Diademsifaka

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Diademsifaka

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Indriartige (Indriidae)
Gattung: Sifakas (Propithecus)
Art: Diademsifaka
Wissenschaftlicher Name
Propithecus diadema
Bennett, 1832

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Diademsifaka (Propithecus diadema) zählt innerhalb der Familie der Indriartigen (Indriidae) zur Gattung der Sifakas (Propithecus). Im Englischen wird die Art Diademed Sifaka genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Innerhalb der Gattzung der Sifakas (Propithecus) sind die Diademsifakas die größte Art. Sie erreichen eine Körperlänge von 50,1 bis 50,9 Zentimeter und weisen ein Gewicht von 6,5 bis 6,7 Kilogramm auf. Die Geschlechter weisen nur einen geringen Dimorphismus in der Größe auf. Männchen bleiben unwesentlich kleiner und leichter als Weibchen. Bei den Männchen zeigt sich im Brustbereich ein bräunlicher Fleck. Hier liegen Drüsen, deren Sekret der Reviermarkierung dient. Das gräuliche bis silbergraue Fell im Bereich der Schultern und des Rückens ist lang und seidenweich. Das haarlose Gesicht ist schwarz gefärbt. In diesem dunklen Gesicht stechen die rötlich-braun gefärbten Augen deutlich hervor. Umgeben ist das Gesicht mit einem Kranz aus langen weißlichen Haaren. Im Nackenbereich ist das Fell überwiegend schwärzlich gefärbt. Die Beine und Arme sind bis auf die schwärzlichen Hände und Füße hell orange gefärbt. Das Fell im Bereich der Brust ist weißlich gefärbt. Die Beine sind ausgesprochen lang und sind charakteristisch für die Fortbewegungsweise. Sie gelten als ausgezeichnete Springer in den Bäumen. Im Ruhezustand sind die Knie an die Brust herangezogen (Groves, 2001; Mittermeier et al., 2006, 2006a).

Lebensweise

Diademsifakas leben in geselligen Gruppen mit 3 bis 8 (4,8) Individuen. Es treten sowohl monogame als auch polygame Gruppenstrukturen auf. Je größer eine Gruppe, desto eher ist eine polygame Struktur erkennbar. Die Gruppendynamik ist jedoch relativ groß. Eine Gruppe besteht meist aus mehreren Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs. Eine Gruppe wird von einem adulten Weibchen dominiert. Alle anderen Gruppenmitglieder sind dem dominanten Weibchen untergeordnet. Damit reagieren Diademsifakas auf verschiedene Umweltfaktoren wie den Wettbewerb um Nahrungsressourcen mit anderen Gruppen oder anderen Tierarten, saisonalen Schwankungen im Nahrungsaufkommen oder auch die Präsenz von Prädatoren. Das Repertoire an Lauten ist bei Sifakas im Allgemeinen eher gering. Nachgewiesen sind 7 verschiedene Laute. Die meisten Laute weisen eine niedrige Frequenz auf und erinnern an einem Brummen. Verschiedene Ausrufe sind innerhalb der sozialen Kommunikation, während der Nahrungssuche und bei der Bedrohung durch natürliche Feinde zu hören. Letztere sind gleichzeitig die lautesten Ausrufe. Ein weiterer wichtiger Sinn ist der olfaktorische Sinn. Duftdrüsen zur Reviermarkierung sind insbesondere im Bereich der Brust und in der Analogenitalregion zu finden. Weibchen weisen jedoch keine Drüsen im Brustbereich auf. Weibchen markieren daher nur durch Reiben des Genitalbereiches am Substrat. Neben den Drüsensekreten dient den Tiere auch Urin der Reviermarkierung. Als tagaktive Tiere ruhen bzw. schlafen Diademsifakas in der Nacht an sicheren Plätzen. Dies ist zumeist hoch oben in den Bäumen der Fall. Am Tag verbringen die Tiere rund 49,4% ihrer Zeit mit Ruhephasen, 37,8% mit Nahrungssuche, 2,4% mit soziale Aktivitäten und etwa 5,1% mit Wanderungen. Die Größe des Reviers der durchaus territorialen Diademsifakas ist nicht bekannt. Es wird jedoch geschätzt, dass die Reviergröße der Diademsifakas mit der der Edwards-Sifaka (Propithecus edwardsi) und Perrier-Sifaka (Propithecus perrieri) vergleichbar ist. Diese liegt je nach Gruppengröße, Lebensraum und Nahrungsressourcen bei 0,01 bis 0,44 km². Nach Irwin (2006b) bewegen sich Diademsifakas pro Tag zwischen 987 und 1.629 Meter zurück.

