Dominikanerwitwe

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Dominikanerwitwe
Männchen im Brutkleid

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Witwenvögel (Viduidae)
Gattung: Witwen (Vidua)
Art: Dominikanerwitwe
Wissenschaftlicher Name
Vidua macroura
Pallas, 1764

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Dominikanerwitwe (Vidua macroura) ist ein Sperlingsvogel aus der Familie der Witwenvögel (Viduidae). Die englische Bezeichnung lautet Pin-tailed Whydah.

Der Name "Witwen" bezieht sich wohl auf die Stadt Ouidah (wē'dä, alternativ Hweda und im englischen Sprachgebiet Whydah (hwī'da)), die in der Republik Benin liegt. Dort wurden auch die ersten Vögel der Gattung Witwen (Vidua) gefunden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Dominikanerwitwe erreicht eine Körperlänge von etwa 13 bis 15 Zentimeter, eine Flügelspannweite von etwa 14 bis 15 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 14 bis 19 Gramm. Während der Paarungszeit besteht zwischen dem Männchen und dem Weibchen ein deutlicher Dimorphismus in Größe und Gefiederfärbung. Mit Beginn der Regenzeit und der damit verbundenen Brutzeit setzt zugleich die Vollmauser ein und das Männchen erhält ein prächtiges Gefieder. Das ist besonders durch die vier stark verlängerten mittleren Schwanzfedern gekennzeichnet. Der Schwanz des Männchens beträgt eine Länge von etwa 20 Zentimeter und weist somit insgesamt eine Körperlänge von 35 Zentimetern auf. Im Ruhekleid erreicht das Männchen eine Körperlänge von etwa 15 Zentimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 13 Zentimetern aufweist. Die Oberseite des Männchens zeigt eine schöne glänzende schwarze Färbung, ebenso sind die oberen und unteren Schwanzfedern schwärzlich getönt. Die Schwanzbasis und der Bürzel zeigen sich in einer weißen Tönung. Der Oberkopf ist bei dem Männchen schwarz gezeichnet, während die Wangen eine weißliche Färbung aufweisen. Die Unterseite ist ebenfalls weißlich getönt und auf den schwarz gefärbten Flügeln sieht man deutlich weiße Streifen. Der Nacken, das Kinn sowie die Kehle sind weißlich gefärbt. Im Kontrast zu dem schwarz-weißen Brutkleid des Männchens hebt sich der kräftige und konisch geformte scharlachrote Schnabel sehr gut ab. Das Weibchen ist während der Paarungszeit gelbbraun gefärbt und mit schwarzen Sprenkeln versehen. Im Ruhekleid ähneln das Männchen und das Weibchen dann eher einem Haussperling (Passer domesticus). Beide Geschlechter sind sperlingsartig gefärbt und weisen eine braun gestrichelte Oberfläche auf. Des weiteren sind die Flügel ebenfalls braun gezeichnet. Die Unterseite und die Flanken sind cremefarben bis weißlich getönt.
Männchen im Brutkleid
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Männchen im Brutkleid
Der Schnabel des Weibchens ist bräunlich bis rötlich und das Männchen verliert nach der Paarungszeit seine langen prachtvollen Schwanzfedern. Nur der Schnabel behält seine scharlachrote Färbung. Die Extremitäten sind dunkelgrau bis schwärzlich geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Die Jungvögel ähneln dem Weibchen und weisen aber eine einheitliche Gefiederfärbung ohne Zeichnung auf. Der Schnabel der Jungvögel ist gräulich gefärbt.

Das Männchen vollführt während der Paarungszeit einen wundervollen Balzflug, indem er über dem Weibchen rüttelnd fliegt, um seine prachtvollen Schwanzfedern dem Weibchen zu präsentieren. Abwechselnd zeigt sich das Männchen hochgestellt auf einem Zweig und schlägt dabei heftig mit den Flügeln, um dann wieder seinen Balzflug dem Weibchen vorzuführen. Dieser heftige Flug verursacht wellenförmige Bewegungen der Schwanzfedern, die diesem Flug den Anschein eines Tanzes geben. Das Männchen trägt seinen Gesang von einer hohen Sitzwarte vor und grenzt somit auch durch seinen Gesang das Revier ab. Den Gesängen der Dominikanerwitwe kommt noch eine ganz besondere Bedeutung zu. Sie bestehen nämlich aus ganz einfachen Elementen und aus Bestandteilen, die dem Gesang der Wirtsarten wie zum Beispiel dem Wellenastrild (Estrilda astrild) und dem Grauastrild (Estrilda troglodytes) entnommen werden. Die Dominikanerwitwe gehört nämlich zu den Vögeln, die Brutparasitismus betreiben.

Habitat - Südafrika
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Habitat - Südafrika

Lebensweise

Während der Reproduktionszeit nimmt das Männchen ein aggressives territoriales Verhalten an und besitzt einen Harem von mehreren Weibchen, die eine kleine Gruppe bilden. Das Männchen schließt systematisch von seinem Territorium alle anderen Männchen durch mehrfache Verfahrensweisen aus: ritualisierte Praktiken wie Verfolgungen oder wirkliche Kämpfe werden dann ausgeführt, wenn dies notwendig wird. Der Nachbarschaftsstreit tritt sehr häufig auf und wird oft provoziert, um so die Grenzen der jeweiligen Territorien zu bestimmen und abzustecken. Das Männchen vollführt im Verlaufe einen besonders komplexen Paradeflug, indem er dann rüttelnd über einem Weibchen in der Luft steht, um ihm seine langen prachtvollen Schwanzfedern zu präsentieren. Der Gesang wird von einer hohen Sitzwarte aus vorgetragen, der wie ein schrilles Quieken klingt, hin und wieder vernimmt man ein Gezwitscher ähnlich eines Haussperlings (Passer domesticus), das eine rhythmisierte aneinandergereihte Folge von Serien bildet.

