Darwinfuchs

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Darwinfuchs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Hunde (Canini)
Gattung: Lycalopex
Art: Darwinfuchs
Wissenschaftlicher Name
Lycalopex fulvipes
Martin, 1837

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Darwinfuchs (Lycalopex fulvipes; Syn. Pseudalopex fulvipes) zählt innerhalb der Familie der Hunde (Canidae) zur Gattung Lycalopex. Im Englischen wird die Art Darwin's Fox genannt. Benannt wurde der Darwinfuchs nach seinem Entdecker Charles Darwin.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Darwinfuchs erreicht je nach Geschlecht eine unterschiedliche Größe und ein unterschiedliches Gewicht. Ein Männchen erreicht nach Jimenez, 2004, eine Körperlänge von 525 bis 557 (540) mm, eine Schwanzlänge von 195 bis 240 (224) mm, eine Hinterfußlänge von 99 bis 111 (107) mm, eine Ohrlänge von 61 bis 75 (67) mm sowie ein Gewicht von 2,8 bis 3,95 (3,26) Kilogramm. Ein Weibchen erreicht eine Körperlänge von 480 bis 550 (514) mm, eine Schwanzlänge von 175 bis 250 (219) mm, eine Hinterfußlänge von 93 bis 110,5 (103) mm, eine Ohrlänge von 52 bis 71 (64) mm sowie ein Gewicht von 2,55 bis 3,7 (2,91) Kilogramm. Weibchen bleiben demnach kleiner und leichter als Männchen. Der Körper zeichnet sich durch eine längliche Form, kurze Beine und einen relativ kurzen aber buschigen Schwanz aus. Das dichte Fell weist eine schwärzliche Färbung auf, wobei die Haarspitzen gräulich gefärbt sein können. Im Bereich des Kinnes kann sich eine leicht weißliche Färbung zeigen. Eine ähnlichen Färbung zeigt sich ventral. Außer einem Größenunterschied zeigt sich zwischen den Geschlechtern kein Dimorphismus. Das kräftige Gebiss besteht aus 42 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m2/3 (Jimenez & McMahon, 2004).

Lebensweise

Je nach Lebensraum und Vorkommen sind Darwinfüchse sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. In Regionen, wo sie sympatrisch mit anderen Füchsen vorkommen, verlagern Darwinfüchse ihre Hauptaktivitäten auf die Nacht. Außerhalb der Paarungszeit leben beide Geschlechter einzelgängerisch, während der Paarungszeit in kleinen Familiengruppen. Darwinfüchse sind nur wenig territorial und die Streifreviere einzelner Individuen können sich überschneiden. Die Kommunikation im Nahbereich erfolgt visuell, taktil, akustisch und olfaktorisch. Die Sinne der Darwinfüchse sind gut entwickelt. Dies trifft vor allem auf das Gehör zu (Jimenez & McMahon, 2004).

Verbreitung

Der Darwinfuchs ist in einem kleinen Gebiet im zentralen Chile endemisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Insel Chiloé und dem angrenzenden Festland. Die meisten Tiere leben im Nationalpark Chiloé sowie im Nahuelbuta-Nationalpark. Darwinfüchse bewohnen hauptsächlich Primär- und Sekundärwälder mit altem Baumbestand und Waldränder. Bei den Wäldern handelt es sich meist um immergrüne Mischwälder. In der Nähe des Menschen sind die Tiere gelegentlich auf landwirtschaftlichen Flächen zu beobachten. Auf der Insel Chiloé leben die Tiere hauptsächlich in niedrigen Lagen, im Nahuelbuta-Nationalpark auf dem Festland hauptsächlich in höheren Lagen zwischen 950 und 1.460 Meter über NN (Jimenez & McMahon, 2004).

Prädatoren

Über mögliche natürliche Feinde ist nur wenig bekannt. Nachgewiesen sind nur der Puma (Puma concolor) und einige größere Greifvögel (Falconiformes). Letztere haben es meist nur auf juvenile Füchse abgesehen.

