Dreistreifen-Baumsteigerfrosch

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Dreistreifen-Baumsteigerfrosch
Dreistreifen-Baumsteigerfrosch (Epipedobates tricolor)

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Lurche (Amphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Überfamilie: Echte Frösche und Verwandte (Diplasiocoela)
Familie: Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
Gattung: Epipedobates
Art: Dreistreifen-Baumsteigerfrosch
Wissenschaftlicher Name
Epipedobates tricolor
Boulenger, 1899

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch (Epipedobates tricolor), der auch Dreifarbiger Baumsteiger genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae) zur Gattung der Epipedobates. Im Englischen wird der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch Phantasmal Poison Frog oder Phantasmal Poison-arrow Frog genannt.

Der Gattungsname lässt sich vom Griechischen "epipedos", was so viel wie "auf dem Boden" bedeutet und "bates" für "Gänger" herleiten. Das Epitheton tricolor hingegen geht auf die lateinischen Worte "tri" für "drei" und "color" für "Farbe" zurück und bezieht sich auf die dreistreifige Zeichnung der Art.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch weist einen Geschlechtsdimorphismus auf. Männchen haben eine Kopf-Rumpf-Länge von 19 bis 24,5 Millimetern, die Weibchen sind jedoch fülliger und erreichen eine Größe von 21,4 bis 26,5 Millimetern. Die Art ist also verhältnismäßig klein. Die Haut ist relativ glatt und die Färbung ist hellrot mit drei gewöhnlich grünlich fluoreszierenden Streifen und Punkten auf den Hinterbeinen. Die Färbung variiert jedoch ein wenig zwischen den Individuen und unterschiedlichen Populationen; kürzlich wurden blau und weiß gefärbte Exemplare gefunden. Jungtiere sind braun und erhalten ihre typische Färbung, wenn sie älter werden. Wie andere Arten der Familie Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae) kann auch der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch ein Alter von 10 bis 15 Jahren erreichen. Er ruft mitunter sehr laut in den Abendstunden, wobei die Männchen einen Kanarienvogel ähnlichen Ruf erzeugen.

Vewirrung in Fachkreisen

Wie schnell man sich in der Systematik "verlaufen" kann und was ein Artbestimmungsfehler für Konsequenzen hat, sieht man am Beispiel des Dreistreifen-Baumsteigerfrosches. Die Art, 1899 von BOULENGER anhand von vier Exemplaren beschrieben, wurde durch SILVERSTONE in den 1970er Jahren im südlichen Equador falsch bestimmt. Exemplare von Epipedobates anthonyi (NOBLE, 1921) wurden von ihm, durch ihre zum Verwechseln ähnliche Färbung, in den gleichen Artenkreis gestellt. Seine gefundene Population aus der Provinz Azuay, wurde in den vielen folgenden Untersuchungen als E. tricolor beschrieben. GRAHAM ET AL. haben diesen Irrtum 2004 aufgedeckt und auch revidieren können. Sie konnten mittels genetischer und biogeografischer Untersuchungen beweisen, dass E. tricolor wirklich nur das kleine Vorkommen aufweist und die von SILVERSTONE beschriebenen Exemplare E. anthonyi zuzuweisen sind. E. tricolor unterscheidet sich laut NOBLE von E. anthonyi durch morphologische Merkmale wie einen längeren ersten Finger, eine längere Schnauze und eine andere Färbung.

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Im Laufe der Analysen fand man auch heraus, dass E. tricolor aus Porvenir, Provinz Bólivar, und die bisher als E. tricolor bezeichneten Populationen aus dem Süden Ecuadors ebenfalls nicht artgleich mit den Populationen aus Zentralecuador sind. Laut DNA-Analysen gibt es deutliche Unterschiede in den Genotypen und so wurde belegt, dass es sich um zwei Arten handelt. Unter den südlichen Tieren ist auch die Population E. anthonyi (Salvias, El Oro, Ecuador) von SILVERSTONE. Diese Population sollte auch unbedingt als solche bezeichnet werden. Die Verbreitungsgebiete beider Arten grenzen auch nicht direkt aneinander; es liegen 200 Kilometer dazwischen. Die Populationen gelten somit als allopatrisch.

