Doppelfüßer

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Doppelfüßer
Riesenschnurfüßer (Archispirostreptus gigas)

Systematik
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Tausendfüßer (Myriapoda)
Klasse: Doppelfüßer
Wissenschaftlicher Name
Diplopoda
de Blainville, 1844

Die Doppelfüßer (Diplopoda) sind eine Klasse der Gliederfüßer (Arthropoda) und werden bei den Tausendfüßern (Myriapoda) eingeordnet. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde die Klasse im Jahre 1844 von Henri Marie Ducrotay de Blainville (1777–1850).

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Seit 410 Millionen Jahren leben Doppelfüßer auf der Erde. Die bisher größten Arten gehörten der Gattung Arthropleura an und lebten vor rund 310 Millionen Jahren. Sie maßen zwei Meter und lebten räuberisch. Zur Zeit leben unter dem Unterstamm der Tausendfüßer etwa 80.000 Arten, die sich in Hundertfüßer (Chilopoda), Doppelfüßer, Wenigfüßer (Pauropoda) und Zwergfüßer (Symphyla) unterteilen. Der kleinste Doppelfüßer misst gerade mal einen Millimeter und der größte, der zur Zeit bekannt ist, bis zu 30 Zentimeter. „Diplopoda” bedeutet „Doppelfüßer”. Jedes Segment ist aus zwei Segmenten zusammengeschmolzen mit jeweils einem Beinpaar, was zur Folge hatte, dass jeweils ein Doppelsegment mit zwei Beinpaaren entstanden ist. Dies hat sich wohl so entwickelt, um dem Lebensraum Erdboden mehr Stabilität entgegenzusetzen. Die Diversität der Doppelfüßer umfasst derzeit ungefähr 7.000 Arten weltweit.

Beschreibung

Die Doppelfüßer sind in drei Bereiche aufgeteilt. Das sind der Kopf (Caput), Thorax, also Bruststück, und das Abdomen, der Hinterleib. Der Kopf baut sich aus dem ersten Segment (Kopfschild), den Ocellen (Einzelaugen), von denen je nach Art 3 bis 100 vorhanden sind, den Antennen und den Kieferwerkzeugen auf. Der Thorax bildet sich aus den ersten vier Einzelsegmenten, die jeweils auch nur ein Beinpaar besitzen. Das Abdomen besteht aus jeweils zwei verschmolzenen Segmenten mit jeweils zwei Beinpaaren. An jedem hinteren Segmentrand befinden sich Borsten und jedes Segment verfügt lateral über eine Wehrdrüse. Am dritten Doppelsegment befinden sich die Geschlechtsorgane. Die Besonderheit ist, dass es bis auf den Saftkuglern (Glomerida) einen mehr oder weniger stark ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, also äußere Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Tieren, gibt. Bei den Männchen wurde das siebte Beinpaar in Gonopoden umgewandelt und das achte Beinpaar ist verkümmert. Dafür sieht man deutlich die Gonopoden. Bei dem Weibchen sind die Beinpaare durchgehend. Bei den Gerandeten Saftkuglern (Glomeris marginata) gibt es nur einen einzigen Unterschied, das letzte Beinpaar des Männchens hat sich zangenartig verändert, um sich beim Weibchen während der Begattung festzukrallen. Die Beine bestehen jeweils aus sechs Segmenten und werden beim Laufen wellenartig bewegt.

Häutung
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Häutung

Die Atmung der Diplopoden erfolgt über das Tracheensystem. Am ganzen Abdomen befinden sich Stigmata, nicht schließbare Öffnungen. Durch den Umstand, dass die Stigmata nicht verschlossen werden können, verdunstet bei Doppelfüßern sehr viel Wasser aus dem Körper. Um eine Austrocknung zu verhindern, rollen sie sich in Kammern eng zusammen. Dadurch werden die Atemöffnungen zusammengepresst. Außerdem halten sich Doppelfüßer nur in feuchten Biotopen auf.

Einen weiteren Feuchtigkeitsverlust (etwa 50 %) erleiden sie, indem Flüssigkeit über die Cuticula, das sind die Häutchen, die die Chitin-Segmente verbinden, verdunstet. Aufgrund dieser Umstände ist es den Doppelfüßern nur bei hoher Luftfeuchtigkeit oder kühlen Nächten möglich, ihren Unterschlupf zu verlassen. Dabei können sie über den Mund, aber auch über die Cuticula Wasser aufnehmen.

Alle Tiere, die einen Chitinpanzer besitzen, müssen sich häuten, so auch die Doppelfüßer. Die meisten von ihnen häuten sich 11 mal, wobei es Ausnahmen gibt, die sich vor und nach der Trockenzeit weiter häuten. Die Häutung wird eingeleitet, indem ein Doppelfüßer mattgrau wird. Doppelfüßer häuten sich in selbstgegrabenen Erdkugeln oder unter Rinde und Steinen. Es wird eine Flüssigkeit zwischen die neue und alte Haut gepumpt. Das Exoskelett (Außenskelett) wird weich und vom Körper abgestreift. Die Exuvie, also die abgestreifte Haut, wird von dem Tier verzehrt, da die Nährstoffe wiederverwertet werden und für den Aufbau der neuen Haut nötig sind. Die Lebenserwartung liegt von 1 bis zu 10 Jahren. Manche Arten sterben nach der Vermehrung.