Ernährung

Darwinfüchse sind opportunistische Allesfresser. Die aufgenommene Nahrung schwankt mit der saisonalen Verfügbarkeit der Beutetiere. In mehreren Felduntersuchungen haben Jaksi, Jiménez, Medel und Marquet (1990) die Nahrungsaufnahme und die Beutetiere unter sucht. Prozentual entfallen 46,1 % auf Säugetiere (Mammalia), 11,1% auf Vögel (Aves), 22,4% auf Kriechtiere (Reptilia), 20,1% auf Insekten (Insecta) und 0,3% auf Spinnentiere (Arachnida). Etwa 17.8% der Nahrung entfällt auf pflanzliche Kost. Nachgewiesen werden konnten vor allem kleine Säugetiere wie Chiloé-Beutelratten (Dromiciops gliroides), Südliche Pudus (Pudu puda), Südamerikanische Grasmäuse (Akodon), Großohrmäuse (Auliscomys), Chile-Ratte, (Irenomys tarsalis), Edwards-Langkrallenmaus (Notiomys edwardsii), Reisratten (Oryzomys), Blattohrmäuse (Phyllotis), Hausratten (Rattus rattus), Südamerikanische Felsenratten (Aconaemys), Walddegus (Octodon bridgesi) und Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus). Zu einem kleinen Teil werden auch Vögel wie Langschnabelsittiche (Enicognathus), Chile-Kolibris (Sephanoides), Bürzelstelzer (Rhinocryptidae) sowie Kriechtiere aus der Gattung der Erdleguane (Liolaemus). An Insekten werden vor allem Käfer (Coleoptera), Hautflügler (Hymenoptera) und Geradflügler (Orthoptera) gefressen. Spinnentiere werden ebenfalls nicht verschmäht. Die Nahrungssuche erfolgt meist in der Nacht, seltener auch am Tage (Jaksi, Jiménez, Medel & Marquet, 1990; Jimenez & McMahon, 2004).

Fortpflanzung

Darwinfüchse erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Sie leben für gewöhnlich einzelgängerisch, während der Paarungs- und Aufzuchtzeit bilden sich jedoch monogame Familiengruppen. Die Paarungszeit beginnt in der Regel im Oktober. Die genaue Tragezeit ist nicht bekannt, wird jedoch auf 55 bis 65 Tage geschätzt. Ein Weibchen bringt in ihrem Erdbau 2 bis 3 Jungtiere zur Welt. Die Säugezeit erstreckt sich über rund 50 bis 60 Tage. Ab der vierten Lebenswoche nehmen die Welpen bereits ihre erste feste Nahrung zu sich und lassen sich erstmals vor dem Bau blicken. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmern sich sowohl die Mutter als auch der Vater. Das Familienleben gestaltet sich ausgesprochen sozial, herangebrachte Nahrung wird unter allen Mitgliedern einer Gruppe gerecht geteilt. Der Zeitpunkt der Selbständigkeit ist nicht bekannt. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei etwa 7 Tagen (Jimenez & McMahon, 2004).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Darwinfüchse gehören zu den am stärksten gefährdeten Säugetieren überhaupt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als kritisch gefährdet (CR, Critically Endangered) geführt. Auch wenn die meisten der verbliebenen Tiere in Nationalparks oder an deren Rändern leben, stehen sie zahlreichen Gefahren gegenüber. Eine große Gefahr stellen insbesondere größere verwilderte Hunde dar, die den Füchsen nachstellen. Aber auch Krankheiten werden von Haushunden übertragen und dezimieren die Populationen zusehens. Die Gesamtpopulation wird heute auf weniger als 250 Individuen (Stand 2008) geschätzt. Die meisten Tiere, etwa 90% leben auf der Insel Chiloé. Die restlichen Tiere leben auf dem Festland (Jimenez & McMahon, 2004; McMahon, 1999).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hunde (Canidae)
  • Die Ordnung der Raubtiere (Carnivora)

Literatur und Quellen

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