Dickschwanzbeutelratte

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Dickschwanzbeutelratte
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Beutelrattenartige (Didelphimorphia)
Familie: Beutelratten (Didelphidae)
Gattung: Lutreolina
Art: Dickschwanzbeutelratte
Wissenschaftlicher Name
Lutreolina crassicaudata
(Desmarest, 1804)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Dickschwanzbeutelratte (Lutreolina crassicaudata) zählt innerhalb der Familie der Beutelratten (Didelphidae) zur Gattung Lutreolina. Im Englischen wird die Art Little Water Opossum, Thick-tailed Opossum oder Lutrine Opossum genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung und Unterschiede

Die Dickschwanzbeutelratte kann kaum mit anderen Arten verwechselt werden. Eine vage Ähnlichkeit zeigt sich lediglich zum Schwimmbeutler (Chironectes minimus), der jedoch etwas größer ist. Weitere Unterschiede zeigen sich in der Morphologie des Schwanzes und im Aktivitätsmuster (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Dickschwanzbeutelratte ist eine mittelgroße, semi-aquatische Beutelratte mit einem wieselartigem Aussehen. Das dichte und glatte Fell weist dorsal eine gleichmäßig blass bräunliche bis rötlichbraune Färbung auf. Ventral ist das Fell etwas heller gefärbt. Im Bereich der Schnauze zeigen sich undeutliche dunkle Flecken. Die bräunlich gefärbten Ohren sind klein und rundlich geformt. Sie ragen leicht aus dem Fell heraus und liegen weit hinten am Hinterkopf. Der Tragus ist abgerundet und gut entwickelt. Die Augen sind dunkelbraun. Die Beine sind kurz und dick, die Füße sind dunkelbraun bis leicht rosa. Jeder Fuß verfügt über 5 Zehen. Der dunkelbraune bis fast schwarz gefärbte Schwanz ist an der Basis stark verdickt, basal wird er deutlich dünner. Der Beutel der Weibchen ist mäßig entwickelt. In ihm befinden sich 9 und 11 Zitzen. Die Art erreicht eine Gesamtlänge von 46,6 bis 78,1 (57,4) cm, eine Körperlänge von 19,7 bis 37,8 (28,9) cm, eine Schwanzlänge von 22,1 bis 39,0 (28,2) cm, eine Hinterfußlänge von 3,5 bis 5,4 (4,4) cm, eine Ohrlänge von 1,8 bis 3,8 (2,6) cm, eine Schädellänge von 5,55 bis 6,42 (5,92) cm, eine Hirnschädelbreite von 1,68 bis 1,92 (1,78 cm), eine Condylobsallänge von 5,47 bis 8,25 (6,87) cm sowie ein Gewicht von 176 bis 1.500 (515) g. Männchen sind insgesamt etwas größer und schwerer als Weibchen. Das Jochbein ist dabei ausgesprochen lang und schmal. Dies ist unter den Beutelratten einzigartig. Der robuste Jochbogen ist lang und hoch. Die Stirn leicht gewölbt und der Hirnschädel ist länglich. Das Gebiss besteht aus 50 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i5/4, c1/1, p3/3, m4/4 (Smith, 2008).

Lebensweise

Dickschwanzbeutelratten sind überwiegend nachtaktiv. Eher selten sind die Tiere auch am Tage aktiv. Dickschwanzbeutelratten leben meist in der Nähe von Bächen oder Flüssen am Waldboden. Saisonal kann es zu Abwanderungen kommen. Es liegt demnach eine saisonale Fluktuation vor. Dickschwanzbeutelratten sind aktive, agile und effiziente Jäger, die hauptsächlich am Boden nach Beutetieren suchen. Seltener folgen sie Beute auch in Bäume und Büsche oder auch ins Wasser. Die Art gilt als durchaus guter Schwimmer und Taucher. Die Schwimmgeschwindigkeit liegt bei etwa 40 cm in der Sekunde. Augen und Nasenöffnungen liegen beim Schwimmen oberhalb der Wasseroberfläche. Die Tiere sind wenig territorial, beanspruchen jedoch ein Streifrevier von durchschnittlich 650 bis 8.100 m². Die Reviere einzelner Tiere können sich dabei überlagern (Smith, 2008).