Unterarten

Im folgenden die Unterarten nach Wilson & Reeder, 2005. <1>

Verbreitung

Diademsifakas sind im Nordosten von Madagaskar endemisch. Das Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich hier vom Onive Rivers nördlich bis zum Mananara Nord River. In den südlichen Regionen reicht das Verbreitungsgebiet an die Grenzen der Verbreitung der Edwards-Sifaka (Propithecus edwardsi) heran. Lokal überlappen sich die Verbreitungsgebiete (Andriaholinirina & Rabarivola, 2004; Groves, 2001). Der bevorzugte Lebensraum der Diademsifaka sind meist feuchte Regenwälder. Trockene Waldgebiete werden in der Regel gemieden. Die Lebensräume liegen in durchschnittlicher Höhe zwischen 200 und 1.625 (800) Metern über NN. Während der Regenzeit herrschen in den natürlichen Lebensräumen Temperaturen zwischen 36 und 40°C, in der Trockenzeit zwischen 4 bis 12°C. Die Gesamtbestände der Diademsifakas werden aktuell (Stand 2007) auf kaum mehr als 900 Tiere geschätzt (Banks et al., 2007).

Biozönose

Prädator: die Fossa (Cryptoprocta ferox)
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Prädator: die Fossa (Cryptoprocta ferox)

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes). Greifvögel stellen hauptsächlich den Jungtieren und subadulten Tieren nach. Hin und wieder erbeuten auch Schlangen (Serpentes) wie die Madagaskar-Boa (Acrantophis madagascariensis) oder die Südliche Madagaskarboa (Acrantophis dumerili) einen Diademsifaka. Unter den terrestrischen Feinden ist insbesondere die Fossa (Cryptoprocta ferox) zu nennen. Sie hat es sowohl auf adulte als auch auf juvenile Diademsifakas abgesehen. Diademsifakas sind ausgesprochen wachsam und immer auf der Hut vor natürlichen Feinden. Bei Gefahr flüchten die Tiere ins Geäst schutzbietender Bäume.

Parasiten und Bakterien

Neben den natürlichen Feinden treten beim Diademsifaka auch zahlreiche Ekto- und Endoparasiten in Erscheinung. Besonders lebensbedrohlich wirken sich Bandwürmer (Cestoda) sowie potenziell infektiöse Bakterien (Schizomycetes) wie Streptokokken (Streptococcus) und Bakterien der Gattung Enterobacter aus.

Sympatrie

Diademsifakas leben in Sympatrie mit zahlreichen anderen Primatenarten. An der Ostküste Madagaskars sind dies je nach Vorkommen und Lebensraum Östliche Wollmakis (Avahi laniger), Schwarzweiße Varis (Varecia variegata), Fingertier (Daubentonia madagascariensis), Edwards-Sifakas (Propithecus edwardsi), Breitschnauzen-Halbmakis (Prolemur simus), Graue Halbmaki (Hapalemur griseus), Braune Makis (Eulemur fulvus), Braune Mausmakis (Microcebus rufus), Rotbauchmaki (Eulemur rubriventer) und Kleinzahn-Wieselmakis (Lepilemur microdon). Die Konkurrenz kann sich sowohl auf den Lebensraum als auch auf die Nahrungsressourcen beziehen.

Ernährung

Diademsifakas ernähren sich als Pflanzenfresser hauptsächlich von Blättern. Sie sind demnach folivore Pflanzenfresser. Je nach Jahreszeit ernähren sie sich aber auch von Früchten, Sämereien und Blüten. Während der Trockenzeit stehen hauptsächlich Blätter auf der Speisekarte. An die karge Kost ist das Verdauungssystem optimal angepasst. Der Blinddarm (lat. Caecum) ist deutlich vergrößert, die Nahrung passiert relativ langsam dem Magen-Darm-Trakt. Für die Nahrungssuche und -aufnahme wenden Diademsifakas etwa 22% ihrer aktiven Zeit auf. Als tagaktive Tiere gehen Diademsifakas am Tage auf Nahrungssuche. Passende Nahrung wird wahrscheinlich über den olfaktorischen Sinn lokalisiert.

