Ducker

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Ducker
Kronenducker (Sylvicapra grimmia)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ducker
Wissenschaftlicher Name
Cephalophinae
Gray, 1872

Ducker (Cephalophinae) gehören innerhalb der Ordnung Paarhufer (Artiodactyla) zur Familie der Hornträger (Bovidae). Im Englischen werden die Ducker Duiker genannt. Sowohl das deutsche als auch das englische Synonym beziehen sich auf die Eigenart der Tiere, bei Gefahr in dichter Vegetation abzutauchen (sich "ducken").

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Ducker erreichen eine Körperlänge von 59 bis 145 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 7 bis 18 Zentimeter sowie ein Gewicht von 4 bis 80 Kilogramm. Zu den kleinsten Arten gehört der Blauducker, zu den größten Arten der Gelbrückenducker. Das Fell ist bei den meisten Arten bräunlich bis rotbraun gefärbt. Einige Arten wie der Blauducker (Cephalophus monticola) zeigen auch eine blaugraue, andere Arten eine schwarzbraune bis schwarze Färbung auf. Der Zebraducker ist dorsal und lateral mit auffälligen schwarzen Querstreifen versehen. Einige Forscher sehen in den Duckern ursprüngliche Antilopen, da sie zahlreiche Merkmale fossiler Urrinder aufweisen. Fossile Funde von Duckern liegen jedoch nicht vor. Der Körperbau wirkt gedrungen und ist an die heimliche und scheue Lebensweise in dichtem Unterholz angepasst. Die vorderen Beine bleiben bei allen Arten etwas kürzer als die hinteren Beine. Die Geschlechter weisen im Wesentlichen keinen Dimorphismus auf. Weibchen werden nur unwesentlich größer und schwerer als Männchen. Bei den meisten Arten tragen Männchen und Weibchen kleine, konisch geformte Hörner, die bei den Weibchen einiger Arten auch fehlen können.

Lebensweise

Ducker sind ausgesprochen scheu und gehen vor allem dem Menschen aus dem Weg. Während die meisten Arten in der Nacht aktiv sind, gelten insbesondere die Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor)
Maxwell-Ducker (Cephalophus maxwellii)
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Maxwell-Ducker (Cephalophus maxwellii)
als tag- und dämmerungsaktiv, der Blauducker (Cephalophus monticola) ist ausschließlich tagaktiv. Arten wie der Schwarzducker (Cephalophus niger) sind hingegen nur in der Nacht aktiv. Ducker sind keineswegs gesellig und leben fast ausschließlich einzelgängerisch. In Gesellschaft sieht man allenfalls ein Weibchen mit ihrem Nachwuchs. Bei einigen Arten wie beispielsweise dem Blauducker wurde jedoch eine monogame Lebensweise festgestellt. Dies ist unter Hornträgern sehr selten. Ducker verhalten sich gegenüber Artgenossen ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier vehement. Um den Nachwuchs kümmern sich die Männchen jedoch nicht. Eine obligate Monogamie scheidet daher aus. Die Jungtiere bleiben relativ lange in der Gruppe. Bei monogamen Arten, wo die Männchen ihren Weibchen die Aufzucht des Nachwuchses überlassen, wird die Monogamie auch als fakultative Monogamie bezeichnet.

Ducker verfügen unterhalb der Augen über spezielle, relativ große Duftdrüsen, die artabhängig ein klares bis bläuliches Sekret abgeben. Die Drüsen geben ihr Sekret jedoch nicht über eine einzelne Öffnung, sondern über zahlreiche feine Poren ab. Mit dem Sekret wird das eigene Revier markiert. Einige Arten wie die Blauducker markieren sich auch gegenseitig mit dem Sekret. Die Sinne, insbesondere der Hörsinn, sind außerordentlich hoch entwickelt. Der Verständigung insbesondere zwischen Mutter und Jungtier dienen schrill klingende Lautäußerungen.

Verbreitung

Die kleinen, antilopenartigen Ducker kommen in Afrika südlich der Sahara vor. Beliebte Lebensräume sind lichte Wälder und Dickichte sowie die angrenzenden offene Baum und Strauchsavannen. Nur wenige Arten bewohnen jedoch völlig offene Flächen, die meisten Arten bevorzugen geschlossene Wälder mit entsprechender dichter Bodenvegetation.

Prädatoren und Parasiten

Rotflankenducker (Cephalophus rufilatus)
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Rotflankenducker (Cephalophus rufilatus)

Zu den natürlichen Feinden gehören je nach Vorkommen und Art der Leopard (Panthera pardus), Löwen (Panthera leo) und andere Katzen (Felidae), sowie Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus), Steppenpaviane (Papio cynocephalus), Nilkrokodile (Crocodylus niloticus), Zaunadler (Harpyhaliaetus coronatus) oder auch der Netzpython (Python reticulatus), der Felsenpython (Python sebae) und der Königspython (Python regius).