Unterarten

Verbreitung und Lebensraum

Die Art kommt in Südamerika vor. Im Einzelnen sind Dickschwanzbeutelratten in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Guyana, Paraguay, Peru, Suriname, Uruguay;, Venezuela und Bolivien anzutreffen. Obwohl das Verbreitungsgebiet sehr groß ist, ist das Vorkommen der Art doch eher lückenhaft. Dickschwanzbeutelratten leben in der Regel immer in der Nähe eines Gewässers. Typischerweise werden halboffene Lebensräume wie beispielsweise Galeriewälder und Palmensavannen bevorzugt besiedelt. Aber auch in Sumpfgebieten und in feuchten Wäldern ist die Art anzutreffen (Smith, 2008; IUCN, 2014).

Biozönose

Gefangenen Tiere sind häufig sehr aggressiv. Dies lässt darauf schließen, dass die Tiere ihr Leben bei Bedrohung vehement verteidigen. Juvenile Tiere der Dickschwanzbeutelratte sind in der Regel eine leichte Beute für tagaktive Greifvögel wie Rupornis magnirostris und große Eulen, wie Bubo virginianus und Tyto alba. Adulte Tiere fallen nicht selten größeren Caniden und Katzen zum Opfer. Zu den nachgewiesenen Ektoparasiten zählen insbesondere Stephanocircidae wie Craneopsylla minerva, Rhopalopsyllidae wie Polygenis puelche und Polygenis rimatus, Ctenophthalmidae wie Adoratopsylla intermedia, Pulicidae wie Ctenocephalides felis sowie die Milben wie Ixodes Loricatus aus der Familie der Ixodidae. Diverse Krankheiten verursachen Nematoden wie Travassostrongylus chacoensis, Gnathostoma brasiliensis und Hoineffia simplicispicula. Die Protozoen Tetratrichomonas didelphidis wurden im Darm, Blinddarm und Dickdarm nachgewiesen (Smith, 2012).

Ernährung

Die Art gilt als opportunistischer Allesfresser, die Ernährung kann geographisch jedoch variieren. Lokal ernähren sich die Tiere fast ausschliesslich von tierischer Kost. Weit oben auf der Speisekarte stehen Wirbellose Tiere, kleine Säugetiere (Mammalia), aber auch Vögel (Aves), deren Eier, Reptilien (Reptilia) und Amphibien (Amphibia). An Wirbellosen werden insbesondere Krebstiere, Schnecken, Muscheln, Weberknechte, Hymenoptera, Lepidoptera, Diptera, Diplopoda und Heuschrecken gefresssen. Beutetiere werden in der Regel mit einem Biss in den Nacken getötet. In den warmen, feuchten Monaten wird auch häufig pflanzliche Kost zu sich genommen (Smith, 2012).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten der Art ist relativ wenig bekannt. Man geht davon aus, dass das Fortpflanzungsverhalten polygam geprägt ist. Die Art pflanzt sich im Wesentlichen saisonal fort. Nach einem ersten Wurf im Frühjahr kommt es häufig nach der Selbständigkeit der Jungen zu einem zweiten Wurf gegen Ende September. Nach einer kurzen Tragezeit von gut 2 Wochen bringt ein Weibchen zwischen 6 und 11 (8-9) Junge zur Welt. Die Wurfgrösse variiert lokal. Die Geburt erfolgt in kugelartigen Baumnestern. Nicht selten werden auch Nester von anderen Tieren wie Vögeln übernommen. Erste feste Nahrung nehmen die Jungen ab einem Alter von 10 Wochen zu sich, Die Entwöhnung ist nach spätestens 12 Wochen abgeschlossen. Das Geschlechterverhältnis eines Wurfes liegt bei nahezu 1:1. Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife mit einem Gewicht von rund 200 g. Dies ist im Alter von 6 Monaten der Fall. Zum ersten Wurf kommt es jedoch erst im zweiten Lebensjahr (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Art gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird diese Art demzufolge in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Wegen der relativ schlechten Fellqualität werden die Tiere vom Menschen nur selten oder gar nicht bejagt. In der Nähe landwirtschaftlicher Flächen wird die Art nicht gerne gesehen, da heimische Vögel und deren Eier beliebte Speisen für die Art darstellen. Zu den grössten Gefahren gehört die zunehmende Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch die Trockenlegung von Sumpfgebieten und Waldrodung (IUCN, 2015).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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