenschäden, sollten sie eingeatmet werden. Aufgrund dieser Fähigkeit der Verteidigung werden Spinnen, die schmerzhafte Haare wegschleudern, auch Bombadierspinnen genannt, die Haare heißen wegen des brennenden Schmerzes Brennhaare. Sollte der Angreifer auch von dieser Verteidigungsmaßnahme nicht abgeschreckt worden sein, beißt die Spinne in letzter Konsequenz schmerzhaft zu und injiziert ihr Gift.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Volker von Wirth: Vogelspinnen, Gräfe und Unzer Verlag, ISBN 3-7742-6821-5
  • Uwe Dost: Das KosmosBuch der Terraristik (u.a. allgemeine Vogelspinnenliteratur, nicht artspezifisch), Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-10129-0
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