Verbreitung

Die einzigen Landstriche, auf denen Doppelfüßer nicht vorkommen, sind die Polarregionen. Sie sind nicht vor Austrocknung geschützt und außerdem lichtempfindlich. Aus diesen Gründen verlassen sie die feuchte Erde und die Unterschlüpfe nur in der Dämmerung oder in der Nacht und zu feuchten Zeiten. Sie kommen in Wald- und Wiesengebieten, Geröll- und Bruchsteingegenden, in tropischen Regenwäldern, Steppen und Savannen, unter Rinden und in Baumstümpfen sowie in Wüsten und morschen Bäumen vor. In allen Trockengebieten werden die Doppelfüßer erst in der Regenzeit aktiv, außer bei Morgennebel, den die Tiere für ihre Aktivitäten nutzen.

Prädatoren und Parasiten

Frisch geschlüpfte Tausendfüßer
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Frisch geschlüpfte Tausendfüßer

Die Fressfeinde der Doppelfüßer sind Vögel (Aves), Kriechtiere (Reptilia), Skorpione (Scorpiones), manche Nagetiere (Rodentia), Ameisen (Formicoidea), Wanzen (Heteroptera) und Fliegen (Brachycera), die Eier auf den Tieren ablegen.

Auch manche Milbenarten (Acari) leben auf den Doppelfüßern, benutzen aber das Tier nur als Transportmittel. Des Weiteren haben die Doppelfüßer durchaus auch mit anderen Exo- sowie Ektoparasiten zu kämpfen.

Abwehr gegen Feinde

Das Wehrsekret wird über die Wehrdrüsen seitlich an den Segmenten abgegeben und hat eine gelbliche Farbe. Es enthält Benzochinone und Chinone, welche einen üblen Geruch verbreiten. Auf der Haut bilden sich bläuliche Flecken, die erst nach Tagen wieder verschwinden. Dieses Wehrsekret ist schleimhautreizend. Ein blausäurehaltiges Wehrsekret besitzen die Bandfüßer (Polydesmida), die aber nicht gegen ihr eigenes Wehrsekret immun sind und bei hoher Konzentration daran sterben können.

In Verbindung mit dem Wehrsekret können sich die Tiere einrollen, dass die weiche Unterseite vor Angriffen geschützt ist. Die Saftkugler können sich komplett abschotten. Andere Arten ziehen die Flucht unter die Erde oder in Schlupfwinkel vor. Durch ständiges Reinigen der Extremitäten und des Panzers schützen sich die Tausendfüßer vor Infektionen mit Pilzen und Bakterien.

Fortpflanzung

Treffen zwei geschlechtsreife Tiere aufeinander, so wird das Männchen auf dem Rücken des Weibchens mit trommelnden Antennen das Weibchen stimulieren. Ist das Weibchen paarungsbereit wird sie ihn gewähren lassen, andernfalls rollt sie sich einfach zusammen. Ist sie gewillt, werden sich beide bäuchlings aneinander legen. Bei manchen Arten wird das Weibchen mit dem vorderen Beinpaar festgeklammert, oder wie bei den Saftkuglern mit dem hinteren Beinpaar. Das Männchen stülpt nun seine Gonopoden aus und schiebt sie in die Geschlechtsöffnung des Weibchens.

Die Paarung dauert von Art zu Art unterschiedlich lang, von ein paar Minuten bis zu einigen Wochen. Während der Paarung bewegen sie die Beine wellenförmig und betasten sich ständig mit den Antennen. Die Weibchen können das Sperma speichern und erst bei optimalen Umweltbedingungen zur Befruchtung der Eier einsetzen. Die Eier werden auch artspezifisch abgelegt. Das geht von Erdhöhlen, die mit Sekret verhärtet oder ausgesponnen werden, bis hin zu wahllos in die Erde abgelegte Eier. Dies können zehn bis hundert Eier sein. Nach einigen Tagen bis Wochen schlüpfen die Larven. Sie sind durchsichtig und haben anfangs erst sieben Beinpaare, die sich von Häutung zu Häutung steigern. Bis zum elften Häutungsintervall ist das männliche Geschlecht ausgebildet und somit geschlechtsreif.

Systematik der Doppelfüßer

Klasse: Doppelfüßer (Diplopoda)

Gattung: Albadesmus
Gattung: Palaeodesmus
Gattung: Pneumodesmus
Ordnung: Archidesmida
Ordnung: Cowiedesmida
Ordnung: Euphoberiida
Unterklasse: Arthropleuridea
Gattung: Anthracodesmus
Ordnung: Arthropleurida
Ordnung: Eoarthropleurida
Ordnung: Microdecemplicida
Unterklasse: Helminthomorpha
Ordnung: Callipodida
Ordnung: Samenfüßer (Chordeumatida)
Ordnung: Schnurfüßer (Julida)
Ordnung: Platydesmida
Ordnung: Bandfüßer (Polydesmida)
Ordnung: Saugfüßer (Polyzoniida)
Ordnung: Siphoniulida
Ordnung: Siphonophorida
Ordnung: Spirobolida
Ordnung: Spirostreptida
Ordnung: Stemmiulida
Unterklasse: Penicillata
Ordnung: Pinselfüßer (Polyxenida)
Unterklasse: Pentazonia
Ordnung: Saftkugler (Glomerida)
Ordnung: Glomeridesmida

Anhang

Literatur und Quellen

  • GEO Themenlexikon: Tiere und Pflanzen: Geschöpfe, Arten, Lebensräume; Teil 1 / Bd. 33. ISBN 3765394638
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