Nördlicher Königsalbatros

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Nördlicher Königsalbatros

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Röhrennasen (Procellariiformes)
Familie: Albatrosse (Diomedeidae)
Gattung: Diomedea
Art: Nördlicher Königsalbatros
Wissenschaftlicher Name
Diomedea sanfordi
Murphy, 1917

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Nördliche Königsalbatros (Diomedea sanfordi) gehört innerhalb der Familie der Albatrosse (Diomedeidae) zur Gattung Diomedea. Im Englischen wird der Nördliche Königsalbatros northern royal albatross genannt. Dieses Taxon wurde in zwei Spezies gesplittet: Diomedea sanfordi und Diomedea epomophora. Ferner wird dieses Taxon von einigen Autoren als Subspezies von Diomedea epomophora im weiteren Sinne (sensu-lato) betrachtet. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Nördliche Königsalbatros erreicht eine Körperlänge von etwa 115,0 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 270,0 bis 305,0 Zentimeter. Das Gewicht beträgt etwa 6,2 bis 8,2 Kilogramm. Bei den Jungvögeln weisen der Kopf, der Hals, der Nacken, das Obergefieder, der Rumpf sowie die Unterseite eine weiße Färbung auf. Die Krone und der Rumpf sind etwas dunkel gesprenkelt. Das Untergefieder und der Rücken sind weißlich getönt und es zeigen sich mehr schwarze Sprenkeln als auf der Krone. Die Flügeldecken weisen eine dunkle schwarzbraune Färbung und unter den Flügeldecken zeigen sich weiße Flecken. Der Schwanz ist von einer weißen Färbung und ist mit schwarzbraunen Spitzen versehen. Die Flügelunterseiten sind ebenfalls weiß getönt und mit schwarzbraunen Spitzen besetzt. Hinter der Vorderkante der Flügel zwischen dem Karpalgelenk und der Spitze zeigt sich ein schwarzes Band. Mit zunehmendem Alter hellt sich die Färbung von Kopf, Rücken, Rumpf, Schwanz und Schulterblattregion auf. Alle Altersgruppen weisen einen rosafarbenen Schnabel mit einer schwarzen Spitze am Oberschnabel auf. Die Beine sind fleischfarben geschönt.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN erfolgt die Brutzeit von Oktober bis Dezember, das Küken schlüpft zwischen Ende Januar und Anfang Februar und ist im September/Oktober flügge. Der Nördliche Königsalbatros brütet nur alle zwei Jahre, wenn die Küken-Aufzucht erfolgreich ist. Die juvenilen Vögel kehren wieder in die Kolonie zurück, wenn sie drei bis vier Jahre alt sind. Mit der Brut beginnen sie erst mit 6 bis 8 Jahren.
Nördlicher Königsalbatros im Flug
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Nördlicher Königsalbatros im Flug