Das Alkaloid Epibatidin

Die Laboratories of Analytical Chemistry and Bioorganic Chemistry, National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases, National Institutes of Health, Bethesda, Maryland erklärten 1991, dass sie aus der Haut des Dreistreifen-Baumsteigerfrosches ein Alkaloid isoliert hätten, das eine neue, einzigartige Klasse von Alkaloiden repräsentieren würde. Alkaloide sind organische, stickstoffhaltige und meist alkalische natürlich vorkommende Verbindungen, die üblicherweise in Pflanzen, seltener in Tieren gefunden werden. Das nach dem Frosch getaufte Epipatidin ist exakt formuliert Chloropyridyl azabicycloheptan. Es weist strukturelle Ähnlichkeiten von Nikotin auf und ist ein schmerzstillendes Mittel ohne morphinartige Eigenschaften (Opioid). Es wirkt als Agonist an Nikotinrezeptoren, d.h. imitiert Neurotransmitter, und hat genauso wie Nikotin kardiorespiratorische, d.h. Herz und Atmung zugleich betreffende Effekte. Dadurch wird die Schmerzweiterleitung verhindert und das Schmerzempfinden des Patienten gesenkt.

Verbreitung

Hauptsächliches Verbreitungsgebiet
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Hauptsächliches Verbreitungsgebiet
Der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch kommt nur in einem kleinen Gebiet vor und ist auch nur an sieben Fundorten erfasst worden. Dieses Gebiet von weniger als 5000 Quadratkilometern liegt westlich der Anden im Bereich Zentralequadors. Die Provinzen in denen die Art gefunden wurde, sind Bólivar, Cotopaxi und Pichincha. Der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch bewohnt Höhenlagen von ca. 1000 - 1769 Meter, ist demnach in subtropischen und tropischen Bergwäldern heimisch. Der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch ist immer in der Nähe von Flüssen, Bächen und mit unter auch an Wasserfällen zu finden, jedoch scheint sein unmittelbarer Aufenthaltsort relativ trocken sein zu können. Er verbirgt sich z.B. unter Steinen, also in bodennahen Bereichen und ist weniger an Bäumen zu finden, obwohl sein Name dies vermuten lässt. Die Luftfeuchtigkeit, die überwiegend bevorzugt wird, liegt zwischen 80 und 100 Prozent. J. A. PETERS fand Vertreter der Art jedoch in einem trockenen Gebiet mit kleinen Flussläufen. Die Flora dort belief sich auf hohe Gräser und Pfeffergewächse. Es ist unbekannt, wie der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch auf Veränderungen in seinem Habitat reagiert bzw. wie tolerant er dem gegenüber ist.

Ernährung

Dreistreifen-Baumsteigerfrösche ernähren sich vornehmlich von kleinen Fruchtfliegen (Drosophila-Arten), sowie Springschwänzen (Collembola). Bei der Haltung im Terrarium hat sich das sogenannte Wiesenplankton, d.h. kleine Insekten, die vor allem im Sommer auf Wiesen mit dem Kescher gefangen werden können, als passende Nahrung herausgestellt. Außerdem kann man Hausfliegen, kleine Grillen (Gryllus) und Wachsmotten (Galleriinae) verfüttern.

