Diebsspinne

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Diebsspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Haubennetzspinnen (Theridiidae)
Gattung: Argyrodes
Art: Diebsspinne
Wissenschaftlicher Name
Argyrodes gibbosus
Lucas, 1846

Die Diebsspinne (Argyrodes gibbosus) gehört innerhalb der Familie der Haubennetzspinnen (Theridiidae) zur Gattung Argyrodes.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Diebsspinne erreicht eine Körperlänge von etwa vier bis sechs Millimeter. Der Körperbau der Diebsspinne weicht sehr von der normalen Spinnengestalt ab. Der silberglänzende Hinterleib der ansonsten dunkelbraun gefärbten Spinne ist konisch stark erhöht, dadurch erscheint der Hinterleib in der Seitenansicht spitz dreieckig und reicht oft weit über die Spinnwarzen hinaus. Dieser Schwanz, der eigentlich oben am Hinterleib ansetzt, kann an seiner Spitze mit Dornen und Häkchen versehen sein und manchmal sogar bewegt werden. Ob diese eigenartigen Bildungen eine Bedeutung haben, hat man bisher nicht herausfinden können. Des Weiteren weist das Männchen eine eigenartige Ausformung des Kopfbereiches auf, die sich blasenförmig im Bereich der erhöhten Augenpartie abzeichnet. Die Stridulationsorgane (Lauterzeugung) des Männchens sind stark rückgebildet und meist nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Die Extremitäten sind relativ dünn und wirken eher zerbrechlich. Die Hintertarsen sind beborstet und tragen unterseits eine regelmäßige Reihe kammartig gezähnter Borsten. Die adulten Tiere sind von Mai bis Juli zu finden.

Lebensweise

Die hochinteressante kleine Spinne lebt ausschließlich als Schmarotzer in den Netzen großer Radnetzspinnen (Araneidae), besonders bei der Radnetzspinne (Argiope lobata) und, noch häufiger, in den großen Netzen der Opuntienspinne (Cyrtophora citricola). Die Diebsspinne wird aufgrund ihrer geringen Größe von der Netzbewohnerin meist nicht beachtet und stiehlt sich in günstigen Augenblicken bereits eingesponnene Beutetiere aus dem Netz und trägt die Beute davon. Manchmal saugt sie auch zusammen mit der Wirtsspinne, nur von der anderen Seite aus, an deren Beute. Die Diebsspinne kennt sich aus in dem fremden Radnetz. Sie klettert mit ruhigen gleichmäßigen Bewegungen nur an Rahmen und Speichen und verhält sich damit ganz anders als eine am Klebfaden zappelnde Fliege (Brachycera). So kommt es nur selten vor, dass sie Beute ihrer Wirtin wird. Mitunter zieht die Diebsspinne selbst auch ein paar Fäden, die sie an das fremde Radnetz anheftet. Die Diebsspinne zeigt das am besten erforschte Beispiel von Tischgenossenschaft (Kommensalismus) unter den Spinnen.

Verbreitung

Die Diebsspinne kommt im Mittelmeergebiet an trockenen, verbuschten Stellen vor. Gerne hält sich die Diebsspinne im Gestrüpp von Feigenkakteen (Opuntioideae) der Gattung Opuntien (Opuntia) auf. Die Diebsspinne ist im Mittelmeerraum weit verbreitet und vielerorts häufig anzutreffen, besonders in den südlicheren Teilen.

Opuntia brasiliensis
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Opuntia brasiliensis

Ernährung

Die Diebsspinne nutzt sehr geschickt die Schwächen der Opuntienspinne (Cyrtophora citricola) aus und ernährt sich mit von deren Beute. Einmal ist es so, dass viele sehr kleine Beutetiere wie Blattläuse (Aphidoidea) und winzige Mücken (Nematocera) von der Opuntienspinne (Cyrtophora citricola) zunächst ignoriert werden. Diese Insekten (Insecta) holt sich die Diebsspinne. Andererseits kommt es sogar vor, dass die Diebsspinne an die fressende Opuntienspinne (Cyrtophora citricola) heranschleicht, dabei zwar mit dem eigenen Leben spielt, aber oft genug an der bereits mundgerechten Beute mit saugen kann. Bei Gefahr durch die Opuntienspinne (Cyrtophora citricola) kann sich die Diebsspinne immer noch fallen lassen und an dem nachgezogenen Sicherheitsfaden zum ursprünglichen Sitzplatz zurückklettern. Dieses Verhalten ist wahrscheinlich auf eine andere Taktik der Diebsspinne zurückzuführen. Fangen sich kurz hintereinander mehrere Beutetiere, so wickelt die Opuntienspinne (Cyrtophora citricola) erst ein Insekt ein, läßt es hängen und widmet sich dem nächsten Tier. Diesen Moment paßt die Diebsspinne ab und stiehlt - während die Wirtin beschäftigt ist - die bereits eingewickelte Beute. Einen Sicherheitsfaden hinter sich herziehend, klettert die Diebsspinne heran, packt die eingewickelte Beute, beißt den Faden, an dem sie hängt, durch und läßt sich mit dem Beutetier aus dem Netz fallen. Nun klettert sie am Sicherheitsfaden zurück zu ihrem Schlupfwinkel, schwer bepackt mit der gestohlenen Beute.

Fortpflanzung

Im Sommer kann man neben dem Netz die markanten, weißen Eikokons finden, die zu den schönsten und auffallendsten Spinnenkokons gehören. Sie sind an einem dünnen Faden aufgehängt und setzen sich aus einem oberen, kugeligen Abschnitt, der die Eier enthält, und einem zylindrischen Rohrstutzen zusammen, durch den später die Jungspinnen den Kokon verlassen. Die Jungspinnen werden bis zum Schlüpfen von dem Weibchen bewacht.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
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