Ducker werden von zahlreichen Ekto- und Endoparasiten befallen. Dazu gehören insbesondere verschiedene Schildzecken (Ixodidae), Kokzidien (Coccidia), Dünndarm-Parasiten wie Giardien (Giardia), Peitschenwürmer (Trichuris trichiura) und Zwergfadenwürmer (Strongyloides stercoralis). Aber auch zahlreiche Bandwürmer (Cestoda) und Fadenwürmer (Nematoda) wurden nachgewiesen.

Ernährung

Die Hauptnahrung der Ducker besteht überwiegend aus Blättern. In kleineren Mengen werden jedoch auch Früchte, Schösslinge, Sämereien, Knospen und Winde gefressen. Als Allesfresser nehmen Ducker auch kleine Nagetiere (Rodentia), Insekten (Insecta) wie Ameisen (Formicoidea) sowie Vögel (Aves) und Eier zu sich. Selbst Aas wird nicht verschmäht. Blätter sind jedoch die Hauptnahrung der Ducker.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird bei den meisten Drückerarten mit 12 Monaten erreicht. Bei den größeren Arten wird die Geschlechtsreife spätestens mit 1,5 Jahren erreicht. Nach einer Tragezeit von 7,5 bis 8 Monaten bringt ein Weibchen an einer geschützten Stelle ein einzelnes Jungtier zur Welt. Unmittelbar nach der Geburt sind Weibchen wieder empfängnisbereit. Das Jungtier bleibt in den ersten Wochen in schützender Deckung verborgen. Dies dient im Wesentlichen dem Schutz vor Fleischfressern. Die Mütter kommen nur zum Säugen vorbei.
Blauducker (Cephalophus monticola)
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Blauducker (Cephalophus monticola)
Der Kontakt zu den Jungtieren ist somit auf ein Minimum reduziert. Erst nach einigen Wochen schließt sich ein Jungtier seiner Familie an und bleibt meist weit über die Selbständigkeit hinweg mit ihr zusammen. Die adulte Größe wird mit rund 10 Monaten erreicht. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Ducker liegt bei 10 bis 15 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Ducker gelten als ausgezeichnete Samenverbreiter. Viele Samen, die gefressen werden, durchlaufen die Verdauung unbeschadet. Dies trifft beispielsweise auf die Samen der Feigen (Ficus) zu. In ihrem Lebensraum leben Ducker mit verschiedenen Arten der Primaten (Primates) zusammen. Sie folgen den Primaten und profitieren von deren Nahrungssuche. Ducker bilden zudem die Nahrungsgrundlage für zahlreiche Fleischfresser. Der Einfluss von Fleischfressern hat jedoch keine große Auswirkung auf die Bestände. Deutlich negativer wirkt sich die Bejagung durch den Menschen auf die Tiere aus. Lokal werden die Tiere vom Menschen verfolgt. Die Tiere werden entweder direkt getötet oder landen lebendig als Bushmeat auf lokalen Märkten.

Die meisten Arten gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Schlecht steht es jedoch um den Sansibar-Ducker (Cephalophus adersi), der als kritisch gefährdet (CR, Critically Endangered) gilt. Als gefährdet (VU, Vulnerable) gelten der Jentink-Ducker (Cephalophus jentinki) und der Zebraducker (Cephalophus zebra). Der Abbot-Ducker (Cephalophus spadix) ist stark gefährdet (EN, Endangered). Alle anderen Arten sind nicht gefährdet.

Systematik der Ducker

Kronenducker (Sylvicapra grimmia)
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Kronenducker (Sylvicapra grimmia)
Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor)
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Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor)

Blauducker und Maxwell-Ducker werden auch in einer separaten Gattung mit der Bezeichnung Philantomba geführt.

Unterfamilie: Ducker (Cephalophinae)

Gattung: (Cephalophus)
Art: Sansibar-Ducker (Cephalophus adersi)
Art: Rotducker (Cephalophus natalensis)
Art: Harvey-Ducker (Cephalophus harveyi)
Art: Schwarzstirnducker (Cephalophus nigrifrons)
Art: Rotflankenducker (Cephalophus rufilatus)
Art: Ruwenzori-Ducker (Cephalophus rubidus)
Art: Weißbauchducker (Cephalophus leucogaster)
Art: Fernando-Po-Ducker (Cephalophus ogilbyi)
Art: Petersducker (Cephalophus callipygus)
Art: Weyns-Ducker (Cephalophus weynsi)
Art: Schwarzducker (Cephalophus niger)
Art: Abbot-Ducker (Cephalophus spadix)
Art: Gelbrückenducker (Cephalophus silvicultor)
Art: Jentink-Ducker (Cephalophus jentinki)
Art: Schwarzrückenducker (Cephalophus dorsalis)
Art: Zebraducker (Cephalophus zebra)
Art: Blauducker (Cephalophus monticola)
Art: Maxwell-Ducker (Cephalophus maxwellii)
Gattung: Sylvicapra
Art: Kronenducker (Sylvicapra grimmia)

Anhang

Literatur und Quellen

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