Die Satelliten-Aufzeichnungen zeigen, dass sie in der Nähe ihrer Brutplätze auch ihre Nahrungsplätze in den seichten Gewässern vor der Chatham Insel Gruppe haben. Die Brüter, die Nichtbrüter und die gerade flügge gewordenen Jungvögel überqueren den Pazifischen Ozean vom Festlandsockel bis hin zum patagonischen Schelf. Auf dem patagonischen Schelf sind die Vögel sehr weit verbreitet, etwa 200 bis 350 Kilometer vor den Gewässern. Der Nördliche Königsalbatros nistet auf flachen Hügeln, die mit Kräutern und Gräsern bewachsen sind. Das Nest besteht in der Regel aus Schlamm, Federn und Steinsplittern. Der Nördliche Königsalbatros ernährt sich hauptsächlich von Kopffüßern, Fischen, Krebstieren, Salpen und von Aas.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN brütet der Nördliche Königsalbatros auf Forty-Fours, Big and Little Sister Islands (Chatham Islands), Taiaroa Head (Otago Peninsula, South Island) und Enderby Island (Auckland Islands), Neuseeland. Die Population auf Chatham Island (99%) wird auf 6.500 bis 7.000 Paaren geschätzt, pro Jahr etwa 5.200 bis 5.800 Brutpaare. Rund 25 Pare brüten jedes Jahr auf Taiaroa Head, darunter fünf Hybriden (stammen aus der Kreuzung mit weiblichen Königsalbatrossen (Diomedea epomophora)). Ferner leben auf Enderby Island ebenfalls zwei Hybriden. Während der Brutzeit suchen die adulten Vögel in der Regel die Nahrungsplätze vor dem kontinentalen submarinen Plateau Chatham Rise auf. Die Nichtbrüter überqueren zirkumpolar die südliche Meere und den Humboldt-Strom sowie das patagonische Schelf, um an die Nahrungsplätze vor der Küste von Südamerika zu gelangen. Eine geringe jährliche Produktivitätssteigerung führte zum Rückgang der Population. Im Jahre 1985 tobte ein tropischer Wirbelsturm über die Chatham Island Gruppe und zerstörte die Bodenbedeckung sowie die Vegetation. Danach konnten die Nester nur noch mit Steinen stabilisiert werden oder die Eier wurden auf kahle Felsen gelegt. Im Ergebnis sank auf der Insel Forty-Fours dann die jährliche Produktivitätssteigerung um 8% (1990-1996) und 18% durch Eibruch, durch zu hohe Temperaturen und durch Überschwemmungen in den temporären Pools auf den übrigen drei Inseln. Bis 2007 erhohlte sich die Kraut-Vegetation um etwa 70%. Die mittlere jährliche Produktivitätssteigerung betrug im Jahre 1970 nur 66% und von 1985 bis 2005 gab es insgesamt eine Verringerung der Produktivität von 50% bis 60%. Allerdings war der jährliche Brutbestand viel ausgewogener als im Zeitraum der 1990er Jahre. Im Jahre 2002 zählte man nach der Eiablage 2.500 Paare und im Jahr der Auszeit etwa 1.700 Paare. Dies deutet darauf hin, dass trotz der weitgehenden Reduktion der Produktivität über einen Zeitraum von 20 Jahren, die Zahl der Brutpaare relativ stabil geblieben ist.