Aber wie schon anfangs erwähnt, werden Elemente und Bestandteile meistens den jeweiligen Wirtsarten entnommen und nachgeahmt. Außerhalb der Reproduktionssaison versammeln sie sich in großen Gruppen von bis zu 100 Vögeln und mehr. Die nicht reproduktiven Vögel sind gesellig und bilden Verbände von 20 bis 30 Vögeln. Die Dominikanerwitwe kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa sieben Jahren erreichen.

Verbreitung

Die Dominikanerwitwe ist in fast ganz Afrika südlich der Sahara und im östlichen Teil des Kontinents wie Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi sowie Tansania verbreitet. Hin und wieder trifft man die Dominikanerwitwe auch in Südafrika an. Des weiteren sieht man die Art auch in Puerto Rico und auf Hawaii, vermutlich wurde die Dominikanerwitwe dort eingeführt.

Habitat - Südafrika
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Habitat - Südafrika

Die Dominikanerwitwe ist ein geselliger Vogel und ist die weit verbreiteste Art der Gattung Witwen (Vidua). Man findet sie in einer großen Vielfalt von Landschaften wie offene bewaldete Zonen, Savannen, Sträucher, Unterhölzer, kultivierte Regionen, aber ebenfalls hält sich die Dominikanerwitwe in Gärten und in Parkanlagen auf. Sie besucht Höhen, die bis zu 3.000 Meter ü. NN reichen.

Ernährung

Die Dominikanerwitwe ernährt sich vorwiegend vegetarisch. Sie pickt Samen von kultiviertem Saatgut, das sie fast ausschließlich auf dem Boden findet. Selten entnimmt sie die Samen direkt von den Pflanzen. Um ebenfalls an die Samenkörner im Boden heranzukommen, scharrt und kratzt die Dominikanerwitwe auch im Boden. Bei dieser Gelegenheit findet sie kleine Insekten (Insecta) wie Termiten (Isoptera) und deren Larven, die sie nicht verschmäht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Dominikanerwitwe im Alter von einem Jahr. Die Dominikanerwitwe ist ein parasitischer Vogel. Sie legt jeweils nur ein Ei zum Beispiel in das Nest des Wellenastrilds (Estrilda astrild) oder in das Nest des Grauastrilds (Estrilda troglodytes). Entgegen dem Kuckuck (Cuculus canorus) zerstört sie die Eier ihres Wirtsvogels nicht, sie fügt einfach ein Ei dem schon bestehenden Gelege hinzu. Die Eier des Wirtsvogels und das Ei der Dominikanerwitwe sind identisch, obwohl das Ei der Dominikanerwitwe etwas größer erscheint. Der Jungvogel der Dominikanerwitwe ahmt die kleinen Jungvögel des Wirtsvogels vollkommen nach und öffnet den großen Schnabel, der das gleiche Rachenmuster wie das der Jungvögel des Wirtsvogels aufweist, auf die gleiche Art und Weise, um seine Nahrung zu fordern. Während die anderen Witwenarten wie die Schmalschwanz-Paradieswitwe (Vidua paradisaea) und die Königswitwe (Vidua regia) im allgemeinen nur eine Gastgeberart parasitieren, erbringen die Dominikanerwitwen den Originalitätsbeweis in diesem Bereich und sind fähig, nicht nur ihr Ei in die Nester des Wellenastrilds (Estrilda astrild) oder des Grauastrilds (Estrilda troglodytes) zu legen, sondern legen das Ei auch in die Nester zahlreicher anderer Arten der Gattung Astrilde (Estrilda) wie der Zügelastrild (Estrilda rhodopyga), der Sumpfastrild (Estrilda paludicola) und das Orangebäckchen (Estrilda melpoda).

Habitat - Südafrika
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Habitat - Südafrika

Allerdings überlebt das Parasitküken erheblich schlechter als die Küken der Wirtsvögel in Mischbrut. Dies kann durch ein schlechtes Timing des Parasiteierlegens hervorgerufen werden, oder weil das Küken gegen die Nestlingskonkurrenz sich nicht energischer durchsetzen kann oder für Krankheiten empfänglicher ist. Trotz der bestehenden Ähnlichkeit zwischen dem Nestling der parasitischen Dominikanerwitwe und zum Beispiel den Nestlingen des Wellenastrilds (Estrilda astrild), fand sich kein Beweis, daß zum Beispiel die Altvögel des Wellenastrilds (Estrilda astrild) spezifische Diskriminierungen gegen das Parasitküken während der Nestlingsperiode zulassen. Eher ist anzunehmen, dass das Parasitküken dem Leben in dem Nest der Wirtsvögel sich schlechter anpassen kann. Hat der Jungvogel die kritische Phase überwunden, dann kann die Lebenserwartung unter günstigen Umständen in der Natur etwa sieben Jahre betragen.

Gefährdung und Schutz

Die Dominikanerwitwe gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten und der Bestand ist somit gesichert. Das globale Verbreitungsgebiet der Dominikanerwitwe erstreckt sich annähernd etwa über 13.000.000 Quadratkilometer. Die Dominikanerwitwe ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Dominikanerwitwe selten oder spärlich vor (Maclean 1993, Fry und Keith 2004). In der Roten Liste der IUCN wird die Dominikanerwitwe als "Least Concern" (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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