Fortpflanzung

Dreistreifen-Baumsteigerfrösche sind das ganze Jahr über in Fortpflanzungsstimmung. Wenn sich ein Paar findet, beginnt die produktive Fortpflanzungsperiode, die mitunter bis zum Tod des Männchens anhält. Die Eier werden während eines Amplexus, d.h. der für Froschlurche typischen Umklammerung bei der Paarung, gelegt und dann oft sofort von den Männchen befruchtet. Die 20 bis 25 Eier werden im Laub abgesetzt. Die Männchen beschützen die Eier und tragen die Larven, die nach ca. drei Wochen schlüpfen, für die Weiterentwicklung zum nächsten stehenden oder fließenden Gewässer. Nach ca. 60 Tagen ist die Metamorphose der Larven abgeschlossen. Die Jungtiere sind jetzt 8-10 Millimeter groß und erst nach acht Monaten voll ausgewachsen, sowie geschlechtsreif.
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Gefährdung

Es ist eine kontinuierliche Abnahme von Fläche und Qualität der Habitate und adulten, fortpflanzungsfähigen Tieren zu verzeichnen. Die Population im nördlichen Verbreitungsgebiet geht immer mehr zurück; dort sind auch schon Populationen verschwunden. Hauptbedrohung für den Dreistreifen-Baumsteigerfrosch stellen agrochemische Verschmutzung der Gewässer durch z.B. Pestizide und der Habitatverlust durch kleinbäuerliche Aktivitäten dar. Unbedingt erfordert der Einfluss von übermäßiger Ausbeutung zu medizinischen Zwecken und der Handel mit Wildfängen auf den Bestand (2007 durch CITES nachgewiesen) weitere Untersuchungen. Habitatverlust bzw. Degradation geschehen aktuell außerdem durch subsistenzwirtschaftliche Holzgewinnung kleinen Maßstabes (Brandrodung, Holzeinschlag) und den Ausbau der Infrastruktur. Generell fehlt es an aktuellen Forschungsergebnissen über Populationsbestand, Verbreitung, Bedrohungen und der Stellung im Ökosystem, die der Dreistreifen-Baumsteigerfrosch einnimmt. Chytridiomykose, eine weit verbreitete infektiöse Krankheit, die durch den aggressiven Pilz Batrachochytrium dendrobatidis ausgelöst wird und Amphibien betrifft, hat scheinbar auch Einfluss auf den Dreistreifen-Baumsteigerfrosch. Es ist nämlich auch ein Rückgang der Art in weniger anderweitig belasteten Gebieten festzustellen. Der Pilz befällt vorwiegend riparine, also an Gewässer gebundene Arten wie den Dreistreifen-Baumsteigerfrosch. Der Einfluss von Pathogenen und Parasiten auf die Bestandsdynamik ist negativ fortschreitend.

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Haltung

Ein typisches Regenwald-Terrarium mit reichlicher Bepflanzung, z.B. mit Bromelien und Tillandsien, gegebenenfalls mit Regenanlage und Nebler, vielen Versteckmöglichkeiten und nicht zu starker Beleuchtung, da die Bodenzone im Regenwald schattig ist, scheint ideal für die Haltung und auch Zucht des Dreistreifen-Baumsteigerfrosches. Die Temperatur sollte tagsüber zwischen 22 und 27 und nachts bei 18 bis 22 Grad Celsius liegen. Eine starke Bepflanzung und Ausweichmöglichkeiten sind unbedingt notwendig, da die Art sich als recht streitsüchtig erwiesen hat. Nichtsdestotrotz sollte man die Tiere mindestens paarweise oder ein Männchen mit mehreren Weibchen in einem Behälter pflegen. Eine Gruppenhaltung von adulten Tieren mit mehr als einem Männchen ist nur dann möglich wenn das Terrarium sehr groß ist. Geschlechtsreife Männchen bilden Territorien aus. Das stärkere Männchen wird, sobald ein anderes Männchen in sein Revier eindringt und trällert, dem vermeintlichen Eindringling auf den Kopf springen und versuchen das unterlegene Männchen unter Wasser oder in lockeres Substrat zu drücken. Dieses Verhalten wird solange gemacht bis das unterlegene Männchen ertrunken oder erstickt ist. Als Laichplätze eigenen sich Kokosnussschalen in flachen Wasserstellen und Bromelien.

Anhang

Quellen und Links

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