Ernährung

Nördlicher Königsalbatros im Flug
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Nördlicher Königsalbatros im Flug

Der Nördliche Königsalbatros ist ein reiner Fleischfresser. Seine Nahrung besteht dabei zu 90 Prozent aus Fischen (Actinopterygii) und 10 Prozent aus Weichtieren (Mollusca) und aus Krebstieren (Crustacea) sowie aus Kopffüßern (Cephalopoda). Der Fang der Beutetiere erfolgt meist in unmittelbarer Nähe zur Wasseroberfläche. Aus geringer Höhe läßt sich der Nördliche Königsalbatros pfeilartig ins Wasser fallen. Unter Wasser dienen die Flügel als Vortriebsorgan. Eine andere Methode ist das Abtauchen von der Wasseroberfläche. Die durchschnittliche Tauchtiefe liegt bei etwa drei Meter. Der Nördliche Königsalbatros kann jedoch auch leicht eine Tauchtiefe von bis zu sieben Meter erreichen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend am Tage.

Fortpflanzung

Der Nördliche Königsalbatros erreicht die Geschlechtsreife erst sehr spät mit fünf bis sechs Jahren. Die Paarbindung erfolgt meist schon mit drei bis vier Jahren. Die Geschlechter leben in einer monogamen Einehe, die ein Leben lang hält. Außerhalb der Paarungszeit leben die Geschlechter allerdings getrennt voneinander auf dem Meer. Haben sich die Paare nach der langen Pause wieder vereinigt, so kommt es zur Balz. Die Balz fördert die dauerhafte Paarbindung und endet in der eigentlichen Kopulation. Der Nördliche Königsalbatros brütet nur alle zwei Jahre. Die Brutzeit erfolgt von Oktober bis Dezember, das Küken schlüpft zwischen Ende Januar und Anfang Februar und ist im September/Oktober flügge. Der Nördliche Königsalbatros brütet nur alle zwei Jahre, wenn die Küken-Aufzucht erfolgreich ist. Der Nördliche Königsalbatros nistet auf flachen Hügeln, die mit Kräutern und Gräsern bewachsen sind. Das Nest wird in der Regel mit Schlamm, Federn und Steinsplittern stabilisiert. Das Gelege besteht nur aus einem Ei. Jahr für Jahr kehrt der Nördliche Königsalbatros immer wieder zu seiner angestammten Brutkolonie zurück. Bis auf kleinere Streitigkeiten geht es in der Kolonie ausgesprochen friedlich zu. Um die Verteidigung des Geleges kümmern sich beide Elternteile. Das Wärmen des Eies nimmt zwischen 70 und 72 Tage in Anspruch und wird durch beide Geschlechter gewährleistet. Das Küken schlüpft mit bereits geöffneten Augen, ist ansonsten aber nur wenig weit entwickelt und vollständig von den Eltern abhängig. Die ersten Wochen bleibt immer ein Elternteil bei dem Küken und sorgt für Schutz, während der zweite Elternteil sich um die Nahrungsbeschaffung kümmert. Später gehen beide Elternteile gleichzeitig auf Nahrungssuche, da der Nahrungsbedarf ab dem zweiten und dritten Lebensmonat durch ein Elternteil nicht mehr zu decken ist. Die volle Flugfähigkeit wird im Alter von 110 bis 120 Tagen erreicht. Die sehr lange Nestlings- und Betreuungszeit erstreckt sich über gut vier, nicht selten sogar fünf Monate. Erst danach ist der Jungvogel selbständig und löst sich von den Eltern.

Gefährdung und Schutz

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Nördlicher Königsalbatros im Flug

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art als stark gefährdet eingestuft, da sie in einem winzigen Brutgebiet lebt und schwere Stürme im Jahre 1980 zu einer Abnahme der Qualität des Lebensraumes führten und daraus auch der geringe Bruterfolg resultierte. Basierend auf diesem geringen Bruterfolg kam es zu einer sehr schnellen Abnahme in den nächsten drei Generationen (84 Jahre). Bis zum Jahre 2002 wurden 5.800 Brutpaare und außerhalb der Brutzeit wurden auf dem Meer 1.700 Paare gezählt. Dies deutet darauf hin, dass trotz der weitgehenden Reduzierung der Produktivität über einen Zeitraum von 20 Jahren, die Zahl der Brutpaare relativ stabil geblieben ist. Der Nördliche Königsalbatros wird ebenfalls in ACAP Anhang 1 geführt. Alle Populationen werden in regelmäßigen Abständen überwacht. Die jährlichen Populationsdaten von der Insel Taiaroa Head sind die vollständigsten aller Segelvogelarten in Neuseeland. Die Prädatoren-Kontrolle während der Brutzeit liefert vergleichsweise ein hohes durchschnittliches jährliches Produktivitätswachstum (keine natürlichen Feinde auf den Chatham Island Kolonien). Die wilden Rinder, Kaninchen und Mäuse wurden auf Enderby Island entfernt. Ferner sind die Inseln Taiaroa Head und Enderby Naturschutzgebiete. Es werden jährlich kontinuierliche Luftaufnahmen der Population auf der Insel Chatham durchgeführt. Weiteres intensives Management der Kolonie auf der Insel Taiaroa Head. Des Weiteren wird die Beringung der Küken auf allen Kolonien durchgeführt. Die Inseln Forty-Fours und Sisters genießen rechtlichen Schutz und weiterhin Zugang für die Forschung.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Vögel (Aves)
  • Die Familie der Albatrosse (Diomedeidae)

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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