Fortpflanzung

Diademsifakas erreichen die Geschlechtsreife mit gut 4 bis 5 Jahren. Männchen erreichen die Geschlechtsreife meist ein Jahr nach den Weibchen. Die Fortpflanzung ist saisonal, die Paarungen erfolgen zwischen Dezember und Januar. Zu den Geburten kommt es meist zwischen Mai und Juli. Während der Empfänglichkeit der Weibchen sind die Genitalien leicht angeschwollen und rosafarben gefärbt. Bei den Männchen sind während dieser Zeit die Hoden deutlich vergrößert. Die Kopulation erstreckt sich meist nur über wenige Sekunden. Nachgewiesen ist eine durchschnittliche Kopulationsdauer von 30 bis 90 Sekunden. Zwischen 2 Geburten liegen rund 1,5 bis 2 Jahre. Weibchen bringen nach einer Tragezeit von 175 bis 179 Tagen meist ein Jungtier zur Welt. Ein Jungtier weist ein Geburtsgewicht von 150 bis 160 Gramm auf. In den ersten Lebenswochen kümmert sich ausschließlich die Mutter um den Nachwuchs, später auch andere Gruppenmitglieder. Der Nachwuchs wird in den ersten Lebenswochen am Bauch getragen, später reiten die Jungen auf dem Rücken der Mütter oder anderer Gruppenmitglieder. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt im fünften Lebensmonat. Die Lebenserwartung der Diademsifakas in freier Wildbahn ist nicht bekannt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Diademsifakas zählen heute zu den stark bedrohten Primatenarten. In der Roten Liste wird die Art daher als solches (EN, Endangered) geführt. Die Bedrohung geht auf Madagaskar von zahlreichen Faktoren aus. Dies sind insbesondere die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, die Bejagung durch den Menschen, das Fangen für den illegalen Tierhandel und die allgemeine Umweltverschmutzung.

Die größte Bedrohung geht heute zweifelsohne von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume aus. In weiten Teilen Madagaskar wurde in den letzten Jahrzehnten der tropische Regenwald zugunsten von Siedlungsraum und landwirtschaftlichen Flächen vernichtet. Auch der Bergbau dringt immer weiter in die Lebensräume der Primaten vor. Das Holz landet in der Holzindustrie, in der Köhlerei oder wird als Brennholz verheizt. Es geht dem Menschen mitunter nicht schnell genug, daher werden Wälder nicht selten brandgerodet. Das Umwandeln von Waldflächen in landwirtschaftliche Flächen laugt die Böden aus, so dass Felder nur für wenige Jahre fruchtbar sind. Wächst auf den Feldern nichts mehr, so wird neuer Wald gerodet - ein Teufelskreislauf. Brände werden in den Wäldern nicht immer vom Menschen gelegt. Gelegentlich kommt es auch zu natürlicher Entzündung wie beispielsweise durch ein Blitzeinschlag. Der Lebensraum der Diademsifakas ist heute nur noch rudimentär vorhanden und stark fragmentiert. Ein Austausch zwischen den Populationen ist kaum mehr möglich und es droht eine genetische Vereinsamung. Die gerodeten Wälder werden meist für landwirtschaftlichen Flächen, insbesondere für Plantagen, erschlossen. Angebaut werden hauptsächlich Zuckerrohr (Saccharum officinarum) oder ähnliche Pflanzen. Aus dem Zuckerrohr wird insbesondere Rum hergestellt. Die Holz- und Möbelindustrie hat es vor allem auf hochwertige Hölzer abgesehen. Hier sind insbesondere Dalbergien (Dalbergia), auch als Palisander bekannt, sowie verschiedene Ebenholzgewächse (Ebenaceae). Pro Jahr wird Holz im Wert von mehreren Millionen US$ illegal in den madegassischen Wäldern geschlagen. Besonders betroffen ist der Nordosten Madagaskar. Die Holzfäller machen auch vor den wenigen Nationalparks wie dem Masoala-Nationalpark keinen Halt (Mittermeier et al., 2008).

Nach der Vernichtung der Lebensräume stellt die Bejagung und der Wildfang der Diademsifakas die nächst größere Gefahr dar. Dabei haben Diademsifakas noch viel Glück, denn der Verzehr von Primatenfleisch ist bei den meisten Menschen auf Madagaskar tabu. Dennoch werden nicht wenige Tiere für den illegalen Buschfleischmarkt getötet. Zudem ist zu bemerken, dass steigende Armut der madagassischen Bevölkerung mit einer steigenden Bejagung einher geht. Die Jagd auf die Tiere erfolgt mit Schusswaffen, Steinschleudern, Blasrohren, Drahtschlingen oder Fallen. Ein getöteter Diademsifaka bringt einem Wilderer rund 4 US$ (Patel et al., 2005). Auch vor Madagaskar hat der globale Klimawandel keinen Halt gemacht. Schon heute sind eine dramatische Verringerung der Niederschläge zu beobachten. Eine lang anhaltende Dürre geht nicht selten mit einer Erhöhung der Gefahr von Buschfeuern und dem Absterben von Pflanzen einher (Mittermeier et al., 2008).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • [1] Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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